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Klar, ich hätte auch mit einer der 59 Frauenzimmer (oder muss ich
sagen Adressen) abgehauen sein können! Nach einem unendlich langen
und qualvollen Würfelprozess, welche denn Opfer dieses romantischen
Anfalls sein dürfe. Und nach diesen dämlichen Qualifikations- und
Selektionsprozessen hätte ich die Schönste am Handgelenk genommen
und wäre hinunter nach Ronda durchgebrannt.
Hemingway meint, Ronda eigne sich für ein solches Unternehmen
besonders. Ronda also hätten wir uns geleistet und wären im Hotel gleich
neben der tiefen Schlucht abgestiegen, dort wo man vom ehemaligen
Strassenräubernest in die waldige und hügelige Landschaft hinunter sieht.
Und wir hätten zum spanischen Wein diese riesengrossen und etwas groben
Plätzchen gegessen, die sie in Spanien den Stieren praktisch lebendigen
Leibes aus den Lenden schneiden. Inkognito wären wir auf Rondas
Flaniermeile Arm in Arm auf und ab gegangen, hätten auf die Welt und
ihren unglücklichen Lauf gepfiffen und stattdessen in der wunderhübschen
kleinen Arena ein paar blutig-schöne Corridas besucht.
Und zwischendurch hätte ich mit meiner schönsten Rothaarigen im
Hotelzimmer die Decken aufgewühlt und Bettgestelle flachgelegt. Ein
bisschen barock alles, zugegeben. Ungefähr so wie ein gute Flasche
Malvoisie, prickelnd, komplex und lebenslustig.
Doch, meine liebe Marlena, wie kann ich erklären, dass ich nach drei Tagen
bereits wieder zurück bin?? Der romantische Anfall berücksichtigt nur den
explosiven Entschluss, die hastige Abfahrt, den brennenden Wunsch,
wegzukommen. Doch wie kommt man wieder zurück? Reuigen Herzens?
Asche auf dem Haupt? Triste und voller Schuldgefühle? Oder einfach so,
indem man morgens wieder im Büro sitzt und die aufgelaufenen Pendenzen
angeht? Die Rückkehr ist ziemlich heikel, nicht wahr? Die Romantik denkt
nicht an Rückkehr, wenn sie denn überhaupt denkt! Sie denkt nämlich auch
nicht daran, lebenslänglich in Ronda auf und ab zu gehen. Man müsste dann
ja gelegentlich mit der nächsten der 59 zum nächsten Ort abhauen.
Vielleicht nach Rom mit einer Blonden, nach Paris brunette und
Casablanca schwarz?
Ich bin also von Ronda zurück!
Mit einem lieben Gruss
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Sonntag, 29. Januar 2012
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