Montag, 3. Januar 2011

Neue Besucher..

 ... heute im Garten

Sonntag, 2. Januar 2011

das Hotel Krone

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So haben wir den Silvester Nachmittag in der Krone verbracht.
Vielleicht muss ich dir dazu erklären, dass das Hotel Krone, das beste Haus in Lenzburg, gerade unterhalb unseres ehemaligen Wohnhauses steht. Als Junge habe ich aus dem Fenster oder dem Garten immer auf diese Krone heruntergesehen. Ich war im Kindergartenalter, als sie die Gartenwirtschaft hinter dem Haus zu einem grossen Fest- und Theatersaal umgebaut haben. Ich habe stundenlang den Arbeitern zugeschaut, wie sie den Beton in diesem zweiräderigen Karren in die Höhe gefahren haben. Ich glaube damals gab es noch nicht diese grossen Kranen. Nein, sie haben überall aus Holzbrettern Fahrbahnen auf Gerüsten gebaut, um mit diesen Karren den Beton zuführen zu können. Das fand ich faszinierend. Und ich glaube, diese Erlebnisse von meinem Kinderfenster aus haben auch ein wenig mitgewirkt, dass ich dann später erst einmal Architekt werden wollte.
Gleich zwischen unserem Garten, der am Schlossberg oben erhöhht lag, und der Krone führte in einer tiefen Schlucht die Hauptstrasse von Zürich nach Bern. Und die Krone war bekannt, weil hier die Strasse eine Ecke von 90 Grad schlug. Man kann nicht sagen, eine Kurve, damals war es wirklich eine Ecke. Und an Sonntagen wälzte sich eine Kolonne von Fahrzeugen um diese Kronenecke. Und wir Kinder standen mit den Nachbarn, Herr Senn, oben am Geländer und schauten hinunter. Er rauchte seine Zigarre und wir zählten die Autos oder merkten uns die Kantonswappen auf den Nummerschildern. Damals hatte man den motorisierten Verkehr noch nicht mit so viel Misstrauen betrachtet.
Und gelengentlich, wirklich nur ab und zu – aber es waren für einen Jungen die Höhepunkte – gelegentlich also kam ein Lastwagen mit einer langen Ladung Baumstämmen. Und die hatten immer ihre liebe Not, die Kurve um die Kronenecke zu krigen. Manchmal mussten sie vor- und rückwärts „sägen“, um nicht die Hauswand zu demolieren. Das war immer eine interessante Angelegenheit.
Und einmal, ich bin immer noch bei der berühmten Lenzburger Krone, einmal turnte auf dem Dach der Krone ein verrückter Mann herum. Das Dach lag etwa auf gleicher Höhe unseres Gartens. Ich war damals wohl in der ersten Schulklasse. Und so sah in vis à vis diesen Mann, und aus dem Dachfnester stieg ein zweiter, der notdürftig mit einem Seil befestigt war und sprach dem anderen zu. Ich verstand eigentlich nicht, was da los war. Ich glaube, ich hatte das Gefühl, das wäre jetzt ein Kriminalfall. Die Polizei verfolgt einen Täter, der auf das Dach geflüchtet war. Aber später sagte man mir, dass der Mann verrückt sei.
Onkelchen erinnert sich auch noch an diesen Vorfall. Er war lange Jahre Kommandant der Lenzburger Feuerwehr und damals mussten sie mit einem Falltuch (nennt man das so?) ausrücken und das ganze Spektakel absichern. Immerhin ist die Krone drei Stöcke hoch. Ich kann mich bloss noch erinnern, dass ich sehr aufgewühlt war nach diesem Schauspiel. Nun ja, dass Menschen auf Dächern herumklettern und sich von anderen Menschen wieder herunterholen lassen, das war nun wirklich eine Neuigkeit. Und vielleicht hat das ja mitgespielt, dass ich später dann doch das Fach Psychologie gewählt habe. Denn neuerdings sind es die Psychologen, die andere Menschen von den Dächern herunterreden.

Siehst du Marlena, man kann immer einen roten Faden konstruieren, wenn man denn möchte. Das vielleicht, wenn überhaupt etwas, gibt der eigenen Biographie einen Sinn. Denn Sinn ist ja heute Mangelware.
Alles in allem, meine liebe Marlena, wenn du so mit Informationen aus der Krone in Lenzburg kommst, dann triffst du mich mitten ins Herz. Das vielleicht war es, was ich dir sagen wollte.
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Ich küsse dich mit einem Ding, das sich anhört wie ein Champagner-Korken.
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à la carte

