Sonntag, 6. Oktober 2013

Trösten?


den 15 oktober 07:38
Re: ...

Liebe Marlena

Ich soll Dich trösten? Wer hat denn hier wen zu trösten? Wer hatte das Vergnügen und wer den Verlust? Du meine Liebe, ich bin es doch, der hier im kühlen Herbst und im luftleeren Herbst nach Sauerstoff hechelt.

Nun, ich weiss, wie Dir ist. Es ist wirklich widerlich, so von einer stupiden Maschine abhängig und ihr sogar ausgeliefert zu sein. Es ist menschenunwürdig. Man müsste hier endlich für Menschenrechte klagen. Das System hat alle, wir kaum. Aber immerhin hast Du eine Variante im Kopf und kannst die zweite in Windeseile hinschreiben, nicht wahr?

Lustig, wie man in Schweden in der zweiten Lebenshälfte auf die Jugendliebe zurückkommt. Aber ich muss zugeben, dass ich mich auch ab und zu dabei ertappe, zurückzudenken und zu überlegen, wie wohl diese oder jene Kameradin heute lebt und wie sie aussehen könnte. Es ist die Fantasie nach den verpassten Möglichkeiten, nach den Lebensalternativen, nach den unerfüllten Wünschen nebenher. Ich hatte zwar nie die Überzeugung, ich hätte in meinem Leben auf sehr wichtige, mir ungeheuer wertvolle Dinge oder Menschen verzichten müssen. Na ja, der Tod meiner Mutter war damals hart. Aber heute denke ich ziemlich frei darüber. Ich finde, unsere Stiefmutter hatte bessere Qualitäten, wenn man das so sagen und sehen darf. Es war ein Geschenk. Ein bitteres, aber ein Geschenk. Meine leibliche Mutter war ziemlich viel enger.

Doch diese Gedanken an alte Freundinnen und frühe Geliebte ist wohl auch eine Sehnsucht nach der Zeit der Jugend? Was mich betrifft, so würde ich am liebsten meine alte englische Brieffreundin wieder sehen. Sicherlich würde ich ein bisschen enttäuscht sein, wie sie heute ist, denn in meiner Erinnerung ist sie wirklich noch sehr jung und strahlend. So wie die Sängerin von: Tous les garçons et les filles de mon âge ... Sie hat immer geweint beim Abschied. Ist das nicht rührend, für ein junges Männerherz? Doch sie war sonst nicht überempfindlich, sondern ziemlich robust und unternehmungslustig. Ach sie war einfach süss. Sie hatte mich zu sich und ihren Eltern eingeladen. Doch ich wollte das nicht. Es war ausserhalb Bornemouth. Man hätte irgendwie mit dem Bus reisen müssen. Und ich war eben der Obhut von Erwachsenen entflohen und wollte mich nicht in neue begeben. Sie lächelte verständnisvoll und meinte, ihre Mutter hätte mir bestimmt ein Glas Milch angeboten. Heute, wenn ich darüber nachdenke, sehe ich, dass man das sehr ironisch verstehen könnte. Aber ich glaube nicht, dass sie es so gemeint hat. Und sie hatte diese hocherotische englische Intonation der Sprache, die mich zeitlebens schwach gemacht hat. Na ja, vielleicht nicht zeitlebens, aber doch zu jenen Zeiten. Ich fand die Art des Sprechens immer speziell. Und dazu kamen die guten Umgangsformen, die man in England immer noch beobachten konnte.

Siehst Du, Marlena, ich fange auch gleich an mit meiner Jugendfreundin ;--)) Und ich könnte noch andere prähistorische Kunstschätze ausgraben. Es gäbe noch bestimmt 5 oder 6. Es ist lustig: im Gymnasium hatten wir einen Lehrer, der uns gelegentlich vor Mädchen und vor der Liebe gewanrt hatte. Er schlug vor, dass wir keine "Schleiferei" ( so ungefähr die sinngemässe Übersetzung) anfangen sollten. Ich glaube, er wollte damit sagen, dass das alles sehr aufwendig und zeitlich teuer sei, und dass die Schule notgedrungen darunter leiden müsste. Und nebenbei meinte er einmal, wenn man sich ein Mädchen aussuche, solle man sich zuerst ihre Mutter anschauen. Das fand ich damals ziemlich befremdlich, um nicht zu sagen abwegig. Damals, mit meinen jungen Augen, hatte ich noch nicht allzuviele Gemeinsamkeiten mit Mutter und Tochter gesehen. Und irgendwie wollte man von den beiden ja auch etwas völlig anderes. Kurz und gut, ich war überzeugt, dass das nicht allzuviel bringen würde. Vielleicht wusste ich nicht mal so genau, was er denn damit meinte. Vielleicht wollte er uns damit einen Schrecken einjagen?? Heute denke ich, sein Tipp war gar nicht schlecht. Einfach und praktisch und nicht ohne Lebenserfahrung. Er selbst war mit der Tochter eines bekannten Politikers und einflussreichen Walliser Familie verheiratet. Seine Ehe blieb aber kinderlos. Und nebenbei - so hatte ich damals bemerkt - hatte er mich ein bisschen ins Herz geschlossen. Er war jener Lehrer, der mich als Redner bei der Chrasosthomos-Feier ausgewählt hatte. Du erinnerst Dich?

