Sonntag, 16. März 2014

Fortsetzung




Wie schön, dass du unsere maladi gegen meine Vermutung verteidigst, sie könne mich von der Arbeit abhalten. Ach, wie du recht hast, Marlena, und wie dein Denken schöne Wendungen findet, so so dass ich aus meinen Engnissen zwischen Scylla und Charybdis loskomme! ...  Ich danke dir für diesen kleinen Schubser mit dem Ellbogen.  ...
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Ich habe soeben meinen Brief von gestern nochmals überflogen. Entschuldige die Fehler, über die ich jetzt plötzlich da und dort stolpere. Es ist mir ein bisschen peinlich dir gegenüber, wenn ich daran denke, wie du schreibst. Ich hoffe, es stört dich nicht zu sehr und du verstehst trotzdem, was ich meine.
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Und du hast gerade noch einmal Recht mit dem Zusammenhang zwischen Stressniveau und Ordnung. Ich versuche auch, immer wieder, auf der Strecke zwischen den beiden Polen Chaos und Ordnung so weit wie möglich rechts einzubiegen. Aber immer kriege ich die Kurve in Gottes Namen nicht. Und diese schlimmen Strassenverhältnisse! Ich weiss, dass du Recht hast, aber manchmal muss man auch ein paar Fehler tun dürfen. Nicht wahr, meine Liebe? Ich gebe mir ja sonst ziemlich Mühe in meinem Leben. Und wir haben hier eine nette junge und sympathische Putzfrau. Wenn sie mein Büro macht, so richtet sie auf dem Pult all die vielen Dinge ein bisschen, legt die Stifte gerade, die Papiere im rechten Winkel, alles ordnet sie auf eine bescheidene und minimale Weise innerhalb der übergeordneten Unordnung. Es ist kein grosser Unterschied, aber es ist ein Unterschied. Und wenn ich am Morgen komme, habe ich den Eindruck, dass ein wohlwollender Engel über mein Pult hinweggeschwebt sei und seine guten Wünsche auf dem Pult hinterlassen habe. Es gibt wirklich ein gutes Gefühl, man würde es nicht denken, und ich sage ihr das auch immer wieder. Dann ist sie stolz und strahlt.
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Jetzt geht es schon gegen Abend. Und ihr werdet bald vom Zahnarzt heimkehren. Ich bin so gut wie erledigt. Ich habe im Büro nachmittags fast nichts anderes gemacht als Bücher eingeordnet, Möbel herumgeschoben und Bilder neu aufgehängt. Und du hast mir dabei geholfen. Allein schon dieser Gedanke hat mich vergnügt gemacht. Du bist eine liebe Kameradin, Marlena.
Sicher kennst Du diesen Geruch verstaubter Bücher, und die trockene Luft in der Nase. Man fühlt sich ganz schmutzig zum Schluss. Aber mein Büro ist einigermassen bewohnbar geworden. Ich könnte dich heute abend für einen Apero empfangen. Einen schönen und vergnügten natürlich, keinen verdorbenen. Jetzt sieht der hintere Teil meines Büros aus wie eine Bibliothek, sagen wir in einem Tudor-Schloss, nahezu ;-). Nein nicht ganz, aber es sieht ein bisschen schwer aus, mit diesen Gestellen aus Nussbaumholz, die fast bis zur Decke reichen. Vorher hatte ich ein Gestell, jetzt habe ich noch zwei zusätzliche. Im Grunde war vorgesehen, dass ich das alte zurückgebe. Nun habe ich es aber auch behalten. Es sieht jetzt alles ziemlich aus wie eine Wohnwand in der Stube. Speziell mit dem Schaukelstuhl, der noch in der Ecke steht. Es wirkt sehr intellektuell und man denkt, ich würde jeden Moment die Cognac-Flasche holen, um während des kleinen literarischen Streitgesprächs daran zu nippen. Die paar Bändchen mit den Rilkegedichten stehen oben links an der Rückwand, ein bisschen diskret. Nur, damit du weißt, wo du sie suchen musst, sofern du sie brauchst. Und vorne, zu den Fenstern hin, habe ich alles so belassen wie es war. Dort sind die Möbel leichter und jetzt auch nicht mehr so voller Bücher. Das gibt dem ganzen Raum Luft. Meine Sekretärin auf jeden Fall findet es toll. Und alle Bilder habe ich wieder aufhängen können. Sie sind alle 3 vom selben Maler, einem Lokalmeister aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Habe ich dir nicht eines davon schon mal geschildert?
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