Sonntag, 27. Oktober 2019
Wieder zurück ...
den 11 oktober 18:24
Re: Sumsumsum
Hallo meine liebe Marlena
Ach, wie schön, soviele Mails in der Box zu finden, und alle voller Sehnsucht. Ach, es ist so köstlich wie ein Sahnedessert.
Ich weiss gar nicht, wo anfangen. Ich habe alle Deine Mails rasch überflogen und muss sie in den nächsten Tagen noch genauer lesen. Aber heute, als uns A vom Flughafen abgeholt hatte, sind wir dann zusammen ins Büro gefahren. Ich sollte ja doch noch meine Sitzung vom Montag vorbereiten und habe keine Ahnung, was in der Zwischenzeit gelaufen ist. Aber als ich hier im Büro war, habe ich mein Passwort nicht mehr gewusst. A wollte ein paar Dinge der Universität kopieren, aber ich konnte einfach dieses Wort nicht finden. Ich wusste, mit welchem Anfangsbuchstaben es beginnt. Und am Schluss steht eine 5. Die hatte ich einfach so beigefügt, weil das Wort etwas kurz ist. Und irgenwo in der Mitte des Wortes sollte ein Q sein. Darauf war ich besonders stolz, denn Q ist ein seltener Buchstabe, und jeder Knacker würde damit seine Probleme haben ;--). Ich hatte ein Wort im Kopf, aber das war so kurz, dass ich es wieder verwarf. Kurz und gut, ich konnte mein Gehirn hier im Büro nicht öffnen.
Lustig lustig. Und dann kam mir die Erinnerung, dass man mittels Trance Vergessenes zurückholen kann. Allerdings hatte ich das neue Passwort gleich vor meinen Ferien geändert und wahrscheinlich nur ein- oder zweimal gebraucht. Es konnte sich unmöglich tief in meinem Gedächtnis eingebrannt haben, höchstens leicht angekratzt. Nachdem A auf den Zug nach Basel gegangen war, beförderte
ich mich also in eine wackelige Trance. Irgend etwas in mir wiederholte immerzu dieses eine kurze Wort. Ich versuchte nach anderen zu suchen. Das sollte man nicht in Trance, denn Trance funktioniert eigentlich ohne Anstrengung. Anstrengung stört bloss. Aber mein Kopf lehnte immer wieder dankend ab bei diesem einen Wort. Schliesslich probierte ich das Wort, es blieb mir ja nichts übrig, fügte eine satte 5 bei, und siehe da: die Überschwemmung auf dem Wasserturmplatz war perfekt und die Tauben in heller Aufregung. Sie fingen an, italienisch zu gurren.
Ach, die 14 Tage Hochsommer taten gut. Und hier weiss ich wirklich nicht, was ich Dir zuerst erzählen sollte. Wir gingen schon morgens um 9h an den Strand und blieben bis 17h. S. kam zwar morgens etwas später, ging oft noch in die Massage, und abends ging sie in die Gymnastik (wie heisst das, diese Uebungen mit Musik?). Ich las viel, war oft im Wasser und ging kilometerweise dem Strand entlang. Manchmal zeichnete ich Leute. Das Strandleben wäre wirklich ein Ding für einen guten Cartoonisten. Es gab da eine deutsche Familie. Ich nannte sie die Elefantenfamilie. Sie war wirklich kolossal schwer und hässlich, dass man ihnen eigentlich eine extra Gebühr für Schwertransport hätte auferlegen sollen. Und so ziemlich nackt herumzugehen, ach, das kann ich Dir gar nicht schildern, wie hässlich das aussieht. Es sieht so sackartig aus, so herunterhängend und triefend. Es sind effektiv die Schweine, die einem dabei in den Sinn kommen. Leider erregten meine Zeichnereien Aufsehen, und die Leute schlichen sich von hinten an, um zu sehen, was ich derzeit in Arbeit hatte. So was mag ich gar nicht. Deshalb beschränkte ich mich mehr und mehr auf blutleere Lektüre und sachliche Notizen. Sie hatten ein gutes Sonnendach. So konnte ich es am Strand aushalten. Und ich benutzte wenig Sonnencreme. Das mag ich nämlich auch nicht besonders. Wir waren in Side. Vielleicht findet man darüber etwas im Internet. Der Flughafen ist Antalya. Es ist eine schöne Gegend, und - wenn ich mich recht erinnere, soll Darius, der Perserkönig, seine Flotte im Hafen von Side stationiert haben, als er gegen die Griechen, dh. den delischen Bund loszog ... und dann ja, zweimal wie wir wissen, eine Schlappe einstecken musste. Du siehst, wir waren im Zentrum der Weltgeschichte!! Ist allerdings 2500 Jahre her.