Kurz und gut, wir wurden in Sachen Freundschaften an kurzen Leinen gehalten. Man bemerkte zwar da und dort, dass die Mädchen mit schmachtenden Augen zu uns Jungen herüberschauten. Und wir genossen diese Momente und den Abgang im Gaumen zweifellos sehr. Aber es passierte dabei vieles ohne Worte, vielleicht sogar ohne Bewusstsein. Für die Schlussfeier des Offiziersballs wollte ich - beispielsweise - ein Mädchen einladen, von dem sich dann herausstellte, dass sie schon fest befreundet war. Kannst Du Dir ein solch unbedarftes Verhalten meinerseits vorstellen. Ich hatte sie praktisch ins Blaue hinaus eingeladen, ohne sie direkt zu kennen (ich wollte sie eben dabei kennenlernen). Und sie schreibt bedauernd zurück, dass sie einen festen Freund habe. Das Unternehmen hat sich allerdings trotzdem rentiert. Sie schickte mir ein dickes Fresspäcklein mit vielen Süssigkeiten. Und heute noch - so höre ich von meinem Bruder - äussert sie sich in schönen und lobenden Worten über mich, obwohl - wie gesagt - auch sie mich überhaupt nicht kennen konnte. Aber so war das eben im Wallis. Man kannte sich nicht, und dennoch kannte man sich: vom Sehen, vom Hörensagen, in stillen Momenten der Bewunderung.

Ach, es kommen mir soviele Gesichter in den Sinn, die damals in meinem Geist herumgeschwirrt waren. Doch ich wollte etwas anderes sagen. Die Diskrepanz zwischen Tochter und Mutter zeigt doch eigentlich, wie, wie sehr die Tochter alle Möglichkeiten in sich trägt und mit aller jugendlichen Schönheit zeigt. Ihre körperliche Erscheinung scheint sich noch nicht entschieden zu haben. Sie ist noch makellos. Und man denkt als junger Mensch, dass sich das bewahren wird, dass sie sich auch in Zukunft zur Schönheit entscheiden wird. Und nichts deutet darauf hin, dass sie sich unbedingt auf die Statur der Mutter mit all ihren menschlichen Unzulänglichkeiten hin bewegen wird. Die Tochter ist vielmehr ein Gegenbild der Mutter: im Denken, in der physischen Erscheinung, in ihren Lebensabsichten. Nein, man kann mit etwa 12 Jahren den Tipp dieses Lehrers schwer verstehen.

Den Tipp, mir eine CD-Liste mit nach Prag zu nehmen, will ich nicht vergessen. Ich sollte wohl auch meine Töchter fragen und ihnen etwas heimbringen. Ich selbst bin ja doch in musikalischen Dingen ziemlich anspruchslos. Das hast Du ja schon bemerkt. Es ist schade, ich weiss es, aber es ist nun mal so. Es ist deshalb schade, weil man Musik wie eine Droge benutzen könnte, wie das die Jungen ja heutzutage tun. Ich glaube, es ist eine gute Möglichkeit, die Gefühle etwas zu steuern.

*

Jetzt ist schon spät. Ich muss mich beeilen. Heute habe ich einen vollen Tag. Ich kann dir das alles gar nicht schildern. Es wäre ein weiterer Tag.

Mit lieben Grüssen
...

Nochmals


Till:
Datum: den 14 oktober  22:45

Lieber ...,
Ein paar schöne Herbstbilder mit beruhigender Musik haben mich wieder etwas froher gestimmt. Und so will ich es nochmals versuchen dir ein Mail zu schreiben.
Es hat mich gefreut noch ein Mail von dir zu finden, obwohl der Anlass so traurig war. Ein Mensch, der diese Art von Tod wählt, muss wirklich sehr verzweifelt sein. Es ist schrecklich.

