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Liebe Marlena
Ach nein, das kann ich jetzt gar nicht akzeptieren. Es ist doch nicht so, dass man nichts zu schreiben hat, wenn nichts passiert. Im Gegenteil, je weniger passiert, desto mehr läuft im Kopf. So muss es doch sein. Es ist doch alles eine Frage des Kopfes. Das solltest Du doch weiss Gott wissen.... Es ist eher eine Frage der eigenen Aktivität. Wenn man viel zu tun hat, ist man im Schuss. Man ist auf ‚aktiv’ eingestellt, und wenn man dann eine freie Minute hat, dann ist man eben aktiv und schreibt. Hingegen in jenen entspannten Momenten, da man am liebsten auf dem Sofa herumliegt, den Kater am Bauch krault, oder die Wölklein am Himmel zählt, in jenen Momenten ist der Schalter auf passiv. Und es ist undenkbar, auch nur eine Zeile zu schreiben, obwohl man eigentlich im Moment viel Zeit hätte. Ich glaube, bei mir funktioniert das System so. Und das ist auch die Erklärung, weshalb ich früher als Schüler an jenen wundervollen katholischen Feiertagen nichts für die Schule gearbeitet hatte, obwohl ich mir es vorgenommen hatte. Ich wollte mich jeweils erst entspannen. Und als ich dann entspannt war, hatte ich keine Energie mehr, um wirklich was anzupacken.
Die Moral davon ist, dass man eigentlich die Aktivität, die man aus der vergangenen Woche noch hat, benutzen sollte, um etwas zu tun. Und dann sollte man erst entspannen. Der Freitagabend wäre dann die produktivste Zeit, theoretisch, für private Unternehmungen. Oder in der Ferienzeit wären es die ersten paar Tage, wenn der eigene Motor noch auf 150 dreht.
Ich war oft erstaunt, wie knapp Deine Mails ausgefallen waren immer dann, wenn ich mir ein besonders ausführliches gewünscht und ausgerechnet hatte, weil ich dachte, Du hättest viel Zeit. Und so war ich zum Schluss gekommen, dass meine quere Theorie eigentlich auch für Deine Verhältnisse gilt. Es gibt nichts Praktischeres, als eine kleine handliche Theorie, nicht wahr?
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Ich wünsche Dir einen schönen Tag
mlguk
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