Lieber ...,
.....
Das was du über "Mailethik" sagst habe ich auch
schon öfters gedacht. Manchmal fühle ich mich unhöflich wenn ich nicht
reagiere auf irgendetwas das du geschrieben hast. Aber dass ich nicht
sofort schriftlich reagiere bedeutet nicht dass ich deine Mails nicht
genau lese und darüber nachdenke. Übrigens hat es mir sehr gefallen wie
du deinen Montagmorgen beschrieben hast mit dem Vogelgezwitscher. Ich
versuche immer den Gedanken von mir fernzuhalten dass dieser schöne
Gesang etwas anderes als pure Freude ausdrücken könnte.
Vor mir an der Wand über dem PC-Möbel hängt ein Rahmen mit fünf kleinen Fotos aus verschiedenen Perioden meines Lebens.
Das
älteste ist zu Weihnachten aufgenommen. Ich bin vielleicht 10 Jahre
alt. Wir sitzen an einem schön gedeckten Tisch. Ganz links mein Opa
(morfar =Mutters Vater)). Er ist ein grosser, stattlicher Mann. Sein
dunkles Haar ist schon etwas grau und leider kann man nicht die Farbe
seiner intensiv veilchenblauen Augen sehen. Er ist die Person die ich am
meisten geliebt habe von allen meinen Verwandten.
Neben ihm meine
Tante, elegant wie immer in ihrer klassischen Schönheit. Neben ihr ihre
beste Freundin und hinter ihr stehend mein Onkel, der grosse Charmeur
und Frauen-liebhaber (im Wörteruch steht Weiberheld). Ich selbst stehe
zwischen Opa und Tante, ganz hellblond in einem Kleid in dem ich mich
immer besonders schön fühlte. Hinter uns der Weihnachtsbaum (niemand
hatte so schön geschmückte Christbäume wie wir) :-)
Daneben ein Bild aus meiner Studienzeit in Uppsala. Es ist bei einem Fest gemacht worden.
Ich bin superschlank und lache herzlich. Wenn ich es ansehe kann ich
mich genau erinnern wie lustig wir es an solchen Abenden hatten. Ach wie
schön und sorglos das Leben damals war!
Dann ein kleines Passfoto.
Ich sehe ein bisschen aus wie Ingrid Bergman darauf. Auf dieses Bild bin
ich ein wenig stolz, denn ich weigerte mich den Kopf so blöd zu
verrenken wie es die Fotografen oft haben wollen und hielt ihn trotzig
gerade aufgerichtet. :-)
Auf dem nächsten Bild sitze ich an meinem
lieben alten Schreibtisch aus Eichenholz (der jetzt in der Wohnung
meines Mannes steht)und studiere, wahrscheinlich Deutsch. Es war die
erste Zeit in Uppsala und meine "Eltern" hatten noch kein passendes Haus
gefunden. So wohnten wir derweilen in einer Mietwohnung mit unseren
zwei Katzen. Manchmal wenn wir die Tür öffneten stank es sehr im
Treppenhaus und wir dachten: Oh Gott, jetzt hat eine Katze dort
verunreinigt.. aber es war nur jemand von den Nachbarn der
"Surströmming" gegessen hatte. (Sauerheering ist eine schwedische
Delikatesse die man meist in Nordschweden isst). Im Herbst wenn in
Schweden Surströmmingszeit ist, kann man leicht riechen wo es
"Immigranten" aus Norrland gibt. ;-)
Das letzte Bild ist von einem
Strassenfotograf gemacht worden (ich bin 13 Jahre alt) auf der
Kungsgatan (Königsstrasse) mitten in Stockholm. Meine Freundin und ich
sind mit unseren Schultaschen unterwegs nach Hause. Das Zentrum war
sozusagen unser Revier wo wir uns in den langen Pausen herumtrieben.
Wenn wir einmal eine richtig lange Pause hatten nahmen wir sogar die
Fähre nach Skansen (das grosse Freiluftsmuseum) in Stockholm. Hast du
schon davon gehört?
Nun aber genug von Narzissmus sonst wird es dir langweilig ;-)
*
Der
Igel ist also euer Symbol. Wie schön! Wir haben oft Igel in unserem
Garten. Die bringen doch Glück, oder? Es gibt ein so schönes Gedicht von
einem Igel auf schwedisch. Vielleicht bin ich auch einer. Mit Stacheln
um meine Integrität zu schützen.. :-)
Dienstag, 5. September 2017
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