Freitag, 12. Februar 2016
6/3 - Studentenleben, Vorfeste ... .undsofort
Ämne: RE: Studentenleben, Strohwitwen, Literatur...undsofort
Datum: den 6 mars 2004 11:21
Liebe Malou
Danke Dir für das nette Kompliment. Du nennst mich Wand, wo Du mich Tattergreis nennen könntest, nicht wahr? Du bist enorm generös!!!
Und offenbar hast Du grosse Pläne mit Deiner breiten Lektüre, die Du bereithältst. Ich mache das auch so. Ich habe meist mehrere Bücher, die herumliegen. Manchmal vergesse ich sogar eines davon, wenn es z.B. im Büro besonders eng zu und her geht. Und später finde ich es wieder und muss mit der Lektüre erneut von vorne anfangen. Ich hoffe, Du wirst mir aus Deinem Buch einige nützliche Tipps für das 3. Alter mitteilen. Ich renne mit verschlossenen Augen auf diesen Abgrund zu. Also bitte, warne mich vor den schlimmsten Überraschungen.
Ein solcher Tipp ist schon das Vorfest, wie ich finde. Eine wundervolle Idee, ein Fest mit einem kurzen Fest vorher zu beginnen. Ich nehme an, die Wirkung ist die des Durchlauferhitzers im Badezimmer, wo das Wasser in einer kurzen Schlaufe mitttels einer aggressiven Gasflamme auf beinahe Kochtemperatur erwärmt wird. Und wenn man dann die Tür zum grossen Festsaal öffnet, wo die Leute in vornehmster Ausstattung gelangweilt herumsitzen, ist man in Hochstimmung und kann der Gastgebering mit Innbrunst um den Hals fallen. Eigentlich ist es ja ein Geschenk für die Gastgeber, wenn man mit solcher Toplaune antrabt. Und das grosse Fest wird bestimmt vom kleinen profitieren, wenn nicht sogar davon abhängig werden. Gar nicht zu denken an die allerfeinste Insitution des Nachfestes, bei dem man bekanntlich nochmals rasch bei einer fröhlichen Studentin unterschlüpft und noch ein paar Kaffees mit Zutaten geniest. Ach, wie ist die Studentenzeit schön! Und nochmals „ach“, ach was sind wir alten Leute Banausen, und freuen uns zitterig und tatterig auf das blosse eine Fest, wo man dann einen ganzen stundenlangen Abend mit noch längeren Gesichtern herumsitzt, smalltalkt und müde auf die Tischbombe wartet, die den Puls endlich doch endlich noch etwas in die Höhe bringt.
Allerdings, das muss man auch sagen, ist ein solches Vorfest eine irre Arbeit. Wenn alle fein gegessen und getrunken haben, was geschieht dann noch auf dem richtigen Fest? Stehen da alle mit vollen Mägen herum und rülpsen? Es ist, je länger ich darüber denke, desto deutlicher wird es, es ist eine echte Dienstleistung an das Fest. Und natürlich eignet es sich vor allem für ein grosses Fest mit vielen unbekannten Leuten, wo man dann als kleinere Gruppe mit Hochstimmung hereinplatzen kann, so dass alle übrigen bloss neidisch herüberschauen.
Dass sich ein solches Fest in weiten Teilen um einen netten und smarten ... dreht, finde ich so reizend, als ob sich alles in einem spannenden Roman abspielen würde. Ach Malou, manchmal spüre ich diese gewisse Art von Neid gegenüber den jungen Leuten. Ich fühle in meinem Herzen den Wunsch, auch nochmals dabei sein zu können. Ich möchte am allerliebsten wieder in dieser jugendlichen Situation sein, wo alles noch offen und alles noch möglich ist und wo die Welt unbekannt und zauberhaft erscheint. Die Illusionen der Jugend sind doch wunderbar. Und ihre Leichtigkeit ist unwiederbringlich.
