Samstag, 19. Mai 2018
Freitag, 18. Mai 2018
Kirchen, Dohlen und Vestatempel
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Wie meinst Du, hat Cäsar seine Mosaikböden
mitgeschleppt? Die sind doch nicht transportabel!
Und das Bild von der Via del Cappulari ist hübsch. Es ist
erstaunlich, wie die Leute damals malen konnten. Heute
kann das niemand mehr. Aber damals haben sie noch mit
der Fotographie gewetteifert. Und dazu das mechanische
Bild überboten, was die Bildstimmung betrifft.
Ich werde mal sehen, wo ich meine betende Nonne finde.
Ich weiss auch nicht mehr genau, wo ich das Bild aufge-
nommen habe. Es war in irgend einer Seitenkapelle einer
Kirche. Ich habe eine Vermutung. Mehr ist es aber nicht.
Es gibt soviele Kirchen. Kürzlich habe ich einen einfachen
Stadtplan Roms gesehen. Und überall, wo eine Kirche steht,
ist das auf dem Plan mit einem Symbol markiert. Man kann
es sich kaum vorstellen. Es gibt den Eindruck, dass du
überall im Zentrum Roms innert 500 m eine Kirche
erreichen kannst. Es gibt soviele Kirchen wie
Bushaltestellen, hat man den Eindruck. Das ist wirklich
phänomenal. Aber es ist im Sommer auch sehr bequem,
wenn man alle 500m in einen kühlen, grossen und
dunkeln Raum eintreten kann, um sich wieder auf
Normaltemperatur herunter zu kühlen. Da ist der
liebe Gott doch wirklich sehr mildtätig.
Gestern war hier nochmals Fasnacht, und ich bin schon
um halb drei nach Hause. Ich habe mir einen faulen
Nachmittag gemacht. Abends war A. zu Besuch, und S
verwöhnt sie immer mit viel Aufwand auf dem Tisch.
Aber ich habe mich zurückgehalten. Nach 5 Uhr nichts
mehr essen, wie Dein Kollege gesagt hat, das ist ein
gutes Rezept.
Ja, ich glaube, dass die Stare nicht auf dem Weg in den
Norden sind, sondern einer Kältewelle ausweichen. Ich
erinnere mich ans Wallis, wie die Dohlen immer dann
von den Bergen herunterkamen, wenn es kalt wurde.
Das war ein merkwürdige Erscheinung. Man kannte diese
Vögel von den Bergen her, sagen wir auf 2000m Höhe,
auf dem Gornergrat oder so, wenn man in den Bergen
wanderte, konnte man sie beobachten. Und plötzlich
kreisten sie über den Dächern und stürzten sich auf jedes
fressbare Ding im Garten. Meine Mutter hatte dann immer
die Küchenabfälle hinausgebracht. Und innert weniger
Minuten waren die riesigen Vögel da, so dass echte
Tumulte entstanden, und haben alles mitgenommen.
Du willst mich nochmals aufwärmen für eine Rom_
begeisterung? Na ja, da weiss ich jetzt nicht, welche
Temperaturen ich noch erreichen kann. Aber ab und zu
suhle ich noch in meinen Erinnerungen. Und immer noch
wollte ich eigentlich einen kleinen Bericht - Text und Bild -
schreiben. Aber ich habe nicht die Geduld, mich dafür
hinzusetzen. Es ist ja auch so, dass die Früchte eines solchen
Berichtes erst in ein paar Jahren deutlich werden. Das
erschwert die Motivation. Ich hatte mal angefangen, und
es dann wieder liegen gelassen. Im Moment macht es
kaum einen Unterschied. Aber in 10 Jahren wäre es
vielleicht hübsch, das nochmals zu lesen.