Du hast Recht. Unsere moderne Zivilisation ist nicht menschenwürdig. Man hat fast keine Zeit zum leben vor lauter Arbeit. Manchmal wünsche ich mir, dass ich einen Beruf hätte, den ich nach Arbeitsschluss ganz ablegen könnte. Dann hätte ich Zeit in Ruhe meine Bücher zu lesen und auch ein wenig sozial zu sein.

Ach, meine Kollegen haben dir nicht besonders imponiert? Na ja, das Bild ist nicht sonderlich gut. Viel zu dunkel und undeutlich. Aber ich habe es geschickt bekommen und einem geschenkten Gaul, sieht man nicht ins Maul, oder wie es heisst. Freut mich, dass ich dir nicht unsymptatisch vorkomme. ;-)

Wir haben doch neulich das etwas verspätete surströmmingsfest bei Åke gehabt. Es war wieder sehr schön und lustig und die Heeringe haben ausgezeichnet geschmeckt. Åke hat uns auch mit ein paar neuen Liedern zur Gitarre unterhalten. Das kann er sehr gut und er wird immer besser.
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Heute war ein grosser Artikel in der Zeitung über einen deutschen Schüler, der ein Jahr bei uns studieren wird. Ich glaube ich habe ihn schon mal erwähnt, denn ich habe ihn in Französisch und bin auch sein Mentor. Unser Direktor war etwas ängstlich, was bei diesem Interview herauskommen könnte aber nun kann er sich beruhigt zurücklehnen. Es gefällt dem jungen Mann ganz ausgezeichnet hier bei uns und er war voll von Lob über die Schule und die Familie, bei der er einquartiert ist. Er wird sogar mit dem Vater der Familie zur Elchjagd gehen, die gestern hier begonnen hat. Der Junge ist wirklich sehr sympatisch und auch sehr tüchtig. Und er kann sogar schon ziemlich gut schwedisch sprechen nach so kurzer Zeit.

Ich muss lachen, du bist kaum von deiner Reise zurück und denkst schon an die nächste. :-) Ja, Prag wird dir gefallen. Es ist wie eine köstliche Perle. Ich habe doch das kleine Aquarell, das ich damals für dich gekauft habe bei mir oben an der Wand und immer wenn ich es sehe denke ich an dich und an Prag. Ihr beide gehört irgendwie zusammen. Du musst dann auch in das Restaurant essen gehen, wo ich mit Mats öfters war. Bestell dir auch Ente. Du wirst es nicht bereuen.. Und vergiss nicht vor der Reise eine Liste zu machen über CDs, die du kaufen möchtest. Vielleicht findest du auch Barbara. Es gibt wunderbare Musikgeschäfte und die CDs sind sehr billig verglichen mit unseren Preisen. Ausserdem: in Prag gibt es auch Intenetcafés... :-)

Wir haben heute unsere Damenfussballmannschaft gross empfangen. 13.000 Menschen haben sich im Kungsträdgården (mitten in Stockholm) versammelt um sie zu feiern. Erst jetzt haben sie eingesehen, dass auch Silber eine grosse Sache ist. Fast vier Millionen Schweden haben sich übrigens das Finalespiel im Fersehen angeschaut. Und jetzt träumen alle kleinen Mädchen davon Fussballprofis zu werden.

Ich bin etwas fiebrig heute Abend und spüre es im Hals. K hat mir vorhin am Telefon gesagt, dass fast alle sein Kollegen sowas ähnliches haben. Es ist nicht ungewöhnlich zu dieser Jahreszeit.

Siehst du, es ist doch noch ein Mail geworden. Nun wünsche ich dir einen schönen Mittwoch und ein gelungenes Treffen beim Apero.

Mit lieben Grüssen,
Marlena

NEIN!!!!!!!!


Ämne: NEIN!!!!!!!!
Datum: den 14 oktober  20:43

Nein, ..  Es darf nicht sein. Eine ganze Stunde habe ich dir geschrieben. Ein riesiges Mail und als ich schliesslich noch ein Bild anhängen wollte, war alles weg. "Seite gilt nicht mehr".
N, surströmmingsfest, M , Liebe, Fussball, Schule, Prag, Halsschmerzen...

Warum bin ich so dumm, das ich nicht dauernd speichere?

