Dienstag, 21. Februar 2017

Vorher möchte ich ...

  Liebe Marlena

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Die Freiheit des Menschen ist ein grosses Thema. Auch das interessiert mich sehr. Aber vielleicht habe ich im Moment etwas wenig Zeit, mich damit zu beschäftigen. Ein andermal, obwohl es ein Lieblingsthema für mich ist. Aber vorher möchte ich auf meine eigenartige Formulierung zurückkommen, von der du mich fragst, ob ich Lust hätte, sie dir näher zu beschreiben. Du bist in der Tat sehr diplomatisch, wie du fragst! Das macht dich elegant, Marlena, hast du das gewusst? Das finde ich sehr kultiviert. So viel, wie ich es selbst nicht bin. Ich bin direkt und manchmal sogar recht ungeschickt.

Also: die "platonischen Zärtlichkeiten". Du hast mir wunderhübsche Komplimente gemacht im letzten Mail. Ich habe sie "Zärtlichkeiten"; genannt. Es sind doch eigentlich Zärtlichkeiten.

Überigens, da muss ich was Lustiges dazwischenschieben. Im Wallis sagt man, wenn zwei Menschen verliebt sind, sie "karisieren". Als Junge habe ich mich immer gewundert über dieses Wort. Es klang sehr technisch in meinen Ohren. Aber es ist natürlich der französische Einfluss, kommt von caresser (so lautet es doch, oder nicht?).

Also, Deine Komplimente sind wie Zärtlichkeiten. Aber unter Zärtlichkeiten verstehen wir doch meist körperliche Liebkosungen, Küsse, Streicheln usw. Um diese Vorstellung zu neutralisieren, weil sie dir, dem Eisberg, ja wohl nicht sonderlich gefallen würden, habe ich sie platonisch genannt. Du wirst wissen, was platonisch meint. Wir sprechen auch von der platonischen Liebe, die ohne Sexualität und ohne Körper sein soll, wie die Leute sagen. Deshalb diese komische Formulierung: platonische Zärtlichkeiten. Es war ein Kompromiss, ganz einfach!

Damit sind die Rätsel für den Moment gelöst.

Ich bedaure dich um deine Erkältung und hoffe, dass du bald wieder gesund und munter bist.

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