Donnerstag, 3. Juni 2010

Late again

Lieber ...
Heute musste ich wirklich aufpassen und versuchen nicht an dein Mail zu denken sonst hätte ich plötzlich vor allen Leuten laut lachen müssen. Sag, warum glaubst du dass ich weniger scheu bin als deine alten Tanten? Würdest du ihnen auch so unverhüllt von deiner Männlichkeit erzählen? Stell dir mal vor wie sie dich anschaun würden. Und auch ich weiss nicht mehr ganz wie ich das nun mit meiner platonischen Liebe in Einklang bringen soll. ;-)

Ich werde so müde wenn ich von deinen Schlaforgien lese. Auch ich wünsche mir meistens nichts sehnlicher als mich irgendwo wie eine Katze zusammenzurollen und zu schlafen. Aber vor dem Fernseher? Neulich wäre es mir wirklich fast passiert aber ich bevorzuge doch mein Bett wo ich unter die wohlige Decke verschwinden kann.

Weiss nicht was mit der Schrift hier los ist. Sieht so anders aus. Überhaupt blödelt der hotmail heute ein wenig.

Immer noch nicht hast du mir meine Frage beantwortet. Aber ein spätes Abendmail hast du geschickt und der Adresse nach kommt es aus deinem Büro.
Ja, ich beginne so irgendwie deinen Tagesrythmus zu kennen. Montags ziemlich beschäftigt und Freitags selten ein Mail vor dem Nachmittag. Ach, es ist so schön dass es dich gibt. Weisst du das?

Jetzt wünsche ich dir eine gute Nacht und komme morgen wieder,
Mit lieben Grüssen,
Marlena


(den 15 oktober 2002 22:30
)

Mittwoch, 2. Juni 2010

Fronleichnam

Ämne: Fronleichnam
Datum: den 10 juni 2004 06:10


Liebe Malou
heute habe ich ein volles Programm. Vielleicht ist nicht gut, gleich am Morgen an all das zu denken, was noch kommt. Aber irgendwie steht es vor mir wie der Monte Ceneri, dieser hübsche monströse Berg in der Südschweiz. Und er wirft seine Schatten voraus.

Heute ist Fronleichnam, wenn ich richtig gehört habe. Das war im Wallis damals ein grosser Feiertag. Schon Tage vorher wurden die verschiedenen Altäre auf den Plätzen aufgestellt und dekoriert. Und am Tag dann kam die Prozession gleich eine Strasse weiter an unserem Haus vorbei. Schon morgens in der Frühe wurde mit Kanonendonner geballert und die Musik spielte den Zapfenstreich. Das war eigentlich alles nicht sonderlich aufregend. Aber es erinnerte mich an das Jugendfest in L, dieser grösste aller grossen Feiertage für die Jugend in jener Gegend. Dort gab es auch Kanonendonner in der Früh, dann einen riesigen Umzug mit verschiedenen Musikformationen, einen grossen Umzug mit der Jugend und der Lehrerschaft durch die mit Fahnen und Kränzen geschmückte Stadt. Vor dem grossen alten Schulhaus erhielt man aus der Hand des Gemeindepräsidenten nach einem kleinen Diener ein Fr. 0.50 Stück. Später irgend eine Wecke. Und am Nachmittag war Tanz und freies Karussell und andere Vergnügungen. Es war der grösste Tag, den man als Kind in L erleben konnte. Und die Musik am Morgen, wenn man sich noch im Bett drehte, erinnerte in Visp ein wenig an jenen Tag. In manchen Jahren fuhren wir an diesem Tag während vielleicht 3 Stundenden langen Weg via Lausanne nach Bern, um einzukaufen. Im Wallis gab es damals wenig Einkaufmöglichkeiten. Und so taten wir dies in Bern. Unsere Eltern waren die meiste Zeit beschäftigt, und wir Buben genossen immer wieder die Fahrten auf der Rolltreppe im Einkaufszentrum.

