Ämne: Identität ????
Datum: den 14 juni 2001 08:27
Liebe Marlena
Dein Brief klingt so unbeschwert und frei, wie man sie nur in sonnigen Ferientagen niederschreiben kann. Du bist beneidenswert. Und Du packst Deine Koffer und suchst nach passender Sommerlektüre. Ach, Du bist wirklich zu beneiden.
Ich bin noch nicht so weit.
...
Ich suche meine Identität? Und das Zeichen eigener Identität sei, dass man sich nicht von anderen beeinflussen lässt? Ach, das glaube ich beides nicht, meine Liebe. Was soll ich dazu sagen. Du ziehst Deine Schlüsse aus meiner Lektüre: Epikur und "Männer" von Schwanitz? Nun ja, das Schwanitz Buch hätte ich nie gekauft, wenn ich ihn nicht selbst im TV gehört hätte. Den Titel hatte ich nämlich schon oft gesehen. Und im Prinzip mag ich sie nicht, diese Ratgeber Bücher für Frauen oder für Männer. Aber seine Argumentation in diesem Fernsehinterview fand ich doch recht eigenwillig. Eigentlich soziobiologisch. Nun, da ich die ersten Kapitel gelesen habe, muss ich mein Lob etwas herunterschrauben. Es ist ein wenig sehr populärwissenschaftlich geschrieben. Aber das ist wohl sein Rezept für Erfolg. Das andere Buch "Bildung" fand ich anspruchsvoller.
Und mein lieber Herr Epikur. Ich muss präzisieren, dass ich nicht Epikur selbst gelesen habe. Es gibt auch nicht viel zu lesen. Der grosse Teil seiner Ideen ist durch Lukrez in seinem De rerum naturae überliefert. Was ich also studiert habe ist ein Büchlein über den alten Hedonisten. Und ich war eben erstaunt, wieviel Diszipliniertheit er empfohlen hat, während wir doch unter Hedonismus ein mehr oder weniger ausgelassenes Leben verstehen. Das ist die Folge der kristlichen Kirche, die sich Epikur als Feindbild ausgesucht hat.
Und nun Deine prinzipiellste Frage: ob ich meine Identität suche? Ach, die Frage zielt ins Herz, Marlena, oder in den Kopf, oder in beides.
Ich will Dir die Frage etwas prägnant, vielleicht übertrieben beantworten. Dann wird das, was ich sagen will, am deutlichsten.
Also höre: seit etwa 10 oder 15 Jahren erschrecke ich, wie schnell und grundsätzlich die Welt verändert. Es war ein ziemlicher Schock, als ich es erstmals feststellte, obwohl sich ja die Weltveränderung sicherlich nicht plötzlich eingestellt hat, sondern kontinuierlich und gemächlich vor sich geht. Aber es ist vielleicht auch wie bei den Lawinen. Im Untergrund und in den diskreten statischen Verhältnissen gibt es feine und viele Kleine Verlagerungen und Verschieben, die man von Aussen kaum sieht. Und das geht soweit, bis schliesslich - synergetisch - das ganze Feld losbricht und den Hang hinunterdonnert.
Schau Dir die Familie an. Kinderzahl, Arbeitstätigkeit der Frau, Disharmonien, Freizeitverhalten, Wohnverhältnisse: seit dem 19. Jahrhundert kleine demographische Verhältnisse. An sich interessant, aber wichtig? Doch mittlerweile, sagen wir seit dem zweiten Weltkrieg, ist die traditionelle bürgerliche Familie so ziemlich zusammengebrochen. Liquidiert, pulverisiert. Heute müssen wir Regel und Ausnahme neu beschreiben.
So geht es mit vielen Lebensbereichen: Mobilität, Arbeitssituation, Wissensexplosion, Globalisierung, Vernetzung, Digitalisierung. Alle diese Tendenzen sind - für sich allein betrachtet - interessante neue Aspekte in der Welt. Aber revolutionär? Revolutionär und umwerfend sind sie wirklich in der Kombination, in der Menge, wie sie auftauchen. Wie in Goethes Zauberlehrling sehen wir der Entwicklung etwas ratlos zu.