Merci für das Bild des Vestatempels. Er sieht so urümlich
und doch irgendwie schön aus. Ich habe mal geslesen, dass
die Dachkonstruktion neu sei. Aber genau dieser nahtlose
Übergang von den Säulen zum Dach, ohne Zwischenbau
sozusagen, das hat mich immer fasziniert. Das macht diese
Urtümlichkeit aus, glaube ich. Es ist nicht so, dass ich den
Tempel so sehr mag, weil ich mir die Vestalinen darin
vorstelle, die jungen unverheirateten Frauen Roms, meist
aus guten Familien stammend. Das waren wohl die ersten,
aber 'heidnischen' Nonnen Roms!? Es gibt bestimmt aus
dem 19. Jahrhundert schöne, realistisch gemalte Bilder
über Vestalinen, und wie sie dort ihr Feuer pflegen.
Damit haben wir uns als Gymnasiasten die Fantasien
gekitzelt.
Ich muss schliessen. Ich habe bald eine Sitzung und muss
ehen, dass ich rechtzeitig dort bin.
ich wünsche Dir einen schönen und sonnigen Tag.
Mit lieben Grüssen
...
Wie meinst Du, hat Cäsar seine Mosaikböden
mitgeschleppt? Die sind doch nicht transportabel!
Und das Bild von der Via del Cappulari ist hübsch. Es ist
erstaunlich, wie die Leute damals malen konnten. Heute
kann das niemand mehr. Aber damals haben sie noch mit
der Fotographie gewetteifert. Und dazu das mechanische
Bild überboten, was die Bildstimmung betrifft.
Ich werde mal sehen, wo ich meine betende Nonne finde.
Ich weiss auch nicht mehr genau, wo ich das Bild aufge-
nommen habe. Es war in irgend einer Seitenkapelle einer
Kirche. Ich habe eine Vermutung. Mehr ist es aber nicht.
Es gibt soviele Kirchen. Kürzlich habe ich einen einfachen
Stadtplan Roms gesehen. Und überall, wo eine Kirche steht,
ist das auf dem Plan mit einem Symbol markiert. Man kann
es sich kaum vorstellen. Es gibt den Eindruck, dass du
überall im Zentrum Roms innert 500 m eine Kirche
erreichen kannst. Es gibt soviele Kirchen wie
Bushaltestellen, hat man den Eindruck. Das ist wirklich
phänomenal. Aber es ist im Sommer auch sehr bequem,
wenn man alle 500m in einen kühlen, grossen und
dunkeln Raum eintreten kann, um sich wieder auf
Normaltemperatur herunter zu kühlen. Da ist der
liebe Gott doch wirklich sehr mildtätig.
Gestern war hier nochmals Fasnacht, und ich bin schon
um halb drei nach Hause. Ich habe mir einen faulen
Nachmittag gemacht. Abends war A. zu Besuch, und S
verwöhnt sie immer mit viel Aufwand auf dem Tisch.
Aber ich habe mich zurückgehalten. Nach 5 Uhr nichts
mehr essen, wie Dein Kollege gesagt hat, das ist ein
gutes Rezept.
Ja, ich glaube, dass die Stare nicht auf dem Weg in den
Norden sind, sondern einer Kältewelle ausweichen. Ich
erinnere mich ans Wallis, wie die Dohlen immer dann
von den Bergen herunterkamen, wenn es kalt wurde.
Das war ein merkwürdige Erscheinung. Man kannte diese
Vögel von den Bergen her, sagen wir auf 2000m Höhe,
auf dem Gornergrat oder so, wenn man in den Bergen
wanderte, konnte man sie beobachten. Und plötzlich
kreisten sie über den Dächern und stürzten sich auf jedes
fressbare Ding im Garten. Meine Mutter hatte dann immer
die Küchenabfälle hinausgebracht. Und innert weniger
Minuten waren die riesigen Vögel da, so dass echte
Tumulte entstanden, und haben alles mitgenommen.