Ich muss an die Arbeit, um den Berg abzubauen.
Und so wünsche ich Dir einen schönen Tag.
mlgukus

Italo Svevo

Ich bin heute in L. und versuche, die Mittagszeit um die Ecke zu bringen. Eigentlich bin ich ein bisschen faul. Ich lese eine kleine Geschichte von Italo Svevo. Es ist die erste Bekanntschaft, die ich mit ihm mache. So wie Pessoa für Lissabon und Joyce für Dublin, so ist er der Beschreiber Triests, des alten Triest wohl zu Beginn des letzten Jahrhunderts, als man dort noch Deutsch sprechen konnte.
„Verliebt sich ein wirklich junger Mann, löst die Liebe in seinem Gehirn oft Reaktionen aus, die mit seinem Begehren bald nichts mehr zu tun haben. Wie viele junge Männer, die es sich glücklich in einem gastlichen Bett bequem machen könnten, stellen nicht wenigstens ihre Wohnung auf den Kopf, weil sie glauben, bevor man mit einer Frau ins Bett geht, müsse man erst etwas erobern, erschaffen oder zerstören. Alte Männer hingegen, von denen es heisst, sie seien vor Leidenschaften besser geschützt, geben sich ihnen in vollem Bewusstsein hin und steigen ins Bett der Sünde einzig mit der gebotenen Vorsicht vor Erkältungen.“
Es geht in der Geschichte um die Verliebtheit eines älteren Mannes mit einer sehr jungen Frau, und er beschreibt die seine Seite ganz vortrefflich und mit Charme. Ich glaube, daran würdest Du auch Gefallen finden. Ich meine Svevo, nicht primär an einem älteren Mann! Im Büchlein ist ein Abbild des Autors, ein bürgerlicher Herr mit Stirnglatze, Schnauz, Schlips und Gilet, wie er sich am Tisch und nicht ohne Stil die „letzte“ Zigarette rollt. Seine hohe Stirn und die Augen scheinen mir einigen Humor zu verraten. Aber auch Lebenszugewandtheit irgendwie. Na ja, das gehört ja wohl zum Humor.
„Allerdings war er froh, als sie ging und er alleine blieb. Er war Gespräche mit ernsthaften Leuten gewöhnt, und es war ihm unmöglich, das leere Geschwätz des schönen jungen Mädchens auf Dauer zu ertragen. Man wird sagen, es gebe Künstler, Denker und ernsthaftere Leute als meinen alten Geschäftsmann, die in jungen Jahren das Gezwitscher eines schönen Mundes mit dem grössten Vergnügen ertragen. Aber da sieht man, dass alte Männer in gewisser Hinsicht eben viel ernsthafter sind als die ernsthaftesten jungen Leute“ …
Er hat so einen Jahrhundertwendestil. Und wirklich, hinten sehe ich, dass er von 1861 bis 1928 gelebt hat. Da ist er wohl ein Zeitgenosse Kafkas, Joyce’ und Pessoas. Er hat ursprünglich Hector Aron Schmitz geheissen, und wurde in der Familie Ettore genannt. Triest war damals Hafen und Handelszentrum des Habsburgischen Kaiserreichs. Seine Mutter war Italienerin gewesen aus dem Friaul, sein Vater ursprünglich aus dem Rheinland. Besuchte die israelitische Grundschule in Triest, später ein Internat in Segnitz bei Würzburg, wo er vorrangig eine kaufmännische Ausbildung erzählt. Er liest intensiv deutsche Autoren wie Jean Paul, Schiller, Heine, Goethe, ausserdem Shakespeare und Turgenjew. Weil ihm beide Kulturen, die deutsche und die italienische, gleich nahe liegen, wählt er sich das Pseudonym Italo Svevo. Zurück in Triest arbeitet er sich am Handelsinstitut Pasquale Revoltella einschreibt. Schreibt zuerst Theater. Die finanzielle Lage zwingt ihn, seine Studien abzubrechen und Geld zu verdienen. Er wird Auslandkorrespondent für Deutsch und Französisch bei der Wiener Union-Bank in Triest. Liest die italienischen klassiker Machiavelli, Guicciardini, Boccaccio und die Franzosen Flaubert, Daudet, Baszac und Zola. Svevo arbeitet an Komödien und im Jahr 1895, den Todesjahr seiner Mutter, verlobt er sich mit Livia Veneziani. 1897 Geburt der Tochter Letizia, Mitarbeit and er Zeitschrift Critica sociale. Veröffentlichung von Senilità, widmet sich der Lektüre von Tolstoi, Dostojewski, Tschechow, Gontscharow und Ibsen. Diverse Reisen.
1928 stirbt er in Motta di Livenza an den Folgen eines Autounfalls.

