Dienstag, 5. September 2017

Ein Rahmen mit 5 Bildern

Lieber ...,
.....
Das was du über "Mailethik" sagst habe ich auch schon öfters gedacht. Manchmal fühle ich mich unhöflich wenn ich nicht reagiere auf irgendetwas das du geschrieben hast. Aber dass ich nicht sofort schriftlich reagiere bedeutet nicht dass ich deine Mails nicht genau lese und darüber nachdenke. Übrigens hat es mir sehr gefallen wie du deinen Montagmorgen beschrieben hast mit dem Vogelgezwitscher. Ich versuche immer den Gedanken von mir fernzuhalten dass dieser schöne Gesang etwas anderes als pure Freude ausdrücken könnte.

Vor mir an der Wand über dem PC-Möbel hängt ein Rahmen mit fünf kleinen Fotos aus verschiedenen Perioden meines Lebens.

Das älteste ist zu Weihnachten aufgenommen. Ich bin vielleicht 10 Jahre alt. Wir sitzen an einem schön gedeckten Tisch. Ganz links mein Opa (morfar =Mutters Vater)). Er ist ein grosser, stattlicher Mann. Sein dunkles Haar ist schon etwas grau und leider kann man nicht die Farbe seiner intensiv veilchenblauen Augen sehen. Er ist die Person die ich am meisten geliebt habe von allen meinen Verwandten.
Neben ihm meine Tante, elegant wie immer in ihrer klassischen Schönheit. Neben ihr ihre beste Freundin und hinter ihr stehend mein Onkel, der grosse Charmeur und Frauen-liebhaber (im Wörteruch steht Weiberheld). Ich selbst stehe zwischen Opa und Tante, ganz hellblond in einem Kleid in dem ich mich immer besonders schön fühlte. Hinter uns der Weihnachtsbaum (niemand hatte so schön geschmückte Christbäume wie wir) :-)

Daneben ein Bild aus meiner Studienzeit in Uppsala. Es ist bei einem Fest gemacht worden. Ich bin superschlank und lache herzlich. Wenn ich es ansehe kann ich mich genau erinnern wie lustig wir es an solchen Abenden hatten. Ach wie schön und sorglos das Leben damals war!

Dann ein kleines Passfoto. Ich sehe ein bisschen aus wie Ingrid Bergman darauf. Auf dieses Bild bin ich ein wenig stolz, denn ich weigerte mich den Kopf so blöd zu verrenken wie es die Fotografen oft haben wollen und hielt ihn trotzig gerade aufgerichtet. :-)

Auf dem nächsten Bild sitze ich an meinem lieben alten Schreibtisch aus Eichenholz (der jetzt in der Wohnung meines Mannes steht)und studiere, wahrscheinlich Deutsch. Es war die erste Zeit in Uppsala und meine "Eltern" hatten noch kein passendes Haus gefunden. So wohnten wir derweilen in einer Mietwohnung mit unseren zwei Katzen. Manchmal wenn wir die Tür öffneten stank es sehr im Treppenhaus und wir dachten: Oh Gott, jetzt hat eine Katze dort verunreinigt.. aber es war nur jemand von den Nachbarn der "Surströmming" gegessen hatte. (Sauerheering ist eine schwedische Delikatesse die man meist in Nordschweden isst). Im Herbst wenn in Schweden Surströmmingszeit ist, kann man leicht riechen wo es "Immigranten" aus Norrland gibt. ;-)

Das letzte Bild ist von einem Strassenfotograf gemacht worden (ich bin 13 Jahre alt) auf der Kungsgatan (Königsstrasse) mitten in Stockholm. Meine Freundin und ich sind mit unseren Schultaschen unterwegs nach Hause. Das Zentrum war sozusagen unser Revier wo wir uns in den langen Pausen herumtrieben. Wenn wir einmal eine richtig lange Pause hatten nahmen wir sogar die Fähre nach Skansen (das grosse Freiluftsmuseum) in Stockholm. Hast du schon davon gehört?
Nun aber genug von Narzissmus sonst wird es dir langweilig ;-)

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Der Igel ist also euer Symbol. Wie schön! Wir haben oft Igel in unserem Garten. Die bringen doch Glück, oder? Es gibt ein so schönes Gedicht von einem Igel auf schwedisch. Vielleicht bin ich auch einer. Mit Stacheln um meine Integrität zu schützen.. :-)

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