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So will ich in Zukunft versuchen, ob ich meinen Neid mit der Idee des Vorfestes ein bisschen zu mildern vermag.
Ich finde es süss, wie Du immer wieder Euren schwedischen Sportlern in internationalen Wettkämpfen den Daumen hältst. Bestimmt hilft ihnen das, den Anforderungen gewachsen zu sein. Und auf jeden Fall war es bei der Skifahrerin Anna Persson (heisst sie so?) ziemlich wirksam. Ich reagiere auch ein bisschen so. Letzte Woche hatten wir am Fernsehen diese grosse Familiensendung „Wetten dass…“. Es geht darum, dass irgendwelche Leute wetten, dass sie dieses oder jenes erreichen könnten. Und Promis wetten mit. Das Konzept der Sendung ist raffiniert erfunden, finde ich. Und es läuft Samstag abends, wenn auch Kinder am TV sitzen. Das ist ziemlich gut so. Jedenfalls behauptete ein Schweizer Bauer an jenem Abend, er könne innert 2 Minuten seine Kuh Rosi melken, und mit der vollen Tasse Milch auf dem Rücken der Kuh einen Hürdenlauf über einige Pferdehürden vollführen, ohne die Milch zu verschütten. Es sah ziemlich komisch aus, als er auf seiner Kuh daherritt und die Glastasse Milch in die Höhe hielt. Er konnte seine Wette gewinnen und wurde vom Publikum zugleich als beste Wette des Abends gewählt. Darüber freute ich mich, weil ich überzeugt war, ein Schweizer Bauer könne eine solche Betätigung gut gebrauchen. Aber sonst bange ich mit den Schweizer Sportlern nicht mehr so sehr mit, wie ich das früher gemacht hatte.
Mauriac kenne ich vom Namen her. Ich hatte nie etwas von ihm gelesen. war er nicht Kulturminister unter De Gaulle? Und bestimmt ist er katholisch, wie die Franzosen eben katholisch sind. Vielleicht kannst Du mir von ihm erzählen?
Der Briefeschreiber ist nicht Rilke. Du hast noch 2 Rate-Chancen. Ich gebe Dir kleine Hinweise: er lebt nicht mehr, er war Wissenschafter und er war und ist wirklich sehr bekannt.
Ich wünsche Dir ein feines Wochenende. Bist Du immer noch grüne Witwe?
Wenn ich in der Nähe wäre, würde ich zu einem Kaffee vorbeikommen!
Mit GS und KS
...
5/3 - über Ehen
Ämne: freitags immer
Datum: den 5 mars 2004 10:16
Liebe Malou
Vielleicht hast Du doch recht mit den Tauben. Im Moment ist das Dach gegenüber leer. Vielleicht machen sie ihre Diätkur bei Euch oben. Das ist gut möglich, denn auch in der Luft sieht man sie nicht. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wo sie sonst sein könnten. Auch möglich, dass sie in einem Hinterhof eine Party feiern?
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Ich weiss jetzt gar nicht, ob ich Dir den Namen des Briefe-Schreibers verraten sollte, der eine solche Sackgassen-Ehe geführt hatte. Dazu muss man ja auch sagen, dass die bürgerliche Ehe in der neuen Zeit zu einem Problem geworden ist. Ach, wir haben schon oft darüber diskutiert:
1) Sie basiert auf dem Gefühl der romantischen Liebe, d.h. der besonders intensiven Zuneigung zu einem absolut einmaligen Menschen;
2) Sie verlangt bei der heute entstandenen Rollendiffusion der Geschlechter vom Paar eine Unmenge an Entscheidungen, die es alle in Eintracht und Vernunft treffen sollte
3) Sie ist im Übrigen von so vielen äusseren und inneren Störfaktoren bedroht, die man gar nicht alle aufzählen kann: die Liberalisierung der Sexualität, die Trennung von Sex und Schwangerschaft, die Mobilität, die Sexualisierung des Lebens durch Werbung, die grossen finanziellen Möglichkeiten, die Individualisierung. Natürlich hängen die Faktoren miteinander zusammen, sind teilweise bloss verschiedene Aspekte desselben Komplexes.