Drei Themen bestimmten das Leben und Werk des Schriftsteller Italo Svevo: das Triestiner Bürgertum, der Mythos von der Jugend und das von den Anfängen der Psychoanalyse beeinflusste Konzept der Lüge.
Um die Jahrhundertwende hatte Triest 235'000 Einwohner. Italiener, Slawen, Deutsche, Juden, ein buntes Gemisch von Völkern, Sprachen und Kulturen. Triest war das bedeutendste Zentrum der Monarchie für Dampfschiffahrt, Kaffeehandel und Versicherungen. Franz Josef, der Kaiser, galt als politisches Vaterbild, als Garant der patriarchalischen Familienstruktur, wie sie Italo Svevo in allen seinen Texten so kenntnisreich ironisierte. Im ersten Lebensjahrzehnt Svevos entwickelte sich das absolutistische Habsburgerreich mit den Ausgleichsgesetzen von 1867 zum Verfassungsstaat. Im Todesjahr Svevos 1928 hob die faschistische Regierung in Rom mit der Änderung des Wahlgesetzes die letzten verfassungsrechtlichen Strukturen im Reich Italien auf. Svevos Leben umsannte also eine Periode liberaler Rechtsgebung und Institutionalisierung für die Triestiner Gesellschaft.
Der Bankangestellt und spätere Handelsvertreter für Schiffslack in der Firma seiner Schwiegereltern, die die Geheimrezeptur des Lacks als Familiengeheimnis mit ins Grab nahmen, der Ditayen Italo Svevo, der mit der Literatur immer wieder haderte, das Schreiben immer wieder aufgabe, wurde zu einem der bedeutendsten italienischen Schriftsteller des letzten Jahrhunderts, nicht zuletzt deshalb, weil er die Gesellschaft, in der er lebte, mit einer geradezu modernen ironischen Hassliebe beschrieb.
*
So kennst Du meinen neuen Freund, Malou. Aber ich will mit ihm nicht durchbrennen, sondern bloss seine paar kleinen Geschichten lesen. Sie scheinen mir eine gute und feine Unterhaltung.

On devient responsable...

Subject: Gutenachtmail!
Date: Sat, 17 Jun 2000 22:39:23 CEST


Lieber ...!

Ich habe unerwarteten Besuch bekommen und so sind ein paar Stunden vergangen die ich eigentlich mit dir verbringen wollte.

Fast möchte ich dich um Verzeihung bitten weil wir mit unserem IKEA eure schöne Landschaft verdorben haben. Gelacht darüber habe ich gewiss nicht.. vielleicht etwas über die Art wie du es erzählt hast, aber geschämt habe ich mich, denn ich weiss wie diese Kolosse aussehen. Und sich so etwas in der schönen schweizerischen Landschaft vorzustellen, da reicht nicht einmal meine meine Fantasie dazu aus.
Nun, einen Vorteil hat es. Du kannst vielleicht etwas schwedische Atmosphäre erleben. Sicher werden da die schwedischen Festtage irgendwie gefeiert wie z.B. Lucia, Midsommar vielleicht Krebsfeste im August. Oder hat man es ganz eurem Land angepasst? Ab und zu finde ich was dort, wie z.B. den Abstellmöbel auf dem die Vogelkäfige stehen. Er ist aus Stahl (also leicht zu reinigen) und hat Räder damit ich die Vögel leicht woandershin schieben kann wenn ich saubermachen muss oder mal ans Fenster ran will.

Themawechsel:
Das mit Rilkepoesi im Walliser Dialekt klingt wirklich gewagt. Der Mann muss ein sehr grosses Selbstvertrauen besessen haben, denn wie wagt man so etwas zu tun ohne alle Rilkeliebhaber zu seinen Feinden zu machen? Und noch dazu ”Liebende” gegen ”Verheiratete” auszutauschen!!!??? Dagegen müsste doch fast die gesamte Menschheit protestieren (zumindest in Gedanken ;-)Zum Glück versteht ja die ganze Menschheit nicht diesen Dialekt und wissen nicht davon ;-)
Zu welcher Kategorie deiner Geliebten gehöre ich denn? Sind wir alle ”heimlich” oder gibt es auch ”unheimliche” dabei?

