Sonntag, 13. Februar 2011

Nochmals Winter

"Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen"

Freitag, 11. Februar 2011

Die Schweiz: Städter und Dörfler

Liebe Marlena
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Kürzlich habe ich einen Artikel einer schweizerischen Stiftung gelesen, die behauptet, wir müssten die Schweiz urban verstehen. Ich glaube, ich habe das schon früher erwähnt, wenn Du Dich erinnern kannst. Die Leute beziehen sich auf einen Architekten, der ungefähr in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts gelebt hatte. Dieser Architekt hatte die Idee, aus der Schweiz eine moderne Stadt zu machen. Vielleicht geht es den Leuten vor allem um das, was wir im Kopf haben. Es ist natürlich so, dass wir uns die gute alte Schweiz denken als eine mehr oder weniger natürliche Landschaft mit Bergen, Tälern, Felder, Wäldern und Seen. Und darin finden sich Dörfer und Städte. Nun ja, es sind viele Dörfer geworden, und sie sind grösser geworden mit ihren neuen Quartieren ausserhalb. Und viele Dörfer und kleine Städte sind so gross geworden, dass sie sich heute berühren und dass sie, für uns Touristen, zu einer einigen Agglomeration geworden sind. Immer noch sagen wir aber, wir fahren aufs Land, wärend mit diesem Land nicht mehr viel Natürlichkeit übrig geblieben sind. Diese Landschaften kann man wirklich auch verstehen wie grosse Parks, die man ein wenig pflegt, wo man - als Attraktion für die Bewohner - noch einige Kühe und zwei oder drei Pferde hält. Aber eigentlich sind diese Landschaften umzingelt. Und sie sind in der Defensive. Insofern, so meinen diese Leute, sei die Schweiz der Prototyp einer modernen Stadt, die vom Boden- bis zum Genfersee reicht.

Das ist natürlich alles ein bisschen gelogen und geflunkert, der schönen Idee zuliebe. Und meine Theorie ist darin auch nicht mehr heimisch. Ich habe nämlich immer behauptet, man könne den Leuten in der Schweiz anmerken, ob sie in der Stadt oder im Dorf aufgewachsen sind. Ich habe also einen Gegensatz gesehen zwischen Stadt und Dorf. Wenn Du die Dorfleute anschaust, dann sind sie nett. Sie lächeln, sie zeigen Interesse an Dir, sie geben sich sehr freundlich und hilfreich. Vor allem die Affekte und die freundlichen Gesichter, das ist typisch für ein Dorf. Schliesslich müssen die Dörfler zusammen leben, und sie sind darauf angewiesen, dass alle liebt miteinander sind. Diese Liebe ist natürlich ein Zwang. Und wenn einer aus dieser Ordnung ausbricht, wenn er sich davon abwendet, bekommt er diesen ganzen Zwang zu spüren. Da können dann Dörfler sehr hart sein.

Die Städter dagegen sind kühl. Sie zeigen Fassade. Sie zeigen kein Interesse, keine Emotion. Sie wollen cool sein und bleiben. In der Stadt geht es immer darum, den eigenen Vorteil zu erhaschen. Jeder rundum ist ein kleiner Konkurrent, sei es im Tram, wo die Sitzplätze beschränkt sind, im Kaufhaus, wo man in der Warteschlange an der Kasse vorwärts kommen möchte, auf dem Gehsteig, wo der Platz beschränkt ist. Man sucht die eigenen Vorteile, aber man zeigt das nicht. Die Anstrengung soll verdeckt bleiben, wie das ganze Innenleben überhaupt. Das Private bleibt tief verborgen. Und ein Lächeln hat so ohne weiteres keiner verdient. Städter lassen sich schwer in die karten schauen. Sie setzen ihre Emotionen instrumentell ein, damit sie ihnen Nutzen bringen, während die Dörfler ihre Emotionen dazu verwenden, die soziale Kohäsion zu stabilisieren.

So ungefähr meine Theorie. Wenn man jetzt aber sagt, die Schweiz sei eine einzige landesweite Stadt, dann verwischt dies den Unterschied zwischen Städtern und Dörflern. Und da bin ich nocht nicht ganz einverstanden mit. Na ja, neben den Städtern und den Dörflern gibt es noch die Hinterwäldler. Die sind eine Kategorie für sich. Sie sind wie überreife Pflaumen, sozusagen von höherer Wesensart ;--))
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Städter sind ja doch häufig Menschen, die gewandt reden, die sich mit dem Mund verteidigen und ausdrücken können. Ich glaube, alle grossen Städte haben ein Image in diese Richtung der grossen Maulhelden ihrer Einwohner: Die Berliner, die Pariser, die Römer, die Madrider, auch die Londoner, oder die Wiener? Und von den Menschen aus den Dörfern sagt man gerne, sie seien langsam, sie seien etwas dumm, etwas naiv und gutgläubig und so weiter.