Ich behaupte stets ein bisschen zynisch, dass man, um eine entscheidungsfähige Mannschaft hinzukriegen, niemals ein Paar nehmen sollte. Allenfalls sollten es drei Personen sein, denn ein Duo hat in sich die Dynamik, dass es sich mit der Zeit zu blockieren beginnt. Dann jedenfalls, wenn beide Personen sich als gleichberechtigt empfinden. Wenn man es sich genau überlegt, ist es fast nicht anders möglich. Falls es klappt, dh. falls ein Paar über Jahre erfolgreich und glücklich zusammenlebt, dann hängt das damit zusammen, dass sich eine Person der anderen irgendwie fügt, oder dass sie Bereiche ausgesondert haben, in welchen jeweils die eine oder die andere Person entscheidet, und die andere jeweils sich fügt. Doch schon eine kleine Rivalität hat in sich die Tendenz, sich zu verstärken. Und ein Paar, das zusammenlebt, kann kaum mehr aussteigen.
Na ja, das ist ein pessimistisches Bild. Aber ich glaube, die Entwicklung wird dahin laufen, dass Mütter ihre Kinder in Zukunft allein aufziehen werden. Sie haben aber das Privileg, sich den Vater ihres Kindes auszusuchen. Die finanziellen Folgen trägt mehrheitlich der Staat, denn er ist ja schliesslich besonders an Kindern interessiert. Das ist ja eigentlich das schwedische Modell, nicht wahr? Und die Vorstellung von einer schönen Familie, von einem lebendigen Mittagstisch, von familiären Kirchgängen und Sonntagsspaziergängen, das wird eine Vorstellung verlorener Zeit werden.
Mit lieben Gs und Ks
...
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Ämne: RE: freitags immer..
Datum: den 5 mars 2004 12:06
Lieber ...,
(---)Ja, die Ehen. Ich glaube sie sind so unterschiedlich, dass man eigentlich nicht von "der" Ehe sprechen kann. Würdest du es wagen, mir zu sagen wie deine Variante davon ist? Ganz offen und ohne jegliche Retuschierung? Ich weiss nicht ob ich bereit wäre, was ähnliches zu tun. ...
So grüsse ich dich nochmals lieb an diesen Freitag,
Mit S und K,
Malou
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Ämne: Studentenleben, Strohwitwen, Literatur..
Datum: den 5 mars 2004 19:56
Lieber ...,
Freitag Abend. Ein ungewöhnlicher, denn ich habe ihn ganz für mich selbst. Das ist ein bisschen ein Luxus. Wenn K nicht in der Nähe ist, können meine Gedanken frei laufen - und man braucht sich nicht zu fragen wohin. Wenn ich das etwas früher gewusst hätte, wäre ich wahrscheinlich irgendwohin gegangen oder hätte mir Gäste eingeladen. Aber so ist es auch gut. Ich kann tun was ich will und nichts ist vorausbestimmt.
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Der elende, briefschreibende Ehemann, von dem du sprichst, könnte Rilke sein. Ich will es nicht, kann es aber auch nicht ausschliessen. Aber wie ich sagte, ein Künstler und sein Werk sind zwei verschiedene Sachen.
So, nun mache ich eine Pause. Ich habe schon zu Abend gegessen. Ratatouille von gestern mit Fleisch von heute.. :-) Hat ausgezeichnet geschmeckt. Und dazu Vodka... nein ich mache nur Spass. Bin ja schliesslich kein schwedischer Student.
Ich wünsche dir noch einen schönen Abend, meine liebe Wand.
Mit Gs und Ks,
Malou
Donnerstag, 11. Februar 2016
Back in town
Ämne: backintown
Datum: den 4 mars 2004 20:46
Liebe Malou
Soeben sind wir aus dem Schwarzwald zurück. Es war ganz gut. Nach bloss 3 Tagen hat man den Eindruck, eine ganze Woche weg gewesen zu sein. Auf alle Fälle deuten die Kilos, die ich zugelegt habe, auf eine satte Woche.
