Donnerstag, 25. Oktober 2018
Re: Abstinenz-Mails
subject: Wohlbehalten?
Liebe Malou
Ich habe Deine Abstinenz-Mails gelesen und diese Lektüre hat mich sehr berührt. Ooch, Du musst ziemlich gelitten haben, wie ich sehe und höre. Das tut mir leid. Und ich bin wirklich ganz gerührt, wie Du diese Pein beschreibst und sie mit dem Alkoholismus vergleichst, oder mit der Grippe, der man mit einem Chapman Lutscher kaum begegnen kann. Eigentlich könnte ich ein bisschen beleidigt sein, dass Du mir so was zutraust. Aber ich weiss, dass das vielleicht mehr Dein Problem ist als meines.
Es gäbe so viele andere mögliche Gründe, weshalb Du im Moment kein Mail bekommst: mein PC ist defekt, ich bin krank im Bett (daran hattest Du gedacht), ich bin für ein paar Tage ortsabwesend, etc. Na ja, Du wirst denken, dass man in jeder Situation ein kleines Mail schreiben kann. Aber ich glaube, wir Männer denken eher so, dass wir - wenn wir schon ein Mail schreiben - ein richtiges Mail schreiben sollten. Und das braucht eben seine Zeit.
Nur einen Punkt muss ich doch sehr streng und strikt korrigieren: ich schicke Dir keine Mail-Passagen, die ich schon für eine andere Person geschrieben hätte. Genau das Umgekehrte kommt manchmal vor. Ich verwende Gedanken und Figuren, die ich in meinen Mails an Dich gefunden habe, in anderen Zusammenhängen. Das sind zwar nicht Mails, aber zum Beispiel Gespräche oder so ähnlich. Die Mails an Dich sind für mich oft ein Ideen-Pool. Ich komme dabei auf Gedanken und Denkfiguren, auf die ich sonst nie gekommen wäre. Und das hatte ich immer gemeint, wenn ich sagte, die Mailerei sei für mich wie ein Tagebuch.
Ich kann Dich verstehen, wenn Du manchmal den Eindruck hast, es sei kein direkter Dialog. Da hast Du, so glaube ich, manchmal recht. Gelegentlich schreibe ich irgendwie einfach für mich, was mir hochkommt. Aber immerhin bist Du dabei der Anlass. Das ist doch - man höre und staune - die causa prima, der Hauptgrund. Ohne Dich würde ich überhaupt nicht schreiben. Und dann haben wir auch wieder direkte Dialoge, nicht wahr? Ich weiss schon, dass Du diesen direkten Dialog sehr magst. Du hast oft - vorsichtig - darauf hingewiesen, wenn ich nicht direkt auf Deine Fragen oder Deine Gedanken reagiert habe.
Deine Abstinenz-Mails haben mich an eine Szenerie bei uns zuhause erinnert. Vor einigen Jahren war S auf Wunsch ihrer Mutter mit ihr auf die Pilgerreise nach Mekka gereist. Das ganze sollte ...
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