Ämne: :-)))
...
Dadurch dass ich zu Hause wohnen konnte, habe ich eigentlich kein
typisches Studentenleben gelebt. Du weisst, wenn man mit so 10 anderen
Personen in einem Studentenkorridor wohnt und die Küche und den Alltag
teilt. Ich wohnte zu Hause und wurde nach wie vor eifersüchtig von
meinem Onkel behütet. Irgendwie hatte ich später den Eindruck, dass sie
mich brauchten, um überhaupt zusammen leben zu können.
Ich sass also meist an meinem Schreibtisch zu Hause und vertiefte mich
in die Bücher. Vor mir an der Wand sehe ich das Foto wo ich als
21-jährige gerade an meinem Schreibtisch eine Arbeit vorbereite.
Wir kamen spät im Herbst nach Uppsala, d.h. das erste Semester, an dem
ich teilnehmen wollte, war fast zu Ende. Ich hatte mich angemeldet für
Germanistik und mich mit Kursplänen versehen. Literatur,
Sprachgeschichte und natürlich die Sprache selbst, Wortschatz,
Aussprache und Grammatik das schwierigste Kapitel für die meisten Studenten. Uppsala hatte damals den Ruf sehr viel zu verlangen und man
sagte sogar, dass die Schüler, die dort bei ihrer Übersetzung schon zum
dritten Mal durchgefallen waren, an der Hochschule in Stockholm kein
Problem damit hatten.
Nun ja, es besteht wohl immer eine gewisse Rivalität zwischen
Lehranstalten, aber ich glaube die Uni von Uppsala ist schon immer als
Nr 1 betrachtet worden. (Nr 2 Lund). :-)
Ich hatte eine lange Literaturliste, von der ich wählen konnte, eine
gewisse Anzahl Seiten zu lesen und ich muss lachen, wenn ich daran denke, was mein erstes Buch war: Buddenbrooks von Thomas Mann. Ich glaube ich
wollte so schnell wie möglich die Anzahl Seiten hinter mich bringen.
;-) Es war wirklich kein leichtes Buch. So unendlich Wortreich.. aber
doch ziemlich interessant. Dann erinnere ich mich noch an mein erstes
”Ausspracheseminar”. Es wurde von einem jungen deutschen Dozenten
geleitet. Ich glaube, ich habe ihn so wie Herrn Grünlich in meinem Buch
aufgefasst. Die Gruppe hatte bereits 8 von den 10 Stunden gemacht und
er begann also diese meine erste Stunde damit, mir eine Moralpredigt zu
halten, wie ich mir das vorstelle, erst nun zu kommen u.s.w. was ich
dann ruhig beantwortete mit ”es wird schon gehen”. Ausserdem war seine
eigene Aussprache etwas von einem Dialekt gefärbt, wobei seine ”i” zu
sehr wie ein ”e” klangen. Das habe ich ihm aber nicht gesagt. ;-)
Ich will jedoch nichts Schlechtes über ihn sagen, denn es war er, der
mich Rilke entdecken liess. Er hatte also auch Literaturvorlesungen.
Und ganz anders als später bei einem Dozenten in Französisch, der immer
am Ende seiner Vorlesungen herzlich lachte so als wollte er sagen:
”Wie viel Dummes Zeug sich ein Mensch ausdenken kann”, endeten seine
Vorlesungen immer damit, dass man glaubte er würde nun anfangen zu
weinen. Man hatte oft den Eindruck er trüge die ganze ”Schuld des
Deutschen Volkes” auf seinen Schultern.
Er sprach also über Rilke, er schenkte uns ein Kompendium mit Rilkes
allerschönsten Gedichten (die ich Dir bereits alle geschickt habe) und
so kam es, dass ich das Stundenbuch zu lesen begann. Ich war überwältigt
davon. So tiefe und schöne Gedanken in einer solch wunderschönen
Sprache hatte ich noch nie gesehen. Irgendwie passte es auch zu meinem
Leben oder vielleicht besser gesagt zu meiner Gedankenwelt zu dem
Zeitpunkt.
*
Eines Tages kam ein Brief von einem Bekannten unserer Familie. Er war an mich gerichtet. (...)
*
Ach, ich finde nicht richtig den Faden zurück. Möchte diese Erinnerung von mir abschütteln, bevor ich weiterschreibe.
Hoffentlich sehe ich ein kleines rotes Dreieck vor deinem Namen, wenn ich nun ins Internet gehe..
Alles Liebe
Marlena
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen