Freitag, 28. März 2014
Gestern und heute
Ämne: Tue
Datum: den 26 mars 08:31
Liebe Marlena
Ach, heute ist es sündhaft kalt, aber doch sonnig. Ich komme soeben von
Basel zurück. Allerdings hatten wir kein Meeting. So habe ich in einem
Restaurant Mittag gegessen und bin anschliessend etwas durch die Strassen
gestreunt. Das tue ich gerne, wenn ich Zeit habe. Und in meiner Jugend habe
ich dies nachmittagelang getan. In gehobener Sprache nennt man das
bekanntlich Flanieren, was sich ja auch viel intellektueller und eleganter
darstellt. Ich aber streune immer noch, wie die Hunde, die man losgelassen
hat.
Natürlich war ich bei Jaggy, meinem Buchladen, um zu sehen, ob irgend eine
interessante Neuerscheinung vorliegt. Und dann haben sie im Soussol momentan
noch diesen Ausverkauf mit Büchern, wie Du das ja auch beschrieben hast.
Letzte Woche habe ich dort ein gutes Buch von Neil Postman gefunden. Kennst
Du ihn? Er ist ein amerikanischer Mediensoziologe. Und dieses neue Buch, das
vor 2 Jahren erschieden ist, ist ziemlich philosophisch und gefällt mir sehr
gut. Sein englischer Titel heisst: A Bridge to the Eighteenth Century. Er
will, mit anderen Worten, die bewährten Errungenschaften und Erfindungen der
Aufklärung ins 21. Jahrhundert retten. Ein Konservativ-Rezept also. Aber er
schreibt sehr sympathisch und das hängt wahrscheinlich auch daran, dass er
schon älter ist. Natürlich hat die Aufklärung einige ziemlich kluge Dinge
erfunden, wie etwa die Kindheit, die Erziehung, die Demokratie, die
Nationalsprachen, die Zeitungen, die Kaffeehäuser (remember?), die vielen
technischen Erfindungen, und das Briefeschreiben nota bene!.
*
Jetzt ist bereits Dienstag. Gestern war ich unvermittelt unterbrochen
worden. Ich musste endlich den Bewerberinnen und Bewerbern absagen, die wir
nicht in die engere Wahl genommen hatten. Das ist immer eine undankbare
Angelegenheit, denn die meisten Menschen nehmen eine solche Absage
persönlich und wollen gerne genauer wissen, warum sie nicht angestellt
wurden. Aber das kann man nicht erklären, und es ist auch nicht eine
persönliche Nicht-Wahl. Man hat sich einfach für eine andere Person
entschieden. Und die Gründe dafür sind letzten Endes manchmal sehr subjektiv
und nichtssagend. Das Leben ist manchmal eben sehr hart und grausam. Man
sollte sich mit ihm nicht unnötig anlegen, sondern es akzeptieren, wie es
ist. Liebe Dein Schicksal, Du hast keine andere Wahl, so oder ähnlich hat es
doch Nietzsche gesagt.
Und nach diesem Tag habe ich abends noch etwas meine Bibliothek aufgeräumt.
Habe ich Dir eigentlich schon erzählt, dass Walter letzten Donnerstag meinen
PC geflickt hat. Es ging dann alles sehr rasch. Er hatte den Netzteil im
Internet bei einem Canadier gefunden und gekauft. Der hat ihm das Ding
zugeschickt. Und nun läuft mein lieber PC wieder, praktisch mit einem
Spenderherz. Ich hätte das nie geglaubt, dass dies noch gelingen wird. Aber
schliesslich brauchte Walter keine halbe Stunde mehr, um das Ding
zusammenzusetzen. Und die drei Schrauben, die übrig geblieben sind, stören
mich nicht weiter. Und schliesslich wollte er nicht mal, dass ich ihm die
Unkosten bezahle. Er hat was gesagt von Freundschaft und so. Ist er nicht
ein guter Kerl?
Auf jeden Fall kann ich jetzt daran weitermachen, meine Dokumentation zu
verarbeiten. Ich bin schon beim Dokument Nummer 1026. Und das macht etwa
10 Kartonschachteln Papier. Ist wirklich fantastisch, wenn alles in diesen
Schachteln versteckt bleibt, und nicht lose auf den Gestellen herumliegt.
Walter hat mir geraten, stets auch eine Sicherungskopie auf eine Disk zu
kopieren. Und das tue ich jetzt auch regelmässig. Du siehst, ich bin ganz
brav geworden, und ich geniesse es, dass meine Räume bald wieder etwas
wohnlicher geworden sind.
(---)
Hoffentlich wird es bald wieder wärmer. Heute Morgen war gefroren. Ich bin
schon um 04h aufgewacht und habe versucht, mich nochmals in den Schlummer
hinein zu drehen. Aber es gelang mir nicht. Ich hörte 430h schlagen, dann
0500h. Um 5.15h ging mein Wecker, der immer noch Sommerzeit anzeigt. So bin
ich um 5.30h aufgestanden und um 06.00h auf den Zug. Und jetzt ist es 7.30h,
und ich könnte bereits wieder schlafen. Nun ja, wir werden sehen, wie ich
den Tag überstehe.
Ich hoffe, Du hast besser geschlafen und bist munter. Den Rest schafft ja
dann die Tasse Morgenkaffee, nicht wahr?
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit lieben Grüssen
...
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