den 10 september 2001 22:23
Re: na ja ... einfach so
(5)
...
Siehst Du, Marlena, ich habe noch mit niemandem in meinem Leben über meinen Vater gesprochen. Er war wirklich nie ein Thema für mich. Er ist ein technischer Mensch. Und ich habe einige Zeit gebraucht, zu entscheiden, selbst keinen technischen Beruf zu erlernen. In der Mittelschule haben alle rund herum geglaubt, ich würde an die Technische Hochschule in Zürich gehen, weil ich in den mathematischen Fächern offenbar brillierte. Und ich ging dann ja auch an die ETH. Wenn Du mal in Zürich bist, zeige ich Dir die ETH, Marlena. Das alte Gebäude, wo ich damals Architektur studierte, ist von Semper gebaut worden. Er war um die Jahrhundertwende der grosse Architekt, hat in Leipzig die Oper gebaut und in Wien das Burgtheater, wenn ich nicht irre. Es ist wirklich ein monumentaler Bau, die ETH, und wenn Du durch den Haupteingang gehst, fühlst du dich richtig geknebelt. Ich erinnere mich, dass mein Mathematiklehrer am Gymnasium mir gratuliert hatte, dass ich an der ETH studieren würde. Er meinte, es sei eine besondere Ehre, an der Schule, an der Einstein seine Ausbildung genossen hatte, studieren zu können. Ach Marlena, es war sehr dunkel, in diesen Hallen der ETH! Nicht überall, aber in den grossen Hallen war es düster und dunkel. Die Architekturstudenten waren zwar ein lustiges Völklein, mit vielen hübschen Frauen aus dem Tessin und einige aus Island, wie ich mich erinnere. Aber die Atmosphäre war nicht meine Sache. Ich liebte es, in freien Minuten in die Universität zu gehen, die gleich nebenan liegt. Dort gab es den sog. Lichthof, eine grosse zentrale mit Glas überdachte Halle, wo Palmen in Töpfen und viele Tische und Stühle aufgestellt waren. Dort hatte man seine Dates, spielte Karten, ass den Mittagsimbiss, äugte nach Schönheiten, schlürfte den Morgenkaffee, die Cola vor dem Seminar. Das war eine aufgeklärte Atmosphäre! Das war die sonnige Riviera, während die ETH sozusagen den düsteren deutschen Wald repräsentierte.
Die Entscheidung, an die Universität zu wechseln, war nicht leicht. Das war sozusagen auch die Emanzipation von den Vorstellungen meiner Familie, besonders meines Vaters. Ich glaube, er weiss heute noch nicht, was Psychologie eigentlich ist. Ich erinnre mich, als ich im Gymnasium zum ersten Mal Philosophieunterricht hatte. Ich habe mir ausführliche Notitzen gemacht. Und mein Vater hat sich dafür interessiert, gefragt, ob er das auch lesen könne. Ich war sehr erstaunt, dass er sich für Philosophie interessiert. Aber er hat sich nie darüber geäussert. Er hat die Technik für sein Gebiet gehalten, und er hat allen gezeigt, dass er davon was versteht und nicht die anderen. Er hat sich lustig gemacht, wenn ich Watt mit Volt verwechselt habe, oder irgendwelche andere Dinge. In der Technik, da wollte er der Platzhirsch sein. Und so musste ich sozusagen auswandern ins Gebiet der Philosophie und der Humanities. Ich glaube, das war mein Glück. In einem technischen Beruf wäre ich wirklich ausgedorrt.
*
...
Freitag, 9. September 2011
Donnerstag, 8. September 2011
ein technischer Mensch
den 10 september 2001 22:23
Re: na ja ... einfach so
(4)
Es ist lustig, mein Vater hat nie viel geslesen. Als Ingenieur hat er sich auf Facts konzentriert. Nein, es ist falsch zu sagen, er hätte nicht viel gelesen. Er hat ganze Sonntagnachmittage Fachzeitschriften gelesen, ohne Begeisterung, unterbrochen mit kleinen Schläfchen auf dem Sofa in der Stube. Manchmal hat er sich auch Energie angegessen, indem er in der Küche eine ganze Hand voll Haselnüsse holte und genüsslich zermalmte. Nein, er hat immer viel gelesen, auch Zeitung. Aber Literatur hat er kaum zur Kenntnis genommen. Nur zwei Autoren hat er still bewundert: Hemingway und Churchill. Er hat 8 Bände Churchill auf dem Büchergestell stehen gehabt. Und er hat einige Sachen von Hemingway gelesen. Ich glaube, er hat die beiden als maskuline Typen gesehen. Rauh, aber herzlich. Rilke wäre für ihn nie in Frage gekommen. Rilke ist zu fein, zu gefühlhaft, fast ein wenig feminin. Hypochondrisch und hysterisch, sozusagen. Nein, Rilke, das hätte mein Papa nie lesen können. Dann eher noch Dürrenmatt. Aber er hat