Mittwoch, 21. März 2018

Heute: Archetypische Energieformen


Ämne: Re: Amerika gibt es wahrscheinlich doch
Datum: den 27 augusti 00:55


Liebe Marlena
Ja, Du bist eine alte Fuechsin. Das sieht man daran, dass Du die Namen der Schueler memorierst. Ein Anfaenger kaeme wohl kaum auf die Idee, und haette den Kopf voll von anderen Dingen. Aber genau das ist wichtig, wenn man Koenigin im Klassenzimmer sein und bleiben will.
Wir haben heute im Kurs von archetypischen Energieformen gesprochen. Und ich fand das eine gute Landkarte, die ich mir merken will. Vielleicht kannst Du auch davon profitieren?
Diese Archetypen sind sozusagen Energieformen, Modi des alltaeglichen Bewusstseins, Zustaende irgendwie. Jeder von uns hat alle 4 Moeglichkeiten, aber er braucht sie unterschiedlich oft und unterschiedlich intensiv. Sie sind:

The King/Queen
gives blessings, gives everybody a place in the world.
Recognizes what contributions you have made.
Responsible for Ceremonies, Rituals: We have come here today to recognize ...
Dark side: tyranny

The Warrier
Coming to terms with: fighting for values, defendig yourself, observing boundaries. There is a battle to be fought.
Dark side: rage, invasion

Magician/Healer

Transforming-reframing-healing, appreciation for the aesthetic, enchantement with life, stories.
Dark Sinde: Self-Deception

Lover
Extraordinary passionate movement towards love, connections with people
Dark side: addiction

Du hast immer beschrieben, wie Du nur in der Liebe lebst. Aber Du bist sicherlich auch oft im Zustand der Queen. Na ja, es ist nicht unbedingt gemeint, dass diese Typen rein gelebt werden, sondern dass jeder Mensch seine individuellen Mischungen hat. Ich liebe die Vorstellung des Magicians. Ich glaube, das ist meine intensivste Existenzform. Aber im Buero sollte ich mehr den Koenig spielen. Den finde ich leider etwas langweilig. Aber das Gefuehl ist nicht schlecht, die Uebersicht zu behalten und jedem Mitarbeiter seine Rolle zu geben. Ich glaube, ich muss noch ein bisschen Lernen, das zu geniessen. King zu sein ist doch fuer die meisten Menschen ein allerliebstes Ziel. Fuer mich war es niemals ein starker Wunsch, ein Chef zu sein. Das war auch mein Problem anfangs an dieser Stelle: ich war Chef und wollte es nicht zeigen. Aber im Grunde erwarten die Mitarbeiter vom Chef, dass er Chef ist. Ich habe schon ein paar Jahre gebraucht, dass zu begreifen. Na ja, ich bin eben ein Kind der 86er Jahre, und die waren total gegen Chefs. Heute geht das Pendel ja auf die gegenueberliegende Seite. Ich staune, wie die Jungen wieder machomaessig sind und auch, wie sie Cheffunktionen akzeptieren. Wir haetten das damals nie gemacht.
In der Uebung, in der ich mich als "Opfer" zur Verfuegung gestellt hatte, kam mir ploetzlich die Erinnerung an meinen Professor in Zuerich, bei dem ich meine Dissertation geschrieben hatte. Er war sozusagen mein intellektueller Chef, aber er war sehr tolerant, sehr unterstuetzend, er gab mir nette feed backs auf meinen Schreibstil, auf meine Zeichnung, auf meine Themenwahl usw. Er war eigentlich ein lieber Kerl. Und eine zeitlang spaeter habe ich ihn eher ein bisschen verachtet, dass er nicht strenger gewesen war. Aber heute denke ich, er war sehr gut und hat uns vorwaerts gebracht.

Weisst Du, in diesem Trance-Kurs kann man erleben, dass Lernen ganz leicht geschieht. Natuerlich lernt man hier nicht Schulstoff, obwohl zwischendurch auch kleine theoretischere Dinge vorkommen, wie zB. diese Archetypen. Aber im Grunde geht es darum, sich selbst und seine eigenen Moeglichkeiten zu entdecken. Irgendwelche alten Schmerzerfahrungen zu akzeptieren und integrieren. Vielleicht auch, eine Lebensstrategie zu finden. Es ist wirklich wohltuend. Und was ich an dieser Form so schaetze ist die Tatsache, dass keiner der Leute von seinen Problemen sprechen muss. Normalerweise hat man in den psychologischen Beratungen und den Ausbildungssitzungen diese endlosen Gespraeche und Diskussionen ueber Probleme und Niederlagen. Das bringt nicht viel. Man muss gewisse Dinge im Leben akzeptieren und dann geht es weiter. Es ist eigentlich Lebenswissen. Und ich glaube, man koennte das gut entwickeln zu einer Lebensberatung.

