Liebe Malou
Lass mich dir wieder einmal ein
ausgewachsenes Mail schreiben. Ich glaube, heute morgen habe ich Lust
und ein bisschen Zeit dazu.
Immer, wenn ich mir dich vorstelle,
sehe ich dich still in einem warmen Häuschen in winderlicher Landschaft.
Du bist am Fersehen, am Bügeln, Telefonieren oder Lesen vielleicht. Du
bist still und zufrieden in deiner gemütlichen Situation. Und K stelle
ich mir vor irgendwo in einem anderen Raum, mit irgendwas wie PC, TV
oder einem anderen Projekt beschäftigt. Aber es ist alles ruhig und
friedlich und geht seinen gewohnten Gang, ohne Aufregung, ohne zu grosse
Überraschungen. Du hast es doch gut mit deiner Frühpensionierung Malou,
nicht wahr?
Und ich bin beschäftigt durch und durch. Gestern, als ich nach sovielen Krankheitstagen wieder zurück im Büro sass, war mein Pult voll von Papieren und laufenden Projekten und Dingen. Das ist das Schlimmste an Krankheiten, auch an Ferien, dass man in solch überhängende Situationen zurückkehren muss, wo alles schreit nach Erledigung und Erledigt-sein. Aber ich glaube, es ist nicht so schlimm. Man darf auf dieses Schreien nicht allzu genau hinhören. Man darf sich davon nicht nervös machen lassen. Das würde rein gar nichts bringen.
Und ich bin beschäftigt durch und durch. Gestern, als ich nach sovielen Krankheitstagen wieder zurück im Büro sass, war mein Pult voll von Papieren und laufenden Projekten und Dingen. Das ist das Schlimmste an Krankheiten, auch an Ferien, dass man in solch überhängende Situationen zurückkehren muss, wo alles schreit nach Erledigung und Erledigt-sein. Aber ich glaube, es ist nicht so schlimm. Man darf auf dieses Schreien nicht allzu genau hinhören. Man darf sich davon nicht nervös machen lassen. Das würde rein gar nichts bringen.
Und so versuche ich einfach, die
Dinge, die anstehen, zu erledigen. Vielleicht haben wir Männer die dumme
Angewohnheit, dass sie bei all ihren Dingen, die sie zu tun haben, den
Eindruck geben wollen, es sei etwas Grosses, Wichtiges, Dringliches und
Einzigartiges. Ja, das glaube ich irgendwie nach all den Jahren, dass
wir Männer uns mit diesen Tätigkeiten und Pflichten selbst beschweren
und selbst erhöhen wollen. Deshalb machen wir sie schwierig und
wichtig und dringlich und weiss was alles. Unsere Gefühle dienen dazu,
die Geschäfte aufzublasen, mit denen wir zu tun haben. Ich sehe das bei
meinem Mitarbeiter. Bei ihm ist es überdeutlich. Jedes Mail, das er
schreibt, versieht er mit dem Zeichen "besonders wichtig". Jedes! Ich
bin nicht so. Aber ich bin eben auch ein Mann, also werde ich diese
Angewohnheit auch ein bisschen mit mir tragen.
Was wäre wenn es anders wäre. Wir
Männer würden uns unwichtig, leichtgewichtig, unbedeutend, unwürdig
vorkommen. Es würde uns die Bedeutung fehlen, die wir uns im Kontakt mit
anderen Leuten wünschen. Wir könnten ja dabei nicht über schwierige,
dringliche, wichtige und bedeutende Dinge erzählen, womit wir gerade
beschäftigt seien. Ja, wir wären so leicht und unbedeutend, dass jeder
Windstoss uns dahinblasen könnte.
Ich habe in den paar Tagen, da ich
zuhause lag und meine Lungenentzündung auskuriert habe, gezeichnet. Die
Zeichnungen sind klein. Aber ich habe sie mit Stiften koloriert.