Du willst mich nochmals aufwärmen für eine Rom_
begeisterung? Na ja, da weiss ich jetzt nicht, welche
Temperaturen ich noch erreichen kann. Aber ab und zu
suhle ich noch in meinen Erinnerungen. Und immer noch
wollte ich eigentlich einen kleinen Bericht - Text und Bild -
schreiben. Aber ich habe nicht die Geduld, mich dafür
hinzusetzen. Es ist ja auch so, dass die Früchte eines solchen
Berichtes erst in ein paar Jahren deutlich werden. Das
erschwert die Motivation. Ich hatte mal angefangen, und
es dann wieder liegen gelassen. Im Moment macht es
kaum einen Unterschied. Aber in 10 Jahren wäre es
vielleicht hübsch, das nochmals zu lesen.
Merci für das Bild des Vestatempels. Er sieht so urümlich
und doch irgendwie schön aus. Ich habe mal geslesen, dass
die Dachkonstruktion neu sei. Aber genau dieser nahtlose
Übergang von den Säulen zum Dach, ohne Zwischenbau
sozusagen, das hat mich immer fasziniert. Das macht diese
Urtümlichkeit aus, glaube ich. Es ist nicht so, dass ich den
Tempel so sehr mag, weil ich mir die Vestalinen darin
vorstelle, die jungen unverheirateten Frauen Roms, meist
aus guten Familien stammend. Das waren wohl die ersten,
aber 'heidnischen' Nonnen Roms!? Es gibt bestimmt aus
dem 19. Jahrhundert schöne, realistisch gemalte Bilder
über Vestalinen, und wie sie dort ihr Feuer pflegen.
Damit haben wir uns als Gymnasiasten die Fantasien
gekitzelt.
Ich muss schliessen. Ich habe bald eine Sitzung und muss
ehen, dass ich rechtzeitig dort bin.
ich wünsche Dir einen schönen und sonnigen Tag.
Mit lieben Grüssen
...
Nochmals ..
... um deine Lust für Rom wachzurufen.. :-)
Ein bild mit dem Text:
Albergo dell'Orso, d.h. "Hotel zum Bären", ist wohl das älteste
Hotel von Rom. Oder besser gesagt war. Es ist nämlich seit
mehreren Jahrzehnten verwandelt zu der Luxuskneipe Hostaria
dell'Orso. Hier, behauptet man, habe Dante gewohnt im Jahre
1301 und im 16. Jahrhundert hiess die Besitzerin Donna Vanezza,
ehemalige Geliebte des Papstes Alexander VI Borgia.
- Aquarell von Roesler Franz 1878.
Weisst du, dass Julius Caesar auf seinen Reisen seine eigenen
Mosaikfussböden im Gepäck mitführte?
Das Buch ist voll von solchen lustigen Informationen, zwischen
den Fakten.
Wo bist du? Schon zu Hause auf dem Sofa? Oder in deinem
Lieblingssessel?
Und nun lasse ich dich wieder.. nur weil es so sein muss..
GuK,
Malou
Donnerstag, 17. Mai 2018
*lol*
Lieber ... ,
Ich sehe sie vor mir, deine 8 Finger.. Du bist ganz unwiderstehlich,
wenn du deine Fantasie loslässt. *s*
Wenn du so weitermachst werde ich bestimmt mindestens 120 Jahre alt..
wie die Leute in Georgien, die sich von Schafskäse ernähren. Ein
Lachen soll so ungefähr dasselbe tun.
---
Dienstag, 15. Mai 2018
Argumente für Englisch
Liebe Marlena
Vielen lieben Dank für Dein barockes Mail. Sie sind in der Tat wunderschön geworden, Deine Mails in letzter Zeit. Ich geniesse sie wie ein Festschmaus, jedes von ihnen.
*
Ein bisschen unfair bist Du darin, dass Du Dich nicht zwischen mir und meinem Chef entscheiden willst. Du sagst, klar, alle müssen Frühenglisch haben. Aber auch Französisch. Was jetzt nun, beides?? Das ist wohl nicht gut möglich, mit den Grundschülern schon mit zwei Fremdsprachen anzufangen, schliesslich müssen sie auch noch Hochdeutsch lernen, was sie im Alltag ja auch nicht brauchen. Das wären sozusagen drei fremde Sprachen, wie einige behaupten.
