Montag, 12. Oktober 2015

Montag Morgen - (08:49)


Liebe Marlena

Ja, Du hast Recht, ich habe das Mail mit dem glühenden Rathaus in Stockholm schon früher gesehen. Aber der Schnitt war anders. Im früheren Bild standest Du nicht allein im Wind. Deshalb habe ich mich nicht sogleich dran erinnert. Erst an Deiner Kleidung, offen gesagt, habe ich es bemerkt. Damals war mir aufgefallen, wie chick Du Dich anziehst mit diesen verschiedenen Grau- und Schwarztönen. Diese Farben betonen alle anderen kleinen Farbtupferchen, die aus der Reihe fallen, den Lippenstift, die Augenlieder oder sonst was, nicht wahr?

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Wir haben ein schönes und ziemlich mildes Wochenende hinter uns. Weil ich aber am Freitag krank war, habe ich am Samstag ziemlich viel gearbeitet. Aber ich bin auch rasch in die Stadt gefahren und ein bisschen zwischen Klein- und Grossbasel herum flaniert. Es ist schade, Walter geht nicht gerne in die Stadt, sonst könnten wir uns am Samstag Morgen in irgend einer Kaffeebar (er trinkt auch nicht gerne Kaffee) treffen und einen tüchtigen Wochentratsch über die Theke schieben. Das wäre sehr angenehm und wir könnten die städtische Atmosphäre geniessen. Ich mag sie einfach sehr, ich glaube viel mehr als früher. Früher habe ich es genossen, am Samstag im Garten zu arbeiten, als die Kinder noch klein waren und sich auch irgendwie im Garten beschäftigt hatten. So muss ich mich heute mit den Buchläden in der Stadt begnügen und bringe jedes Mal irgend einen Fund nach Hause.

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Onkelchen war noch nicht bereit gestern. Er kam in einem ziemlich alten Hemd herunter, wo das langärmlige Unterleibchen hervorschaute. Und er fragte, ob er noch Zeit hätte, sich zu rasieren. Offenbar war er erst gerade aufgestanden. Meist öffnet er dann die Türen vorne und hinten im Haus, damit wir eintreten können, und er tappt nochmals hinauf, um seine Morgentoilette zu beenden. Er möchte so verhindern, dass wir läuten und dann minutenlang an der Türe stehen müssen, bis er die Treppe heruntergeturnt ist. Für ihn ist diese Treppe mittlerweile zu einem grösseren Hindernis geworden. Er geht jetzt meist mit seinem Stock herum und nicht mehr freihändig, wie früher. Ach, es ist nicht besonders angenehm, so alt zu werden. Aber er klagt nicht.

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Eine Kollegin hat mich letzte Woche gefragt, ob ich ihr für einen Vortrag einige Zeichnungen machen würde. Sie besucht einen Führungskurs und hat die Aufgabe, Aspekte ihrer Führungsarbeit zu benennen und zu charakterisieren. Sie wollte, dass ich sie (natürlich wollte sie nicht, dass ich sie selbst zeichne, aber eine weibliche Person), dass ich also sie in der Rolle eines Kapitäns, eines Sähers, eines Katalysators, eines Beraters und eines Seismographen zeichne. Das war eine schöne Arbeit und ich habe mir Mühe gegeben, sie ein bisschen lustig zu zeigen, durchaus ein bisschen mit sexy Formen, was sie in natura nicht besonders hat. Ich hoffe, sie fühlt sich nicht zu sehr verulkt. Es ist wirklich angenehm, sich Zeit nehmen zu können um zu zeichnen. Ich habe das am Freitag gemacht, nachdem ich richtig ausgeschlafen hatte. Dann konnte ich in der Stube herumtrödeln und lesen und solche Dinge tun. Die schwierigste Sache war vielleicht die Darstellung des Katalysators. Was ist ein K? Und wie kann man ihn zeichnen, damit alle sofort verstehen, was gemeint ist. Schliesslich habe ich sie mit einer riesigen Fackel gezeichnet, mit welcher sie ihren Patienten oder Klienten (wie wir sie nennen) den Hintern einheizt.

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Und heute muss ich mich noch auf die Sitzung vorbereiten. Ich habe mittwochs eine Diskussion am Radio, für die ich mich noch etwas einlesen muss.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag.

Mit lieben Grüssen

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