es mit den Zeitungen und den Fachzeitschriften über Elektroenergie und Energieversorgung und so fort bewenden lassen. Ich hätte in einem gewissen Alter gerne mit meinem Vater diskutiert. Aber er lebte in einer anderen Welt, der Welt der Technik und der Zahlen. Kurz, nachdem meine Mutter gestorben war, nahm er mich häufiger mit auf die Baustelle im Ackersand, wo unter seiner Oberaufsicht ein neues Elektrokraftwerk gebaut wurde. Ich erinnere mich, wie ich dort über die Fundamente gestolpert bin. Du weißt vielleicht, wie hart und aggressiv frischer Beton sein kann. Er kratzt dir die Schuhe auf. In der alten Turbinenhalle war alles blitzblank und die Maschinen machten einen grossen Lärm. Die Männer grüssten meinen Vater mit einer gewissen Unterwürfigkeit. Er mochte das, hatte ich den Eindruck. Und er hat wohl nie bemerkt, dass man mit dem Wallisern viel besser vorankommt, wenn man sie als Seinesgleichen versteht, wenn man den Kumpel in ihnen anspricht, wenn man mit ihnen ein Glas Wein trinkt. Sie sind liebe Kerle, die Walliser. Wenn man sich als Herr aufspielt, dann torpedieren sie die Situation hinten herum. Nein, ich glaube, mein Vater hat es mit den Wallisern nie besonders gut verstanden. Er war zu exakt, zu korrekt, zu formell. Er war ein Schweizer aus dem Norden. Er hat immer gedacht, die Walliser seien etwas bequem und faul, wollten nur das Leben geniessen. Ich glaube, er war nicht besonders glücklich im Wallis. Aber da bin ich mir nicht so sicher. Aber ich bin sicher, dass ich selbst glücklicher war. Das bestimmt.
*
Siehst Du, Marlena, ich habe...
Re: na ja ... einfach so
(4)
Es ist lustig, mein Vater hat nie viel geslesen. Als Ingenieur hat er sich auf Facts konzentriert. Nein, es ist falsch zu sagen, er hätte nicht viel gelesen. Er hat ganze Sonntagnachmittage Fachzeitschriften gelesen, ohne Begeisterung, unterbrochen mit kleinen Schläfchen auf dem Sofa in der Stube. Manchmal hat er sich auch Energie angegessen, indem er in der Küche eine ganze Hand voll Haselnüsse holte und genüsslich zermalmte. Nein, er hat immer viel gelesen, auch Zeitung. Aber Literatur hat er kaum zur Kenntnis genommen. Nur zwei Autoren hat er still bewundert: Hemingway und Churchill. Er hat 8 Bände Churchill auf dem Büchergestell stehen gehabt. Und er hat einige Sachen von Hemingway gelesen. Ich glaube, er hat die beiden als maskuline Typen gesehen. Rauh, aber herzlich. Rilke wäre für ihn nie in Frage gekommen. Rilke ist zu fein, zu gefühlhaft, fast ein wenig feminin. Hypochondrisch und hysterisch, sozusagen. Nein, Rilke, das hätte mein Papa nie lesen können. Dann eher noch Dürrenmatt. Aber er hat es mit den Zeitungen und den Fachzeitschriften über Elektroenergie und Energieversorgung und so fort bewenden lassen. Ich hätte in einem gewissen Alter gerne mit meinem Vater diskutiert. Aber er lebte in einer anderen Welt, der Welt der Technik und der Zahlen. Kurz, nachdem meine Mutter gestorben war, nahm er mich häufiger mit auf die Baustelle im Ackersand, wo unter seiner Oberaufsicht ein neues Elektrokraftwerk gebaut wurde. Ich erinnere mich, wie ich dort über die Fundamente gestolpert bin. Du weißt vielleicht, wie hart und aggressiv frischer Beton sein kann. Er kratzt dir die Schuhe auf. In der alten Turbinenhalle war alles blitzblank und die Maschinen machten einen grossen Lärm. Die Männer grüssten meinen Vater mit einer gewissen Unterwürfigkeit. Er mochte das, hatte ich den Eindruck. Und er hat wohl nie bemerkt, dass man mit dem Wallisern viel besser vorankommt, wenn man sie als Seinesgleichen versteht, wenn man den Kumpel in ihnen anspricht, wenn man mit ihnen ein Glas Wein trinkt. Sie sind liebe Kerle, die Walliser. Wenn man sich als Herr aufspielt, dann torpedieren sie die Situation hinten herum. Nein, ich glaube, mein Vater hat es mit den Wallisern nie besonders gut verstanden. Er war zu exakt, zu korrekt, zu formell. Er war ein Schweizer aus dem Norden. Er hat immer gedacht, die Walliser seien etwas bequem und faul, wollten nur das Leben geniessen. Ich glaube, er war nicht besonders glücklich im Wallis. Aber da bin ich mir nicht so sicher. Aber ich bin sicher, dass ich selbst glücklicher war. Das bestimmt.