Wir waren in einem Hotel am Fusse des Feldberges. Das ist offenbar der höchste Berg des Schwarzwaldes. Und überall sind die Leute Ski gefahren.
Unser Hotel war ein altes, umgebautes Schwarzwaldhaus, sehr gemütlich und alles in Holz. Nur die Zimmerwände und die Böden wurden nachträglich gemauert, so dass man nicht vom Nachbarsraum her das Nebenprogramm im Fernsehen hören konnte. Das Badezimmer neu gemacht mit allem Firlefanz, und das Essen, wie gesagt, wunderbar. Wir haben lange nicht soviel und so gut gegessen. Die Leute waren sehr nett, sprechen ja auch beinahe denselben Dialekt wie wir Schweizer. Die Bedienung in der Tracht, so süss!! Und am Mittwoch hatte es auch durchgehend Sonne. Was will man mehr? Wir sind gewandert, daneben habe ich - abgesehen vom Essen - gelesen.
Und jetzt versuche ich, mich hier wieder zu orientieren: die Post, die Pendenzen, die Mails, all die Dinge, die noch herumliegen. Ach, das Leben hat einen schnell wieder. Und die Basler Fasnacht ist auch vorbei. Man sieht noch ein bisschen Schmutz, Konfetti da und dort. Aber im Prinzip ist das alles vorbei, was die Basler „die drei schönsten Tage im Jahr“ bezeichnen.
Ach, Du hast unsere Tauben angetroffen? Du meinst, die unseren wären soweit nach Norden geflogen. Das glaube ich nicht. Wenn ich sie hier auf dem Dach sehe, denke ich eher, sie sind ein bisschen faul. Das muss eine andere Rasse sein, die bei Euch oben gurrt.
Na ja, die Briefe. Ich habe nicht viele alte Briefe aufbewahrt, obwohl ich früher viel geschrieben und auch bekommen habe. Ich fand das auch stets wundervoll, einen Brief zu öffnen von jemandem, den man kennt. Und damals hatte man auf solche Dinge montagelang gewartet, nicht war. Heute rutschen wir schon ungeduldig auf dem Sessel, wenn ein Mail ein paar Stunden überfällig ist. Ach, die Zeiten haben sich geändert. Stimmt, die Schrift war ein spezielles persönliches Merkmal. Ich sehe noch heute die Schrift jener Engländerin, mit der ich jahre- wenn nicht jahrzehntelang verkehrte. Ihre Unterlängen hatten eine spezielle Ausprägung. Und ich bewunderte immer die Regelmässigkeit der Schrift. Und dann wieder gibt es luftige Zeilen, die nur so daherstürzen und die man kaum lesen kann. Schade, dass die Schrift und das Schriftliche so sehr verloren gehen. Es hatte eine wunderbare Aura. Stattdessen haben wir es heute mit dem Tempo.
Gerade finde ich eine Fotokopie eines Zeitungsartikels. Es ist ein Brief eines berühmten Mannes an seine Frau. Ich frage mich, ob Du herausfindest, wer das gewesen sein könnte?
Er sagt dabei:
A. Du sorgst dafür,
1.) dass meine Kleider und Wäsche ordentlich im Stand gehalten werden
2.) dass ich die drei Mahlzeiten im Zimmer (Unterstrichen) vorgesetzt bekomme
3.) dass mein Schlafzimmer und Arbeitszimmer stets in guter Ordnung gehalten sind, insbesondere, dass der Schreibtisch mir allein zur Verfügung steht.
B. Du verzichtest auf alle persönlichen Beziehungen zu mir, soweit deren Aufrechterhaltung aus gesellschaftlichen Gründen nicht unbedingt geboten ist. Insbesondere verzichtest Du darauf,
1.) dass ich zuhause bei Dir sitze
2.) dass ich zusammen mit Dir ausgehe oder verreise.