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Vielleicht ist diese Idee, die vom Architekten stammt, dieser kühne Akt, aus der Schweiz eine moderne Stadt zu machen, ein Angriff im Sinne der Verteidigung. Die Schweiz hat keine wirklich grossen Städte. So ist es vielleicht die einzige Möglichkeit, eine 7 Millionen-Stadt zusammenzubringen, wenn wir alle unsere Schweizer und die Zugewanderten aufrufen, zusammenzustehen, um die Stadt "Schweiz" zu machen. Von einem Stadtrand zum anderen sind es dann um die 4 Stunden zu fahren. Und dazwischen gibt es diese grossen Parks, wo man noch echt wandern kann und Durst bekommt, ohne dass man gleich eine Schenke sieht. Je mehr ich davon schreibe, desto besser finde ich die Idee. Wir sind eine riesige Stadt mit ungefähr 6 Flughäfen und ebensovielen Atomkraftwerken. Die Stadt unterscheidet sich zwar von Quartier zu Quartier. Und die Polizisten haben nicht in allen Quartieren dieselbe Uniform. Sie sprechen auch ziemlich unterschiedliche Dialekte oder gar Sprachen. Die einen sogar französisch oder italienisch. Aber dennoch, es gibt ein paar grosse Quartierstrassen in Form von Autobahnen, die alles miteinander verbinden. Und das Urzentrum dieser grossen Stadt gäbe es im Grunde gar nicht. Die Quartiere haben mehr oder weniger alle dasselbe Gewicht. Ausgenommen vielleicht der Fall, die Zürcher wollten unbedingt das Zentrum bleiben. Sollen sie so, und den Lärm ihres Flughafens ertragen! Basel wäre dann ein Aussenquartier, eine elegante Wohnlage ausserhalb des Flughafenlärms. Basel ist das Quartier der Chemiker und der Apotheker. Hier werden Medikamente gemacht.

Und dann soll sie mal kommen, die Welt, und sich anschauen, wie eine grosse Stadt wirklich aussieht. Noch Teheran ist dann ziemlich klein und überschaubar, wenn man es mit uns vergleicht. Na also, was sagst Du dazu, Marlena?

Mit einem schönen Gruss
...

Blick durchs Fenster

Abendsonne 11-2-2011

"Fremdkörper"


den 27 juni 2003 07:47
Re: Küchengeflüster

Liebe Marlena

Freitag Morgen, was sagst Du dazu? Na ja, Du bist in den Ferien, da spielt es keine Rolle, in welcher Phase der Woche man dümpelt. Das spielt erst einen Faktor, wenn man sich, wie auf einer Hängebrücke, von einem Pfeiler zum nächsten durchhangeln muss. Erst wenn man wieder festen Boden unter den Füssen hat, kann man sich sicher wähnen. Aber solange das Seil hängt und schlingert im Wind, ist noch alles möglich. Ich jedenfalls habe jetzt den Pfeiler vor mir. Bald wird er mir halt geben.
*
Ja, da staunst Du, der Gedanke, nach NY zu fliegen, ist auch für mich so fremd wie eine Beule, die man plötzlich kriegt. Sie stellt sich irgendwie als Fremdkörper dar, als ein Ding, das nicht zu mir gehört und nicht zu all dem passt, was bisher zu mir gehört hat. Und doch ist es mein Fleisch. Ich versuche, den Gedanken zu assimilieren, indem ich ihn kaue wie Whrigleys, diesen amerikanischen Kaugummi. Am liebsten tue ich es vielleicht mit dem immer noch attraktiven und ewig jungen Peppermint. Ich stelle mir vor, wie es dort ist und wie ich mich in dem Getümmel zurechfinden könnte.Man ist ja eigentlich in den Häuserreihen wie eine Maus im Labyrinth. Und wenn man sich die Fotos anschaut, so sind sie immer von oben, aus hoher Distanz, von Flugzeugen oder von Wolkenkratzern. Da sieht alles immer ganz niedlich aus. Aber tief unten in diesen Schluchten, die wahrscheinlich den ganzen Tag nie Sonne sehen, was soll ich dort tun? Man kann ja bloss ein bisschen Schaufenster anschauen, herumstehen, angerempelt werden durch eilige Passanten?
Nein, ich stelle es mir noch nicht schön vor. ...
 *
Gut dass Du zu Deinem Ausflug kommst. Es ist ja jetzt auch eine schöne Zeit zu reisen und das eigene Land anzuschauen. Die Wärme und der Sonnenschein stimmt alle Menschen ein bisschen milder, nicht wahr? Ich auf jeden Fall geniesse es, in Basel zu flanieren und mich ein bisschen zu fühlen, als ob ich ein Tourist wäre. Ich wäre wirklich ein exzellenter Flaneur, das kann ich Dir verraten, der stundenlang dahinwandert und immer wieder stehen bleibt, wenn es irgend etwas zu sehen oder zu hören gibt. Ich glaube, ich würde mich kaum langweilen.Vielleicht würde ich bedauern, dass man die Szenen nicht wirklich festhalten kann, nicht per Biild und nicht mit Worten. Aber es gibt soviele bemerkenswerte Szenen in einer Stadt, die für sich allein, ohne weiteres Zutun, irgend einen Wert haben. Vielleicht ist es blosse Unterhaltung. Vielleicht ist es bloss das Wunderliche zu sehen, wie sich das Leben auch noch darstellen kann, also die Variation und die Unvermutetheit.