Nein, ich glaube, es geht wirklich um die harte Entscheidung: Französisch oder Englisch ab 2. Klasse? Ich bin, wie gesagt, für Englisch. Und ich habe gute Argumente:
Erstens: Englisch bietet, wie Du sagst, Anschluss zur Welt, zur Welt des Kommerzes, des Computers.
Zweitens: Kinder haben mehr Motivation, Englisch zu lernen als Französisch.
Drittens: Englisch ist leichter als Französisch, vor allem in der Anfangsstufe.
Viertens: Schüler auf dem praktischen Bildungsweg erreichen in 7 Jahren eine Kompetenz in Englisch, die ihnen im Beruf nützlich sein kann. In Französisch kommen sie kaum soweit, dass sie praktisch sprechen könnten.
Fünftes: Mein Chef behauptet, Sprache sei mehr als ein Verständigungsinstrument weltweit, mehr als eine lingua franca. Klar, hat er recht, aber auch das moderne Englisch ist Teil einer Kultur, der postmodernen, internationalistischen, übernationalen Kultur. Es ist ja nicht ein Queens-Englisch, das hier zur Diskussion steht, sondern eine Art Strassenvariante in hunderten von Akzenten. Wie nennt man dieses neue Englisch, das man überall spricht, mit einem sehr reduzierten Wortschatz? Es hat doch irgendwie einen Namen, den ich schon gehört habe?
Sechstens: Der Kulturstreit in der Schweiz wird nicht so heiss werden, wie mein Chef prognostiziert, weil auch die Romands Englisch lernen, und dann können wir mit ihnen Englisch reden, wenn es denn sein muss. Das geschieht schon heute gelegentlich im Militär beispielsweise.
Siebtens: Der Kulturstreit könnte sogar gemildert werden dadurch, dass wir uns nicht mehr zwischen Italienisch oder Französisch entscheiden müssen. Es wäre doch denkbar, dass die Tessiner enttäuscht sind, wenn wir Französisch wählten, und dass die Romands enttäuscht sind, wenn wir Italienisch wählen. Mit Englisch sind wir von beiden gleich weit entfernt, oder gleich nah respektive.
Achtens: Und die Romands und Tessiner können sich auch auf die Weltsprache Englisch konzentrieren, und müssen nicht zuerst noch Deutsch lernen, einfach, weil man in der Schweiz ohne Deutsch keine Karriere machen kann. In Zukunft wird man auch in der Schweiz die Karriere in Englisch machen.
Neuntens: Wenn alle Englisch können, wird es wieder geschätzt und exklusiv werden, Französisch auch noch zu können. Dann wird der Wert von Französisch bestimmt wieder steigen, vielleicht nicht für alle, aber für diejenigen, die sich auf Marktlücken vorbereiten.
So:
Findest Du denn nicht, Marlena, mein Chef sei längst k.o.? Seine Argumente sind doch ideologischer Natur, ein wenig nostalgisch. Und unter uns gesagt, ich vermute, dass er selbst kein Englisch kann. Aber das weiss ich nicht. Er ist sonst sehr kompetent und intelligent. Auf jeden Fall muss man doch konstatieren, dass, wenn man ein wenig herumreist, zu aller erst auf das Englische fällt, und kaum je auf Französisch. Sogar mit meiner belle soeur aus Paris spreche ich Englisch, wobei es bei ihr ja sünd und schade ist. Ich könnte nämlich viel von ihr lernen.
Also, meine liebe Marlena, ich hoffe doch sehr, dass Du Deine Pflicht tust und das Match entscheidest Er oder ich, das müssen wir jetzt wissen ;--))
(---)
Nein, wenn ich regressive Trance sage, meine ich nicht, dass ich es bereue. Ich fand bei der Lektüre bloss, es wäre sehr schlecht formuliert, nachlässig und undiszipliniert. Vielleicht so, wie man auf der Couch des Psychiaters spricht? Nein, es ist keine Reue, eher etwas unwohl Dir gegenüber, wo Du doch immer perfekte und korrekte Sätze schreibst.