*
Siehst Du, Marlena, ich habe...
mittlere Lebensstrafe
den 10 september 2001 22:23
Re: na ja ... einfach so
(3)
Ich habe bei einem deutschen Boulevarddichter gehört (war es Simmel oder der andere? Er wirkt recht neurotisch und stammelt seine Sätzchen geradezu ins Mikrofon), wie man schreiben muss. Er hat gesagt, dass er abends, wenn er Feierabend macht, mitten im Satz aufhört. Mitten in einem Satz, wohlbemerkt. Und weshalb tut der arme Kerl so. Damit er am nächsten Morgen einen leichten Anfang hat.
Ich kann mir das Problem des Dichters am frühen Morgen sehr gut vorstellen. Du trinkst einen Kaffee und denkst, dass Du gleich nachher mit der Arbeit beginnen willst. Dann hörst Du den Briefträger, öffnest zuerst noch rasch die Post. Dazu vielleicht noch einen Kaffee. Dazu blättert man natürlich gemütlich die Zeitung durch. Ach, diese Börsenkurse!! Dann siehst Du die Birne in der Lampe wieder, die seit 5 Tagen nicht mehr brennt. Weshalb nicht gleich wechseln? Du suchst die Birnen, sie waren doch immer in der untersten Schublade!! Es ist schlimm, vielleicht gehst Du rasch einige einkaufen? Wenn es gut geht, springt das Auto gleich an. Ach den Teppich sollte man wieder mal reinigen. In unserem Auto ist immer eine Schweinerei. So weit so gut. Möglich, dass Du unterwegs M. triffst, mit dem Du ohnehin mal zusammensitzen wolltest, wegen der Frage des Rasenmähers, den er immer noch ausgeliehen hat. Um Viertel nach neun denkt M immer noch, dass ich ihm dankbar sein muss, dass er den Rasenmäher hütet. Und er lässt dich die Zeche begleichen, der Schuft. Um halb zehn kommst du (diesmal klein geschrieben ...) mit den 6 Birnen heim, bemerkst , dass sie alle bloss 40 Watt verbrennen. Also zu dunkel! Zum Trost vielleicht noch einen Kaffe, oder vielleicht schon einen Cognac? Ganz abgesehen davon, dass Du deiner Liebsten versprochen hast, den Abfall hinaus zu tragen.
Kurz und gut, um halb elf ist das weisse Papier bereits vergilbt und Dein Kopf vom dritten Cognac zwar vergnügt, aber auch nicht mehr allzusehr in Schreiberlaune. Nein, da ist es besser, zuerst das Mittagessen und den ruhigen Nachmittag abzuwarten. Am Nachmittag schreibt es sich ohnehin leichter.
Nein, Schreiben als Beruf ist nicht leicht. Das ist eine mittlere Lebensstrafe. Ausser vielleicht Hemingway, der sich daneben auf der Jagd, im Stierkampf, im spanischen Bürgerkrieg und bei den schönen Frauen vergnügt hat. Vom Alkohol nicht zu reden. Doch auch H. hat es nicht bis zum bitteren Ende ausgehalten.
...
Re: na ja ... einfach so
(3)
Ich habe bei einem deutschen Boulevarddichter gehört (war es Simmel oder der andere? Er wirkt recht neurotisch und stammelt seine Sätzchen geradezu ins Mikrofon), wie man schreiben muss. Er hat gesagt, dass er abends, wenn er Feierabend macht, mitten im Satz aufhört. Mitten in einem Satz, wohlbemerkt. Und weshalb tut der arme Kerl so. Damit er am nächsten Morgen einen leichten Anfang hat.
Ich kann mir das Problem des Dichters am frühen Morgen sehr gut vorstellen. Du trinkst einen Kaffee und denkst, dass Du gleich nachher mit der Arbeit beginnen willst. Dann hörst Du den Briefträger, öffnest zuerst noch rasch die Post. Dazu vielleicht noch einen Kaffee. Dazu blättert man natürlich gemütlich die Zeitung durch. Ach, diese Börsenkurse!! Dann siehst Du die Birne in der Lampe wieder, die seit 5 Tagen nicht mehr brennt. Weshalb nicht gleich wechseln? Du suchst die Birnen, sie waren doch immer in der untersten Schublade!! Es ist schlimm, vielleicht gehst Du rasch einige einkaufen? Wenn es gut geht, springt das Auto gleich an. Ach den Teppich sollte man wieder mal reinigen. In unserem Auto ist immer eine Schweinerei. So weit so gut. Möglich, dass Du unterwegs M. triffst, mit dem Du ohnehin mal zusammensitzen wolltest, wegen der Frage des Rasenmähers, den er immer noch ausgeliehen hat. Um Viertel nach neun denkt M immer noch, dass ich ihm dankbar sein muss, dass er den Rasenmäher hütet. Und er lässt dich die Zeche begleichen, der Schuft. Um halb zehn kommst du (diesmal klein geschrieben ...) mit den 6 Birnen heim, bemerkst , dass sie alle bloss 40 Watt verbrennen. Also zu dunkel! Zum Trost vielleicht noch einen Kaffe, oder vielleicht schon einen Cognac? Ganz abgesehen davon, dass Du deiner Liebsten versprochen hast, den Abfall hinaus zu tragen.