Date: Sat, 02 Jan 

Liebe Marlena
Nun ja, dass du mir gleich das Silvester Menue aus dem Hotel Krone in Lenzburg schickst, das wirft mich wirklich in den Stuhl zurück.Man fühlt sich wie bei big brother. Everybody watches you. Und man wird gänzlich steif und achtet darauf, keine falsche Bewegung zu machen. ;--)
Nein, so schlimm ist es nicht. Aber in der Tat haben wir schliesslich nicht das Silvestermenue gegessen. Onkelchen hatte für uns einen Tisch am Mittag reserviert. Das war ganz feierlich. Und das Hotel war nicht überfüllt. So haben wir in Ruhe à la carte gegessen. Ich habe mich ein wenig zurückgehalten und das empfohlene Menue genommen. Das war Wild mit Gerste und gebratenen Äpfeln. Das Fleisch war so zart und fein, wie ich es bei Wild noch nie gegessen habe. So „wild“ war das eigentlich gar nicht mehr. Dazu haben sie mir einen wunderbaren Salatteller gemacht, dass alle ganz neidisch geworden sind. Es war ein wirkliches Kunstwerk. S. hat Krebse gegessen, wenn ich mich richtig erinnere auf Wildreis. Sie war ganz begeistert. Und Onkelchen hat Fisch gehabt, Sole auf einem schön dekorierten Teller. Sie haben ihm den Fisch gleich tranchiert. Und als sie ihm die zweite Hälfte bringen wollten, hat er erstaunt abgewunken. S hat in ihrer weiblichen Geistesgegenwart verlangt, dass sie das alles einpacken. So hatte er am nächsten Tag noch eine schöne Portion Fisch im Kühlschrank.
Wir hatten ein Glas Champagne zum Anfang. So waren wir guter Dinge. Und zum Essen haben wir einen roten Wadtländer gewählt. Ich glaube, es war Aigle. Ich habe bei Onkelchen ein wenig die Wadtländer Weine entdeckt. Er hat sehr guten Weissen aus der französischen Schweiz. Und ich hatte ja früher den Eindruck, es gäbe nur im Wallis trinkbare Weine. Aber die Wadtländer sind auch recht gut. Der Höhepunkt meines Essens war der Nachtisch. Ich habe eine Zabaione gewählt. Das ist eine Weinschaumcrème. Meine Mutter hatte gelegentlich an einem kalten, verschneiten Sonntag nach dem Spaziergang ein solch feines warmes Geschleck bereitet. Man bereitet die Crème in einem warmen Wasserbad, indem man das Eigelb mit dem Besen lange rührt. Und dann fügt man irgendwie noch Zucker und weissen Wein dazu. Ich glaube, so ähnlich wird die Zabaoine zubereitet. Und wenn es kalt ist, z.B. nach dem Skifahren, ist sie einfach wunderbar. Fast eine Medizin wie ein Irish-Coffee. Aber nicht rezeptpflichtig.
So haben wir den Silvester Nachmittag in der Krone verbracht.
Vielleicht muss ich dir dazu erklären, dass...

(fortsetzung morgen)

Silvestermenue - oder..

Ämne: Re: happy new year
Datum: den 1 januari

Lieber ...,
Ein schönes Fest ist vorüber und das erste Jahr des neuen Dezenniums hat gerade begonnen. In Gedanken war ich auch eine Weile bei dir und habe mit Dir angestossen.
Schau mal hier was ich gerade gefunden habe im Internet :-)
Da hast du wohl gefeiert, oder? Und hat nun Onkelchen auch getanzt? Erzähl mir ein wenig davon, bitte.
Hoffentlich hast du dich gut ausgeruht und bist wieder in Form. Ich wünsche Dir nochmals alles Gute für das kommende Jahr.
Mit lieben Grüssen und ein wenig.. du weisst schon..
Marlena

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Silverstermenu des Hotel Krone, Lenzburg:

Rauchlachs-Roulade im Crêpemantel auf leichter Kaviarsauce
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Enten-Essenz mit Kürbisperlen
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Hausgemachte Trüffel-Tagliatelle mit frischen Steinpilzen und Reggiano-Chips
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Kalbssteak "Double" auf Armagnac-Rahm Hausgemachte Schupfnudeln Winterrüben-Duett
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Grosses Dessertbuffet mit Käsebrett
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Mehlsuppe zum Einstieg ins neue Jahr

