Samstag, 7. September 2024

Re: Amerika gibt es doch

Datum: den 26 augusti 16:22

Lieber ...,
ich bin soeben nach Hause gekommen. Es ist wirklich ein wenig anstrengend so am Anfang. Und die neuen Klassen sind gross. So habe ich sie mit der Digitalkamera fotografiert und werde zu Hause versuchen, die Namen der Schüler zu memorieren. Es ist besser, wenn man sie persönlich ansprechen kann.
*
Dein Frühstückstipp ist gut. Ich mache wohl ungefähr dasselbe. Lege das hartgekochte Ei in einen kleinen Apparat, der es in schöne Scheiben verteilt. Lege diese auf das Knäckebrot und etwas Kaviar obendrauf. Schmeckt sehr gut. Aber aufgeweichtes Knäckebrot ist ein Greuel..

....  Ja, du hast recht. Das Leben ist voll von Madeleines. Ich habe einen so grossen Vorrat davon, dass ich mir eigentlich nichts Neues besorgen muss. Es reicht, dass ich etwas, an sich ziemlich alltägliches, betrachte und eine ganze Welt aus der Vergangenheit öffnet sich. Manchmal vergisst man, dass es für andere keine Madeleines sind. Nur ein grauer Alltag, ein Geschehen ohne besonderen Glanz. Ich denke manchmal daran, wenn ich sehe, dass Anna nicht so begeistert von einigen Dingen ist wie ich. Ich stelle mir vor, wie es aussieht ohne all die schönen Erinnerungen, die ich damit verknüpfe. So verstehe ich sie besser.

Wie lustig deine Antwort auf die Frage was dich nach Amerika bringt. Sehen, ob etwas wirklich existiert oder nur eine Vorstellung ist. Manchmal frage ich mich sogar, ob du wirklich bist, oder nur ein Produkt meiner Fantasie. Oder besser gesagt, wie viel an dir nur in meiner Vorstellung existiert.

Dein Kurs scheint gemütlich zu sein und ihr scheint alle davon zu profitieren. Ich glaube, sowas würde mir auch gut tun. Wenn ich hier ein bisschen zur Ruhe gekommen bin, werde ich mich umsehen.

Es beginnt Herbst zu werden. Man kann zwar immer noch mit kurzärmeligen Kleidern herumgehen, aber man merkt, dass es bald anders sein wird. Am Himmel hängen graue Wolken. Ich muss schnell den Rasen mähen auf der Vorderseite des Hauses, bevor es nass wird.

So lasse ich dich mit einem lieben Gruss,
Marlena

Amerika gibt es doch

Datum: den 26 augusti 

Liebe Marlena
Es ist gleich 8 und meine Gastgeber schlafen noch. So kann ich nicht zuviel Lärm mit der Tastatur machen. Normalerweise schreibe ich sehr schnell. Heute langsam, wie auf einer mittelalterlichen Schreibmaschine. Ich habe hier ein wunderbares Rezept. Ich drücke zwei Eier mit einer Gabel klein, gebe etwas Mayonnaise dazu und habe so eine Paste, die ich auf das Knäckebrot streichen kann. Natürlich noch etwas Salz. Gut wäre ein Bisschen Tomate beigeben, aber die habe ich hier nicht. Das macht ein exzellentes und sehr handliches Sandwich. Allerdings wird das Knäckebrot bis Mittag etwas weich und ist nicht mehr knackig. Trotzdem, ich habe meine Erfindung gut genossen. Und ich habe mich an jenen Englandaufenthalt Im Gymnasium erinnert. Damals gab es in der Schule in Bournemouth eine kleine Kantine, wo man Sandwich und kleine Dinge kaufen konnte. Der Nachmittag war schulfrei, und so holten wir dort etwas, um an die Beach mitzunehmen. Ich liebte diese Eier Sandwiches mit ein bisschen Salat drin. Ich weiss nicht weshalb, alles war ja ziemlich trocken und staubig, aber ich liebte sie. Une petite madeleine ....