Kurz und gut, um halb elf ist das weisse Papier bereits vergilbt und Dein Kopf vom dritten Cognac zwar vergnügt, aber auch nicht mehr allzusehr in Schreiberlaune. Nein, da ist es besser, zuerst das Mittagessen und den ruhigen Nachmittag abzuwarten. Am Nachmittag schreibt es sich ohnehin leichter.
Nein, Schreiben als Beruf ist nicht leicht. Das ist eine mittlere Lebensstrafe. Ausser vielleicht Hemingway, der sich daneben auf der Jagd, im Stierkampf, im spanischen Bürgerkrieg und bei den schönen Frauen vergnügt hat. Vom Alkohol nicht zu reden. Doch auch H. hat es nicht bis zum bitteren Ende ausgehalten.
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Schnitzelbänke
den 10 september 2001 22:23
Re: na ja ... einfach so
(2)
Oder noch früher hatte ich manchmal die Gelegenheit, Schnitzelbänke zu schreiben. Schnitzelbänke sind Verse, die sie an der Basler Fasnacht singen. Und ich bin überzeugt, dass ich da und dort ganz gute Verse gemacht habe. Es braucht eine bestimmte Technik. Man muss sich eine gute Pointe ausdenken zu einem Thema. Und sie muss absolut erst in den letzten zwei Worten des Verses auftauchen, der in der Regel 4 Zeilen hat. Wenn die Pointe zu früh kommt, dann lachen die Menschen zu früh, dann geht der Rest in die Hose. Und der Witz besteht vor allem in der Kombination von Themen. Meist sind die Themen politische Angelegenheitn, aktuelle Diskussionen und so weiter. Aber auch dort ist es so: wenn man mit der Sprache bastelt, kommen einem plötzlich neue Ideen. Zum Beispiel bei den Reimen. Und es ist merkwürdig: unverhofft weiss man, dass man die Lösung gefunden hat. Vorher ist man unsicher, macht hin und her, korrigiert, ändert, geht wieder zurück, zweifelt, verflucht, hofft, ist nahe am Verzagen. Es ist eine Art Erregung, die einen unzufrieden lässt. Doch wenn die Lösung aus dem Unbewussten auftaucht, ist man zufrieden und glücklich und sicher, dass es genau so und nicht anders sein soll.
Schade, dass ich nicht Dichter geworden bin. Oder ist es ein Glück? Ich glaube, jedan Tag vor einem leeren Blatt Papier zu sitzen, kann ganz schön schwierig sein.
...
Re: na ja ... einfach so
(2)
Oder noch früher hatte ich manchmal die Gelegenheit, Schnitzelbänke zu schreiben. Schnitzelbänke sind Verse, die sie an der Basler Fasnacht singen. Und ich bin überzeugt, dass ich da und dort ganz gute Verse gemacht habe. Es braucht eine bestimmte Technik. Man muss sich eine gute Pointe ausdenken zu einem Thema. Und sie muss absolut erst in den letzten zwei Worten des Verses auftauchen, der in der Regel 4 Zeilen hat. Wenn die Pointe zu früh kommt, dann lachen die Menschen zu früh, dann geht der Rest in die Hose. Und der Witz besteht vor allem in der Kombination von Themen. Meist sind die Themen politische Angelegenheitn, aktuelle Diskussionen und so weiter. Aber auch dort ist es so: wenn man mit der Sprache bastelt, kommen einem plötzlich neue Ideen. Zum Beispiel bei den Reimen. Und es ist merkwürdig: unverhofft weiss man, dass man die Lösung gefunden hat. Vorher ist man unsicher, macht hin und her, korrigiert, ändert, geht wieder zurück, zweifelt, verflucht, hofft, ist nahe am Verzagen. Es ist eine Art Erregung, die einen unzufrieden lässt. Doch wenn die Lösung aus dem Unbewussten auftaucht, ist man zufrieden und glücklich und sicher, dass es genau so und nicht anders sein soll.
Schade, dass ich nicht Dichter geworden bin. Oder ist es ein Glück? Ich glaube, jedan Tag vor einem leeren Blatt Papier zu sitzen, kann ganz schön schwierig sein.
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Mittwoch, 7. September 2011
mitten im Packen
den 10 september 2001 22:23
Re: na ja ... einfach so
Liebe Marlena
Jetzt ist es soweit. Jetzt bin ich mitten im Packen. Jetzt ist der Teufel los. Ein Hurrikan geht durchs Haus. Ach, wie ich das hasse, alles so durcheinander und nicht richtig zuhause und auch nicht richtig auswärts. Es ist wirklich der Vorhof der Hölle, auf eine Reise zu gehen und die sieben Sachen zu packen.
