Mittwoch, 28. März 2018

Sonntag Morgen


Ämne: Sonntag Morgen
Datum: den 31 augusti  14:57

Liebe Marlena
Ja, die Suessigkeiten am Ende des Essens und des Mails, ich habe auch schon gedacht, dass es so ist, wie Du sagst. Aber ich habe auch gedacht, dass es bei den Frauen ganz aehnlich ist wie bei den Maennern.
Vielleicht haengt es auch davon ab, welche Energie gerade durch den Koerper fliesst. Ist es die Queen, der Warrier, der Magician oder der Lover?
Und manchmal ist es auch bloss die Zeit. Am Schluss muss man sich ein bisschen beeilen und schwups ... sucht man ein Ende.

Und jetzt denken wir schon ueber Rilke und unsere Grabsteine nach. Ich habe eigentlich noch nicht an den Grabstein gedacht, nur die Anzeige. Aber mein Spruch spricht nicht vom Tod. Ich glaube, der Tod ist fuer den, der stirbt, keine traurige Angelegenheit. Nur fuer die Hinterbliebenen. Fuer sie mehr oder weniger.Es ist ein Abschied, und der Abschied ist meist schwieriger zu akzeptieren fuer jene, die Zuerueckgelassen werden als fuer jene, die gehen. Partir c'est toujours mourir un peu. Ich habe das mal in einer kleinen Rede - na ja, eigentlich keine Rede, sondern nur ein paar Worte - gesagt, die ich in Frankreich anlaesslich unserer Croisiere rhodanienne halten musste. Weil wir immer nur eine oder zwei Naechte bei einer Familie geblieben waren, fand ich, man muesse staendig Abschied nehmen. Und das war umso schwieriger, als all diese Leute sehr nett und aufmerksam waren mit uns. Wir sterben ein bisschen zuviel, hier in Frankreich, hatte ich gesagt, und die Leute waren ganz geruehrt. Du weisst schon, Marlena, nach einem guten Essen, einem feinen Schluck Wein, vielleicht beim Kaese oder danach beim Kaffee mit Likoer kann man die Franzosen in Ruehrung bringen wie alle anderen Menschen auch. Und ich, als etwa 18jaehriger, war ganz stolz darauf.

Lustig, was Du sagst ueber K und die Situation bei Euch. Du machst Dir viele stille Gedanken. Und Du bist sehr tolerant. Finde ich schoen. Du bist einfach ein schoener Mensch.

Im Moment, am Sonntagmorgen, bin ich an meinem Fruehstueck. Ich will Dir nicht im Detail erzaehlen, was es ist Denn es sind, kurz gesagt, wiederum Eier. Aber zuvor habe ich meine zweite Papaya gegessen, um eine gute Basis mit Vitaminen zu legen. Was meinst Du, haben die Dinger ueberhaupt Vitamine? Ich glaube, wenn man auf ihren Geschmack geht, muessen sie welche haben. Und jetzt mache ich mir zum Schluss noch einen Tee. Dann fahre ich nochmals ins Metropolitan Museum. Ich glaube, das ist ein schoener Abschluss. Ich will mir ein bisschen Zeit nehmen fuer einige Bilder. Und Bonnard hatte ich noch nicht gefunden. Es muss einige Bonnards geben. Von Vuillard habe ich eine Reihe schoener Exemplare gesehen, mehr als je in Europa.
Und dann werde ich - wohl oder uebel - heute anfangen zu packen. Ich glaube, das Gepaeck wird schwerer werden als bei der Hinreise. Ich konnte es nicht lassen, ein paar Buecher zu kaufen. Und fuer B bringe ich ein paar Tuben Kosmetik. Sie hatte mir eine lange Liste aufgeschrieben, als ob ich ein Transportunternehmen waere. Gestern abend hatte ich den Laden gefunden hier am Broadway. Die Verkaeuferin wusste sofort, was ich brauche. Und sie bot mir auch gleich eine Aktion an. Na ja, eine kleine Aktion habe ich dann auch wirklich genommen.

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