Datum: den 28 mars 2004 19:52
Lieber ...,
Ja
doch, ich weiss, dass du froh bist, dass ich Katholikin bin. Ich glaube
auch, dass die Tatsache, dass wir in einem katholischen Milieu gelebt
haben uns irgendwie verbindet. Wenn du davon erzählst, kann ich mir
alles ziemlich genau vorstellen und spüre noch die Atmosphäre von
damals. Ich glaube deine Eltern waren klug, dass sie dich in diese
Schule gehen liessen. Aber vielleicht gab es auch keine andere Wahl.
Du
hast mir eine riesige Beilage mitgeschickt und ich habe sie auf
Schirmgrösse verkleinert. Werde sie dir in fotofolder reinlegen. Machst
du diese Zeichnungen nun aus dem Gedächtnis oder hast du sie damals in
NY gemacht? Wenn ich sie ansehe, dann bilde ich mir ein zu sehen, was in
den Leuten vorgeht. Sie sind sehr ausdrucksvoll.
*
Jetzt habe ich
mir ein bisschen Hintergrundmusik eingestellt am PC. Es war mir
plötzlich zu still hier. Es ist ein wunderbarer "Song" von meinem
Lieblingssänger Corneelis Vreeswijk. Er ist wohl unser bester Trubadur
oder vielleicht sollte ich sagen "war" denn er ist schon gestorben. Ich
wünsche ich könnte es dich hören lassen. Seine Lieder haben schöne
Melodien und wunderbare Texte. Viele sind sehr humoristisch, andere
tiefsinnig. Ich liebe die, die von Vergänglichkeit handeln. Das tun
viele.
*
Gestern
war ich mit I in einer kleinen Boutique, wo man schöne Textilien
und anderes Kunsthandwerk verkauft. Es liegt 15 Kilometer von hier direkt auf dem Lande in einer
umgebauten Scheune und wir mussten auf schmalen Waldwegen dorthin
fahren. Ich hatte mir K's Auto geliehen und nachher sah es aus als hätte
es eine Lehmeinpackung erhalten. Keine Angst, ich habe es ihm
(automatisch) gewaschen. Sah aus wie neu nachher.
Inga ist, wie
du weisst sehr künstlerisch begabt und ich bewundere sie sehr. Früher
hat sie auch gemalt aber jetzt macht sie meist Textilarbeiten und Puppen
mit zeitgemässen Kleidern und persönlichen sehr lebendigen
Gesichtsausdrücken. Aber du erinnerst dich villeicht nicht mehr. Sie ist
die Mutter von Sebastian, Annas "Brüderchen" und hat Anna betreut,
während sie bei ihrem kleinen Sohn zu Hause war. Sie ist jetzt die
Sekretärin von unseren zwei Direktoren auf den theoretischen Linien.
Früher hatte jeder Direktor seine eigene Sekretärin, aber auch in der
Administration muss man neuerdings sparen und so hat I jetzt beide
Posten übernommen. Die Arme! Denn unser Direktor ist ein richtiger
Wirrkopf, der sicher eine Sekretärin verrückt machen kann.
Eigentlich
bin ich zu dem Geschäft gefahren, weil ich ein Geschenk brauchte für eine Kollegin, die morgen zu einer kleinen Geburtstagsfeier eingeladen hat.
*
Interessant
was du von A's Studium erzählst. Mir geht es auch so, dass
plötzlich meine kleine Anna Dinge kann, die mir ziemlich unbegreiflich
sind. Es wäre natürlich gut, wenn ich das auch könnte. Dann könnte ich
ihr ab und zu behilflich sein. Aber zu unserer Zeit gab es noch keine
Computer und wenn es sie gab dann füllten sie die ganze Wand aus in
einem riesigen Zimmer. Wir hatten unseren ersten als Anna so 5-6 Jahre
alt war und sie schrieb ein paar Worte und malte auch ein kleines
Vögelchen. Ich kann sie noch vor mir sehen. Und nun baut sie sich ihren
eigenen PC zusammen von Teilen, die sie separat gekauft hat und
programmiert schon selbst. Für mich wird diese Welt immer
unbegreiflicher. Doch muss ich sagen, im Vergleich zu meinen Kollegen
bin ich fast ein Experte. Das habe ich natürlich Anna zu verdanken. Sie
ist auch sehr stolz auf mich und ihre Freunde sind nicht wenig erstaunt,
wenn sie hören, dass wir uns per ICQ verständigen. Du merkst, jetzt
werde ich plötzlich richtig aufgeblasen.. ;-))
*
Ich habe mich
früher oft gefragt, was eigentlich passieren könnte, das unser
Jahrhundert als sehr veraltet und unwissend erscheinen liesse. Und jetzt
haben wir es schon da.. und wir sehen noch nicht das Ende davon. Ach,
manchmal traure ich den alten Zeiten nach, wo man noch die Welt
begreifen konnte.
Weisst du, dass es sehr gefährlich ist ein Handy im
Auto zu gebrauchen? Die Strahlung ist um 1000 (tausend) mal erhöht.
Auch in Zügen wird sie gefährlich hoch.
*
Nun werde ich mich oben beschäftigen. So lasse ich dich wieder und wünsche dir
einen guten Start in die neue Woche.
Mit lieben G's und K's,
Malou
Mittwoch, 17. Dezember 2014
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