*
Ja, wenn Du Dich richtig erinnerst, habe ich den Begriff Internet-Ehe erfunden und Dich damit ziemlich erschreckt! Kannst Du Dich erinnern? Damals warst Du noch sehr "korrekt" und als ich erzählte, ich träumte, mit Dir in Paris zu sein, hast Du Dich etwas indigniert gewundert, was den meine Frau dazu denke und dass sie sowas bestimmt nicht möge. Du hast mich praktisch zurechtgewiesen. Remember?? Es war köstlich. Es war wohl noch vor Deiner feinen und vorsichtigen Liebeserklärung, die ich immer noch in schönster Erinnerung habe. Und Du warst es, die das Symbol des Turmes erkannt und thematisiert hast. Das fand ich auch sehr schön, nun ja, ist es immer noch.
(---)
Sonntag, 13. Mai 2018
Hello ...
Subject : Hello.. is it me you're looking for..?
Lieber ...,
Es ist schön dass du mich so lieb zu Hause Willkommen heisst. Ich habe es überstanden. Nur das Maulhalten ist mir nicht 100 %ig gelungen. Aber natürlich habe ich versucht deinen Rat zu befolgen. Ich würde dir gern erzählen was mich so stört aber ich möchte es lieber vergessen. Du weißt, dieser Mann tut alles andere als unterrichten und verzweifelte Schüler fragten mich Anfang der Woche ob er denn überhaupt eine Ausbildung hat und sein Fach beherrscht. Sie hätten bisher noch nichts gelernt und er macht immer alles falsch und sie müssen ihn korrigieren u.s.w. Ich versuchte sie zu beruhigen und sagte ihnen sie müssen mit ihm selbst darüber sprechen wenn sie irgendwelche Probleme haben. Und dann versuche ich ihnen auch beizubringen dass es immer klüger ist eine Sache freundlich vorzubringen. Ach, .. ich will nicht davon sprechen.
*
Nun, wir haben eine gute Zeit gehabt und die jungen Leute auch. Ein paar konkrete Probleme sind natürlich entstanden aber sie gingen zu lösen. Was tut man z.B. wenn statt ein Bus nur zwei grosse Taxis auftauchen weil normalerweise nur wenig Passagiere diese Strecke fahren und 8 Personen schnell eine andere Transportweise finden müssen, oder wenn spät am Abend wenn das ganze Personal schon verschwunden ist plötzlich die Tür zu dem Schlafraum, wo die Jungen schon alle ihre Sachen untergebracht haben, von der Zugluft zuknallt und der Schlüssel fehlt. Nun, jedenfalls waren die Schüler sehr lieb und ich fühle dass ich sie nun besser kenne als vorher und sie mich auch. Und alle haben sich gut amüsiert.
*
Ja doch, ich kenne die Diskussion in der Schweiz über die Sprachen. Habe davon im Flugzeug in den schweizerischen Zeitungen gelesen. Und meine Meinung dazu? Natürlich sollen die Kinder Englisch lernen. Sie wollen sich ja mit dem Rest der Welt verständigen. Und wer heute nicht englisch kann ist so ziemlich "out". Aber ich gebe auch deinem Chef recht. Französisch sollte man lernen um Zugang zu haben zu dem riesigen Kulturschatz den es in dieser Sprache gibt.
*
Ach, weisst du, ich bin eigentlich etwas zu müde heute um zu schreiben. Die Worte wollen nicht richtig kommen.
*
Die Verzögerung deines Briefes hat wohl nicht mit den grossen Mengen Luft zwischen uns zu tun, sondern eher mit dem schweizerischen Postwerk. Ein Brief aus Zimbabwe nimmt ungefähr dieselbe Zeit wie ein Brief aus Basel. ;-) Nein, er war natürlich nicht geöffnet. Und Post von dir wird auch nie in falsche Hände geraten. Aber wozu überhaupt "snail-mails" senden wenn man sich doch hier so schnell und gut (und kostenlos?) verständigen kann? Nur wenn du mal etwas gezeichnet hast das du mich sehen lassen willst kannst du es mir zum Ansehen schicken.Ich kann es nachher wieder zurücksenden, falls du willst.