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Nein, Marlena, diese Art von Trance, die wir hier machen, ist therapeutisch. Die Kunst des Tranceurs (falls es ein Wort wie dieses gibt) ist es, dem Patienten oder Subject (wie sie hier in den Texten schreiben) folgen. Und wenn du in Trance bist, realisierst du das alles. Und du weisst, du könntest dich weigern, etwas mitzumachen. Aber es ist leichter, es zu tun, als sich zu wehren. Es geht alles so entspannt und leicht, dass es ein Vergnügen ist. Die Tänzerin hat beschrieben, dass si die Trance braucht während sie tanzt. Sie ist dann sehr wach und ihres Körpers bewusst. Aber viele schauen in Trance etwas dämmrig aus. Das Gesicht ist entspannt. Die Reaktionen sind verlangsamt. Aber man sieht, sie geniessen es. Die Leute wollen gar nicht mehr ins normale Wachbewusstsein zurückkommen, so angenehm ist dieser Zustand.
Es hat also wenig zu tun mit jenen Hypnose Demonstrationen, die man manchmal im Fernsehen sieht. Sie sind autoritär durchgeführt und nutzen das Phänomen für eine Show. Das mag lustig oder gar interessant sein, aber es ist nicht das, was hier passiert. Ich glaube, die Österreicher nutzen die Heilhypnose, wie sie sagen, viel häufiger als wir hier in der Schweiz. Das kommt vielleicht daher, weil auch Freud von der Hypnose ausgegangen war. Die Psychoanalyse ist sicher sehr verwandt, und ich würde behaupten, der Patient auf der Coach ist die meiste Zeit in einer Trance.
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Kennst Du Bichsels Geschichte "Amerika gibt es doch". Gestern hat B. hier gekocht. Sie hatten einen Japaner eingeladen und wir hatten einen vergnügten Abend. Ich wurde gefragt, weshalb ich denn nach NY gekommen wäre. Und ich wollte es etwas spassig machen und meinte, nun, ich wollte doch endlich testen, ob es dieses Amerika wirklich gäbe. Man werde in Europa den Eindruck nicht los, das ganze sei bloss eine perfekte Hollywood-Produktion. Könnte doch sein, dass das alles nur eine grossangelegte Fernsehserie sei, die wir in Europa am Fernsehschirm mitbekommen und naiverweise glauben. Na ja, Bichsels Geschichte hat ja dann noch den Reiz, wie er diese Reise beschreibt, diese Karawane, die immer länger wird, weil sie mehr Schiffe, mehr Wagen, und Wagen für die Wagen und Schiffe für die Schiffe brauchen. Es wird ein zwar globales, aber hoffnungsloses Unterfangen. Aber der erste Gedanke, mit eigenen Augen zu sehen und zu testen, was ist, der ist doch gut und vielleicht mehr ein amerikanischer als ein europäischer Gedanke.

Jetzt muss ich aufhoeren. Ich bin immer noch im Pyjama hier am PC. Meine Kaffeetasse ist leer. Und eben hat mein Wecker geläutet. Das heisst, duschen und vorwärts machen.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag und sende, bevor die ganze Sache abstürzt.
Mit klebrigen Grüßen (Grüßen und Küssen)
...

Freitag, 6. September 2024

Früh am Morgen ...

 

Ämne: Seit heute Nacht..
Datum: den 26 augusti  07:04


Lieber ...,
Es ist noch früh am Morgen. Dann ist die Welt am schönsten. Die Felder leuchten golden in der frühen Sonne und der Himmel ist von einem Blau, das ich als Babyfarbe bezeichnen möchte. ;-)

Krüssen klingt wohl nicht allzu verlockend. Süss und klebrig? Wie der Apfelpaj gestern. Der hat an und für sich nach mehr geschmeckt.
Es soll doch keine Kritik sein. Ich liebe es, wenn du die Leute um dich karakterisierst. Es macht dich irgendwie lebendiger. Setzt dich in einen Zusammenhang. Aber ich möchte nicht dabei sein. Es ist wahr. Leute verändern sich, wenn man sie kennenlernt. Aber natürlich gilt auch oft das erste Urteil.
"Il faut de tout pour faire un monde". Das ist um so wichtiger in unserer klonisierenden Welt. Stell dir vor, nur ein Mann, eine Frau, ein Hund, eine Katze usw. Keine Vielfalt mehr. Keine Eigenschaften, die wir bevorzugen können oder über die wir uns ärgern können. Ich weiss nicht, auf welchen Weg die Menschheit geraten ist.
*
Du warst sicher gestern ein ausgezeichnetes Opfer. Ich frage mich manchmal, wie ich auf Hypnose reagieren würde. Der Bruder des Freundes von meinem Onkel, derjenige, der ein riesiges Werk über Daemonologie geschrieben hat, war auch Hypnotiseur. Und weil ich ganz unbeschwert über dieses Hypnotisieren gelacht habe (ich glaube ich war damals erst 17), hat er versucht, mir seine Kraft zu beweisen. Ich muss zugeben, es gab etwas Unheimliches in seinem Blick, aber er hatte keinen Erfolg bei mir.
Doch ich weiss dass du nicht von einer solchen Hypnose sprichst, sondern von Selbstsuggestion. Oder ist es das immer? Erzähl mir darüber.
*
Schade, dass deine Gastgeber heimgekommen sind. Ich habe mich schon so sehr an die grossen Portionen gewöhnt, dass ich wohl heute in Versuchung kommen werde, andere Unnütze Dinge zu verschlingen.

