Liebe Marlena
Heute ist Auffahrt. Das wird bei Euch nicht anders sein als bei uns.
Eigentlich ein Feiertag. Da kommt mir in den Sinn, dass auch Mohammed aufgefahren ist, und zwar von Jerusalem, von der berühmten Moschee mit der goldenen Kuppel. Und er sei geradewegs in den 7. Himmel gefahren, der Glückliche. Kürzlich habe ich gelesen, dass er dort oben die Hand von Ali gesehen habe, die Hand also seines Schwiegersohnes, wenn ich richtig orientiert bin. Was sonst noch geschehen ist, weiss ich nicht mehr. Er hatte dort wohl mit Gabriel geschäftlich zu tun. Und er habe Allah Auge in Auge gegenüber gestanden! Immerhin, der Kerl!
So sitze ich heute im Büro und versuche, einige Bücher zu rezensieren. Ich habe gestern 53 Stück aus der Bibliothek mitgenommen. Es muss eine Affekthandlung gewesen sein. Und jetzt steht dieser hohe Turm vor mir im Büro auf dem Pult und sieht aus, als ob ich hoffnungslos mit Arbeit überschüttet sei. Na ja, bin ich ja auch. Ich liebe diesen gewissen Eindruck der Unordentlichkeit inmitten der Bücher. Habe ich Dir mal erzählt, wie Piagets Büro in den letzten Jahren ausgesehen hat. Ich glaube ich habe das. Es war ein Schock, mitanzusehen, wie er im Papier ersoffen ist. Aber offensichtlich fühlte sich das alte Männchen dort heimisch.
Normalerweise nehme ich mir Bücher zuerst vor, die mich besonders ansprechen. Das sind originellere Bilderbücher, oder Sachbücher über ein Thema, was mich besonders interessiert. Dieses mal habe ich zwei Taschenbücher über Vögel. Beide finde ich exzellent. Das eine behandelt 80 verschiedene Singvogel-Arten in unseren Gegenden. Alle sind beschrieben und werden auf einem klaren und scharfen Farbfoto porträtiert. Und auf einer CD kann man sich ihren Gesang, die Rufe und Wanrrufe anhören. Seit Jahren versuche ich mir in Erinnerung zu rufen, wie damals in meiner Jugend die Nachtigall geklungen hat. Meine Oma hatte reklamiert, dass sie nicht schlafen könne, so laut und intensiv muss der Klang gewesen sein. Und ich hatte sie kaum gehört. Jetzt habe ich hier ein Tonbeispiel, und ich muss sagen, ja, genau so war es. Es erinnert mich an warme Sommernächte, vielleicht mit Vollmond, da ich mit den Kollegen noch beim Gartentor weiter diskutierte. Die Erinnerung vermischt die Stille der Nacht, die leicht alkoholisierte Stimmung, der laue Geruch der Luft, die Sorglosigkeit angesichts des Wochenendes und dieses wunderbare Schlagen der Nachtigall zu einem Gesamtkunstwerk. Ich weiss auch noch, wo im Garten sie meist war. Wir hatten eine Reihe von Apfelbäumen, die das Steinweglein säumten. Und dort muss sie gewesen sein. Sie kann nicht hoch auf dem Baum gewesen sein, >sondern ungefähr auf meiner Ohrenhöhe. Offenbar baut sie ihr Nest meist am Fuss eines Strauches, also eher tief. Die Nahrung besteht aus Insekten und anderen Kleintieren und wird auch überwiegend am Boden gesucht. Im Herbst nimmt sie auch Beeren und Samen. Sie lebt nicht überall in Mitteleuropa, aber gerne in Gärten und Parks sommerwarmer und trockener Gebiete.
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Jetzt lass ich die Vögel noch etwas zwitschern im CD-Player, und dann muss ich heim. Der Hunger meldet sich langsam.
Einen schönen Feiertag wünsche ich Euch
Gruss
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Donnerstag, 9. Mai 2024
ein Nachtigallen-Open
... das macht es hat die Nachtigall die ganze nacht gesungen ... (Theodor Storm)
Datum: den 9 maj 17:13
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