Spass beiseite. Als ich anfing mit dir zu mailen musste ich plötzlich an ”Le petit prince” von Saint-Exupéry denken. Du kennst es sicher gut. Da steht etwas von Verantwortung, so ähnlich wie: ”on devient responsable de ce qu’on apprivoise” Das hat mir schon immer sehr gut gefallen. Ich brauche es nicht zu erklären denn du weisst sicher was ich meine.
Findest du es nicht auch komisch dass man im Französischen dieses Wort ”apprivoiser” auch von Menschen verwendet. Wir zähmen ja wie bekannt nur Tiere.
Wenn wir schon beim franz. sind, Friedrich II hatte den Spruch ”honni soit qui mal y pense” über seinem Stall hängen, aber pense mit "a" geschrieben, also ”panse”.Du weißt ja was das bedeutet, oder? Er hatte auch Esprit genau wie sein Freund Descartes, der wie du sicher weißt im Schloss von Stockholm starb (an Zugluft ;-), als er zu Besuch war bei unserer Königin Kristina.

Ich möchte dir gern mehr schreiben aber es ist schon wieder spät geworden und so werde ich es morgen tun. Am Freitag haben wir nämlich den ganzen Tag Konferenzen und so fühle ich mich ziemlich frei am Abend vorher.

Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen.Ich möchte gern mit dir anstossen auf unser Glück: Skål! Auch ich bin sehr froh dich kennengelernt zu haben.

Liebe Grüsse
Marlena

beim Papier aufräumen

...

Und so ein Samstag Abend ist ideal, ein bisschen Papier aufzuräumen und dieses und jenes durchzuschauen. Und weißt du, wie das schliesslich geendet hat? Ich habe zwei alte Artikel gefunden und sie (nochmals) gelesen. Der eine war über Toulouse und Saint-Ex, der andere war eine Bildanalyse über Bruegels Bild "Der bethlehemische Kindermord".

Und dazu haben wir ein Glas Wein getrunken, einen "Degustations-Wein" aus Südspanien. Er war nicht sonderlich, unter uns gesagt.

Jetzt wird vielleicht langsam klar, was ich dir damit sagen will. Den Text über Saint-Ex, diesen Typen "fou d'aviation et de poésie", habe ich dir kürzlich erwähnt. Ich habe dein Zitat darin sogar in Französisch gefunden: "On ne voit bien qu'avec le coeur, l'essentiel est invisible pour les yeux". Ich könnte jetzt ohne weiteres anfangen, den "Petit-Prince" wieder zu lesen und mit mit Saint-Ex zu beschäftigen. Mit Leichtigkeit könnte ich das, bloss weil du ihn erwähnt hast und zitiert hast und damit gezeigt hast, dass er für dich wichtig oder bedeutsam ist. Offenbar gibt es auch ein Chanson von Gilbert Bécaud, in dem er die Rückkehr des Petit Prince besingt. Das ist mir nie aufgefallen. In Zukunft werde ich besser auf Bécauds Chanson-Texte achten!

Mit dem zweiten Artikel über Bruegel liegt es ähnlich. Wir haben kürzlich über Bruegel gesprochen, ich habe ein Buch gekauft, in Gedanken haben wir es zusammen angeschaut, und immer noch habe ich das Bild vom babylonischen Turm, das du mir geschickt hast, dieses phänomenale, ganz und gar umwerfende, dieses Jahrtausend- Bild.

Dienstag, 1. Juni 2010

Schiele in Zug

*
Gestern war ich in Zug und Zürich. Zug, vielleicht erinnerst Du Dich an den Namen. Dort hatte vor einigen Monaten diese Schiesserei im Parlament stattgefunden. Es ist ein kleines Städtchen, schön gelegen am Zugersee und mit Sicht in die weissen Berge. Die Menschen dort sind etwas ländlich, das heisst freundlich, gemächlich und bodenständig, wie sie es in der Zentralschweiz eben sind. Ich bin nach Zug gefahren, weil im Kunsthaus Zug zur Zeit eine Ausstellung über Schiele offen ist. Sie öffnet allerdings jeweils erst um 12 Uhr, und ich war schon etwa zwei Stunden früher da. So habe ich in einem Café am See einen Kaffe getrunken und bin schliesslich noch in einer Kapuziner-Messe gelandet. Das war besser, als in der Kälte zu warten. ...
*
So kam ich ziemlich pünktlich ins Museum, ein neu gestaltetes Gebäude mit verschiedenen, nicht zu grossen Räumen. Kennst Du Schiele? Er ist in Wien schon mit 28 Jahren gestorben und hat viele exzellente Zeichnungen hinterlassen. Hier in Zug hat man dank einer Schenkung einige Zeichnungen. Den Rest hat man aus der Albertina in Wien. Die Gemälde gefallen mir nicht. Die Zeichnungen Schieles aber sind sehr expressiv, mit den vielen anorektischen Mädchen Konventionen verletzend. Schiele war ein junger, unanständiger Maler, der wegen seines Umgangs mit Mädchen - so glaube ich mich zu erinnern - auch im Gefängnis gesessen hatte.
Es ist erstaunlich, welche Effekte Schiele mit seinen Bleistiftzeichnungen und etwas Farbe erreicht. Er ist eigentlich ein Graveur. Sein Strich ist so hart und krakelig, betont die Grenze, die Messerschneide zwischen Innen und Aussen. Manchmal hat man den Eindruck, sein Strich sei wie Stacheldraht, der kratzt und verletzt und aufreisst. Und so hat er wohl auch sein Leben gemacht.
Es ist eine hübsche Ausstellung. In den Bleistiftzeichnungen sieht man immer sehr gut das Handwerkliche. Man fühlt sich dem Künstler nah und versteht ihn auf einer physischen und sehr körperlichen Ebene. Daneben hingen einige Arbeiten von Klimt und von Kokoschka. Klimt wirkt geradezu elegant und flüssig neben Schiele.
So habe ich gute zwei Stunden in dieser Ausstellung verbracht und zu sehen versucht, welche Entwicklung Schiele innert ungefähr nur 10 Jahren gemacht hat.