Es war sogar ein sehr liebes mail und ich dachte nach diesem Mail bist du wieder bei mir..
Tröste mich, ....

Ich komme morgen wieder.
Mit einem lieben Gruss
Marlena

Samstag, 5. Oktober 2013

unser Apero


den 14 oktober  18:07
Re: Dienstag

Liebe Marlena

Gerade komme ich vom Bahnhof zurück. Jemand ist vor den Zug gesprungen. Und jetzt kann man mit grossen Artezeiten rechnen. Es ist besser, hier im Büro zu warten.

Morgen haben wir unseren Apero. Ich muss noch etliche Dinge regeln. Ich bin schon wieder ziemlich im Rückstand. Es ist fürchterlich, wie wir hier leben. Man sollte stehts drei oder vier Dinge gleichzeitig tun. Das ist doch fürchterlich und macht uns alle krank.

Na ja, dass dann der eine oder andere unter den Zug geht, kann man doch verstehen. Man könnte auch im Opium untergehen. Das wäre vielleicht das schönste Ende, was man sich vorstellen kann. Baudelaire könnte uns ein Liedlein singen.

Lassen wir das Thema. Ich muss noch überlegen, was ich morgen sagen soll. Ich begrüsse die Ehemaligen, dann die Gäste, auch Ehemalige, und schliesslich die jungen Dinger, die noch im Saft sind. Unsere Idee des Aperos ist eigentlich ein Werkstattbesuch. Die Leute sollen sehen, wie es bei uns ist, und dann hingehen, und gut über uns reden. Mehr verlangen wir nicht von ihnen, und dafür offerieren wir ihnen ein Glas Wein, wenn sie mögen. Und ein Stück Speckkuchen. Das ist eine elsässische Spezialität: ein Kuchen aus einem leichten Teig mit kleinen Speckwürfelchen darin. Das ist gut zum Wein und ist nicht so gewöhnlich wie Salznüssen, welche die Damen ohnehin meiden wie der Teufel das Weihwasser.

Du siehst sehr sympathisch aus auf dem Bild zwischen Deinen drei Kollegen. Vielleicht macht es der männliche Hintergrund, ich meine die etwas brav und handzahm wirkenden männlichen Kollegen. Aber das Bild ist nett. Ich muss es mir nochmals anschauen.

Mit einem lieben gruss für den Abend
...