C. Du verpflichtest Dich ausdrücklich, im Verkehr mit mir folgende Punkte zu beachten:
1.) Du hast weder Zärtlichkeiten von mir zu erwarten, noch mir irgendwelche Vorwürfe zu machen
2.) Du hast eine an mich gerichtete Rede sofort zu sistieren, wenn ich darum ersuche
3.) Du hast mein Schlaf- bzw. Arbeitszimmer sofort ohne Widerrede zu verlassen, wenn ich darum ersuche
D. Du verpflichtest Dich, weder durch Worte noch durch Handlungen mich in den Augen meiner Kinder herabzusetzen.
Voilà! Das ist ein scharfes Bombardement, Szenen einer Ehe.
Ach, was sind wir doch glückliche Menschen!
Mit lieben Gs und Ks
...
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Ämne: RE: backintown...
Datum: den 4 mars 2004 22:30
Lieber ...,
Ach, wie ich mich freue dich wieder hier zu haben. Willkommen zurück! Weisst du, wie das ist, wenn man in die Mailbox schaut und nichts erhofft und dann findet man plötzlich diese kleine 1. Oh ja, vielleicht kennst du das. Ich habe doch diese Mailbox ausschliesslich für mails von dir.
Du glaubst also nicht, dass es deine Tauben sind? Aber nur der Gedanke, dass sie es sein könnten, macht sie schon etwas sympatischer. :-)
Du willst sehen, wie kurz mein Haar geworden ist? Na ja, ich bin nicht ganz zufrieden. Aber es ist neu und ich sehe wohl jetzt etwas seriöser aus als vorher. (...)
Es freut mich, dass dein kleiner Urlaub so gelungen war. Ja, wenn man so verreist und das Milieu wechselt, dann wird ein Tag wieder ein Tag. D.h. er bekommt Inhalt und flitzt nicht unbemerkt vorbei. Ich war mal zu Ostern eine Woche auf Mallorca. Und als ich nach Hause kam, konnte ich nicht fassen, dass ich bald Sommerferien haben sollte, denn es kam mir vor als hätte ich die schon gehabt. Wir mieteten einen kleinen Seat und machten auch schöne Ausflüge, u.a. nach Val de Mosa, wo Chopin gelebt hat. Es war wunderschön durch die Landschaft zu fahren und dabei erinnere ich mich an eine kleine dumme Episode, die ich immer mit diesem Ausflug verbinden werde. Wie gewöhnlich brauchte K ab und zu eine Kaffeepause und so hielten wir an einer kleinen Stelle. Vor dem Café standen ein paar kleine runde Tische mit Stühlen drum. Und an dem einen sassen sie: 4-5 typische Amerikanerinnen. Ältere Frauen mit komisch geformten Brillen und grauviolettem Haar. Ein Herr war dabei, ein ältere eleganter Herr, der die Damen unterhielt. Und dann ging plötzlich eine kleine Nonne vorbei, wobei er ausrief: " She's pregnant!" Die Frauen versuchten ihn entsetzt zum Schweigen zu bringen, doch er liess sich nicht sondern sagte mit noch lauterer Stimme: "Don't argue, she's pregnant!" Na ja, es war kein französischer Esprit, aber ich muss immer noch lachen, wenn ich daran denke.
*
Ach, so lange hast du mit deiner Engländerin korrespondiert? Das lässt mich auch hoffen... ;-)
So, ich werde noch ein wenig hier Ordnung machen. Ach ja, dieser schreckliche Text, den du geschickt hast. Zuerst wollte ich sagen: Wie kannst du wissen, was mein Mann von mir verlangt.. ;-)) Aber weisst du, es ist ein grausamer Text und ich hoffe, dass es heutzutage keine Frau mehr gibt, die bei einem solchen Mann bleiben würde. Nein, ich kann nicht raten wer es ist. Hoffentlich nicht jemand, den ich bis jetzt bewundert habe. Das wäre schlimm.