Donnerstag, 10. Februar 2011

Re: Küchengeflüster

 Klosterkirche in Vadstena

Ämne: Re: Küchengeflüster
Datum: den 26 juni 2003 10:24

Lieber ...,
Du darfst nicht übertreiben. So "glücklich" über die neue Küche bin ich nun doch nicht. Aber ein Ofen, auf den man sich verlassen kann, d.h. der warm wird und sich auch abkühlt wenn man so will, ist schon eine gute Sache. Über die Microwelle amüsiere ich mich nur. Sie steht wirklich da und sieht schön aus. Hat also bisher fast keine Funktion in meinem Leben.
Freude habe ich dagegen an der Aussicht vom Fenster hier. Wenn die Sonne so all das grün beleuchtet, sieht es himmlisch schön aus.
*
Ach? S will dass du nach NY fährst? Das erstaunt mich. Sie möchte also 14 Tage frei haben? ;-)
Wenn ich S wäre würde ich mitfahren. Dich würde ich nicht allein weg lassen.. *s*
*
Ja, lustig, wie du von diesem Paar erzählst. Eigentlich zeugt das ganze ein wenig von schlechtem Benehmen ihrerseits. Auch wenn sie sich seiner schämt, sollte sie dir mit stolzen Worten (es braucht manchmal ein wenig Schauspielerkunst dazu) ihren Mann vorstellen. Wie soll er anders sein können, wenn sie ihn so behandelt?
*
Jetzt muss ich mich schon etwas beeilen. In einer Weile fahren wir los nach Vadstena. Das wunderschöne kleine Städchen am Vättern mit seinem Birgittakloster. Ich freue mich es wiederzusehen.
Ich wünsche dir einen schönen Tag und alles was damit zusammenhängt,
Marlena

Küchengeflüster

(ungekürzt)