Rollen meinst Du? S's einzige Sorge ist, dass ich meine erlaubten 20kg Fluggepäck plus das bisschen mehr, das sie für einen solchen Flug akzeptieren, auszunutzen. Sie hat Angst, dass ich mit lausigen 10 oder 15 kg ankomme. Ich habe mich immer darüber beklagt, dass wir viel zu viel mitschleppen und dass die Koffer und Taschen kaum zu tragen sind. Und jetzt, wo ich allein reise, denkt sie, dass ich mir meine Träume wahr machen werde. Du siehst das Problem. Ich muss nicht so viel wie möglich, sondern so WENIG wie möglich in den Koffer kriegen. Nun ja, der Koffer ist nicht so wichtig, den trage ich nicht selbst. Aber meine Tasche will ich dieses mal wirklich nicht allzu schwer machen. A. hatte letzte Woche 28kg im Koffer. Sie hat das Ding die ganze Zeit auf der Badezimmerwaage stehen lassen, damit sie jede Bewegung auf- oder abwärts beobachten kann. Sie ist damit leicht durch das Einchecking gekommen.
Der langen Rede kurzer Sinn: ich werde meine Kleider nicht rollen! Aber Deinen Tipp behalte ich mir gerne für später einmal auf. Vielleicht brauche ich ihn noch in meinem Leben.
(...)
Ja, es ist lustig, wie Du denkst, mein Stil gleiche ein wenig Rilkes in seinem Malte. Und wenn ich meine Briefe ein zweites Mal lese, was eigentlich selten, aber doch gelegentlich mal geschieht, dann schäme ich mich. Ich habe so eine Tendenz, Worte zu wiederholen, die ich absolut hasse. Es hört sich so stumpf und läppisch an, und ich weiss gar nicht, wie ich dazu komme. Es ist wie ein Echo.
Bei meinem Artikel über die Entwicklung der Familie hat mir W. Z., der Freund aus dem Club gesagt, ich hätte eine barocke Sprache. Das kann ich zwar selbst nicht so genau beurteilen. Aber wenn es so ist, dann freut es mich. Ich mag das barocke sehr, in den Bildern, in den Frauen, auf dem Tisch. Ich glaube, das ist der Einfluss des Wallis.
Ist nicht im Malte dieser bekannte Satz, wo Rilke sagt, heute könne man nicht mehr Geschichten erzählen. Ich glaube es ist dort. Rilke hat sich mit diesem Text unter die modernen Dichter eingereiht, ganz unabhängig von seiner Lyrik, die ich natürlich wie Du noch viel mehr schätze.
Aber ich glaube, ich könnte, wenn ich denn die Zeit und die Konzentration hätte, auch Lyrik machen. Es passiert mir heute zwar nicht mehr so häufig, doch früher hatte ich oft beim Schreiben das Gefühl, die Sprache führe mich selbst. Das heisst, es drängten sich mir Gedanken auf, die ich vorher nicht hatte, einfach dadurch, dass ich mich sehr auf das Schreiben und ein Thema konzentrierte.
Oder noch früher hatte ich manchmal...
Re: na ja ... einfach so
Liebe Marlena
Jetzt ist es soweit. Jetzt bin ich mitten im Packen. Jetzt ist der Teufel los. Ein Hurrikan geht durchs Haus. Ach, wie ich das hasse, alles so durcheinander und nicht richtig zuhause und auch nicht richtig auswärts. Es ist wirklich der Vorhof der Hölle, auf eine Reise zu gehen und die sieben Sachen zu packen.
Rollen meinst Du? S's einzige Sorge ist, dass ich meine erlaubten 20kg Fluggepäck plus das bisschen mehr, das sie für einen solchen Flug akzeptieren, auszunutzen. Sie hat Angst, dass ich mit lausigen 10 oder 15 kg ankomme. Ich habe mich immer darüber beklagt, dass wir viel zu viel mitschleppen und dass die Koffer und Taschen kaum zu tragen sind. Und jetzt, wo ich allein reise, denkt sie, dass ich mir meine Träume wahr machen werde. Du siehst das Problem. Ich muss nicht so viel wie möglich, sondern so WENIG wie möglich in den Koffer kriegen. Nun ja, der Koffer ist nicht so wichtig, den trage ich nicht selbst. Aber meine Tasche will ich dieses mal wirklich nicht allzu schwer machen. A. hatte letzte Woche 28kg im Koffer. Sie hat das Ding die ganze Zeit auf der Badezimmerwaage stehen lassen, damit sie jede Bewegung auf- oder abwärts beobachten kann. Sie ist damit leicht durch das Einchecking gekommen.
Der langen Rede kurzer Sinn: ich werde meine Kleider nicht rollen! Aber Deinen Tipp behalte ich mir gerne für später einmal auf. Vielleicht brauche ich ihn noch in meinem Leben.
(...)
Ja, es ist lustig, wie Du denkst, mein Stil gleiche ein wenig Rilkes in seinem Malte. Und wenn ich meine Briefe ein zweites Mal lese, was eigentlich selten, aber doch gelegentlich mal geschieht, dann schäme ich mich. Ich habe so eine Tendenz, Worte zu wiederholen, die ich absolut hasse. Es hört sich so stumpf und läppisch an, und ich weiss gar nicht, wie ich dazu komme. Es ist wie ein Echo.
