(R)
Lieber ...,
Du sprichst von Beten in deinem Mail und ich bin nicht sicher, ob du das ernstlich meinst oder ob du nur Spass machst. Betest du wirklich?
RE:
Liebe Marlena
Ja, es hilft auch bei jenen, die nicht daran glauben. Wir haben die Resultate zwar noch nicht bekommen, aber wir beten immer noch. Und wenn ich sage "beten", dann meine ich irgendwie eine wohlwollende Gedankenflut in die richtige Richtung. Ich glaube auch nicht, dass der liebe Gott durch unsere Gebete wie mit einer Feder im Nacken gekitzelt wird und dann aufmerkt. Und bei Allah glaube ich es noch weniger. Na ja, vielleicht würde, von der feinen Feder gekitzelt, der liebe Gott aufschrecken und auch Allah wecken, der im Nebenzimmer vor sich hindösen scheint, und gemeinsam würden sie sozusagen den Wind in die richtige Richtung lenken. Das wäre natürlich schon möglich. Doch sooooo glaube ich nicht dran. Aber natürlich weiss ich auf eine Art, dass meine Gedanken irgend etwas in der Welt verändern, wenigstens doch an mir selbst. Es gibt diesen englischen Forscher Sheldrake, der sich mit Phänomenen dieser Art auseinandersetzt. Ich habe mal ein Buch über ihn gelesen. Muss ein lustig-komischer Kerl sein. Wenn ich also "beten" sage, so meine ich eine Art Fürbitte, wie die Katholiken das doch stark haben. Und auf irgend eine geheimnisvolle Weise nehme ich an, dass meine Gedanken ein bisschen etwas erleichtern können. Oder vielleicht können sie es auch nicht. Das spielt eigentlich keine Rolle. Vielleicht könnte ich sagen, ich wünsche es mir einfach. Es ist ein Wunsch in die frische Luft hinaus. So etwa! Ein Wunsch wie ein Ruf in die Berge hinein, in der Hoffnung, es kommt ein Echo zurück. Manchmal kommt auch keines. Ob die Götter wegen meiner Wünsche auch noch Wolken verschieben und an den langen Fäden des Schicksals herumzerren, das überlasse ich ihnen. Das weiss ich nicht, denn sie haben es mir ja nie verraten. Aber wenn sie es denn nicht tun, so ist es doch für viele Menschen eine tröstliche Vorstellung.
Gerade gestern habe ich gehört, dass in Spanisch Schutzengel Angelo della guardia oder so heisst. Eigentlich also Wachengel. Über diese Idee haben wir doch sicherlich auch schon diskutiert. Es ist eine schöne Vorstellung, einen Schutzengel zu haben. Und ich erinnere mich an die kleine Anekdote, die meine Mutter erzählt hat. Als die kleinste Schwester noch sehr klein war, wurde sie im Kinderbett und angesichts der Engelchen ermahnt, ruhig zu bleiben und zu schlafen. Sie hat sich beschwert und ihrer Ungeduld heftig Ausdruck gegeben und gesagt, sie könne dieses nächtliche Geflatter der Engel rund um ihr Bett ohnehin nicht ertragen.
Liebe Marlena, ich muss kurz bleiben. In einigen Minuten fahre ich ab zu einem Termin an der örtlichen Schule hier. Und da darf ich nicht zu spät sein. Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit einem lieben Gruss
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