Samstag, 22. September 2012

Re: 5. Avenue

Ämne: Sonntag abend..
Datum: den 24 augusti 2003 22:33

Lieber ...,
Es ist Sonntagabend und ich bin wieder allein. Habe gerade nochmals deine beiden letzten Mails durchgelesen und genossen. Du bist im Moment ganz unwiderstehlich. Nie habe ich dich so frei und unbeschwert erlebt. Und natürlich musste ich auch lachen. Sehe dich vor mir "cool und gelangweilt" in einem dieser riesigen Fauteuils eines Hotel-Lobbys, wo du dann noch dazu einschläfst..
Aber du musst ziemlich gepflegt ausgesehen haben denke ich, sonst hätte man vielleicht doch reagiert.

Ach .., du schilderst Dinge, wie sonst niemand das tun kann und somit lässt du mich doppelt leben. Das habe ich heute wieder gemerkt, als ich im Wald Preiselbeeren pflücken war. Ich liebe es  im Wald zu sein. Es riecht so herrlich und die Luft ist erfrischend. Man spürt fast wie wohltuend sie ist. Und dort, umgeben von Preiselbeerkraut mit herrlich rot leuchtenden Beeren (man möchte fast glauben jemand hätte sie auf Hochglanz poliert) dachte ich plötzlich wie komisch es ist so ganz in der Natur zu sein und sich gleichzeitig in einer grossen Weltstadt zu befinden. Du machst mir das möglich, mein Liebling, und ich bin dir unendlich dankbar dafür.



Ach, ich habe doch nichts dagegen, dass du dir ein wenig Gesellschaft leistest dort in der Fremde. Aber ich bin eben ein bisschen eifersüchtig auf diese Person, die das Vergnügen hatte von dir in einem Museum unterhalten zu werden. Deine Definition von Impressionismus und Expressionismus finde ich übirgens sehr gut. Es ist wirklich so, wie du sagst. Ich werde nie meinen ersten Kontakt mit den Impressionisten vergessen. Es war im Jeu de Paume in Paris. Ich war 19 Jahre alt und hatte nicht allzugrosse Erfahrung von Kunst. Und dann stand ich da plötzlich vor einem Bild von Monet und war wie verhext davon. Wie du so richtig sagst: das Bild "zieht dich in sich hinein" und ich musste mich mit Gewalt losreissen. So war es damals. Auch dieses "der Expressionismus springt dich an" finde ich gut formuliert. Wir könnten uns lange darüber unterhalten. Schau mal hier, was Monet einmal gesagt hat:
"Everyone discusses (my work) and pretends to understand, as if it were necessary to understand, when it is simply necessary to love."
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Heute bin ich früh aufgestanden und habe in Ruhe meinen Morgenkaffee getrunken. Und dann habe ich dein schönes Mail gefunden. Ich war so erschöpft von deinen Strapatzen, dass ich nochmals unter die Decke geschlüpft bin um mich nach dieser Körperanstregung auszuruhen. ;-)
Dann später habe ich das Gras gemäht hinter dem Haus. Noch gegen Mittag war es ganz feucht von Tau aber ich habe mich durchgequält. War ganz zufrieden mit meiner Heldentat. *s* Und ich habe auch den ganzen Tag hindurch (mit so 4 Stunden Intervallen) die dramatischen Sportsendungen von den Weltmeisterschaften in Paris angeschaut. Immerzu, wenn unsere kleine Caroline Klüft wieder dran war. Sie ist Weltmeisterin in 7-kampf geworden, obwohl sie kaum 20 Jahre alt ist und ich glaube sie ist auch der Liebling der ganzen Welt geworden mit ihrem natürlichen Charme und ihrer Freude. Sicher wirst du ihr Bild auf allen Zeitungen sehen können. Besonders der Weitsprung war äusserst dramatisch, weil sie die ersten zwei Sprünge über das Brett getreten war und hätte sie das beim letzten Sprung auch getan wäre sie rausgefallen. Ich glaube die ganze Sportwelt hat den Atem angehalten in diesem Augenblick. Die Franzosen waren wohl zuerst nicht besonders froh über ihre Erfolge, weil eine Französin klare Favoritin zur Goldmedaille war aber Karolina hat mit ihrem fröhlichen Charme auch ihre Herzen gewonnen. Tja, du siehst was du verpasst hast.. ;-))
*
Ich muss noch etwas vorbereiten für morgen. So lasse ich dich nun und wünsche dir einen interessanten ersten Kurstag.
Bleib mir treu im Herzen, mein lieber Mausfreund.
Je t'embrasse,
Marlena
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