Lass mich dich nur noch schnell umarmen. Ich bin froh, dass du wieder hier bist.
Mit lieben Gs und Ks,
Malou
Mittwoch, 10. Februar 2016
Verzicht - ein Vergnügen?
"Aber, wie wir jetzt wissen, gehört zum Vergnügen auch der Verzicht. Das ist eine sehr raffinierte Einsicht, die man bei Foucaoult detailliert nachlesen kann."
Lieber ...,
Ich weiss nicht ob ich Verzicht zu den Vergnügen zählen möchte, dagegen ist "Wiedersehen" ein grosses Vergnügen und ich freue mich schon darauf.
Hier sind die Tage schnell vergangen mit viel Arbeit. Jetzt scheint ab und zu sogar die Sonne und es gibt auch noch genug Schnee um den Eindruck von Winter zu geben. Aber ich sehen mich doch schon nach etwas mehr Wärme. Die Vöglein hüpfen fröhlich im Baum herum. Auch sie spüren den annähernden Frühling. In letzter Zeit haben wir auch ab und zu Tauben hier. Meistens sitzen sie auf dem Dach des Nachbarn, wo man sie auch hören kann. Dann denke ich, dass sie vielleicht aus L. zu Besuch sind um zu sehen, wohin die vielen Mails von dort aus landen. Vielleicht sollten wir uns neben dem PC eine eigene Brieftaube anschaffen, die nur für uns arbeitet. ;-)
Manchmal, wenn ich beim herumstöbern in alten Dingen, einen Brief in die Hand bekomme, fühle ich etwas ganz Besonderes. Du weisst sicher was ich meine und du würdest es beschreiben können. Etwas sinnliches. Schon die Schrift des anderen zu sehen. Gegen einen richtigen Brief wirken Mails wie Luft. Zwar erreichen die Gedanken ihr Ziel aber es gibt nichts plastisches.. nicht was man ans Herz oder an die Wange drücken kann... :-) Und, wohl bemerkt, wenn man einen richtigen Brief verliert, dann ist er wahrscheinlich nur unter den Tisch gefallen und man kann ihn wieder hervorfischen.
*
Ich lasse dich nun, denn ich habe bald eine Konferens und muss ich etwas darauf vorbereiten.
Und ich freue mich schon auf deine Heimkehr.. denn auch hier bist du zu Hause.
Je t'embrasse,
Malou
Montag, 8. Februar 2016
Montag-Donnerstag absent
Ämne: Mo-Do absent
Datum: den 1 mars 2004 11:14
Liebe Malou
Ja, war ein echter Jammer mit dem schönen Mail und seine tiefsinnigen Gedanken zum Osterlamm und zur Fastenzeit. Es reut mich noch heute, am Montag, ein bisschen. Und ich weiss auch genau, wie es zustande gekommen ist. Es hängt mit Kommunikationsproblemen zwischen mir und meinem PC zusammen. Er fragt mich, und ich gebe gedankenverloren Antwort, anstatt, dass der faule Kerl ein bisschen selber denken würde. Na ja, so ist eben die heutige Dienerschaft. Man kann sich nicht mehr auf sie verlassen ;--))
Wir fahren heute Mittag und sind am Mittwoch wieder zurück, nein sogar erst donnerstags. Hoffentlich ist es auch ein bisschen gemütlich im Schwarzwald. Es hat noch ein bisschen geschneit heute morgen, aber das Wetter hellt auf. Und immerhin hat der Schwarzwald einen guten Ruf. Wir werden sehen.
Ich muss noch alle meine Dinge hier in Ordnung bringen. Deshalb bleibe ich heute kurz, sehr kurz sogar.
Aber, wie wir jetzt wissen, gehört zum Vergnügen auch der Verzicht. Das ist eine sehr raffinierte Einsicht, die man bei Foucault sehr detailliert nachlesen kann.
Ich wünsche Dir eine gute Zeit.