Und was sagt sich der kluge Psychologe namens -- --? Er sagt: in dieser Veränderung und in der veränderten Welt kann man nicht mehr leben wie früher. Der exponentielle Anstieg an neuen Möglichkeiten bringt existentielle neue Probleme. Deshalb beispielslweise hat mich Epikur interessiert. Das Bild der Welt in seiner Zeit des Hellenismus hatte wohl einige Ähnlichkeiten mit unseren turbulenten Zeiten. Die Frage ist, wie muss das Individuum sein in dieser unordentlichen Welt?
Ich suche also nicht meine Identität, sondern ich bin am Umbau. Ich möbliere neu! Ich bin überzeugt, dass es ziemlich viel Arbeit bedeutet, die alten Konzepte im Kopf über Bord zu werfen. Das ist nicht so einfach. Das geht eigentlich nur, indem man anstelle der alten neue Konzepte konstruiert. Die jungen Menschen brauchen das nicht zu tun. Sie sehen die Welt und wissen intiuitiv meist, was hier los ist. Wir gesetzten Semester haben hier zusätzliche Aufgaben.
Neben meiner nostalgischen Trauer um die alte Welt der Moderne bin ich fasziniert und überaus erregt über die allerneuste Welt mit ihren Veränderungen und ihren Ungeheuerlichkeiten. Und ich weiss, dass ich jungen Leuten nicht einfach alte Ideale predigen kann. Damit werden sie im Dschungel der Zukunft nicht überleben. Sie brauchen neue Ideale und neue Konzepte. Und sie, diese fantastischen Erfindungen, versuche ich, zu erkämpfen. Zum Beispiel mit Epikur, zum Beispiel mit Schwanitz. Ich versuche, mir die Stichworte der Zeit zu erhaschen. Ich versuche mit eine Lebensphilosophie für die Zeit nach der Postmoderne zu konstruieren. Das ist einfach deshalb anstrengend und aufreibend, weil in unserem Alter alles durch den Kopf geht.
Teil dieser neuen Welt ist ein neues Subjekt. Wie denn muss ein neues Subjekt sein, um erfolgreich sein zu können? Und was denn könnte Erfolg sein? Kann Identität des Subjektes dasselbe sein wie es in der Stabilität der Industriegesellschaft war? Das glaube ich nicht. Doch wie das neue Subjekt aussehen muss, das erzähle ich Dir morgen. Wie denn denkst Du, dass es sein sollte? Welches sind beispielsweise die menschlichen Eigenschaften, die für die Zukunft besonders wichtig sind? Was denkst Du? Etwa die Fähigkeit, sich selbst treu zu sein, wie es der Begriff der Identität voraussetzt?
Ich wünsche Dir eine gute Zeit
Mit einem lieben Gruss
...
Dienstag, 31. Januar 2012
Montag, 30. Januar 2012
Sonntag, 29. Januar 2012
Re: dein Bild (2) - wieder zurück
...
Klar, ich hätte auch mit einer der 59 Frauenzimmer (oder muss ich
sagen Adressen) abgehauen sein können! Nach einem unendlich langen
und qualvollen Würfelprozess, welche denn Opfer dieses romantischen
Anfalls sein dürfe. Und nach diesen dämlichen Qualifikations- und
Selektionsprozessen hätte ich die Schönste am Handgelenk genommen
und wäre hinunter nach Ronda durchgebrannt.
Hemingway meint, Ronda eigne sich für ein solches Unternehmen
besonders. Ronda also hätten wir uns geleistet und wären im Hotel gleich
neben der tiefen Schlucht abgestiegen, dort wo man vom ehemaligen
Strassenräubernest in die waldige und hügelige Landschaft hinunter sieht.