Bei meinem Artikel über die Entwicklung der Familie hat mir W. Z., der Freund aus dem Club gesagt, ich hätte eine barocke Sprache. Das kann ich zwar selbst nicht so genau beurteilen. Aber wenn es so ist, dann freut es mich. Ich mag das barocke sehr, in den Bildern, in den Frauen, auf dem Tisch. Ich glaube, das ist der Einfluss des Wallis.
Ist nicht im Malte dieser bekannte Satz, wo Rilke sagt, heute könne man nicht mehr Geschichten erzählen. Ich glaube es ist dort. Rilke hat sich mit diesem Text unter die modernen Dichter eingereiht, ganz unabhängig von seiner Lyrik, die ich natürlich wie Du noch viel mehr schätze.
Aber ich glaube, ich könnte, wenn ich denn die Zeit und die Konzentration hätte, auch Lyrik machen. Es passiert mir heute zwar nicht mehr so häufig, doch früher hatte ich oft beim Schreiben das Gefühl, die Sprache führe mich selbst. Das heisst, es drängten sich mir Gedanken auf, die ich vorher nicht hatte, einfach dadurch, dass ich mich sehr auf das Schreiben und ein Thema konzentrierte.
Oder noch früher hatte ich manchmal...
Hotchpotch
Ämne: Hotchpotch
Datum: den 10 september 2001 13:18
Montag 13.00
Lieber ..,
Ich habe heute keinen Unterricht. Eigentlich hätte ich wohl mithelfen können an dem speziellen Tag, den der Schülerverband arrangiert hat aber da ich erkältet bin, brauchte ich es nicht zu tun. Und nun befinde ich mich also in der Situation die du so schätzt: Ich bin frei und habe ein Alibi richtig faul zu sein. ;-))
*
Ach warum bittest du mich dauernd um etwas, was ich selbstverständlich finde. Anfangs wäre es natürlich leichter gewesen für mich, wenn ich P ganz einfach seine Frage, wer der Visper ist, hätte beantworten können. Ich habe ziemlich viel gelogen deinetwegen und habe mir auch weniger schöne Dinge anhören müssen wegen meiner Verschwiegenheit. Aber das liegt nun weit zurück und nichts könnte mich dazu bewegen, ihm deine Identität zu verraten. ICH will es selbst nicht und damit ist auch keine "Versuchung" vorhanden.
*
Habe ich gesagt du könntest Rilke imitieren? Das doch nicht. Aber seine Art wie er diese "Bibliothèque Nationale" geschrieben hat erinnert mich sehr an deine Art zu schreiben und aus Spass habe ich mir vorgestellt wie Leute aus meiner Bekanntschaft diese paar Seiten geschrieben hätten und dabei merke ich noch deutlicher deine Verwandschaft mit seiner Sprache.
*
Fondue, ja das kenne ich gut obwohl man es hier sehr selten isst. Eine zeitlang war es ein bisschen "in" aber jetzt hat die orientalische Küche die Überhand genommen. War sicher sehr gut! Ich habe am Sonntag noch schnell einen Apfelkuchen gebacken als Nachspeise zu der "Fischsuppe", diese Bouillabaisse, die du schon kennst. Aber ich muss vorsichtig sein mit solchen Speisen denn K kann ihr nicht widerstehen. Immer wieder holt er sich ein Stück davon und es wäre nicht gut für seine Figur.
Ich muss lachen über das was du von deinen Tabletten sagst. Ja, so geht es mir auch.. ich kaufe sie und vergesse sie dann. Nun hast du sie vielleicht schon wiedergefunden und ich warte gespannt auf das Ergebnis. ;-) Übrigens meine ich nicht "irgendwelche" Tabletten. Nur bei Gericomplex habe ich eine ganz merkbare Veränderung gespürt.
*
Wolltet ihr nicht schon morgen abreisen? Und immer noch nicht gepackt? Da wirst du heute Abend noch in Zeitnot geraten und ich Arme werde vergeblich auf ein Mail von dir warten müssen. Aber du schreibst doch noch einmal vor der Abreise, ja?
*
Jetzt scheint die Sonne plötzlich hinter den dicken grauen Wolken hervor und die Welt sieht gleich ganz anders aus. Speichere auch etwas Wärme für mich wenn du im Iran bist. Ich glaube sie würde mir gut tun.