Es gibt einige antike Ruinen und Gebäude in jener Gegend. Wir waren aber zu faul, herumzureisen, um sie uns anzuschauen. Na ja, eigentlich reservierten wir einen Regentag für so etwas. Aber leider hat es dann nie geregnet.
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Es gab nur einen einzigen PC in einem kleinen Büro beim Hotel. Aber es war immer geschlossen. Wahrscheinlich funktioniert das Büro nur in der Hochsaison? Ich hätte zu gerne ein kleines Lebenszeichen geschickt und gewusst, was unsere Aktien tun. Aber es sollte nicht sein. Abends, wenn S. in die Gymnastik ging, schaute ich ein bisschen Fernsehen, so zwischen Dusche und Haaretrocknen. Da sah ich die Nobelpreisverkündungen. Gestern war es dann ja die Perserin.
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Ich muss schnell was besorgen und beende das Mail später
bis dann ein Kuss voller Sonne
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Ich bin zurück. Hat eine gute Weile gedauert. Na ja, ich bin auch noch etwas in BAsel herumgeschlendert.
Sie scheinen heute Abend einen Fussballmatch zu haben: Irland gegen die Schweiz. Man kann fast nicht glauben, wie viele Fans, grüne und rote, die Stadt verstopfen. Für die Kneipen scheint es ideal zu sein. Und auch für die Polizeit und die Wischkolonnen gibts Zusatzarbeit. Ich mag das nicht sonderlich, aber insgesamt ist es gut für den Lokalpatriotismus.
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Also, wie gesagt, täglich Bürostunden am Strand von etwa 9.00h bis 17.00h, mit einer kurzen Mittagspause zwischen 13.00h und 14.00h ungefähr. Das Leben am Strand ist ziemlich unterhaltsam. Nach 3 Tagen kennt man das Quartier, die Nationalitäten, die Wasserscheuen und die Sonnenhungrigen, die Grossbusigen und die Dickbäuche, die Jungverliebten und die Sprachlosen. Es ist ein merkwürdiges Biotop, das da ziemlich in Reih und Glied an der Sonne bratet. Na ja, im Hotel gab es einige Aktivitäten, um die schweren Leiber von den Sonnenliegen hochzukriegen, zum Beispiel zum Voleyball, zum Boccia oder Darts, zum Kaffee mit Kuchen um 16h oder eben zum Fitness um 17h. Du siehst, wer aktiv war, hatte einen vollen Terminkalender. Ich beschränkte mich auf das grosse Buffet am Mittag. Das war ausgezeichnet und pittoresk. Die Küche war eine Mischung aus Middle East und Europa. Da gab es Dinge, die man auch im Iran finden kann. Und andererseits liessen sich von deutschen Patrioten auch ohne Probleme Bratkartoffeln oder Frikadellen ausgraben. Ich suchte, wenn immer möglich, Fisch, denn das ist doch für eine Region wie die Türkei ein Grundnahrungsmittel. Und oft fand ich ganz köstliche Fischgerichte. Dazu bevorzugte ich dieses eingedickte Yoghourt mit Knoblauch und fein gehackten Gurken. Es schmeckt sahnig wie Maionnaise, hat aber nicht halb soviel Kalorien. Trotzdem habe ich etwa 3 kg zugelegt, schätze ich. Ungefähr soviel, wie der SMI der Schweizerbörse verloren hat! Das Essen war immer sehr gut, mit einem ausgedehnten Dessertbuffet zu jeder Mahlzeit. Aber nach 14 Tagen kommt einem manches etwas bekannt vor, das ist nicht zu vermeiden. S hatte bald einmal Beziehungen zur Küche etabliert - sie verstand sich mit den Türken bestens - und man erfüllte uns da und dort Spezialwünsche. Neben