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Seit heute Nacht ist nicht viel passiert. Weiss nicht einmal, was ich geträumt habe. Aber nun sehne ich mich nach einer guten Tasse Kaffee (oder zwei) und dazu werde ich es dir nachmachen und Wasa Knäckebrot essen. Am liebsten mag ich das dunkle Roggenbrot, während K das Weizenbrot bevorzugt. Und ein gekochtes Ei dazu gibt, wie du sagst, einen guten Grund für spätere Grosstaten. Zwei Eier könnten bei einem Mann wohl eher gefährlich sein. ;-)
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So, mein lieber Mausfreund. Ich lasse dich. Je te laisse. Et comme toujours je t'embrasse et te souhaite une très bonne journée,
BB
Marlena


Übungen im Kurs

 

Ämne: Re:
Datum: den 26 augusti


Liebe Marlena
Krüssen, na ja, wenn Du nicht weisst, was das ist, wie soll ich das sagen? Es ist sozusagen eine Sorte Konfitüre. Eingemachtes Gemischtes. Darunter kann man sich doch was vorstellen, oder etwa nicht? Klebrig ist es auf jeden Fall. Und süss dazu. Ich meine, das sollte als Erklärung genügen. Sonst musst Du im Lexikon nachschauen.
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Ich bin nicht so streng mit den Leuten, wie du denkst. Meine Äußerungen sind nur solange möglich, als ich nicht mit ihnen in Kontakt bin. Sobald ich sie kenne, werde ich sehr tolerant. Du würdest bei mir sehr gut abschneiden, kann ich Dir versichern. Ich glaube, Du wärest ein "impressionistisches Bild". Es ist wahr, die erste impressionistische Ausstellung, die ich gesehen habe, war auch die im Jeu de Palme. Und das war eine solch gute Atmosphäre da drin. Man hatte das Gefühl, die Bilder würden nur für dich dort hängen. Als ich sie dann wieder im Gare de xxx gesehen habe, kam mir alles so anonym und gross vor. Ich hatte den Eindruck, es sei ein Verlust. Aber natürlich war die Situation dort, angesichts der vielen Besucher, unhaltbar geworden.
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Heute haben wir Übungen gemacht im Kurs. Es kommt darauf an, die Logik der Technik durchzuhalten. Es ist wie ein Spiel, aber die Spielzüge sollte man einigermassen überblicken. Das zu lernen, dazu sind wir da. Ich habe mich vor dem ganzen Kurs als Patient zur Verfügung gestellt und bin mit hellem Applaus für meinen "Mut" belohnt worden. Na ja, es macht schon ein bisschen gespannt, vor so vielen Leuten sich auf sich selbst zu konzentrieren. Aber es hat nicht schlecht gewirkt. Es ist natürlich immer sehr viel Suggestion mit dabei. Die ganze Übung soll der Stärkung der Identität dienen. Du wirst sehen, wie ich nur noch davon spritze.

Ich muss leider zu Ende kommen. Meine Gastgeber sind heimgekommen. Und Du weisst schon.
Ich wünsche Dir eine gute Zeit.
Liebe Krüsse
...