den 26 juni 2003 07:22
Re: Küchengeflüster

Liebe Marlena

Jetzt hat das Wetter etwas abgekühlt. Der Himmel ist bedeckt, aber es regnet nicht. Doch es wirkt - nach sovielen Tagen hellen Sonnenscheins - ein bisschen düster. Gestern hat unser Kollege M. seinen Abschied gegeben. Beim Liferanteneingang hat er ein grosses Buffet aufgestellt mit vielen kalten Speisen. Aber ich bin kaum dazugekommen, zu essen. Ich habe etwas von diesem Eggplant Salat genommen. Aber die Dinger waren noch etwas zäh. Und dazu ein Glas Orangensaft, keinen Wein ! Es war heiss wie in der Vorhölle. Und dann habe ich M. getroffen, die Juristin, die jetzt - wie sie mir des Langen und Breiten erzählt hat - am Gericht und nicht mehr in der Personalabteilung arbeitet. Wir haben uns mal in einem Kurs kennengelernt. Sie ist eine hübsche Frau und sie war mit einem Typen da, von dem ich dachte, es wäre irgend ein Arbeitskollege in einer tieferen Funktion. Na ja, es gibt so Typen, die Frauen begleiten, damit diese nicht allein hingehen müssen. Sie fühlen sich geschmeichelt, eine schöne Frau begleiten zu können. So einer dachte ich. Dann war es aber ihr Mann, wie ich indirekt aus dem Gespräch entnahm. Und da musste ich ihn auch etwas berücksichtigen und ein paar Worte wechseln, sonst hätte er noch eifersüchtig werden können. Man sieht daraus nur, wie ungelenk wir Schweizer in diesen sozialen Dingen sind. Bei Persern würde sowas niemals passieren. Sie würden ihren eigenen Mann direkt, sofort und mit Vergnügen vorstellen. Natürlich hängt das auch damit zusammen, dass man hier nicht als Paar, sondern als Individuum zählt.
*
Nächste Woche beginnen bei uns die Sommerferien. Und wenn die Schulen geschlossen haben, wird hier alles still und friedlich werden, und ich werde Zeit haben, aufzuräumen und Dinge zu lesen, die ich schon immer lesen wollte. Ach, der Sommer ist eine wundervolle Zeit. Und dazu muss ich mein N.Y. Projekt organisieren. Du fragst, ob ich sicher bin, dass ich wegen des Kurses hingehe? Wegen nichts anderem. Ich bin noch gar nicht so sicher, ob ich hingehen soll. Aber alle überreden mich dazu. Die Frage ist, was mein Arbeitgeber dazu sagt. Bezahlt er den Kurs? Die Reise? Die Unterkunft? Wir sind in einer grossen Sprarphase, und ich glaube, mein neuer Chef wird nicht zu grosszügig sein können. S. meint, das tue nichts zur Sache, notfalls solle ich dies privat bezahlen. Aber für mich ist NY wirklich kein Traumziel. Ich glaube nicht, dass für mich 14 Tage in einer riesigen Stadt wirklich ein entspannendes Urlaubsziel sind. Wirklich nicht. Und dazu umgeben von all den Amis, die wohl immer noch ziemlich hysterisch sind. Nein, ich würde lieber nach Arles fahren, oder noch besser nach Aix en Provence. Oder vielleicht ins Burgund, wo es schöne romanische Kirchen gibt. Notfalls auch nach Italien oder Spanien. Aber bestimmt nicht NY. Man sollte den Amis zur Zeit nicht zuviel Aufmerksamkeit geben. Sie haben es nicht verdient. Na ja, ich werde sehen.
*
Es ist wirklich so, Deine Mails klingen ganz anders, wenn Du Ferien hast. Du scheinst ein anderer Mensch zu sein. Das ist gut so. Aber man darf hier - wenn man meiner Theorie folgt - nicht denken, das sollte während des ganzen Jahres so sein. Wenn Du das ganze Jahr Ferien hättest, wäre es bestimmt nicht so. Dann würden die kleinen Sorgen zu grossen Sorgen heranwachsen. Sorgen haben es an sich, dass sie gut gedeihen. Vor allem die lockeren Zeiten sind ein guter Boden für sie. Sorgen müssen durch andere Sorgen gebändigt werden, wie das Unkraut im Garten. Man darf ihnen nicht zuviel Platz geben, sonst werden sie überdimensional gross, wie diese immensen Kürbisse, die man manchmal bei Hobbygärtnern sieht. Und dazu kannst Du dich über die neue Küche freuen, über Herd und Microwelle. Na ja, da kann ich nicht sonderlich gut folgen. In eine Küche habe ich mich bisher in meinem Leben nie verliebt. Aber ich kenne durchaus Leute, die das tun. Vor allem Frauen. Und sie haben recht. Man steht viele Stunden in der Küche, wenn man genau rechnet. Weshalb sollte man sich dort nicht zufrieden und glücklich fühlen? Vielleicht, wenn ich mal in Pension bin, werde ich wieder mehr in der Küche stehen. Als S. frisch in die Schweiz gekommen war, hatte sie überhaupt nicht gekocht. Damals arbeitete sie in einer amerikanischen Firma. Und so lag es an mir, die Küchendinge zu erledigen. Ich habe oft Pizza gemacht, wenn ich mich richtig erinnere. Und auch Siedfleisch, in einer riesigen Pfanne voller Wasser. Erst später habe ich bemerkt, dass es nicht soviel Wasser braucht. Und so sagt S. oft, sie hätte von mir kochen gelernt. Aber das ist eine nette Übertreibung. Die paar Dinge, die ich damals zuzubereiten pflegte, kann man an einer Hand abzählen.

