Datum: den 22 maj 2004 07:45
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Der junge Qualtinger
Aus dem Schatten der berühmten Väter herauszutreten
und die eigene Identität zu finden, war wohl
bei keinem der Söhne und keiner der Töchter
eine völlig kampflose Aktion. Schon gar nicht
bei Christian Qualtinger. Obwohl dieser in
seiner asketischen Erscheinung das pure Gegenteil
der sprichwörtlichen Leibesfülle des Vaters
ist. Christian Qualtinger gesteht, dass er
schon «tausendmal» vorgehabt habe, seinen
Namen zu ändern, und dass er dann, am Schalter
des Amts für Namensänderungen, einen Freund
getroffen habe, der ihm sagte: «Überleg's
dir halt noch mal.» Das tat er auch - mit
dem Erfolg, dass er Christian Qualtinger
blieb, der einzige Sohn des «Herrn Karl»,
der unsterblichen, unverzichtbaren und nicht
umzubringenden Galionsfigur des grossen Helmut
Qualtinger, der erst kürzlich vom Wien-Museum
mit einer umfassenden Ausstellung als «Quasi
ein Genie» gefeiert wurde.
Wir treffen uns in einem der beiden Naschmarkt-Pavillons
schräg vis-à-vis dem Theater an der Wien,
zwei kleine, prunkvolle und einander zum
Verwechseln ähnliche Bauwerke aus der Jahrhundertwende,
von denen einer der Nahrungsaufnahme und
der benachbarte deren hierzulande nicht weniger
bedeutungsvollem Gegenteil gewidmet ist.
Der Nahrungsaufnahme-Pavillon, äusserst stimmungsvoll
übrigens, trägt den feierlichen und rätselhaften
Namen «Zur eisernen Zeit». So nannte sich
die sechsköpfige Musikgruppe, mit der Qualtinger
2 sich vor zwei Jahren zusammengetan hat.
Die Musiker liefern die skurril, ja fast
schmerzhaft verfremdete Wiener Musik, er
trägt seine nicht weniger skurrilen Dichtungen
im urigsten Wiener Dialekt bei, die er mit
näselnder Stimme zwischen den Musikstücken
vorträgt. «Zur eisernen Zeit» heisst auch
die jüngst erschienene CD.
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