Montag, 6. Februar 2017
"ein begabter Vergesser" bei vollem Nebel
Ämne: freitagmorgenbeivollemnebel
Datum: den 5 december 09:53
Liebe Malou
Ob man wirklich nichts vergisst im Leben, das weiss ich nicht. Also bei mir ist das nicht der Fall. Und sollten Hypnotiseure behaupten, es wäre anders, dann muss ich mich als Weltwunder bezeichnen. Ich kann vieles und mit Leichtigkeit vergessen. Ich bin ein sehr begabter Vergesser. Und manchmal bin ich so bass erstaunt, dass etwas war, wie ich es nie für möglich gehalten hätte, dass ich denke, ich wäre während dieses Ereignisses wohl für einen Moment in einer anderen Welt gewesen, um rasch einige kleine Kommissionen zu erledigen. Oder vielleicht bloss im anderen Zimmer? Aber natürlich ist das so genannte Altzeitgedächtnis ein riesiger Speicher, und die wichtigen Erlebnisse sind ganz eigentlich in den Körper eingebrannt, in Muskelspannungen und Sinnesbahnen. Deshalb kommen Erinnerungen so leicht zurück über Geschmacks- und Geruchsempfindungen, und wohl auch über motorische und taktile Erinnerungen. Siehe Prousts Madeleines, eine Erinnerungsfigur, die er offenbar bei Wagner abgeschrieben hat, wie ich kürzlich in einem Artikel gelesen habe. Aber ich glaube nicht, dass er so was abschreiben musste. So etwas weiss doch jeder Mensch irgendwie in seiner privaten Welt.
Ich stelle mir unsere Gedächtnisse vor wie riesige Schubladen, in denen wie in einem Trödlerladen alles kreuz und quer herumliegt. Und weil all diese Dinge und Menschen, alle Farben und Materialien damals einmal einen gewissen Zusammenhang gehabt haben, sei es, dass sie gleichzeitig in einer Szene aufgetaucht sind, sei es, dass sie unter anderen Verbindungen gestanden haben. Weil sie also zusammen in Verbindung stehen und deshalb auch in derselben Schublade lagern, deshalb braucht es ein bisschen Zeit, und alle kommen sie in der Erinnerung wieder zum Vorschein. Manchmal bekommst du einen kleinen Zipfel in Griff, und du zupfst ein bisschen, und schon kollern die nächsten Dinge hinten nach und bald fühlst du dich in der ganzen Schublade wieder heimisch. Aber es braucht ein bisschen Zeit. Man muss sich aufwärmen in der Schublade, um dieses Sensorium zu entwickeln. Man tut gut daran, zu erzählen. Wenn man bloss am Rande steht und hineinschaut, oder vielleicht darüber hinweg sieht, dann kommt einem kaum etwas zurück in die Erinnerung.
Und wenn man den NLP-Spezialisten folgt, dann könnte man annehmen, dass es spezifische Erinnerungen sind, die dich zurückbringen. Der eine hat eine Vorliebe für auditive Erinnerungsfetzen, der andere für visuelle, und so weiter. Im letzten Hypnose-Kurs hatte der Instruktor behauptet, in Trance kämen vor allem komplementäre Sinnesqualitäten zum Vorschein. Wer also im Alltagsleben vor allem visuell funktioniert und diese Modalität im Vordergrund hat, bei dem ist wahrscheinlich, dass er in Trance vor allem auditive Erlebnisse hat.
Das ist schon möglich. Ich habe es bei mir nicht festgestellt. Aber sagen wir, du siehst eine hübsche Frau, ein apartes Wesen mit gepflegtem, vollem Haar, einem hübschen offenen Gesicht und einer Figur, die dich gleich in der Bauchgegend kitzelt … und sie weiss um diese Qualitäten, indem sie sich hübsch kleidet und so ihre Signale noch verstärkt … und dann beginnst du mit ihr ein nebensächliches kleines Gespräch und du findest - nach den ersten Sätzen - alles nur noch halb so verführerisch. Du siehst plötzlich alles Gewöhnliche an ihrer Art, wie sie sich gibt. Die Alltäglichkeit dringt durch all ihre Poren. Da ist es doch wohl möglich, dass die auditive Dimension alles verändert hat. Man merkt es kaum, aber oft ist die Musik das Element, das im Kriminalroman die Spannung herstellt. Mindestens unterstützt es diese Tendenz. Ja, im Film ist es vielleicht noch deutlicher als bei der Frau. Die Musik provoziert gewisse Gefühlslagen, und dann erst kommt die Szene, die du visuell verfolgen kannst.
Deshalb ist es von Vorteil, wenn man eine Stimme hat wie jene Lis Assia. Sie verzaubert die gesamte Erscheinung und man hat die Welt schon gewonnen, noch bevor man überhaupt etwas getan hat.
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Ich bin gestern rechtzeitig nach Hause gegangen, um meine Müdigkeit zu pflegen, habe vor dem Fernseher bei Fliege fast eine Stunde geschlafen und abends Walter empfangen. Er macht sich Sorgen um seine Kinder. Der Sohn (eigentlich der seiner Freundin) zieht aus und zu seiner Freundin nach Luzern, während die Tochter, die mit ihrem Freund seit 5 Jahren zusammen lebt, offenbar eine Beziehungskrise hat und sich neu umsehen muss.
Manchmal dreht sich das Leben ein bisschen im Kreis
Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende.
Mit lieben Grüssen
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