Dienstag, 30. Januar 2024

Gute Nacht! (oder guten Morgen!)

 

Ämne: Gute Nacht! (oder guten Morgen!)
Datum: den 22 januari  23:58


Lieber ...,
Ja, es ist wunderschön sich manchmal einen ganz faulen Abend zu machen. Garnicht an Arbeit denken und nur den Augenblick geniessen. Das habe ich auch heute getan nach den Elterngesprächen. Es waren nur Mütter, die kamen und sie waren sehr nett und zufrieden mit unseren Gesprächen und mit dem Studiengang ihrer Töchter. Und nachher bin ich hinausgegangen in den kalten Abend und habe mich gewundert, dass mein Auto so ganz ohne Proteste gestartet hat.
Dann habe ich, ich weiss nicht wie, die nächsten Stunden hinter mich gebracht ohne dass ich nun sagen könnte, was ich eigentlich gemacht habe. Eben nur gelebt. "Doing time" heisst ein Ausdruck, aber der gilt wohl nur Kriminellen, die im Gefängnis ihre Strafe absizten. Vielleicht tun wir sowas ähnliches, ohne es zu wissen. ;-)
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Das Gesprächsthema aller Leute gestern und heute war die Kälte. Heute morgen war es 22 grad kalt. Es tut mir leid, dass ihr einen so schlechten Winter habt. Regen und Wind zusammen sind keine gute Kombination.
Ach, wie schön du mir geschrieben hast über Sayyeds und Hadschis. Ich finde du hast in ein paar Zeilen so viel von der Seele der Perser gefangen. Das musst du unbedingt mitnehmen in deinem Vortrag. Es ist geradezu maladi-erzeugend. Ich höre die Sirenen wieder.

Du sprichst über Genderfragen und dabei denke ich an etwas, was ich neulich im Radio gehört habe (in einem serösen Programm). Leider habe ich nicht gehört auf was es sich genau bezieht, aber man sagte, dass Männer und Frauen sehr verschieden sind und dass ein Mann sogar mehr Ähnlichkeit hat mit einem Schimpansen (oder war es Gorilla?), als mit einer Frau. Jetzt muss ich lachen, wenn ich an deine Miene denke.. aber ich frage mich auf welchem Gebiet das sein könnte.

