Mittwoch, 17. Dezember 2014

Ja doch...

Datum: den 28 mars 2004 19:52

Lieber ...,

Ja doch, ich weiss, dass du froh bist, dass ich Katholikin bin. Ich glaube auch, dass die Tatsache, dass wir in einem katholischen Milieu gelebt haben uns irgendwie verbindet. Wenn du davon erzählst, kann ich mir alles ziemlich genau vorstellen und spüre noch die Atmosphäre von damals. Ich glaube deine Eltern waren klug, dass sie dich in diese Schule gehen liessen. Aber vielleicht gab es auch keine andere Wahl.

Du hast mir eine riesige Beilage mitgeschickt und ich habe sie auf Schirmgrösse verkleinert. Werde sie dir in fotofolder reinlegen. Machst du diese Zeichnungen nun aus dem Gedächtnis oder hast du sie damals in NY gemacht? Wenn ich sie ansehe, dann bilde ich mir ein zu sehen, was in den Leuten vorgeht. Sie sind sehr ausdrucksvoll.
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Jetzt habe ich mir ein bisschen Hintergrundmusik eingestellt am PC. Es war mir plötzlich zu still hier. Es ist ein wunderbarer "Song" von meinem Lieblingssänger Corneelis Vreeswijk. Er ist wohl unser bester Trubadur oder vielleicht sollte ich sagen "war" denn er ist schon gestorben. Ich wünsche ich könnte es dich hören lassen. Seine Lieder haben schöne Melodien und wunderbare Texte. Viele sind sehr humoristisch, andere tiefsinnig. Ich liebe die, die von Vergänglichkeit handeln. Das tun viele.

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Gestern war ich mit I in einer kleinen Boutique, wo man schöne Textilien und anderes Kunsthandwerk verkauft. Es liegt 15 Kilometer von hier direkt auf dem Lande in einer umgebauten Scheune und wir mussten auf schmalen Waldwegen dorthin fahren. Ich hatte mir K's Auto geliehen und nachher sah es aus als hätte es eine Lehmeinpackung erhalten. Keine Angst, ich habe es ihm (automatisch) gewaschen. Sah aus wie neu nachher.

Inga ist, wie du weisst sehr künstlerisch begabt und ich bewundere sie sehr. Früher hat sie auch gemalt aber jetzt macht sie meist Textilarbeiten und Puppen mit zeitgemässen Kleidern und persönlichen sehr lebendigen Gesichtsausdrücken. Aber du erinnerst dich villeicht nicht mehr. Sie ist die Mutter von Sebastian, Annas "Brüderchen" und hat Anna betreut, während sie bei ihrem kleinen Sohn zu Hause war. Sie ist jetzt die Sekretärin von unseren zwei Direktoren auf den theoretischen Linien. Früher hatte jeder Direktor seine eigene Sekretärin, aber auch in der Administration muss man neuerdings sparen und so hat I jetzt beide Posten übernommen. Die Arme! Denn unser Direktor ist ein richtiger Wirrkopf, der sicher eine Sekretärin verrückt machen kann.

Eigentlich bin ich zu dem Geschäft gefahren, weil ich ein Geschenk brauchte für eine Kollegin, die morgen zu einer kleinen Geburtstagsfeier eingeladen hat.
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Interessant was du von A's Studium erzählst. Mir geht es auch so, dass plötzlich meine kleine Anna Dinge kann, die mir ziemlich unbegreiflich sind. Es wäre natürlich gut, wenn ich das auch könnte. Dann könnte ich ihr ab und zu behilflich sein. Aber zu unserer Zeit gab es noch keine Computer und wenn es sie gab dann füllten sie die ganze Wand aus in einem riesigen Zimmer. Wir hatten unseren ersten als Anna so 5-6 Jahre alt war und sie schrieb ein paar Worte und malte auch ein kleines Vögelchen. Ich kann sie noch vor mir sehen. Und nun baut sie sich ihren eigenen PC zusammen von Teilen, die sie separat gekauft hat und programmiert schon selbst. Für mich wird diese Welt immer unbegreiflicher. Doch muss ich sagen, im Vergleich zu meinen Kollegen bin ich fast ein Experte. Das habe ich natürlich Anna zu verdanken. Sie ist auch sehr stolz auf mich und ihre Freunde sind nicht wenig erstaunt, wenn sie hören, dass wir uns per ICQ verständigen. Du merkst, jetzt werde ich plötzlich richtig aufgeblasen.. ;-))
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Ich habe mich früher oft gefragt, was eigentlich passieren könnte, das unser Jahrhundert als sehr veraltet und unwissend erscheinen liesse. Und jetzt haben wir es schon da.. und wir sehen noch nicht das Ende davon. Ach, manchmal traure ich den alten Zeiten nach, wo man noch die Welt begreifen konnte.
Weisst du, dass es sehr gefährlich ist ein Handy im Auto zu gebrauchen? Die Strahlung ist um 1000 (tausend) mal erhöht. Auch in Zügen wird sie gefährlich hoch.
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Nun werde ich mich oben beschäftigen. So lasse ich dich wieder und wünsche dir
einen guten Start in die neue Woche.
Mit lieben G's und K's,
Malou

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