Dienstag, 21. Februar 2017
Wir werden sehen - Sinn des Lebens
Liebe Marlena
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Ein chinesischer Bauer lebte in einem Dorf am Fusse des grossen Berges. Eines Tages war sein Pferd aus dem Stall verschwunden. Der Bauer war sehr verwundert, konnte sich die Sache aber nicht erklären. Und die Leute des Dorfes sind zu ihm gekommen und haben ihr Mitleid ausgesprochen für den schweren Verlust dieses schönen Pferdes. Der Bauer aber liess sich nicht betrüben und sagte bloss: Na ja, wir werden sehen. Zwei Wochen später stand sein Pferd wieder im Stall. Aber es war begleitet von einem Wildpferd, das sich ihm angeschlossen hatte. Und wieder kamen die Leute des Dorfes, diesmal, um den Bauer zu beglückwünschen. Hatte er nicht soeben ein Pferd gewonnen. Doch der Bauer sagte bloss: Na ja, wir werden sehen. Es verging nicht viel Zeit, und der Sohn des Bauern stürzte vom wilden Pferd und brach sich ein Bein, als er versucht hatte, es zu reiten. Die Leute des Dorfes kamen wiederum zum Bauern, um ihm ihr Beileid auszudrücken. Doch der Bauer sprach bloss: Na ja, wir werden sehen. Keine Woche später erschienen staatliche Beamte im Dorf, um Soldaten für die Armee auszuheben. Und sie nahmen alle jungen Männer, die im besten Mannesalter waren und in der Arbeit dringend benötigt wurden, mit, damit sie in der Armee ihr Leben riskieren würden. Nur den Sohn unseres Bauern konnten sie nicht mitnehmen, denn er hatte sein Bein gebrochen. Und wiederum kamen die Leute des Dorfes, um den Bauern zu beglückwünschen. Und wiederum antwortete er ihnen: Na ja, wir werden sehen.
Was ist der Sinn des Lebens? Was ist ein positives und was ist ein negatives Ereignis im leben. Das kann man im Grunde erst am Ende des Lebens sagen. Aber die meisten Menschen können nicht so lange warten und geben den Ereignissen sofort einen Sinn. Es gibt da natürlich Pessimisten und es gibt Optimisten. Die Optimisten, die die Kraft haben, ihr Leben positiv zu sehen, die auch in widerlichen Ereignissen noch positive Möglichkeiten sehen, sie bauen ihr Leben wie ein Turm. Die alten Steine sind stabile Grundlagen für die nächsten Steine. Sie geben dem Turm einen guten Halt. Die Pessimisten werfen jede Menge guter Steine weg, weil sie sie für schlecht befinden. Und so kommen sie nicht richtig vorwärts mit dem Bau.
Ich habe Dir erzählt, dass meine Mutter gestorben ist, als ich ungefähr 11 Jahre alt war. Das war eine Katastrophe, das war für mich ein wahrer Weltuntergang. Ich war als Kind immer sehr Heimweh nach meiner Mutter, während mein jüngerer Bruder viel selbständiger und reifer gewesen zu sein schien. Es war wirklich eine Katastrophe für uns alle (wir waren drei Kinder, und die Mutter ist nach der Geburt des vierten gestorben). Mein Vater war völlig hilflos. Und ich war durcheinander und auf eine gewisse Art total heimatlos. Und ich fühlte mich auf eine diffuse Weise sogar schuldig an ihrem Tod.
Ich will nicht behaupten, dass ich all diese Geschehnisse als Glücksfälle in meinem Leben sehen würde. Aber ich muss doch sagen, sie sind Teil meines Lebens. Sie haben mir nicht nur geschadet, sondern sie haben mich vielleicht auch auf eine Weise aufgebaut. Auf jeden Fall war meine Stiefmutter dann die viel begabtere Mutter, intelligenter, fantasievoller, grosszügiger. Meine Mutter war eigentlich ziemlich pedantisch gewesen.
Also, was soll man dazu sagen? Man soll sagen: Na ja, wir werden sehen!
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