Glück

subject Re: Ach, du
date 24 May 2006 06:53


Liebe Malou
...
Glück ist nicht abhängig von äusseren Umständen. Glück ist eine Einstellungssache. Ich glaube, es hängt viel von unseren inneren Filmen ab, wie glücklich wir sind. Und man muss sagen, dass wir Schweizer wohl nicht sonderlich begabt sind, das Glück zu leben und es zu empfinden. Die Armen (sowohl die arm an materiellen Mitteln wie jene an Geist) können das wahrscheinlich noch am besten. Ich muss mich mal bei Gelegenheit über die Glücksforschung informieren. Sie ist noch jung. Aber bestimmt gibt es schon Erkenntnisse. Das ist - so finde ich - ein interessantes Thema. Glück ist das Wichtigste, in unserem Leben, sozusagen das Mega-Ziel. Die Amerikaner haben dies sogar in ihrer Verfassung festgeschrieben.
Vor 1 - 2 Jahren hatte ich ein Büchlein gelesen mit dem Titel 'Die Sieger'. Es ist eine Sammlung von Kurzbiographien über die bekanntesten und tüchtigsten Leute in Europa, natürlich vor allem jene der Vergangenheit: Dichter, Musiker, Wissenschaftler, Politiker, Erfinder etc. Ich habe die Aussagen nicht mehr genau im Kopf, doch als Quintessenz konnte man festhalten: je berühmter und je tüchtiger desto unglücklicher. Viele haben sehr gelitten unter Depressionen, unter Krankheiten, unter körperlichen Missbildungen. Irgendwie kommt nur noch Goethe als Ausnahme in den Sinn. Goethe war sozusagen unser Sunnyboy, ein von den Göttern verwöhnter. Goethe hat seine Möglichkeiten gut ausgeschöpft, und hat sich auch in der Frauenwelt mit viel Leidenschaft ausgetobt. Aber all die anderen! Ich glaube, wenn man die Biographie von eurem Herr Nobel studiert, kann man zu ähnlichen Erkenntnissen kommen. Er war wohl auch nicht ein sehr glücklicher Mensch.

Darum haben wir als Mittelmässige die heilige Pflicht, glücklich zu sein. Es ist eine Aufgabe, nicht ein Geschenk. Ich weiss, dass es Spezialisten gibt, die eine Technik empfehlen. Ich glaube, das kommt aus dem NLP. Der Rat lautet: Durchsuche dein Leben. Finde die besten Momente heraus. Vergegenwärtige sie dir ausführlich, dh. träume von ihnen, schau sie dir an, fühle sie, höre sie, wie auch immer. Gib jeder Situation einen Namen. So kommst du zu einer Liste von persönlichen Highlights. Nimm diese als die Perlen und die Merkpunkte deines Lebens. Ruf sie dir immer wieder in Erinnerung. Je öfter du das tust, desto stärker werden die Glücksgefühle, die mit jenen Situationen zusammengehen. Je öfter du das tust, desto stärker werden die Glücksgefühle, die mit jenen Situationen zusammengehen. Und desto stärker werden die Glücksgefühle das allgemein Lebensgefühl überfluten.
Klingt doch leicht und einfach. Und funktioniert mit oder ohne Börse.

MLG