Tag 6 - Erster Kurstag


Datum: den 25 augusti

Liebe Marlena
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Ja, heute hat er Kurs angefangen. Wir sind ein internationales Gemisch. Da gibt es eine Türkin aus Istanbul, sehr gut gekleidet und chique, ein Franzose, der aber in den Staaten lebt, ein Brite, der in London bei einer schweizerischen Bank arbeitet, eine Mexikanerin, die Tänzerin ist und voller Energie dasitzt, eine Venezuelanerin und daneben noch einige Amerikanerinnen und Amerikaner. Einer hat mir schon vorgerechnet, wie seine Vorfahren vor 400 Jahren aus der Schweiz ausgewandert sind. Er heisst Rosenthal. Und die andere Seite seien Russen. Nun habe ich in der Schweiz noch nie einen Rosenthal getroffen. Na ja, vielleicht eben, weil sie ausgewandert sind. Aber vielleicht denkt er auch, die Schweiz sei das südlichste Bundesland hinter Bayern. Er lebt in Florida. Ich glaube, ich muss ihn näher kennenlernen, ich würde gerne mal nach Florida. Dort haben sie keine Jahreszeiten, die Armen, und wissen nicht, was Schnee ist, die Allerärmsten. Der Brite spricht neben seinem feinen Akzent auch Deutsch und Französisch. Das habe ich bisher nirgendwo gesehen bei einem Briten. Er ist ein bisschen scheu, auch das echt britisch. Die Amerikanerinnen scheinen mir die komischsten Wesen im Kurs. Die eine ist etwas unförmig, dick aufgepudert. Die zweite wirkt asketisch tantenhaft. Und die dritte ist auch ziemlich rund und schaut grimmig in die Welt. Ich weiss nicht, was die Amis mit ihren Frauen machen. All die anderen, die ich aufgezählt habe, sind gut doppelt so sympathisch, wenn man sowas überhaupt quantitativ fassen kann. Unter den Männern sind mindestens drei, vielleicht vier Juden. Einer trägt diese kleine Kappe und sieht ziemlich unappetitlich aus. Die anderen sind passabel, einer ein bisschen vorlaut, aber nicht ohne Witz. Kurz und gut, ich bin hier in eine echt internationale Sauce geraten. Und ich werde versuchen, das Beste draus zu machen, und natürlich das Ansehen der Schweiz zu mehren, wie Du das ja mit Deiner Carolina auch tust. Ein bisschen Chauvinismus ist doch ganz gut, nicht wahr?

Heute habe ich nach dem Kurs noch rasch eingekauft. Ich habe meinen Gastgebern alle Knäckebrote und den Kaffee aufgebraucht. So dachte ich, ich müsste Nachschub holen. Das ging überraschend gut. Ich habe sogar dieselben Wasa Brote gefunden. Und den Kaffee füllt man in einen Sack und malt ihn dann an der Maschine. Ich glaube, das gibt es in der Schweiz nicht mehr. Bei uns kauft man bloss noch vakuumverpackten Kaffee. Nur an der Kasse hatte ich ein Foul begangen. Es gab zwei Kassen, und davor eine Schwarze, die wartete. Ich dachte, sie stehe vor der linken Kasse, und sobald die rechte frei war, ging ich hin. Aber Olala. Sie meinte, da gäbe es eine Queu (wie schreibt man das wieder?). Das hat mich doch sehr an England erinnert. Und dann habe ich gewartet, und ein Mädchen hat mir überholt, weil ich das System immer noch nicht begriff. Dann hat sie ihr Vater zurückgepfiffen und mich vorgelassen. Das erinnert mich wirklich an England. Das hatte man uns vor unserem Ferienkurs in Bournemouth sehr eingeschärft, wie man Schlage stehen soll. Sogar wenn man einziger ist, der wartet, soll man eine Schlange machen. Ich finde das ja auch eine sehr gute und faire Sache. In der Schweiz hat sich diese Gewohnheit etwas abgeschwächt. Man wartet in Traubenform, also das Darwin-Prinzip. Und das gibt immer ein bisschen ein Gerangel. Und dabei sind die hübschen Frauen schwer im Vorteil. Das ist unfair, wo sie doch schon sonst überall Vorteile haben.

Jetzt sitze ich vor meinem Columbianischen Kaffee, nachdem jene Ärztin mir versichert hatte, Kolumbien exportiere erstklassigen Kaffee und erstklassige Drogen. Die Drogen versuche ich später mal.
Gerade sind meine Gastgeber heimgekehrt. Wir hatten uns in Flushing Meadows verpasst. Aber das macht nichts. Es gab dort für meinen Geschmack zuviele Leute und Kinder. Und es war sehr heiss. Als ich wieder im eiskalten Kühlschrank der Untergrund sass, war ich ganz erschöpft. Aber auf dem Rückweg musste ich nicht mehr auf die Stationen achten, um nicht die meine zu verpassen, so konnte ich ein bisschen dösen. Neben mir sass eine südamerikanische Familie mit einem süssen Mädchen. Die Mutter und ihre Schwester waren sehr breit. Es ist erstaunlich, zu was sich eine solch süsse Kreatur später entwickeln kann. Na ja, die Südamerikaner neigen etwas zur Korpulenz, zumal sie alle etwas klein sind.