Ach, auf dem schönen Sofa darfst du schlafen? Das tue ich auch manchmal auf meinem Lieblingssofa oben oder auf einem der Sofas unten im Wohnzimmer. Es ist gerade, wenn ich etwas im Fernsehen nicht verpassen will, denn sonst wäre es bequemer gleich ins Bett zu gehen. Und genau wie du, nehme ich mir eine warme Wolldecke drüber. Dann ist es so warm und wohlig, dass man garantiert dabei einschläft. Aber im Sitzen kann ich nicht schlafen. Ich glaube, das ist für Männer reserviert.. obwohl ich mich erinnere, dass M. fast immer einschlief, wenn wir zusammen ins Theater gingen. Ihre Eltern hatten ein Abonnement und sehr gute Plätze ganz vorne in der Mitte. Deshalb hatte ich auch immer etwas Angst, dass die Schauspieler merken würden, wenn sie einnickte und ich versuchte sie zu wecken bevor sie anfing zu schnarchen. Sowas könnte die Schauspieler wirklich aus dem Konzept bringen. Und damals waren wir doch noch jung.. so um die 30 glaube ich.
Jetzt ist sie mit einem unmöglichen Mann zusammen, der ihr das Leben sauer macht.. vielleicht auch süss.  .
*
Wenn du von Schneeschleuder sprichst, so erinnere ich mich an einen anderen Kollegen. Er war auf den praktischen Linien angestellt. Weiss nicht mehr genau welche und er war ein typischer Finnländer. Eigentlich aus Nordschweden. Aber dort oben sind ja manche mehr Finnen als Schweden. Er hiess Kosti und er war wie ein "grosser Berg von Geborgenheit", wie es ein männlicher Kollege mal ausdrückte. Es gibt Menschen, die eine grosse Integrität haben, die sich vor nichts fürchten und wagen ihre Meinung zu sagen auch wenn es Nachteile haben kann für sie. So war Kosti. Und er war mit einer strengen  Frau verheiratet, die ihn in Schach hielt. Sie war Chefin für die Küche in der Schule und konnte in die Kantine hereinkommen und einen Lehrer ausschimpfen, der sich eine Jacke über den Stuhl gelegt hatte. Jedenfalls war Kosti ein richtiger "kvinnotjusare" (Frauenliebhaber?). Er liebte wirklich Frauen. Er machte ihnen Komplimente und niemand hatte etwas dagegen, weil es eben seine Art war und man glaubte dass er Spass machte. Wenn er mich erblickte, sagte er immer mit einem sehr finnischen Accent "seenes Fräulein" und man lachte darüber und freute sich auch ein wenig. Und einmal, als wir in der Kantine sassen und so richtig in Spass gerieten, fragte er plötzlich, auch wieder mit seinem sehr finnischen Accent "Ska jag komma och skotta hos dig?" Soll ich bei dir Schnee schippen kommen? Und ich sah wie alle nun neugierig auf meine Antwort warteten. Und dann sagte ich "Ja, aber kannst du es tun, bevor mein Mann und ich aufstehen?" Und wieder Gelächter. Und dann ist er plötzlich allzu früh gestorben und wir haben alle um ihn getrauert, sowohl Frauen wie Männer. Aber vor der Schule hat er ein Kunstwerk hinterlassen. Es ist eine Art Obelisk aus Eisen mit Ketten drum und oben ein paar Vögel, die die Freiheit symbolisieren sollen. Das hat er seine Schüler machen lassen. Und wenn man vorbeifährt, wundert man sich immer noch, wie ein so lebendiger Mensch plötzlich nur aufhören kann zu existieren.
Ach, das ist wieder ein langes mail geworden. Ich glaube manchmal du hast nicht allzuviel Geduld für lange mails.
Weisst du, dass ich nun öfters das Bild vor mir sehe, was du mir letzthin geschickt hast. Dort wo du dich mit einem anderen Mann unterhältst. Und erst wenn ich es so vor mir sehe, wird mir richtig bewusst, dass es dich wirklich gibt mit Fleisch und Blut.. (xxxxxxxxxxxxxxx)
Ja, ich muss meine Gedanken zensurieren. :-)
So sage ich dir gute Nacht, mein lieber Mausfreund und wünsche dir alles Gute für morgen.
Mit lieben G's und innigen K's
Malou

Freitag, 26. Januar 2024

Bonjour tristesse




Ämne: Bonjour tristesse
Datum: den 21 januari 08:18


Liebe Malou
Ja, ich habe auch den Eindruck, dass ich ein bisschen in Rückstand gerate mit meinen Mails. Und ich weiss - ehrlich gesagt - noch nicht, wie ich da Problem lösen kann. Es geht auch nicht um die KB im PC, sondern darum, dass sie anfangen, uns zu kontrollieren. Es ist einfach ungeheuer eng geworden in den letzten Jahren. Wenn man mir das vor 20 Jahren vorausgesagt hätte, hätte ich laut heraus gelacht vor schierem Unglauben.

Ich musste schmunzeln über Deinen Schneearbeiter, den Du hast. Das ist wirklich feudal. Und dass Du annimmst, seine Frau schicke ihn, Dir den Hauszugang zu putzen, fand ich gleich nochmals lustig. Wenn Du ihnen jetzt Tulpen bringst, könnte es zum offenen Ehekrieg kommen. Vielleicht weiss sie gar nicht, dass er es tut. Vielleicht tut er es in stiller Sympathie. Und vielleicht hat er jetzt schon Scherereien mit seiner Frau, weil er fremde Plätze putzt, anstatt sich seiner Frau zu widmen. Na ja, könnte doch sein. Aber es spricht für Dich, dass Du die beste aller Möglichkeiten in Betracht ziehst. Und ich habe mir auch schon überlegt, ob ich nicht auch eine kleine Schneeschleuder kaufen sollte, um mich bei den Nachbarinnen einzuschmeicheln. Allein ich habe ein ziemliches Problem dabei. Es ist ein grosses Problem und kaum aus der Welt zu schaffen. Das Problem besteht darin, dass wir keinen Schnee haben.