Mit lieben G&K
Sonntag, 7. Februar 2016
29/2 - Sunday evening ...
Ämne: Sunday evening..
Datum: den 29 februari 2004 19:20
Lieber ...,
Ja, ich weiss wie ärgerlich es ist ein Mail zu verlieren, besonders wenn man es in einem inspirierten Augenblick geschrieben hat. Glaube mir, ich habe deinen schönen Gedanken nachgetrauert, die mir das Internet gestohlen hat. Aber ich habe mich trotzdem gefreut, dass du es nochmals versucht hast.
Also, als einen tatterigen Greis soll ich dich betrachten jedesmal wenn du nicht auf anreden reagierst.. ;-)) Ach, wie bist du lustig. Eigentlich sollte ich dir wohl nun erklären, wie weit entfernt von einem Greis mein Bild von dir ist. Du bist alles andere als ein "alter Mann" in meinen Augen. Aber ich habe geschmunzelt über deine Beschreibung von Onkelchen, wenn er so abwesend erscheint. Weisst du, ich glaube das hängt damit zusammen, dass er nicht hört was du sagst. Und dann guckt er eben und wartet. Er denkt vielleicht, dass du es nochmals wiederholen wirst, falls es wichtig war. Ich kenne das, denn mein lieber Schwiegervater hörte mit der Zeit sehr schlecht. Und er sah sicher genau so aus wie du es von Onkelchen erzählst.
Ich sitze übrigens an Annas Computer. Sie meinte, dass sie selbst schon erkältet ist und die Ansteckungsgefahr nicht besonders gross sei. So bin ich trotzdem gefahren. Es hat in letzter Zeit sehr viel geschneit aber es ging schnell, denn die Wege waren komischerweise fast trocken. Heutzutage gibt es ja diese getrennten Fahrbahnen, wo man in Intervallen eine Überholstrecke hat. Das finde ich ausgezeichnet, denn nichts ist so gefährlich im Verkehr, wie Leute die etwas unter der erlaubten Geschwindigkeit fahren (lies: die versuchen das erlaubte Tempo einzuhalten).
(---)
Was soll ich dir noch erzählen? Ich hatte einen grossen Teller voll mit Fastesemmeln mitgebracht.. aber ich glaube der ist bereits leer. Anna war heute Nacht bei einem Maskenball und ist erst nach vier Uhr morgens nach Hause gekommen. Sie erinnert im Moment ein bisschen an einen Zombie.
Aus den Lautsprechern am PC tönt Mozarts Requiem - im Augenblick "Lacrimosa". Das ist schöne Musik.. aber ich weiss nicht ob man Mails schreiben sollte dabei.. :-)
Das interessanteste an Vollard ist wohl eigentlich, dass er von so vielen verschiedenen Malern portraitiert worden ist. Das sieht man doch eher selten.
Heute ist der 29 Februar. Eigentlich könnte ich dich nun fragen, ob du mein Mausgatte werden möchtest.. ;-)) Und wenn du nein sagst, musst du mir, der Sitte nach, ein schönes Geschenk machen. So geht es zu bei uns in Schweden.
Wie schön du erzählst über die Osterlammbruderschaft. Solche Dinge mag ich sehr. Sie geben dem Leben einen besonderen Inhalt. Und ich kann mir dich sehr gut in einer solchen Gesellschaft vorstellen.
Vielleicht bist du nun schon in Gedanken an deinem Urlaubszíel. Dann werde ich wohl ein paar Tage hungern müssen.. :-( Sag mir wann du fährst, damit ich mich auf eine Fastenperiode vorbereiten kann.
Nun sende ich dir liebe Grüsse mit U und Ks,
Malou
Samstag, 6. Februar 2016
28/2 - Fastenzeit und Osterlammbruderschaft ..
Ämne: Saturday afternoon ...