Und jetzt wünsche ich Dir eine schöne Woche. Bei uns ist jetzt erst Sonntag Abend. Ich weiss noch nicht, was ich heute Abend tun soll. Vielleicht gehe ich hier nach St. Marks, da ist viel los. Aber es ist eher für junge Leute, die sich kennen und treffen, nicht für alte Intellektuelle, die bloss zuschauen.
Ich wünsche dir eine gute Zeit
Mit lieben Krüssen
...


Re:

den 25 augusti  23:01
Gemischtes nichts..


Lieber ...
Oh, wie bist du hart in deiner Beurteilung von anderen Menschen. OK, auf einige lässt du ein bisschen Glanz fallen... aber doch. Ein Glück, dass sie nicht wissen, wie sie von einem scharfsinnigen Psychologen durchschaut und einrangiert werden. ;-) Ich kann es nicht seinlassen mich dabei zu fragen, was du wohl von mir denken würdest bei einer ersten kurzen Betrachtung.
*
Heute ist absolut nichts passiert. ...



Mittwoch, 4. September 2024

5. Tag - Die 5. Avenue

 

Ämne:  5. Avenue
Datum: den 24 augusti 03:39


Liebe Marlena
Heute habe ich mir die 5. Avenue drangenommen und von der 42. Strasse bis hinauf zum Central Park mit eigener Zunge gewischt.
Es war warm. Aber es herrschte auch irgendwie Wochenendstimmung. Die Leute waren besser gekleidet als an Wochentagen. Und die Läden voll. Ich habe mir ein kleines Kitsch-Souvenir gekauft. Aber ich bin nicht soweit gegangen, jenes zu wählen in der Glaskugel, das, wenn du schüttelst, Schnee aufwirbelt. Die 5. Avenue ist eine der schickeren Strassen. Es gibt viele Kleiderläden, und ich bin sogar - was ich sonst kaum in meinem Leben tue - hineingegangen und habe geschaut, was es so gibt. Es gibt jede Menge Jeans. Und jene, die schon 5 Jahre alt und verbraucht aussehen, die sind die teuersten. Früher, zu unserer Jugendzeit, hatte man gesagt, man soll die neuen Jeans anziehen und damit in die Badewanne mit Kaltwasser steigen, um sie schliesslich am Körper wieder trocknen zu lassen. So würden sie am besten sitzen, behaupteten Kenner der Materie. Aber was damals "sitzen" hiess, ist wohl heute ziemlich locker.