Wir haben hier nasses und kaltes Wetter. Es hat in den letzten Tagen viel geregnet. Und man könnte denken, es wäre doch kein Luxus, aus all dieser Feuchtigkeit wirklichen und richtigen schönen Pulverschnee zu machen. Aber nein, es tropft vom Himmel wie in den schlimmsten Sommermonaten.

Deine Aussage fand ich prima: Wenn mein Leben ein Film wäre, würde ich einschlafen dabei, oder das Kino verlassen. Sehr gut gesagt. Natürlich gäbe es noch Zwischenlösungen. Man könnte gelangweilt dasitzen und Popcorn mampfen. Man könnte sich auch an die Allerliebste daneben schmiegen, und aus der Vorführung eine kleine private Sensation veranstalten. Und dabei meine ich jetzt nicht bloss, das Popcorn mit Schweizer Schokolade zu ergänzen. Nein, es gibt da noch andere Rezepte.
Hast Du gewusst, dass das Kino ursprünglich ein echtes Unterschichten-Medium gewesen war? Erst nach einiger Zeit wurden die Kinosäle von der Mittelschicht entdeckt und für sich in Anspruch genommen. Und wenn ich mich nicht irre, war in meiner Jugend diese skeptische Meinung gegenüber dem Film latent noch vorhanden. Erst mit der Zeit wurde der Status des Kinos aufgewertet, indem u.a. in den Zeitungen längere Filmrezensionen veröffentlicht wurde, welche die Streifen nobilisierten.
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Ebenso lustig, dass die Tochter die Mutter vor einem Porno warnt. So sehr haben sich die Verhältnisse verdreht. Die Kleinen sind den Grossen voraus. Sie machen sich Sorgen, dass ihre Eltern in dieser furchtbaren Welt Schaden nehmen würden. Sind sie nicht süss, die Kleinen?

Wir haben heute ein Treffen mit dem Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst. Es gibt diverse Überschneidungen bei der Arbeit. Deshalb treffen wir uns gelegentlich. Doch in den letzten Jahren war das nicht mehr passiert. Umso rascher müssen wir es jetzt aufholen. Ich werde in ein paar Worten unseren gegenwärtigen Aufgaben skizzieren. Und dasselbe wird jemand von der Psychiatrie machen. Ich muss mir noch ein paar Dinge überlegen, die ich sagen sollte.

So wünsche ich Dir einen schönen, kalten und schneeweissen Tag.
Mit G&K

 

Mittwoch, 24. Januar 2024

Zügelei und Wetter

 


25 January  20:55
subject: Das Liebesgeschrei der Primaten !


Liebe Malou

Ich weiss, ich bin sehr absorbiert. Und das ist nicht nur wegen des Schnees, der gestern gefallen ist. Ich bin schwer beschäftigt. Als du mich letzthin gescholten hast, dass ich meine Zügelei so in die Länge ziehe, habe ich heute eine Firma angerufen, um die Sache an die hand zu nehmen. Ich kann das schon rascher machen, es bleibt dann einfach ziemlich viel Unordnung hinter mir zurück. Und das wollte ich irgendwie vermeiden. Aber einen gewissen Zeitdruck durch einen Termin kann ich - so glaube ich - gut gebrauchen. 

Kürzlich hat mich eine Bekannte angerufen, die ich in R getroffen hatte. Als sie hörte, dass ich noch zuhause sei, hat sie gelacht und gedacht, ich würde das nie schaffen. Ich wäre noch zu sehr verknüpft mit S. Aber das glaube ich nicht. Mein Problem ist wirklich die Zügelei. Ich wünschte mir alles wäre hinter mir und ich würde dort in der Nähe Affenhaus leben und nachts das Liebesgeschrei der Primaten hören. So wird es Ende dieses oder anfangs nächsten Monats sein.

