Freitag, 13. Januar 2012

nicht Rom

Subject: lent et douleureux
Date: Mon, 29 May 2000 11:03:55 GMT

Liebe Marlena
Weißt du, Marlena, ein wenig bin ich schon erschrocken, als ich heute Morgen meine Ursuppe wieder durchgelesen habe. Es ist sehr tagebuchartig provisorisch vorbewusst, es ist traumähnlich, oder alles so rauschartig wie nach einer Flasche Dôle, die du mir ja nun nicht direkt verboten, aber doch moralisch kontigentiert hast, mein liebes Muttchen (so würde ungefähr Kästner zu seiner Mama sagen). Ich will mir Mühe geben, ein bisschen mehr Ordnung in meine Texte zu bringen, so dass man vielleicht einigermassen verstehen könnte. Es tut mir leid, ich fürchte, du verdirbst dir bei mir noch dein schönes Deutsch. Und das wäre nun wirklich sünd und schade.
*
Du bist wohl im Moment schwer beschäftigt mit den Tests und den Schlussnoten und all den Dingen, die vor den grossen Ferien liegen. Und dann wirst du bald packen müssen für deine Sommerferien. Hast du mir schon gesagt, wohin ihr in Italien fahrt. Habe ich es vergessen? Das kann ich mir fast nicht vorstellen. Ich glaube, du hast nichts genaueres gesagt. Nur, dass es nicht Rom ist, das habe ich erleichtert mitbekommen.
Ich bin noch hin- und hergerissen. Eigentlich habe ich mich schon in die Bereitschaft gebracht, mich mit Rom zu beschäftigen. Ich habe schon die Bücher im Büro und könnte zwischendurch oder an Samstagen anfangen, mich damit zu beschäftigen. Aber dann denke ich, allein möchte ich nicht nach Rom fahren. Die Wirklichkeit an einem Traum zu messen, das kann für die Wirklichkeit nur schlimm herauskommen. Allein könnte ich vielleicht nach Amerika, nach Portugal, nach Pudapest. Ach, ich weiss noch nicht. Ich glaube, im Moment sollte ich mich ein bisschen auf Persien vorbereiten. Der Dumont liegt längst zuhause bereit. Und wenn ich nicht sosehr mit meiner Marlena beschäftigt wäre, hätte ich schon lange damit angefangen.
Siehst du, ich denke immer, Gymnasiasten sollten ...

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