Und wir hätten zum spanischen Wein diese riesengrossen und etwas groben
Plätzchen gegessen, die sie in Spanien den Stieren praktisch lebendigen
Leibes aus den Lenden schneiden. Inkognito wären wir auf Rondas
Flaniermeile Arm in Arm auf und ab gegangen, hätten auf die Welt und
ihren unglücklichen Lauf gepfiffen und stattdessen in der wunderhübschen
kleinen Arena ein paar blutig-schöne Corridas besucht.
Und zwischendurch hätte ich mit meiner schönsten Rothaarigen im
Hotelzimmer die Decken aufgewühlt und Bettgestelle flachgelegt. Ein
bisschen barock alles, zugegeben. Ungefähr so wie ein gute Flasche
Malvoisie, prickelnd, komplex und lebenslustig.
Doch, meine liebe Marlena, wie kann ich erklären, dass ich nach drei Tagen
bereits wieder zurück bin?? Der romantische Anfall berücksichtigt nur den
explosiven Entschluss, die hastige Abfahrt, den brennenden Wunsch,
wegzukommen. Doch wie kommt man wieder zurück? Reuigen Herzens?
Asche auf dem Haupt? Triste und voller Schuldgefühle? Oder einfach so,
indem man morgens wieder im Büro sitzt und die aufgelaufenen Pendenzen
angeht? Die Rückkehr ist ziemlich heikel, nicht wahr? Die Romantik denkt
nicht an Rückkehr, wenn sie denn überhaupt denkt! Sie denkt nämlich auch
nicht daran, lebenslänglich in Ronda auf und ab zu gehen. Man müsste dann
ja gelegentlich mit der nächsten der 59 zum nächsten Ort abhauen.
Vielleicht nach Rom mit einer Blonden, nach Paris brunette und
Casablanca schwarz?
Ich bin also von Ronda zurück!
Mit einem lieben Gruss
...
Klar, ich hätte auch mit einer der 59 Frauenzimmer (oder muss ich
sagen Adressen) abgehauen sein können! Nach einem unendlich langen
und qualvollen Würfelprozess, welche denn Opfer dieses romantischen
Anfalls sein dürfe. Und nach diesen dämlichen Qualifikations- und
Selektionsprozessen hätte ich die Schönste am Handgelenk genommen
und wäre hinunter nach Ronda durchgebrannt.
Hemingway meint, Ronda eigne sich für ein solches Unternehmen
besonders. Ronda also hätten wir uns geleistet und wären im Hotel gleich
neben der tiefen Schlucht abgestiegen, dort wo man vom ehemaligen
Strassenräubernest in die waldige und hügelige Landschaft hinunter sieht.
Und wir hätten zum spanischen Wein diese riesengrossen und etwas groben
Plätzchen gegessen, die sie in Spanien den Stieren praktisch lebendigen
Leibes aus den Lenden schneiden. Inkognito wären wir auf Rondas
Flaniermeile Arm in Arm auf und ab gegangen, hätten auf die Welt und
ihren unglücklichen Lauf gepfiffen und stattdessen in der wunderhübschen
kleinen Arena ein paar blutig-schöne Corridas besucht.
Und zwischendurch hätte ich mit meiner schönsten Rothaarigen im
Hotelzimmer die Decken aufgewühlt und Bettgestelle flachgelegt. Ein
bisschen barock alles, zugegeben. Ungefähr so wie ein gute Flasche
Malvoisie, prickelnd, komplex und lebenslustig.
Doch, meine liebe Marlena, wie kann ich erklären, dass ich nach drei Tagen
bereits wieder zurück bin?? Der romantische Anfall berücksichtigt nur den
explosiven Entschluss, die hastige Abfahrt, den brennenden Wunsch,
wegzukommen. Doch wie kommt man wieder zurück? Reuigen Herzens?