Vielleicht kann ich ein paar davon scannen, dann werde ich sie dir
zeigen? Sie sind so wie damals die Zeichnung mit der Dame, die bügelt,
und mit den armen Seelen an der Wäscheleine. Erinnerst du dich? Anna
hatte dich gefragt, ob du das seist, diese Dame, die da einigermassen
elegant auf Stand- und Spielbein die verknitterten Sprechblasen bügelt.
Ja, das ist nun auch schon wieder einige Jahre her. Ach, wie die Zeit
vergeht. Und auf gar keine Weise lässt sie sich stoppen oder auch nur
bremsen!!
Nächste Woche habe ich Ferien. Hier
in der Gegend wird Fastnacht sein. In Basel selbst kommt sie dann eine
Woche später. B macht in Bern Fastnacht. Bern hat als reformierte
Stadt allerdings keine lange und echte Fasnachtstradition. Ich glaube,
die Protestanten hatten damals nach der Reformation das wüste Treiben
und Trinken verboten. Aber seit einigen Jahren hat man in Bern doch
angefangen, Fastnachten zu etablieren und feiern. Und was B und ihre
Gruppe dabei machen, zeigt doch, dass es nicht bloss ein wildes
Strassenfest ist, sondern kulturell auch ansprechend. (---)
Ich selbst will in diesen
Ferientagen noch meinen Keller durchsehen. Ich habe dort noch einige
Kisten mit Büchern und Dingen, die ich vielleicht auspacken sollte. Du
siehst Malou, ich bin auch nach einem Jahr noch nicht 100% eingerichtet.
Aber ich muss auch dafür sorgen, dass ich nicht zuviele Dinge in meine
engen vier Wände stelle. Ich bin schon heute an der obersten Grenze. Ich
mag das eigentlich. Aber es wird alles ein wenig eng. Das schlägt sich
mit der Zeit auf die Seele nieder. Wahrscheinlich sollte ich einige
Bücher weggeben. Aber ich habe ungeheure Schwierigkeiten damit. Es gibt
viele Bücher, von denen ich weiss, dass ich sie niemals mehr in meinem
Leben werde lesen können oder wollen. Und dennoch macht es mir Mühe, sie
einfach so wegzugeben. Ich habe sogar etliche, um nicht zu sagen viele,
die ich noch nicht gelesen habe. Darunter sind zahlreiche Bildbände
über Maler aus den verschiedensten Stilepochen. Ach, es ist verrückt,
wenn man Bücher auf Vorrat kauft. Es ist wirklich verrückt. Ein Freund
von mir hat das Prinzip, dass er alle Bücher, die er gelesen hat,
schliesslich weitergibt. Er schenkt sie Bekannten und Freunden in der
Hoffnung, dass auch sie sie lesen würden. Er hatte mir vor einigen
Jahren auch eins gegeben. Aber ich habe es nocht nicht gelesen. Vorne
drin steht geschrieben "Kreta" und eine Jahrzahl. Wahrscheinlich hatte
er den Band in den Ferien am Meer gelesen. Und natürlich findet man ein
Buch, welches man am schönen Meeresstrand in wundervollem Sonnenschein
lesen kann, ein besonders gutes Buch. Eigentlich sollte man diesen
ersten Eindruck durch eine zweite Lektüre an schweizerischen Regentagen
nochmals testen. Bestimmt wirkt die Geschichte dann ganz anders. Aber er
hatte es gut gemeint mit mir. Vielleicht werde ich es mir ja noch
vornehmen. Es ist ein italienischer Autor und heisst irgendwie "die
Entstehung der Welt von Gott geschrieben" oder so ähnlich. Ist das für
eine Katholikin nicht ein bisschen blasphemisch?
Jetzt will ich langsam zu einem Ende kommen, sonst wird das Mail zu schwer und gewichtig und bedeutsam.
Ich wünsche dir einen feinen Tag Malou
Mit lieben Gs und Ks
...
...
Thank you,Yannis!
AntwortenLöschenI appreciate that you took the time to leave such a kind comment.
Malou