dem Buffet (!) haben mich vor allem die Türken selbst erstaunt. Ich hatte einen Menschenschlag erwartet von - sagen wir - einem Durchschnitt zwischen Süditaliener und Perser. Aber, wie soll ich Dir das schildern, sie waren allesamt sonnige Deutsche. Ich will damit sagen, sie sind organisatorisch gut, sehr pflichtbewusst und fleissig, und haben dazu den südlichen Charme, den wir bei den Italienern schätzen. Ich bin wirklich positiv überrascht. Die meisten haben ganz gut Deutsch gesprochen. Und darin liegt vielleicht auch ein Teil der Erklärung: viele von ihnen waren schon in Deutschland und deshalb einigermassen assimiliert. Nicht die Deutschen assimilieren sich dort unten an die Türken, sondern umgekehrt. Aber diese Türken haben mich wirklich verblüfft. Süditaliener sind etwas faul, nicht wahr, bequem, trödelnd. Das sind die Türken dort unten gar nicht. Sie sind prompt, speditiv und immer ein Lächeln im Gesicht. Die Perser sind etwas schmeichlerisch, doppelbödig, allzu indirekt und superdiplomatisch. Die Türken sind ziemlich direkt, aber ganz und gar höflich. Na ja, vielleicht kenne ich noch nicht alle Türken. Aber diejenigen, die ich gesehen habe - es waren zumeist junge Männer zwischen 20 und 30 - haben mich durchaus überzeugt. Bestimmt sind sie für ihre Tätigkeit im Tourismus auch geschult. Aber all das, was sie gezeigt haben, das kann man nicht bloss mit Schulung hinkriegen. Die Schweizer in unseren Skistationen könnten sich davon ein Stück abschneiden! Und für Frauen sind Türken durch und durch angenehm. Sie sind charmant, zuverlässig, aber keinesfalls anzüglich. Sie würden einer Frau nicht zu nahe treten. Das verwehrt ihnen der Islam. Du siehst, ich bin voll der guten Worte. Und dabei bin ich nicht mal eine Frau.
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Gut, dass Du ein paar Kilos zugelegt hast. Das steht Dir bestimmt. Schick mir ein Foto, wenn Du hast. Dort unten am Strand gab es etliche Frauen, die im einteiligen Dress umhergingen. Und man hätte eine ganze Busologie entwickeln können: von den kleinsten, dürren Zäpfchen bis zu den glockenschweren oder auch duvetflachen Vorbauten. Es gab für jeden was. Lustig dabei, dass junge Frauen kaum barbusig herumgehen.
Es sind die ÜVIS, die Über-vierzig-Jährigen, die so freizügig lustwandeln. Und manchmal tun sie es, wie oben erwähnt, gegen den guten Geschmack.
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Ab und zu hatte ich den Eindruck, ich hörte Schwedisch. Im Hotel eher selten, aber auf dem Flughafen Antalya auf jeden Fall. Es gab in der Tat auch direkte Flüge von und nach Stockholm. Na ja, ihr Hungerleider in Sachen Sonne, viele von Euch scheinen einmal im Jahr eine kleine Aufback-Aktion zu schätzen.
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Ach, es ist gut, wieder mit Dir Marlena plaudern zu können. Auch ich habe Dich vermisst. Aber natürlich hatte ich auch gedacht, dass meine Placebo-Effekte steigen würden nach einer so langen Abstinenz von 14 Tagen ;--)
Trotzdem .--( muss ich jetzt aufhören und an meine Sitzung gehen. Es gibt bestimmt noch viel zu lesen und zu überlegen.
Ich wünsche Dir ein fantastisches Wochenende
mit lieben Grüssen und Küssen
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