Ab Mitte Februar kannst du mich besuchen Malou. Dann ist alles bereit. ... Und wenn du hier alles gesehen hast, wirst du ganz froh und zufrieden zurück in dein schönes Einfamilienhaus kehren. Und wirst vielleicht bloss mehr das Affengeschrei vermissen.


Ja, du glaubst es kaum. Hier hat es ca. 10 bis 15cm geschneit. Es sieht alles aus wie ein Weltwunder. Und man fragt sich, wie sich der Himmel selbst überlistet hat, um uns eine solche Pracht zu bescheren. Es ist wirklich lange her, seit er das zum letzten Mal gemacht hat. Nur euch dort oben berücksichtigt er bevorzugt. Aber hier lässt er bald Wüsten entstehen.  Ich hoffe doch sehr, dass sich das ändern wird.

Am Wochenende bin ich sehr beschäftigt. Ich erzähle dir später davon.

Ich wünsche dir einen feinen Abend.
Mit lieben Grüssen und Küssen in Qs

...

Re: Klarissimo

 

Lieber ...,

Zuerst herzlichen Dank für dein liebes Mail und auch die früheren, in denen du Dinge schreibst, die immer noch „in mir arbeiten". Du glaubst also, dass mein Leben „ruhig und zufrieden" dahinläuft. Und dabei weisst du nicht, dass ich mich manchmal nach ein paar wirklich ruhigen Stunden in einem Büro sehne. ;-)
Ich wollte dein Mail schneller beantworten, aber wir hatten Gäste am Wochenende und heute ist Anna zu Besuch. Wir haben gerade unser Dinner gehabt und ich habe es sehr genossen wieder einmal an einer lebhaften und interessanten Konversation im Kreis der Familie teilzunehmen.
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Ja, ich verstehe deine Angst vor dem „schleichenden Untergang". Es ist wie du sagst ungeheuerlich, ungerecht und absolut brutal. Warum uns alles das Schöne zeigen, um es uns dann zu nehmen? Und gerade in Zeiten, wenn wir glücklich sind, macht uns der Gedanken an die Vergänglichkeit fast wahnsinnig.
Gestern habe ich erfahren, dass mein Cousin in Uppsala nicht mehr lange zu leben hat. Sein ganzer Körper ist von Krebs angegriffen. Stell dir vor, er ist drei Jahre jünger als ich. Aber er ist tapfer und versucht die Menschen in seiner Umgebung aufzumuntern. Ich habe ein längeres Telefongespräch mit ihm gehabt. Vielleicht habe ich dir mal von ihm erzählt, wie er als 6-jähriger Eintritt nahm von den Kindern der ganzen Nachbarschaft für einen Blick in unsere Badewanne, wo der weihnachtliche Karpfen herumschwamm. Er hat ein spannendes und auch glückliches Leben hinter sich. Seine Frau, sie ist übrigens auch Künstlerin wie deine B, hat eine schwere Zeit vor sich.

*

Ach, das ist alles so traurig. Auch unser Gespräch heute Abend war nicht sehr erfreulich. Vielleicht lag es an mir. Es tut mir Leid. Ich will dir doch nur gut.

Ich liebe es, von den kleinen alltäglichen Dingen in deinem neuen Leben zu lesen, wie z.B. von dem Café gegenüber, wo du deinen Hunger stillen kannst. Es klingt alles so friedlich und perfekt für ein harmonisches Leben. Und dann hast du die Affen. Weisst du, dass auch ich ins Affenhaus gehen kann? Im „Animal Planet" zeigt man fast täglich interessante Sendungen mit Affen. Und wenn ich Affen sehe, denke ich eben an dich. ;-)) Ich stelle mir meist das Programm an, wenn ich irgendeine langweilige Arbeit vor mir habe. So ist z.B. das Bügeln im Affenhaus ganz erträglich.
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Ab und zu beschäftige ich mich mit dem Archivieren unserer Mails und neulich habe ich dabei ein kleines Gedicht wiedergefunden, das du mir mal geschickt hast.