Asche auf dem Haupt? Triste und voller Schuldgefühle? Oder einfach so,
indem man morgens wieder im Büro sitzt und die aufgelaufenen Pendenzen
angeht? Die Rückkehr ist ziemlich heikel, nicht wahr? Die Romantik denkt
nicht an Rückkehr, wenn sie denn überhaupt denkt! Sie denkt nämlich auch
nicht daran, lebenslänglich in Ronda auf und ab zu gehen. Man müsste dann
ja gelegentlich mit der nächsten der 59 zum nächsten Ort abhauen.
Vielleicht nach Rom mit einer Blonden, nach Paris brunette und
Casablanca schwarz?
Ich bin also von Ronda zurück!
Mit einem lieben Gruss
...
Re: dein Bild
Foto: Chris
Liebe Marlena
Trotz des tristen Wetters und Deiner nach Eukalyptus lechzenden Erkältung kannst Du solch ein Mail schreiben! (ein!)
Manchmal muss man Dich wirklich etwas kitzeln, damit Du aus Dir rausgehst und Deine Genialität in der Sonne zu gleissen geruhst!! (zwei!!)
Es ist schon länger her, dass ich über eines Deiner Mails so sehr geschmunzelt habe. Und das hängt nicht bloss daran, dass Du Dir dieses Mal meine Nase vorgenommehast!!! (drei!!!)
Es ist eigentlich mehr, WIE Du schreibst. Und Du kannst es meisterhaft. Die Gedanken und Dinge nach Deiner Art in überraschende Zusammenhänge zu bringen, das ist echt zum Schmunzeln. Und manchmal klingt es ein wenig mammahaft! Auch das hat Charme.
Zumindest hat es meinen baudelairschen Weltschmerz etwas aufgehellt. Und dazu kommt das feine Herbstwetter hier. Es ist zur Zeit, wenn die Morgennebel sich verziehen, alles sehr klar und himmelblau und herbstwarm.
Es ist eine wunderbare Zeit. Ich habe stets rundum behauptet, der Herbst wäre meine Zeit. Jedes Jahr muss ich dies neu bestätigen. Und wenn dazu noch Früchte kommen, die feinen Chasselas-Trauben beispielsweise, die mein Bruder vor ein paar Tagen in einer Kartonschachtel vor die Türe gestellt hatte!
Zwetschgen liebe ich besonders. Das war nicht immer so. Aber in den letzten 10 Jahren haben sie sich zu meinen Lieblingen aufgeschwungen. Jetzt könnte man lange Jura-Wanderungen machen. Es wäre die beste Zeit. Im Wallis würden wir in die Gegend von Zeneggen hinauf wandern, um dort eine Raclette zu bereiten. Die goldleuchtenden Lärchen, der Geruch des trockenen Waldes und die gepfefferte Raclette zu ein paar Gläsern Fendant, und das alles unter dem klaren Walliser Himmel, das wäre was vom Schönsten.
Klar, ich hätte auch mit einer der 59 Frauenzimmer ...
---
Datum : Thu, 11 Oct 2001 10:01:18 +0200
Freitag, 27. Januar 2012
Feng Shui
Ämne: Romantik und Realismus
Datum: den 2 april 2001 04:11
Lieber ...,
---
Dieses Feng Shui interessiert dich? ;-) Komischerweise wurde es gestern in einem Programm genannt. In einem Programm über Amerikaner, die so reich sind dass sie ihr Leben lang nicht mehr arbeiten müssen und über ihre Probleme ihr "faules" Leben zu bemeistern. Ich habe bis jetzt nur ein paar Seiten in dem Buch gelesen aber es regt mich wirklich an Ordnung zu schaffen. Und weißt du, als ich neulich in Annas Zimmer hineinschaute war ich ganz erstaunt, denn so schön hatte ich es ewig nicht gesehen. Und wenn man einen Teenager dazu bringen kann sein Zimmer so schön aufzuräumen dann ist es schon etwas wert. Ausserdem meint ja die Autorin, die übrigens in der ganzen Welt herumreist und Vorträge darüber hält, dass diese Veränderung auch in unserem Inneren geschieht. Wir finden unsere Energie wieder und werden harmonische Menschen. Wenn ich mehr gelesen habe werde ich dir davon schreiben. Ja ja, du hast schon recht.. in der Küchenecke und sogar im Kompost lag meine Liebe.. kein Wunder dass sie gelitten hat in letzter Zeit.. ;-)))
Und du, mein Schatz? Wo hast du deine verstaut? Oder hast du sie schon wieder an jemanden verschenkt? Bin ich sehr indiskret? Verzeih mir..
