Dienstag, 11. März 2014

Frühlingszeichen




Lieber ...,
Es ist ein kühler Morgen und auf dem Rasen liegt wieder Frost. Ein dichter Nebel gibt mir den Eindruck auf einer Insel zu sein. Es wird ein schöner Tag werden. Das Licht deutet es an. Und ich liebe diese Zeit vielleicht mehr als alle anderen Jahreszeiten. Sie verspricht Licht, Wärme und Schönheit. Auch hier sehen wir die ersten Zeichen des Frühlings. Am Eingang blüht Krokus und ein paar kleine Primeln leuchten unter dem Kirschbaum. Auch an dem Benehmen der kleinen Kohlmeisen merkt man die Veränderung. Sie sind dabei einen Nistkasten zu wählen.
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Es ist inzwischen Nachmittag geworden. Ich habe den schönen Tag gut genützt und habe mich ein paar Stunden im Garten beschäftigt. Und K hat derweilen einen neuen Nistkasten gemacht. Für einen Menschen hoch aus dem Norden wie er, bedeuten die Vögel etwas ganz besonderes. Sie sind die ersten Boten des Frühlings und man erwartet sie mit Sehnsucht. Nun, ich habe mich gefreut als ich ihn hämmern hörte. Vielleicht ist es eine primitive Freude jemanden etwas bauen zu sehen.. ;-) Als Material hat er eine Kiste aus Holz verwendet in der er von einer Reise Wein mitgebracht hatte und als ich später das Meisterwerk inspektiert habe, konnte ich feststellen dass es nicht nur sehr gut gelungen war sondern dass auch auf der Vorderseite mit schönen Buchstaben ”Château Bellevue 1997” eingraviert war. :-)
Heute Nacht haben wir die Uhren eine Stunde vorgestellt und also muss ich morgen eine Stunde früher aufstehen. Nicht was ich mir wünsche...
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Nun ist K wieder abgereist und ich werde mich eine Weile mit Vorbereitungen für Morgen beschäftigen. Ich muss lachen, wenn du von einem ”alten General” sprichst. Wenn er wenigstens alt wäre. Aber er ist jünger als ich und wie du sagst sehr unerfahren in der Pädagogik was ihn auch zu einer leichten Beute aller Bluffer macht. Mehrere Kollegen haben schon diese Befahrungen geäussert wenn sie sehen von welchen Leuten er sich beeinflussen lässt. Aber man weiss ja nicht was er im Inneren denkt obwohl er schon ein paar Mal Ideen hervorgebracht hat, die uns den Atem stocken liessen. Du brauchst mich also nicht um meinen Chef zu beneiden. Dagegen würde ich Dir so liebe Kollegen wünschen wie ich sie in meiner Nähe habe. Wir verstehen uns und leiden zusammen. Vielleicht ist deshalb unser Umgang so fröhlich und lustvoll.. weil wir ganz einfach dem Schweren etwas entgegensetzen müssen.
Jetzt beginne ich langsam eine Erleichterung zu spüren in meiner Arbeit. Die kommende Woche sind 2 von meinen Klassen auf ”Pryo” (ungefähr Berufsorientierung) und ich werde die freie Zeit benutzen um ein wenig Ordnung in unserer Institution zu schaffen und natürlich auch hier zu Hause.. à la Feng Shui.. ;-)))
Ach, chéri, ich muss lachen über deine wilden Vermutungen. Wenn ich eine Leidenschaft finde dann werde ich Dir gern darüber berichten. Erzählst du mir von deiner???
Nein, weisst du, ich suche nichts Aufregendes mehr im Leben.. ich wünsche mir Stille und Harmonie.. aber..
Als ich gestern nach ein paar Gedichten von Paul Celan suchte (er ist im Moment auf der Tapete, wie wir sagen) fand ich ein anderes kleines Gedicht von einer mir unbekannten Dichterin.

O sag es meinen Augen nicht,
Dass du sie suchst - sonst könnt es sein,
Indes der Herbst schon Kränze flicht,
Bräch’ einmal noch der Lenz herein!

O sag es meinen Träumen nicht,
Dass du sie kennst - sonst könnt es sein,
Nach allem lächelnden Verzicht
Käm einmal noch des Wunsches Pein!

O sag es meinem Herzen nicht,
Dass du mich liebst - sonst könnt es sein,
Ich liess noch spät im Abendlicht
Des Glückes ganze Torheit ein!

Gisela von Berger

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