Erinnern
Das ist vielleicht
die qualvollste Art
des Vergessens
und vielleicht
die freundlichste Art
der Linderung
dieser Qual.


Erst jetzt verstehe ich den Sinn dieser Worte.

*
So lasse ich dich wieder in die gefährliche Welt hinaus,
mit lieben Gs und Ks

dein „kühles festes Anker im Norden".. ;-)

Dienstag, 23. Januar 2024

Klarissimo

(R)


Liebe Malou
Ja, das klingt gut. Würde ich vielleicht auch lesen. Aber ich glaube nicht, dass ich je ein ganzes Buch in Englisch gelesen habe. Irgendwie würde ich mich dort nicht ganz heimisch fühlen. Aber es ist gut. Ich erinnere mich dabei an mein Onkelchen und die Dinge, die er erzählt hat. Allein die Tatsache, dass es damals ganz eine andere Welt war, allein diese Tatsache macht einen solchen Roman spannend. Wir können uns die Zeit nicht vorstellen. Ich habe eine Erinnerung aus der Zeit, als ich noch nicht zur Schule ging. Wir waren in Zürich und sassen beim Bahnhofplatz auf einer Terrasse. Man sah hinunter auf den riesigen Platz. Es gab einige wenige Tramschienen, vielleicht das Denkmal von Escher, daran erinnere ich mich nicht mehr. Und sonst war der Platz einfach leeeeeeeeeeeeeeeeeeer. Einfach absolut leer, vielleicht einige wenige Personen, Männer mit einem Hut. Frauen mit knöchellangen Röcken.

Ja, vielleicht ist schreiben einfach aus diesem Grunde gut: gegen die Zeit zu schreiben, erzählen, wie es war. Gegen diesen schleichenden Untergang anschreiben, den alles erfasst und der alles mit sich reisst. Ich werde traurig und wütend gleichzeitig, wenn ich davon rede. Du nicht, Malou? Wie das Leben vergeht, ist doch einfach ungeheuerlich, ungerecht, absolut brutal!!! All die Verstorbenen und Vergessenen, stell dir vor, wo sie sind! Es macht mich wahnsinnig, wenn ich daran denke.
Und jetzt trinke ich einen latte macchiato. Das ist die einzige Art von Kaffee, die man mit dem Suppenlöffel einnehmen kann, pflege ich scherzhaft zu sagen. Wenn du zu mir zu Besuch kommst, Malou, dann serviere ich dir einen solchen Latte. Ob du magst oder nicht, ich werde ihn dir an der Bar vor meiner Küche servieren. Die Bar ist ein Schrank, der früher in einer Zahnarztpraxis gestanden haben muss. Er passt blendend in meine 2-Zimmer-Klause. Nur darf man sich nicht zusehr betrinken. Wenn man sich an dieses Möbel lehnt, dann fährt es davon !! Ich werde dir dann ein Foto schicken, Malou, wenn es soweit ist. Das mache ich bestimmt. Ich habe vom Mann der Zügelfirma gehört, dass im Café gegenüber riesengrosse Sandwiches serviert werden. Die seien weitherum bekannt. Seine Männer gehen immer wieder dorthin, weil sie doch beim Zügeln einen respektablen Hunger entwickeln. Ist das nicht eine wundervolle Gegend? Und heute habe ich einen weiteren Band gefunden über die Primaten und Halbaffen. Diese Literatur brauche ich unbedingt in meiner Nähe, wenn ich dann einen Steinwurf vom Affenhaus entfernt wohne. Ich glaube, ich werde regelmässig zu den Affen gehen. Die Tiere haben mich schon immer fasziniert.
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Liebe Grüsse und Küsse und Qs
...