Ich habe heute Nacht ein paar Stunden wach gelegen und dabei habe ich dauernd deine lustigen Illustrationen zu deinem Artikel vor mir gesehen. Das Mobil hat sich vor meinen Augen gedreht und die Eltern in dem "Laufställchen?" haben unruhig Ausschau gehalten nach ihren Abkommen. Und dann unser Turm..
und der dahinter, in dem man nie Sprachverbisterungen
finden wird, da ja alle nur Englisch sprechen.
*
Ich hoffe dass du verstehst wenn ich manchmal ein wenig mit Worten spiele. Dieses "Internetehe" z.B. warum sollte man es nicht so bezeichnen können? Viele Männer im Swisstalk sprechen sicher viel mehr mit anderen Frauen als mit ihren eigenen. "Seelische Emigranten" wie du es einmal genannt hast. Manchmal habe ich Angst dass du glaubst ich will zu viel von dir.. Es ist wahr.. ich möchte dich nie aus meinem Leben verlieren und wie man das Verhältnis zwischen uns nennt ist eigentlich egal. Du bist zwar nicht mehr dieser ruhige, ausgeglichene Mann, den ich anfangs zu kennen glaubte, aber ich schenke dir trotzdem immer mehr Vertrauen. Ich weiss, ich suche viel in dir
Sag, ..., warum bezeichnest du deine wunderschöne Schilderung deiner Kindheit plötzlich "regressive Trance"? Es hat mich sehr gefreut dass du mir so geschrieben hast. Dann fühle ich dass du mir wirklich nahe bist .. und nun scheinst du es fast zu bereuen.. warum?
*
Eine "zufriedene, in sich ruhende Frau" würde ich gern sein. Dazu brauchte ich wohl ein anderes Schicksal :-) Aber vielleicht machst du auch nur Spass,
Ach, Schatz, wenn ich alle Dummköpfe in ein Schliessfach stecken müsste, dann wären die längst schon alle überfüllt. Wir lassen sie herumlaufen. Man kann ihnen ja meistens aus dem Weg gehen. Leider nur "meistens".
Draussen schmettert der Regen nur so gegen die Fensterscheiben. K hat an diesem Wochenende fleissig im Garten gearbeitet und Anna hat zufrieden festgestellt: " Jetzt tut Pappa etwas, was Väter tun sollen". Es war ein vielsagender Satz.
Ich verlasse dich nun für heute, chéri. Bitte, lass mich bald wieder von dir hören.
In Liebe
Marlena
Welcome home
Liebe Marlena
Es hat mich wirklich sehr gefreut zu sehen, wie Du Dich gefreut hast über die Post. Sie hat ja echt ewig gedauert. Aber man sieht daran nur, wieviel Luft zwischen uns ist. Und Luft ist nicht nichts. Das ist ein riesiges Kissen. Und durch dieses endlose Kissen schicken wir unsere Mails. Sie müssen in der Tat vorne spitz sein, sonst kommen sie kaum vorwärts.
Es ist natürlich eine Umweg-Adresse, die ich in der Hand habe. Und die Deine, Deine eigene, wäre mir natürlich viel lieber. Aber es ist schon in Ordnung so. Ich kann die Frau Doktor .. bombardieren. Hast Du das Kuvert verschlossen erhalten, oder öffnet sie es, wenn es bei ihr ankommt? Das darf sie eigentlich, denn es steht ja ihre Adresse drauf. Du verstehst mich, ich will einfach wissen, wo der Intimbereich anfängt. Aber ich will auch nichts riskieren. Ich weiss dass Du eine öffentliche Person bist und den Respekt der Leute brauchst, auch den guter Freunde. Ich kann Dir ja all die hübschen Dinge, die keiner sonst hören soll, hier sagen. Ich gehe also davon aus, dass irgend jemand, irrtümlich oder gewollt, so ein Kuvert öffnen könnte. Ist Dir das Recht, wenn ich es so handhabe? Und ich schreibe immer nur die Adresse von ... drauf. OK? Ich möchte nicht, dass Du plötzlich vor schlimmen Konsequenzen stehst, obwohl wir beide ja eigentlich nichts Schlimmes anstellen.