Datum: den 28 februari 2004 13:09
Liebe Malou
Ach, jetzt habe ich versehentlich meinen Brief gelöscht. Und dabei war er ziemlich lange. Ach nein, das ist wirklich ein Malheur. Ich habe mich tapfer gerechtfertigt gegen Deine Bemerkung, ich sei wie eine Wand. Ich habe viele schöne Gedanken gemacht zur Fastenzeit. Ach, es ist ein Elend. Ich kann das nicht alles wiederholen. Und dabei habe ich bloss ‚nein’ anstatt ‚abbrechen’ gedrückt. Es sollte doch weiss Gott möglich sein, dass ein Zwischenspeicher die Dinge für 5 oder 10 Minuten speichert und erst dann bachab schickt, oder etwa nicht?
Was die Wand betrifft: ich hatte Dir vorgeschlagen, Dir nicht vorzustellen, ich sei eine Wand, sondern ich sei wie Onkelchen. Manchmal, wenn man etwas zu ihm sagt, schaut er unbestimmt zurück, hört nichts, sagt nichts, völlige Funkstille. Es wäre also besser, Du nimmst mich wie einen Tattergreis, und nicht wie eine Wand. Wände können zwar sehr schön sein, wenn sie gut gesprayt sind, aber ein Wand ist eben immer noch eine Wand.
Ich dachte, Du meintest mit dieser Bemerkung Volard. Und wirklich, Du hast mir so viele verschiedene Porträts über diesen Kunsthändler geschickt, dass ich ganz platt war. Dazu muss ich Dir sagen, dass ich
1. sehr wenig Zeit hatte, und
2. dass ich Vollard ein bisschen beiseite gelegt habe. Ich fand seine biographischen Gedanken nicht so besonders. Er war ein Ästhet, und Ästheten sind manchmal ziemlich oberflächlich. Mindestens die ersten 50 Seiten sind kein Hit. Aber ich versuche, noch weiter zu lesen. Ich habe mittlerweile schon ein neues Büchlein gekauft, dieses Mal Tagebuchausschnitte von Delacroix. Der Romantiker ist einer meiner Lieblinge. Und ich bin interessiert an Romantik, weil ich glaube, es sei die wichtigste Stilphase der Moderne. Noch heute werden wir in vielen Dingen von romantischen Vorstellungen geprägt, sei es in der Lebensführung, sei es in der Liebe und wohl in vielen anderen Dingen.
Und dann habe ich auch noch vom Wetter gesprochen und gemeint, Bonnard würde den schönen Himmel in seinem Carnet notiert haben. Die Basler sind froh darüber, denn sie warten auf ihre Fasnacht, während die Menschen im Birseck schon am Fasten sind. Und dann kam eine wunderbare Passage über das Fasten, meine Erfahrungen im Iran mit dem Fasten, meine Erinnerungen ans Fasten im Wallis und an die Osterlamm-Bruderschaft. Letzteres ist ein Männerclub ähnlich wie Kiwanis, mit dem einzigen Ziel, nach Ende der Fastenzeit ein wunderbares Osterlamm-Essen zu organisieren. Das ist eine bemerkenswerte Staatsaktion mit mindestens 5 Gängen. Dazwischen werden schöne Reden und Gefrorenes serviert, um den Hunger wieder hochzupeitschen. Es gibt eine Rede über das Vaterland, über die Verstorbenen, eine Rede in Französisch und vielleicht gar eine in Latein etc. Wenn ich im Wallis lebte, hätte ich dafür gesorgt, dass ich auch in diesen Club aufgenommen würde. Aber so, wie ich jetzt lebe, dh am anderen Ende der Schweiz in einer protestantischen Gegend, habe ich mich begnügt, darüber ein Buch zu lesen. Es wurde von meinem ehemaligen Philosophie-Lehrer geschrieben und erzählt die Geschichte dieser Bruderschaft.
Tut mir leid, meine Liebe, dass es hier nur eine kleine Zusammenfassung geblieben ist. Du weißt ja selbst, wie ärgerlich so was sein kann.
Mit lieben Gs und Ks
...
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