Ich schicke dir nun dieses "pyttipanna" (ein Mix aus verschiedenen Resten) und wünsche dir noch einen schönen Nachmittag und Abend,
G&K
Marlena
Datum: den 10 september 2001 13:18
Montag 13.00
Lieber ..,
Ich habe heute keinen Unterricht. Eigentlich hätte ich wohl mithelfen können an dem speziellen Tag, den der Schülerverband arrangiert hat aber da ich erkältet bin, brauchte ich es nicht zu tun. Und nun befinde ich mich also in der Situation die du so schätzt: Ich bin frei und habe ein Alibi richtig faul zu sein. ;-))
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Ach warum bittest du mich dauernd um etwas, was ich selbstverständlich finde. Anfangs wäre es natürlich leichter gewesen für mich, wenn ich P ganz einfach seine Frage, wer der Visper ist, hätte beantworten können. Ich habe ziemlich viel gelogen deinetwegen und habe mir auch weniger schöne Dinge anhören müssen wegen meiner Verschwiegenheit. Aber das liegt nun weit zurück und nichts könnte mich dazu bewegen, ihm deine Identität zu verraten. ICH will es selbst nicht und damit ist auch keine "Versuchung" vorhanden.
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Habe ich gesagt du könntest Rilke imitieren? Das doch nicht. Aber seine Art wie er diese "Bibliothèque Nationale" geschrieben hat erinnert mich sehr an deine Art zu schreiben und aus Spass habe ich mir vorgestellt wie Leute aus meiner Bekanntschaft diese paar Seiten geschrieben hätten und dabei merke ich noch deutlicher deine Verwandschaft mit seiner Sprache.
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Fondue, ja das kenne ich gut obwohl man es hier sehr selten isst. Eine zeitlang war es ein bisschen "in" aber jetzt hat die orientalische Küche die Überhand genommen. War sicher sehr gut! Ich habe am Sonntag noch schnell einen Apfelkuchen gebacken als Nachspeise zu der "Fischsuppe", diese Bouillabaisse, die du schon kennst. Aber ich muss vorsichtig sein mit solchen Speisen denn K kann ihr nicht widerstehen. Immer wieder holt er sich ein Stück davon und es wäre nicht gut für seine Figur.
Ich muss lachen über das was du von deinen Tabletten sagst. Ja, so geht es mir auch.. ich kaufe sie und vergesse sie dann. Nun hast du sie vielleicht schon wiedergefunden und ich warte gespannt auf das Ergebnis. ;-) Übrigens meine ich nicht "irgendwelche" Tabletten. Nur bei Gericomplex habe ich eine ganz merkbare Veränderung gespürt.
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Wolltet ihr nicht schon morgen abreisen? Und immer noch nicht gepackt? Da wirst du heute Abend noch in Zeitnot geraten und ich Arme werde vergeblich auf ein Mail von dir warten müssen. Aber du schreibst doch noch einmal vor der Abreise, ja?
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Jetzt scheint die Sonne plötzlich hinter den dicken grauen Wolken hervor und die Welt sieht gleich ganz anders aus. Speichere auch etwas Wärme für mich wenn du im Iran bist. Ich glaube sie würde mir gut tun.
Ich schicke dir nun dieses "pyttipanna" (ein Mix aus verschiedenen Resten) und wünsche dir noch einen schönen Nachmittag und Abend,
G&K
Marlena
Re: 9 Sept.
den 9 september 2001 23:10
Re: na ja
Liebe Marlena
Nein, ich habe immer noch nicht gepackt. Ich habe zwar angefangen, eine Liste zu schreiben, damit es zum Schluss nicht so lange dauern wird. Und ich habe natürlich schon viele Dinge, die bereit liegen und darauf warten, eingepackt zu werden. Ich bin noch unsicher, was ich an Kleidern mitnehmen soll. Es ist ja immer noch ziemlich warm im Iran. Wir werden einen zweiten Sommer erleben.
---
Und bei Onkelchen war ich in der Tat. Ich habe ihm ein Fondue gemacht. Kennst Du dieses Gericht. Es ist typisch schweizerisch, kommt aus der französischen Schweiz. Im Wesentlichen besteht es aus Käse und Weisswein. Man erhitzt die Masse in einem Caquelon auf der offenen Flamme. Und wenn das ganze flüssig ist wie eine dicke Crème, dann geht man mit Brotwürfeln hinein und dreht die Dinger, damit der Käse nicht auf die Tischdecke tropft. Es ist eine kleine Kunst, es zu essen. Und man kann viel Pfeffer dazu brauchen, und saure Gurken auch. Onkelchen hat es sehr genossen. Und ich eigentlich auch. Es ist ein gutes Menue für kühles und nasses Wetter. Und das war es auch. Allerdings bin ich schon am Samstag hingefahren.
*
Ja, ich glaube, wenn ich wollte, könnte ich Rilke schon ein bisschen imitieren. Ich habe den Malte noch nie gelesen. Aber ich hatte früher einmal versucht, Gedichte à la Rilke zu schreiben. Man nennt das im Deutschen nicht "imitieren", sondern "nachempfinden". Doch das ist lange her, und ich glaube nicht, dass meine Produkte so tiefsinnig waren wie jene Rilkes.