*
Ja, Deine barocke schriftstellerische Statur ist wunderbar. Sie hat wirklich etwas Glänzendes und man denkt an eine zufriedene, in sich ruhende Frau, die rundum Liebe und Sicherheit ausstrahlt. Du solltest wirklich mehr schreiben, nicht nur für mich, für uns alle!!
Bevor Du aber anfängst, müssten wir vielleicht nochmals eine kleine Diskussion über den Text al Text machen. Ich habe schon Hemmungen, darüber zu sprechen. Und ich werde mich absolut hüten, auch nur ein Wort darüber in der Italobar zu verlieren. Was meinst Du denn wird Franco dabei denken??? Er würde zerstreut die falschen Cocktails mischen, würde irritiert doppelte Mengen Alkohol beigeben und solch schlimme Dinge. Nein, die Italobar ist nicht der Ort dazu, meine Liebe.
Weißt Du meine Liebe, wenn ich sage ein Text sei ein Text, dann meine ich nicht, es seien nur Worte oder gar Wörter. Doch warum ich es immer wieder sage, hängt schon damit zusammen, dass auch mein naiver Glaube stark in dieselbe Richtung geht wie Deiner. Das ist nämlich die Vorstellung, Wörter bilden Dinge ab. Das ist die Sprachtheorie, die Augustinus in seinen Bekenntnissen anklingen lässt. Doch ich habe mal in meinem Studium eine Arbeit geschrieben über Wittgensteins Sprachphilosophie. Kennst Du Wittgenstein? War ein Oesterreicher, aus absolut reicher Familie. Hat sein Erbe verschenkt und ist zuletzt in Cambridge als Philosophieprofessor gelandet. Ein Vertreter der "normal language philosophy". Anfangs seiner Karriere hatte er eine völlig andere Theorie. Er hat also im Laufe seiner akademischen Karriere eine 180° Wendung gemacht. Er war - überigens homosexuell - ein blendender Geist. Und seine philosophischen Untersuchungen sind ein Schatzkästlein von Ueberlegungen und Erkenntnissen. Zentral ist das, was er "Sprachspiel" nennt. Wittgenstein würde jetzt also Marlena antworten auf ihre Behauptung, Sprache bilde Realität ab:
Wenn ich sage "Schau mal hier!" Bildet denn ein solcher Satz Realität ab?? Wenn er etwas in der Realität ersetzt, dann wäre es mein sanfter Stoss an Marlenas Schultern, die sie auffordert, zu schauen. Oder meinen Zeigfinger. Bildet der Satz wirklich meinen Zeigfinger ab?
Siehst Du, so ungefähr argumentiert Wittgenstein in seinen "Philosophischen Untersuchungen". Und es ist sehr spannend, ihm auf die Schliche zu kommen. Aber es ist nicht so leicht. Mindestens damals brauchte ich noch weitere Lektüre, um wirklich zu verstehen, was er meint.
Und die allgemeinste Schlussforlgerung daraus wäre vielleicht: Was Du meinst, Marlena, welche Funktion Sprache erfüllen kann, das ist vielleicht eine Spielform. Aber es gibt daneben noch etliche andere. Und man soll die arme Sprache nicht auf eine einzige Variante festnageln. Das wäre schade.
Wenn ich sage: "Du bist mein Schatz". Ist das eine Abbildung der Realität? Nein, das ist es nicht. Es ist eher eine Generierung von Realität. Es schafft Realität. Und wenn wir daran denken, dass alles, was wir in dieser Welt wahrnehmen, durch dieses Rohr der Sprache hindurch muss, die Welt, unsere Gefühle, unsere Absichten und Aussichten und Vorsichten und Übersichten, dann kann man schliesslich doch irgendwie sagen: Alles ist Text. Es gibt nichts ausserhalb des Textes. Unser Bewusstsein ist Sprache, soweit wir es mit anderen Menschen teilen. Und das haben, wenn ich richtig verstehe, die Franzosen rund um Lacan gesagt. Die waren ja ein wenig monoman. Und sie behaupten, die Welt hat die Struktur der Sprache, glaube ich.