Haha


den 14 oktober  08:30
Re: Haha


Liebe Marlena
Die Deutschen sind ein spezielles Thema. Sie sind schon, wenn sie mit ihren Mercedes über unsere Strassen nach Italien rasen, ziemlich egoman. Aber es gibt natürlich ganz zauberhafte Personen in Deutschland. So ist es ja nun mal auf dieser Welt. Einzeln sind die Menschen oder Dinge durchaus geniessbar, aber in der Menge konsumiert, sind sie unterträglich und führen zu Abwehrreaktionen. Natürlich ist das wohl auch ein Nachbarschaftsproblem. Und vielleicht hat es auch mit der Grösse Dautschlands zu tun.
Es gab doch mal vor einiger Zeit in der NZZ die Resulate einer europäischen Befragung über Beliebtheit und Unbeliebtheit. Die Deutschen haben uns Schweizer ganz positiv bewertet. Am allerbesten haben uns die Portugisen taxiert. Das werde ich ihnen ewig danken und deswegen auch Pessoa jederzeit hochloben. Schlecht meinten es mit uns die Holländer, was mich einigermassen erstaunt hatte. Ich weiss die Umstände dieser Studie nicht mehr. Ich weiss nur noch die Beurteilungen der Schweiz durch diese drei Länder. Aber immerhin ist das schon drei oder vier Jahre her, und ich habe es immer noch im Gedächtnis.
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Was meine Busologie betrifft, so bin ich nicht ganz festgefahren. Aber es gab da einige Exemplare, bei denen man sich automatisch fragte, wie schwer sie wohl währen und wie sie sich in der Hand anfühlen würden. Na ja, Du musst Dir den Teigklumpen eines 4 oder 5 kg Brotes je zweimal vorstellen, ungefähr in diesen Grössenordnungen finden wir uns hier. So circa. Das drückt auch ungemein auf den Rücken der Frau und auf den Jägertrieb des Mannes.
Als Rubensliebhaber mag ich durchaus Proportionen, die nicht zu übersehen sind. Aber nicht zu extrem und nicht Busen wie schlappe Bettflaschen über einen enormen Bauch hängend. Ach, lassen wir das Thema, es ist abschüssiges Gelände.
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Ich lobe hier überall die Türken. Sie haben mich sosehr und so positiv überrascht, dass ich nicht müde werde, sie zu erwähnen und ihnen Kränzchen zu winden. Und andere Leute, die auch in der Türkei in den Ferien waren und die Verhältnisse kennen, stimmen mir zu. Natürlich sind es nicht dieselben, die wir hier als Fremdarbeiter haben.
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Gestern hatten wir unsere Herbst-GV im Club. Das ist immer ein spezieller Anlass, und die alten Männer können ausgiebig über das Budget und die schlechten Mahlzeiten während des Jahres diskutieren. Der Präsident und auch die anderen Chargen wechseln jedes Jahr. Und die Uebergabe dieser Chargen an die nächste Generation, das ist eigentlich die Aufgabe der Herbst-GV. Im November fliegen wir dann ja zu siebt nach Prag, um zwei Clubs in Tschechien zu besuchen. Ich freue mich darauf, endlich mal dieses Prag zu sehen. Und natürlich werden wir wohl privat bei Kiwanern wohnen und etwas in die privaten Verhältnisse hineinsehen. Das ist interessant. Einer von uns hat behauptet, die tschechischen Frauen wären die besten fast in ganz Europa. Ein weiterer Grund, dorthin zu fahren und die Augen zu öffnen. Ich weiss einfach noch nicht so genau, was wir von den Tschechen erwarten können. Sie möchten von uns Know How in vielerlei Beziehung: politisch, beruflich, technisch. Sie möchten auch gerne Jugendaustausch. Was sie uns bieten können, ist noch nicht klar. Das werden wir dort eben sondieren. Die russische Bekannte hat mal erzählt von ihrem Besuch in Karlsbad, so glaube ich heisst es, ein wunderschönes Kurbad im Stil der Belle Epoque. Das möchte ich sehr gerne mal sehen. Sie hatte davon geschwärmt. Und ich hatte mal in einer NZZ Beilage darüber gelesen. Früher waren die Leute, die es sich leisten konnten, jährlich für ein oder zwei Wochen in einer Badekur, haben sich pflegen lassen und sind in der übrigen Zeit herumflaniert und haben geflirtet. So jedenfalls stelle ich mir Goethe in Marienbad vor. Onkelchen erzählt, dass sein Vater jährlich im Herbst in Bad Zurzach gekurt habe. Ich habe ihn noch gekannt. Er war ein kleiner rundlicher Mann mit weissem Haar, sehr still und mit einem feinen Humor auf den Lippen. Er muss damals wohl um die 80 gewesen sein, und er stand noch jeden Tag in der Backstube und hat mitgeholfen, ist dann aber nachmittags frühzeitig in seine Wohnung im 3 Stock hinaufgestiegen. Seine Frau, die Mutter unseres Onkelchens, war schlank und sehr freundlich und trug immer Hüte, wenn sie auswärts war. Offenbar hatte sie- wie Onkelchen erzählt - Schneiderin gelernt und war zeitlebens sehr an Mode interessiert. Sie war eine sehr kontaktfreudige Person, daran kann ich mich gut erinnern.
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Und jetzt sitze ich wieder im Büro, wie Du richtig feststellst. Man muss sich umstellen. Morgen haben wir einen Apero organisiert und etliche Ehemalige eingeladen. Ich muss das noch vorbereiten und sollte auch ein paar Worte sagen. Lass mich deshalb hier schliessen.
Ich wünsche Dir einen guten Dienstag
Mit lieben Grüssen
...
PS. H bedeutet, na ja, ich weiss es gar nicht mehr. Vielleicht halo. Aber bei Euch bedeutet es etwas spezielles, nicht wahr?  Ich interpretiere mein H als Haha. Frage mich jetzt bloss nicht, was das bedeute!

Montagblues..