*
Am Freitag hatte ich ein Gespräch mit ... Sie hat als Thema für eine Arbeit, das Thema "Selbstvertrauen" gewählt. ... Dabei ist mir wieder einmal aufgefallen, wie sehr wir von "Selbstvertrauen" als quasi von einem Ding sprechen. Es ist da oder es ist nicht da. Es ist gross oder klein, robust oder weich, kräftig oder schwach. Das ist wirklich eine falsche Vorstellung. Ich glaube, Selbstvertrauen ist eine Art des Verhaltens. Menschen mit Selbstvertrauen sind besonders selektiv in ihren Gedanken. Sie denken an ihre eigenen Erfolge und bringen sich so in optimistische und selbstsichere Stimmung. Selbstvertrauen muss man jederzeit machen, indem man sich in positive Gefühle versetzt. Und das tut man am leichtesten, indem man die entsprechenden Gedanken wählt.
Depressive Menschen haben eine Gabe, ihre Gedanken in negative Gefilde wandern zu lassen. Und ihre eigenen Gefühle verstärken dies noch. So schlittern sie leicht in ein tiefes schwarzes Loch, wo sie kaum mehr aus eigener Kraft herauskommen. Sie lassen sozusagen die Gefühle ihre Gedanken, und nicht die Gedanken ihre Gefühle steuern.
*
So, nun muss ich in die Federn. Ja, ich hatte irgendwo irgendwelche Tabletten mit Vitaminen und Spurenelementen. Aber im Moment weiss ich überhaupt nicht mehr, wo ich sie habe. Ich muss mal im Büro nachschauen. Du wirst es dann ja schon bemerken, wenn ich sie gefunden habe.
Ich wünsche Dir einen guten Wochenanfang.
Mit einem lieben Gruss
...
Re: na ja
Liebe Marlena
Nein, ich habe immer noch nicht gepackt. Ich habe zwar angefangen, eine Liste zu schreiben, damit es zum Schluss nicht so lange dauern wird. Und ich habe natürlich schon viele Dinge, die bereit liegen und darauf warten, eingepackt zu werden. Ich bin noch unsicher, was ich an Kleidern mitnehmen soll. Es ist ja immer noch ziemlich warm im Iran. Wir werden einen zweiten Sommer erleben.
---
Und bei Onkelchen war ich in der Tat. Ich habe ihm ein Fondue gemacht. Kennst Du dieses Gericht. Es ist typisch schweizerisch, kommt aus der französischen Schweiz. Im Wesentlichen besteht es aus Käse und Weisswein. Man erhitzt die Masse in einem Caquelon auf der offenen Flamme. Und wenn das ganze flüssig ist wie eine dicke Crème, dann geht man mit Brotwürfeln hinein und dreht die Dinger, damit der Käse nicht auf die Tischdecke tropft. Es ist eine kleine Kunst, es zu essen. Und man kann viel Pfeffer dazu brauchen, und saure Gurken auch. Onkelchen hat es sehr genossen. Und ich eigentlich auch. Es ist ein gutes Menue für kühles und nasses Wetter. Und das war es auch. Allerdings bin ich schon am Samstag hingefahren.
*
Ja, ich glaube, wenn ich wollte, könnte ich Rilke schon ein bisschen imitieren. Ich habe den Malte noch nie gelesen. Aber ich hatte früher einmal versucht, Gedichte à la Rilke zu schreiben. Man nennt das im Deutschen nicht "imitieren", sondern "nachempfinden". Doch das ist lange her, und ich glaube nicht, dass meine Produkte so tiefsinnig waren wie jene Rilkes.
*
Am Freitag hatte ich ein Gespräch mit ... Sie hat als Thema für eine Arbeit, das Thema "Selbstvertrauen" gewählt. ... Dabei ist mir wieder einmal aufgefallen, wie sehr wir von "Selbstvertrauen" als quasi von einem Ding sprechen. Es ist da oder es ist nicht da. Es ist gross oder klein, robust oder weich, kräftig oder schwach. Das ist wirklich eine falsche Vorstellung. Ich glaube, Selbstvertrauen ist eine Art des Verhaltens. Menschen mit Selbstvertrauen sind besonders selektiv in ihren Gedanken. Sie denken an ihre eigenen Erfolge und bringen sich so in optimistische und selbstsichere Stimmung. Selbstvertrauen muss man jederzeit machen, indem man sich in positive Gefühle versetzt. Und das tut man am leichtesten, indem man die entsprechenden Gedanken wählt.
Depressive Menschen haben eine Gabe, ihre Gedanken in negative Gefilde wandern zu lassen. Und ihre eigenen Gefühle verstärken dies noch. So schlittern sie leicht in ein tiefes schwarzes Loch, wo sie kaum mehr aus eigener Kraft herauskommen. Sie lassen sozusagen die Gefühle ihre Gedanken, und nicht die Gedanken ihre Gefühle steuern.
*
So, nun muss ich in die Federn. Ja, ich hatte irgendwo irgendwelche Tabletten mit Vitaminen und Spurenelementen. Aber im Moment weiss ich überhaupt nicht mehr, wo ich sie habe. Ich muss mal im Büro nachschauen. Du wirst es dann ja schon bemerken, wenn ich sie gefunden habe.
Ich wünsche Dir einen guten Wochenanfang.
Mit einem lieben Gruss
...
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