Donnerstag, 18. Januar 2024

Sayyeds und Hadschis

den 22 januari  08:37

 
Liebe Malou


(---)

Gestern habe ich richtig gefaulenzt abends. Ich habe erst mal Kaffee und Kuchen genossen, wie das nur die Deutschen können. Ich fühlte mich ziemlich voll zum Schluss. Und dann habe ich eine gute Stunde geschlummert. Ich hatte in der vorigen Nacht etwas wenig Schlaf gehabt. Ich war um 3.30h aufgewacht und bin dann nicht mehr eingenickt bis es fünf geschlagen hat. So entschloss ich mich, etwas ins Büro zu fahren. Auf unserem Chesterfield Sofa schläft es sich ganz wunderbar. Im Winter ist es gut, sich dabei unter einer Wolldecke zu verkriechen. Man muss dann ungefähr so liegen, wie die drei gerechten Kammmacher in Gottfried Kellers Novelle: so steif und unbeweglich wie möglich. Aber es geht gut. Und daneben sehe ich im Fernseher, was läuft auf dieser Welt. ich hatte dazu einige Berichte vom WEF in Davos angeschaut. Chatami weilt gerade dort, und seine elegante Sprache kommt mir irgendwie bekannt vor, auch wenn ich nichts verstehe. Er ist ein Sayyed, wenn Du weißt, was das ist? Die Sayyeds betrachten sich als Nachkommen Mohammeds. Und wenn ich die Moslems richtig kenne, so werden sie auch genau definiert haben, unter welchen verwandtschaftlichen Bedingungen man noch zur weiteren Familie Mohammeds gehört und wann nicht mehr. Sie kleiden sich gerne grün, die Sayyeds, mit der heiligen Farbe und ich glaube, sie fühlen sich irgendwie als bessere Menschen. Komisch, nicht wahr? Es ist ähnlich wie die Hadschis, das heisst die Leute, die ihre Hadsch nach Mekka, die man einmal im Leben machen soll, gemacht haben. Die Hadschis fühlen sich wirklich als bessere Menschen. Darin liegt aber nicht nur Überheblichkeit. Sie denken auch, dass sie den anderen, vor allem den jüngeren Menschen im Leben ein Vorbild sein sollten. Früher haben Hadschi Frauen wieder konsequenter ihre Kopfbedeckung verwendet. Irgendwie wollten sie ja doch ihrer Umgebung zeigen, dass sie dem Himmel etwas näher stehen. Heute müssen sie  ohnehin jederzeit in der Öffentlichkeit ihre Bedeckung tragen. Also beweisen sie auf andere Weise, dass sie Hadschis sind: sie schenken mehr Almosen, sie nehmen das Leben kontemplativer und so weiter. Mit dem Hadschi-Titel kann man darum ganz nett spielen. Wenn man im Bazar etwas zu kaufen trachtet und den Verkäufer milde stimmen will, dann nennt man ihn am besten Hadschi. Das verpflichtet ihn, mildtätig und ehrlich zu sein, und er wird dich nicht durch einen zu hohen Preis bedrängen. Jemand Hadschi zu nennen, meint, bei ihm eine gottesfürchtige, menschenfreundliche und ehrliche Haltung vorauszusetzen. Du siehst, mit solchen Subtilitäten arbeiten die Perser tagaus tagein. Na ja, es gibt vielleicht in jeder Kultur solche Finessen. Und sie machen natürlich für einen Fremden den grossen Reiz aus.

Ich schicke dies mal ab. Wer weiss, wann die nächste freie Minute kommt?
Ich wünsche Dir einen wunderschönen eiskalten Januartag.

Mit lieben Grüssen





Nochmals Himmel

 

Nochmals Himmel

Liebe Malou
ja, mein letztes Mail hat mir die Idee geöffnet, dass man eigentlich eine empirische Studie machen könnte, wie sich die Menschen den Himmel vorstellen. Das wäre sozusagen eine Erforschung des Himmels. Und ich bin überzeugt, es gibt italienische Himmel, französische Himmel, deutsche Himmel und vielleicht sogar Schweizer Himmel. Bei uns hätte es Geranien vor den Fenstern! Und im Menueplan überdurchschnittlich viele Käsespeisen. Das wäre eine lustige Untersuchung für eine Doktorarbeit.
Liebe Grüsse


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