Samstag, 1. Januar 2011

Winterwald

Roman von John Irving

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Schliesslich habe ich diesen 800 Seiten Roman von John Irving doch noch bewältigt. Das Ende ist dann doch noch etwas trivial geworden. Im Wesentlich geht es in diesem Roman um Eddie, der als 16 jähriger Student bei einem Schriftsteller einen Ferienjob antritt und dabei die Geliebte seiner schönen Frau wird. Die Frau verlässt dann ihren Mann und ihre Tochter und verschwindet für die nächsten 35 Jahre. Ihre Tochter, die damals 4 Jahre alt ist, wird später Schriftstellerin, und Eddie wird das auch. In ihren Büchern versuchen sie ihre Lebensprobleme zu bewältigen. Sie beispielsweise das Verschwinden ihrer Mutter. Er seine Liebe zu einer älteren Frau. Schliesslich schreibt aber auch die verschwundene Mutter Romane, Kriminalromane. Sie tut es unter einem Pseudonym. Aber Eddie erkennt sie in den Romanen.
Ist das nicht eine arg konstruierte Geschichte? Nun gut, zum Schluss des Romans wird deutlich, dass viele Ereignisse und Details am Anfang der Geschichte schliesslich zu ihrer Bedeutung kommen. Daraus sieht man, das der gute Irving das ganze Projekt intensiv durchdacht hat.
Was mich vor allem gestört hat war die Tatsache, dass viele Figuren detailliert und umfangreich geschildert wurden, die eigentlich nebensächlich sind. Ich hatte mich immer wieder überlegt, ob ich mich darauf einlassen sollte, oder ob ich die Seiten besser überspringen würde. Das ist ja nicht einfach, weil man oft dann Dinge verpasst, die später für das Verständnis wichtig würden. Aber es gab soviele Personen, mit denen sich Irving akribisch beschäftigt hat, die später wieder aus seiner Geschichte verschwinden. Es ist ja doch wie wenn deine Töchter Freunde mitbringen. Man soll sich nicht mit jedem verbrüdern und Freundschaft schliessen, weil er nach 3 Monaten vielleicht wieder in der Vergessenheit landet.
Und weiter hat mich am Roman gestört, dass sie alle sexoman sind, diese Amerikaner, die Frauen wie die Männer. Die Schriftsteller wie die Gärtner. Wenn sie eine Frau sehen, schauen sie sich erst einmal die Brüste und und das Becken an und fragen sich, wie sie es mit ihr im Bett anstellen wollen. Das ist auf die Länge wirklich ziemlich monoton. Irving arrangiert die Bettepisoden wie ein Historienmaler Schlachtszenen. In allen hässlichen Details und mit ganzer Palette malt er sie aus, von hinten und von vorne und von oben und von unten. Er erspart unserer Fantasie wirklich absolut gar nichts. Es ist geradezu tierisch.
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Ich werde mir im neuen Jahr meinen Walter vornehmen. Er soll seinen Irving verteidigen, wenn ich ihn nach Noten niedermache. Und er muss schon gute Argumente finden, um sein Leben zu retten. Sein literarisches natürlich. Was mich betrifft, so habe ich meine Hausaufgaben gemacht. Ich werde in meinem kommenden Leben mit einiger Wahrscheinlichkeit kein Buch von Irving mehr zur Hand nehmen. Soviel Zeit für sowenig Profit, das will ich mir nicht mehr leisten. Und mein 800-Seiten-Exemplar werde ich getrost weiterschenken können. Vielleicht ist das eine Idee? Ich schenke dieses 800 Seiten Büchlein Walter zum Neuen Jahr. Zwar glaube ich, dass er schneller liest als ich. Er hat auch ein ruhigeres Familienleben und kann sich besser auf seine Lektüre konzentrieren. Aber dennoch, er soll auch daran leiden!

1. Januar

Liebe Marlena
So haben wir also dieses bedenkenswürdige Jahr geschafft! Ich wünsche Dir und Deinen Lieben für das neue Jahr alles Gute, viel Glück und Frohsinn und natürlich auch gute Gesundheit und jeden Morgen eine feine Tasse Kaffee. Das letztere klingt vielleicht etwas komisch. Aber letztlich sind es ja auch die kleinen Dinge, die unser Leben zufrieden und geniessenswert machen. Ich jedenfalls schätze meine Tasse Kaffee am Morgen vor der Arbeit und abends, wenn ich heimkomme, besonders.
Man soll sich für ein neues Jahr nicht zuviel vornehmen. Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert, sagt man. Deshalb nehme ich mir nur kleine Dinge vor, und ich behalte sie vorsichtshalber für mich selbst. Und ich schicke in dieser Sache auch keine SMS.
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Schliesslich habe ich diesen 800 Seiten Roman von John Irving doch noch bewältigt. Das Ende ist dann doch noch etwas trivial geworden. ...
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Heute ist wiederum wunderschönes, kaltes Winterwetter. Es gibt kaum Leute, die unterwegs sind. Alle müssen sich ihren Silvesterrausch ausschlafen. Auch die Italiener stehen noch nicht unten vor der Buchhandlung. Wahrscheinlich wäre es ihnen auch zu kalt. In Schattenlagen liegt noch etwas Schnee. Das ist eine gute Erinnerung an die diesjährigen weissen Weihnachten.

Und bald schon fängt die Arbeit wieder an. Meist, wenn solche Ferien- und Feiertage vorbei sind, ärgere ich mich ein wenig darüber, dass ich nicht mehr aus ihnen gemacht habe. Malen, Zeichnen, Schreiben, Fachbücher lesen: wann denn sonst sollte man sich diese Dinge vornehmen, wenn nicht an freien Tagen. Aber diese verflixten Tage fliessen und tropfen durch die Finger und verschwinden ins Nichts. Man wollte sich nur mal ein wenig hängen lassen, und schon sind sie vorbei. Zeitmanagement, das wäre gut.
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Ich wünsche Euch allen noch einen schönen und sonnigen Neujahrstag.
Mit einem lieben Gruss
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