Ämne: Montagblues..
Datum: den 13 oktober  21:27

Lieber ...,
Ich habe nochmals dein langes schönes Mail über deine Eindrücke von der Türkei durchgelesen. Es ist einfach köstlich - und deine Wahrnehmungen sind so genau und humoristisch aufgezeichnet, dass ich nur schmunzeln muss und nun plötzlich ganz guter Laune bin. Und die Busen hast du auch genau studiert und analysiert.. Welche magst du am liebsten? (Oh, sorry!)
*
Es muss herrlich gewesen sein am Strand lange Spaziergänge zu machen. Das tut sowohl dem Körper wie der Seele gut. Und auf deine Zeichnungen bin ich auch neugierig. Kannst du mir eine davon scannern?
Ja doch, ich kenne sie, diese Elefantenfamilien. Aber auch diejenigen die nicht aussehen wie Elefanten aber bei denen man sich, wenn sie den Mund öffnen, wundert ob sie vom selben Planet stammen.
Ich merke, dass du den Deutschen ab und zu einen Fusstritt versetzt. Man tut das wahrscheinlich sehr gern besonders mit den Nachbarnationen. Die Norwegenwitze sind bei uns so eine Sache und handeln alle von der unglaublichen Dummheit unseres Nachbarvolkes.

Schön auch, was du von den Türken im Hotel sagst. Ja, solche Leute mag ich. Es sind Menschen mit Stil. Ich hatte mir dich eigentlich kaum auf einem Badeort vorstellen können, aber es scheint doch ein sehr gelungener Urlaub gewesen zu sein. Schickst du mir bald ein neues Bild von dir? Bitte, bitte, ..!
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Heute war ein wunderschöner Tag mit Sonne und glasklarer Luft. Ich hatte Lust einen Spaziergang im Wald zu machen aber da keine von meinen Freundinnen antreffbar war, habe ich mich schliesslich über den Rasen hergemacht. Dann auch ein wenig mit der Nachbarin  geplaudert, die meine neue Frisur kommentiert hat. Vor kurzem bin ich wieder eine "lady" geworden. ;-)) Also erst nach dem Bild in Fotofolder.

Nun muss ich dich lassen. Ich wünsche dir wie immer einen schönen nicht allzu anstrengenden Tag und mir (wenn möglich) ein schönes Morgenmail
Alles Liebe,
Marlena

Re: H


den 13 oktober  06:41
Re: H


Liebe Marlena
Ich gratuliere den Schwedinnen für ihren Vizemeister. Ich habe das am Rande mitgekommen, natürlich vor allem aus deutscher Sicht. Und im Stillen habe ich Euch schon den Daumen gehalten, das kannst Du mir glauben. Wir kleinen Schweizer mögen es nicht besonders, wenn unsere grossen (und dicken) Brüder zum Himmel hinaufwachsen. Eine kleine Niederlage rückt sie dann wieder auf ihren Platz.
Man kann vieles sagen über die Deutschen. Aber sie sind einfach etwas rücksichtslos. Das haben wir auch in der Turkei wieder bemerkt. Sie kommen immer mit dem Gefühl daher "Hoppla, da komm ich ..." und alle anderen um vieles später. Na ja, ich will nicht über sie lästern. Aber immerhin ...
*
Dein Bericht über das Pilzesuchen klingt ziemlich herbstlich. Ich versuche mir das vorzustellen. Man hat die Natur in der Nase, nicht wahr? Mein Bruder liebt es auch, Pilze zu suchen. Ich war einmal mit ihm gegangen und war erstaunt, dass man im trockenen Wallis auch solche finden kann. Auf jeden Fall hatte ich in meiner jugend mit Pilzen wirklich nichts am Hut. Hatte auch nie von Leuten gehört, die Pilze suchen oder kochen. Doch hier im Jura gibt es schon Pilze und auch viele Leute, die wissen, wie damit umzugehen. Es gab sogar bis vor ein oder zwei Jahren amtliche Pilzkontrolleure. Man konnte seine Funde dort vorzeigen und der Spezialist hat sie untersucht und entschieden, welche man essen könnte und welche bedenklich wären. Doch jetzt hat man aus Spargründen diese Kontrolleure aufgehoben. Das heisst, es gibt sie natürlich noch, aber sie arbeiten privat.
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Das klingt aber merkwürdig, ein Psychotiker, der einen Mord begeht, um dann die Haare zu schneiden und sich unkenntlich macht. Das passt alles nicht gut zusammen. Ein Psychotiker würde sich nicht die Haare schneiden, um die Tat zu vertuschen. Er wäre vielmehr im Wahn, dass er sowas tun musste ... oder so ähnlich. Er würde doch eher seine Tat rechtfertigen. Ich hoffe wirklich, der Fall löse sich bald auf. Es wäre unerträglich nach allem, was wir schon anlässlich des Todes von Palme gehört hatten.
*
Ich muss mich beeilen am Montagmorgen, um nach Basel zu kommen.
Und ich wünsche auch Dir einen feinen Wochenanfang.
Mit liebem Gruss
...