Manchmal schaue ich mir im Fernsehen Kochsendungen an. Sie sind mittlerweile etwas in Mode gekommen. Die Leute kochen gemeinsam, manchmal Prominente, und dazu diskutieren sie über dieses oder jenes. Das ist manchmal unterhaltsam, und man sieht gewisse Kochtechniken, die man noch nicht kennt, manchmal auch Geräte, von denen man denkt, sie wären auch in der eigenen Küche praktisch. Das finde ich unterhaltsam und erspart mir später ein üppiges Mahl. Nein, ich habe die Bedeutung des Essens ziemlich heruntergeschraubt. Und im Moment ist es ohnehin zu heiss, noch zu essen. In den letzten Tagen war es am nützlichsten, wenn man das Essen trinken konnte.
*
Jetzt wünsche ich Dir einen guten Tag und hoffe, dass Dir Deine Küche viel Spass macht.

Mit lieben Grüssen
...

Mittwoch, 9. Februar 2011

Plaudermail


Ämne: Ganz bei dir..
Datum: den 25 juni 2003 12:28

Lieber ...,
Endlich etwas Ruhe hier.. K und F sind zu K's Wohnung gefahren,  um ein paar Rechnungen zu holen. Vielleicht will K ihm auch wieder einmal die Stadt zeigen, wo er eine zeitlang gearbeitet hat, vor vielen Jahren und es ist ein kleiner Ausflug, den sie auch machen wollten um einen regnerischen Tag zu vertreiben. Aber der Wetterbericht hat sich geirrt. Die Sonne strahlt von einem fast wolkenfreien Himmel. Eigentlich sieht der Garten hier durchs Fenster sehr verlockend aus. Aber meine Schulter juckt etwas. Habe bei der Balkonarbeit, trotz Sonnenschutzcreme Faktor 15, etwas zu viel Sonne abbekommen. Ein paar Tage werde ich im Schatten verbringen müssen.

Gestern kam der neue Ofen. Weisst du wie es sich anfühlt einen neuen Ofen zu haben? Es ist ein ganz und gar herrliches Gefühl und in Gedanken sieht man alle die schönen guten Speisen und Gebäcke, die man damit zubereiten wird. Die Microwelle steht da und sieht schön aus. Das ist wohl das meiste was man von ihr sagen kann.. ;-) Aber man muss sich eben an das moderne schnelle Leben erst gewöhnen.

Ja, Folke ist sich wirklich ähnlich. Ich glaube ich kenne sonst keinen Menschen der sich so wenig verändert hat seit seiner Studentenzeit. Er ist ein sehr vermögener Junggeselle und doch, wenn ich so sehe wie reduziert sein Leben ist, wie viel er verpasst hat, dann fühle ich mich sehr reich.