Heute habe ich eine weitere Juedin entdeckt im Kurs. Sie hat ein gutes Maul, schaut aber sehr schummerig aus. Ich koennte mit ihr niemals im Leben das Buero teilen, niemals. Ich koennte wohl auch sympathische Seiten an ihr entdecken, aber im Moment will ich das nicht.

Und mittlerweile habe ich auch meine Aerztin erwischt. Wir treffen uns Donnerstag. Du wirst nicht glauben wo! In der Reception des Hyatt Hotels! Ich fand, das sei zentral. Und wenn immer ich mich verspaeten sollte, hat sie einen weichen Sitz. Ich glaube, sie moechte nach dem Essen gerne ins Theater. Heute hat mir der Kursleiter ein Buero angegeben, wo man Tickets mit 50% Rabatt erhaelt. Ich werde sehen. Sie hatte mir damals schon erzaehlt, dass sie Musicals liebe. Das ist ja nicht so sehr meine Sache. Aber vielleicht kann sie mich einfuehren, so wie ich sie in die MET eingefuehrt habe. So ein Rendez vous ist ein bisschen wie damals, als wir 20 waren. Jedes Date oeffnet eine neue Welt. Natuerlich hat man, wenn man jung ist, diffuse Ahnungen, was dahinter noch alles kommen koennte. Das erinnert mich an die Zeit in England. Dort haben wir den Grundkurs in Rendez-vous-making gemacht. Und die kleinen Englaenderinnen waren so unkompliziert und so hoeflich zugleich. Sie waren wirklich ideale Lernpartnerinnen. Ausgenommen vielleicht die Tatsache, dass sie immer sehr viel make-up aufhatten. Ich erinnere mich meines Hemdkragens am naechsten Morgen, den ich vor meiner Landlady zu verstecken suchte. Darueber bin ich nun ja hinweg. Aber es ist hier in NY - wie soll ich sagen - eine kleine Madeleine ...

Meine Kollegin aus Genf wohnt auf Staten Island. Sie hat mir die Gegend beschrieben und wenn man dort weitergeht, kommt man an den Strand. Es ist eine sehr schoene und wohl auch teure Wohngegend, gerade visavis Manhattan. Die Freiheitsstatue steht dazwischen. Da habe ich gedacht, dass ich vielleicht morgen mit der Kollegin hinueberfahre und sie auf dem Heimweg begleite, und dann weiter fahre bis an den Strand. Urspruenglich hatte ich mir vorgenommen, nur Manhattan anzuschauen. Aber ich glaube, ich habe hier vieles gesehen. Und es waere sicherlich schoen, nochmals mit der Ferry hinueber zu fahren.

Und noch was Lustiges, Marlena (ich wollte Dich schon Madeleine nennen!!!!), ich habe im Shop der Library eine Shakespeare-Ausgabe gesehen. Vielleicht denkst Du jetzt, ich sei auf den Klassiker verrueckt geworden und wolle dieses 5 kg Werk heimschleppen. Das ist es nicht. Auf dem Buch liegt ein Totenkopf. Er ist made in China. Und seit bald 5 Tagen zoegere ich hin und her, ob ich sowas als Souvenir kaufen soll. Ich wollte immer einen Totenkopf in meiner Bibliothek. Und dieser sieht ziemlich echt aus. Auf der anderen Seite wieder denke ich, ein Plastik-Totenkopf ist auch etwas merkwuerdig. Vielleicht koennte man doch irgendwo einen echten finden. Einen echten neben einen "made in China": da ist klar, welchem ich den Vorzug gaebe. Allerdings wuerde ich wohl den echten nicht mit dem Unterkiefer bekommen. Das waere ein Manko. Ich meine, ich koennte - nach meinem 10. Whisky oder so - nicht mal mit ihm diskutieren, weil ihm die untere Haelfte des Mundes fehlte. Er waere sprachlos. Und was zum Teufel soll ich mit einem sprachlosen Totenkopf. Ich werde bis zum letzten Moment warten bis zum Entscheid. Ich muss ja auch an meine Familie denken. Sollte ich sie mit sowas schockieren?

Du siehst, Madeleine, ich habe viele Fragen zu loesen. Gott sei dank, kann ich sie mit Dir diskutieren, sonst kaeme ich da niemals durch.

Ich kuesse Dich
...

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