Ach siehst Du, jetzt habe ich mich wieder hinreissen lassen über den Text als Text zu sprechen. Du hast mich erwischt. Und dabei wollte ich eigentlich nicht. Und ich glaube, für Dich als Sprachlehrerin ist es auch nicht absolut wichtig.
*
Wir haben im Moment in der Schweiz eine Diskussion um die Fremdsprachen in der Schule. Habe ich Dir schon davon erzählt. Der Kanton Zürich will Frühenglisch einführen. Das heisst, Kinder sollen ab 2. Grundschulklasse Englisch lernen. Mein Chef ist sehr skeptisch und meint, wir sollten bei Französisch als erster Sprache bleiben. Wir seien das den Romands, dh. den Schweizern französischer Muttersprache, schuldig. Es würde ein Kulturkonflikt entstehen, wenn wir den Französischunterricht auf den zweiten Rang setzen. Nun hat aber eine Umfrage in der Welschschweiz ergeben, dass 70% der Romands auch für Frühenglisch sind. Sie meinen, dann könnten wir endlich miteinander sprechen, zwar weder deutsch noch französisch, sondern eben englisch. Mein Chef meint noch, dass man eine Sprache nicht einfach als Instrument für eine weltweite Verständigung ansehen soll, sondern als ein Kulturgut.
Ich bin ja sonst sehr loyal gegenüber meinem Chef. Aber hier bin ich absolut nicht seiner Meinung. Erstens finde ich, wir sollten mit Frühenglisch anfangen. Auch Kinder mit wenigen Sprachbegabungen könnten dann etwas englisch lernen. Sie finden es ja überall, von Mac Donald bis Mac Intosh und Inbox, Combox und Online und weiss Gott wo überall. Die Motivation der Kinder ist besser für Englisch als für Französisch. Französisch ist bestimmt die schwierigere Sprache. Weshalb also mit der schwierigeren anfangen. Ich bin sicher, es gibt viele Schüler, für die eine Fremdksprache genug ist. Und mit Englisch würden sie gut fahren. Auch das Argument, dass Englisch eine Kultur sei, ist nicht griffig. Wir lernen ja an den öffentlichen Schulen nicht ein Queens-English, sondern dieses ubiquitäre internationalistische Englisch, das man auf Flughäfen, im Internet und in der Pop Musik wiederfindet.
Was meinst Du dazu, Marlena. Ihr seid ja ein Land, wo alle Menschen sehr gut englisch können. Ich kann mich erinnern, als ich in England war. Man hat immer wieder gesagt: suche Dir ein skandinavisches Mädchen, dann lernst du englisch. Und daran habe ich mich gehalten. Ich habe in den 3 Monaten nur einmal mit einem Mädchen französischer Zunge gesprochen. Sie war sehr sympathisch und hübsch. Aber ich habe mir gedacht, bei ihr kann ich nicht viel lernen. Deshalb habe ich es dabei belassen. Nolens volens.
*
Du bist sehr kritisch mit den Homines Sapentes männlicher Variante! Aushalten, Haushalten und Maulhalten klingt wie ein Durchhalteparole für den Krieg. Ach, Marlena, Du mit Deinem Charme brauchst doch nicht solch düstere Devise. Du besiegst sie doch mit Deinem Charme! Oder etwa nicht? Wenn nicht, gib mir einen Funk, dann komme ich vorbei und wir sprerren ihn auch ins Schliessfach. Damit haben wir doch Erfahrung.
*
Ich hoffe, Du hast eine gute Zeit gehabt. Und ich schick Dir dieses Mail jetzt. Dann hast du was im Box, wenn Du in die gute Stube trittst.
Ich küsse Dich, ich homo sapiens sapiens.
...
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