Natürlich muss man bei den grossen Festen den Ritualen folgen und besondere Speisen essen. Man kann ihnen einen modernen Touch verleihen, wenn man so will, aber ich glaube die meisten Leute bevorzugen es im Original. Wir hatten statt dem "Sill" (eingelegter Heering) "Gravlax" gewählt (Rezept hier unten). Und dann die Erdbeertorte als Nachspeise. Nur hat es draussen in Strömen gegossen und nicht einmal die sieben Blumen habe ich pflücken können. Auch haben wir auf die Feier im Freilichtsmuseum verzichtet. Alle zehn Minuten hat sich der Himmel geöffnet und bei so starkem Regen macht es keinen Spass.
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Am Sonntag haben wir dann Anna nach L gebracht. Doch das weisst du bereits. Und ich habe fleissig gearbeitet. Manchmal bekomme ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich das am Sonntag tue, aber dann sage ich mir dass der Ruhetag ja eigentlich der Samstag ist.. Es hilft. ;-)
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Doch, den Zeitungsartikel hatte ich schon gelesen. Nur habe ich ihn etwas unbegreiflich gefunden. Aber von dir habe ich erwartet, dass du ihn besser verstehst und da es von einer Ausstellung in Basel handelte, habe ich ihn dir geschickt. Ich würde nie einen Artikel verschicken, den ich nicht selbst gelesen habe. Es überrascht mich wirklich wenn du sowas tust.
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Um das Gartenbad beneide ich dich. Ich wünsche mir oft, dass hier hinter dem Haus ein See läge. Aber Leute, die einen solchen Wohnsitz haben werden hier in Schweden von den Steuerbehörden sehr bestraft. Oft müssen sie so hohe Wohnsteuern zahlen, dass sie es sich nicht mehr leisten können dort zu wohnen. Es sind schon grosse Demonstrationen wegen dieser Strafsteuer vorgekommen, in einem Land wo man nicht sobald zu solchen Massnahmen greift. Ausser die "Huligane", die ja jede Gelegenheit nützen, den Frieden zu stören.
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Ich freue mich für dich auf die kommende Woche. Ich weiss wie schön es ist, wenn man plötzlich Zeit hat alle seine liegenden Arbeiten in Ruhe zu erledigen.
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Nach New-York willst du? Bist du sicher, dass es der Kurs ist, der dich dahin lockt? ;-))
Dagegen würde ich an deiner Stelle die Einladung zu der Hochzeit annehmen. Muss herrlich sein, eine Zeit in einem ganz anderen Milieu zu leben. Und sicher würden sich die Gastgeber sehr geehrt fühlen. Wann ist die Hochzeit?
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Ja, ich habe Ferien. Es ist herrlich! Ich geniesse es, nicht dauernd ein Auge auf die Uhr halten zu müssen.
Und ich stehe ziemlich früh auf am Morgen. Das ist ein gutes Zeichen. Es gibt viel zu tun, aber es macht alles Spass. Was immer ich tue so sehe ich sofort das Resultat davon. So ist es leider nicht immer in meinem Beruf.
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Es freut mich von Onkelchen zu hören. Ich vermisse wirklich den Kontakt mit älteren Menschen. Sie strahlen eine Ruhe aus, die einem gut tut. Und es ist so schön ihnen eine Freude bereiten zu können. Ja, ich beneide dich wirklich um diesen alten Mann.
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Morgen wollen wir einen Ausflug nach Vadstena machen, wo das grosse Birgittajubiläum gefeiert worden ist. Die Stadt, die mir auch sonst gefällt, wird sicher dieses Jahr besonders geschmückt sein. Ich werde mir die Digitalkamera mitnehmen und ein paar schöne Aufnahmen für dich machen.

Du solltest dir eine Digitalkamera besorgen. Seitdem ich sie habe, fotografiere ich viel mehr als vorher und es kostet mich überhaupt nichts. Früher habe ich immer grosse Summen für Filme und Entwicklung ausgegeben. Und sie ist genau so leicht zu handhaben wie ein gewöhnlicher Fotoapparat. Du richtest sie gegen ein Motiv und drückst ab. Und sofort kannst du auf der Rückseite der Kamera sehen wie das Bild geworden ist und es mit einem anderen ersetzen falls du nicht zufrieden bist.
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Wie ist das Bild für deinen Chef geworden? Kannst du es mir zeigen?

Im Garten leuchten Annas Mohnblumen. Ich lege dir ein Bild davon in Fotofolder.

Ja, es wäre ein Abenteuer dich live zu sehen. Aber eben... :-) Warum kommst du gerade jetzt auf diesen Gedanken? Ich brauche dir nicht zu sagen, wie sehr ich unseren Mailkontakt schätze. Manchmal habe ich Angst, dass der liebe Gott eifersüchtig werden könnte.

Schreibe mir bald wieder, ich sehne mich danach.

Wünsche dir einen schönen Tag,
Mit lieben Grüssen,
Marlena

GRAVLAX

1000 g küchenfertiger frischer Lachs mit Haut -geteilt, ohne Mittelgräte, andere Gräten entfernen lassen- abspülen, trockentupfen, eventuell noch vorhandene Gräten entfernen
2 Bund Dill waschen, fein hacken
1 EL weiße Pfefferkörner in einen Mörser geben
1 EL Senfkörner hinzufügen und fein zerstoßen (kannst du weglassen)
50 g grobes Salz hinzufügen
50 g Zucker hinzufügen und vermischen

(wir nehmen meist 7 Esslöffel Salz und die gleiche Menge Zucker)

eine Lachshälfte mit der Hautseite nach unten in eine Schüssel legen, mit der Gewürzmischung und 2/3 Dill bestreuen, die zweite Lachshälfte mit der Hautseite nach oben darauflegen.

Wir legen den Lachs dann ganz einfach in eine doppelte Plastiktüte. So kann man sie leicht und ohne Problem wenden, damit die Flüssigkeit, die sich bildet überall hingelangt. Drei Tage lang lassen wir ihn im Kühlschrank liegen und wenden ihn zweimal täglich.