In einem italienischen Lokal habe ich eine Pizza gegessen, die echt gut war. Na ja, vielleicht hat mein Hunger noch einiges dazu getan. Aber ich hatte wirklich den Eindruck, sie sei ausgezeichnet. Und für diese Gegend auch nicht teuer. Wenn ich nochmals in diese Gegend komme, werde ich noch eine versuchen. Sie haben verschiedene Sorten, mit Spinat, Broccoli, Tomate, Pilzen. Und irgendwie schaffen sie es, dass diese Zutaten obendrauf ganz frisch wirken, nicht wirklich ausgebacken und trocken. Das macht es saftig und locker. Also, einfach exzellent. Man könnte dazu "Santa Lucia ... " singen.
Als ich dann um 6 p.m. ungefähr wieder bei der Central Station war, war ich todmüde. So bin ich in die Empfangshalle des grossen Hyatt Hotells und habe mich in einen dieser weichen Plüschsessel fallen lassen. Man muss einfach etwas cool und gelangweilt in die Welt schauen, dann kann man sowas tun. Ich habe sogar die Füsse auf das kleine Tischchen gelegt, um echt amerikanisch und etwas ungehalten auszuschauen, eben wie jemand, den man viel zu lange warten lässt. Ich glaube, ich habe ein kleines Nickerchen gemacht in allerbester Atmosphäre. Und dann habe ich eine Ecke der Halle gezeichnet und mein Tagebuch etwas nachgeführt. Unterdessen hatte sich rund um mich eine Runde von Schwarzen niedergelassen, die sich für den Ausgang verabredet hatten. Sie waren alle nett angezogen und in bester und irgendwie hungriger Stimmung. Ich glaube, man sollte sich diese Hotel-Lobbies einfach im Hinterkopf merken. Man kann dort sehr gut Treffpunkte abmachen, denn sie sind 1. eindeutig, 2. vor allfälligem Regen geschützt, 3. ohne Konsumzwang, 4. gute Adressen, 5. hübsch zurecht gemacht und gepflegt sowie 6. eben für solche Dinge wie Treffen und Verabredungen gemacht. Wenn wir uns mal irgendwie und irgendwo im Leben treffen sollten, dann - meine liebe Marlena - wird es in einer Hotel-Lobby sein, darauf kannst Du Gift nehmen. Es ist einfach kein Vergleich zu einer windigen Strassenecke. Und ich bin überzeugt, die Hotels haben absolut nichts dagegen. Sie würden sich eher Sorgen machen, wenn ihre Lobbies leer blieben.
Als ich dann wieder etwas Kraft in den Beinen hatte, bin ich noch nach Osten zur UNO gepilgert. Das war ich S. schuldig. Schliesslich hatte sie mal bei dieser Bude gearbeitet, und ebenso ihr Vater. Ich glaube, es war damals im Iran ein erstklassiger Arbeitgeber. S. hatte für ihr Alter einen riesigen Lohn. Und eine Rente in Dollars, wie das mein Schwiegervater hatte, und die Schwiegermutter heute noch geniest, das ist bei den Inflationsraten des Rials ein Geschenk des Himmels. Doch das UNO Gebäude lag im Wochenend-Schlaf. Keine Fahnen, ausser die blaue Unoflagge. Vielleicht haben sie die Fahnen auch zur Trauer zurückgenommen. Das weiss ich nicht. Das lustigste war, dass ein Bettler, ein Penner, ein homeless - wie sie hier sagen - mit einem Wägelchen und einem riesigen schwarzen Plastiksack über die Strasse kam. Du lachst, aber er sah wirklich aus wie Kofi Annan, wenn er morgens noch ungewaschen und ungekämmt aus dem Bett steigt. Ich musste lachen, als ich den Kerl sah.

Und so habe ich auch meinen 5. Tag hinter mir. Die Zeit fliegt . Aber ich merke auch, dass ich etwas schneller müde werde als am Anfang. Deshalb ist es gut, wenn der Kurs beginnt. So kann ich mich richtig ausruhen. Das hört sich vielleicht komisch an. Aber Trance-Kurse sind die einzigen, die ich kenne, die so entspannend und beruhigend sind. Deshalb bin ich ja schliesslich - unter anderem - nach N.Y. gejätet. Ich bin gespannt, welche Art von Leuten sich im Kurs zeigen werden. ich weiss nur von der Kollegin aus Genf, die kommen wird. Wir haben uns geschworen, wir würden Europa bis auf den letzten Tropfen Blut verteidigen. Und das tun wir für Euch dort drüben, hinter dem Ozean.
Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende. Es freut mich zu hören, dass Du wieder im Element bist und das Du es geniesst. So soll Arbeit sein: Spass machen. Na ja, zumindest mehrheitlich.
Mit lieben Grüssen und so
...



Dienstag, 3. September 2024

Jalouse

Ämne: Jalouse..
Datum: den 23 augusti 11:38


Lieber ...,
Endlich Wochenende. Die Sonne scheint und ich bin mit dem Leben ganz zufrieden. Vielleicht abgesehen davon, dass mein geliebter Mausfreund mir von seinen Flirts erzählt..
Es ist schön wieder in Gang zu sein. Ich glaube du hast ganz Recht in deiner Schilderung des "nach dem Berufsleben". Aber ich denke, vielleicht werde ich mich dann retten indem ich anfange zu reisen. Spiele mit dem Gedanken mich für einige Zeit (ein paar Wochen) hier und da einzukvartieren. Wien, Paris.. und zu guterletzt natürlich Rom, die Stadt in die ich mich mein Leben lang gesehnt habe.

*
Du hast es schön und interessant dort drüben. Das freut mich sehr. Und ich lese mit grossem Interesse deine Erlebnisse.
Muss mich leider etwas kurz fassen. Vielleicht komme ich später heute nochmals an den PC.

Mit einem "à la carte". Wie? Nun ja, das gibt sich ganz von selbst. Es ist nicht begrenzt.
Ach, mein lieber Mausfreund, was tun wir da wieder gegen unsere §§§.
Aber zum Teufel damit..
G+K

Marlena