Gestern war ich übrigens in Gedanken in Paris. Ich bin mit dir die Champs-Elysées hinuntergegangen und du hast dabei deinen Arm um meine Knie gelegt.. Ach, chéri, wie alt ich auch werden mag, am ersten April werde ich immer mit dir in Paris sein. Vielleicht machen wir es dann wirklich einmal. Ich habe Paris schon lange nicht mehr gesehen.
(4 Jahre später)
...
Ich habe weitergemacht hier um das Haus herum. K scheint sich nicht mehr so sehr um die Dinge hier zu kümmern und so werde ich mich jetzt selbst daran machen, an Sachen die sonst immer sein Revier waren. Ich werde eine Menge altes Gerümpel zum Müll bringen und im Carport sauber machen. Ich glaube, wenn man so viel altes Zeug spart fühlt man sich gestresst davon.
Na ja, du kennst es schon, dieses Feng Shui, dessen Ideen ich schon lange hatte bevor ich zum ersten Mal den Namen hörte. Natürlich haben sie dann diesen einfachen Grundgedanken zu einer ganzen Lebensphilosophie entwickelt. Zu einem wahren Geschäft.
date 10 June 2005 22:47
Datum: den 2 april 2001 04:11
Lieber ...,
---
Dieses Feng Shui interessiert dich? ;-) Komischerweise wurde es gestern in einem Programm genannt. In einem Programm über Amerikaner, die so reich sind dass sie ihr Leben lang nicht mehr arbeiten müssen und über ihre Probleme ihr "faules" Leben zu bemeistern. Ich habe bis jetzt nur ein paar Seiten in dem Buch gelesen aber es regt mich wirklich an Ordnung zu schaffen. Und weißt du, als ich neulich in Annas Zimmer hineinschaute war ich ganz erstaunt, denn so schön hatte ich es ewig nicht gesehen. Und wenn man einen Teenager dazu bringen kann sein Zimmer so schön aufzuräumen dann ist es schon etwas wert. Ausserdem meint ja die Autorin, die übrigens in der ganzen Welt herumreist und Vorträge darüber hält, dass diese Veränderung auch in unserem Inneren geschieht. Wir finden unsere Energie wieder und werden harmonische Menschen. Wenn ich mehr gelesen habe werde ich dir davon schreiben. Ja ja, du hast schon recht.. in der Küchenecke und sogar im Kompost lag meine Liebe.. kein Wunder dass sie gelitten hat in letzter Zeit.. ;-)))
Und du, mein Schatz? Wo hast du deine verstaut? Oder hast du sie schon wieder an jemanden verschenkt? Bin ich sehr indiskret? Verzeih mir..
Gestern war ich übrigens in Gedanken in Paris. Ich bin mit dir die Champs-Elysées hinuntergegangen und du hast dabei deinen Arm um meine Knie gelegt.. Ach, chéri, wie alt ich auch werden mag, am ersten April werde ich immer mit dir in Paris sein. Vielleicht machen wir es dann wirklich einmal. Ich habe Paris schon lange nicht mehr gesehen.
(4 Jahre später)
...
Ich habe weitergemacht hier um das Haus herum. K scheint sich nicht mehr so sehr um die Dinge hier zu kümmern und so werde ich mich jetzt selbst daran machen, an Sachen die sonst immer sein Revier waren. Ich werde eine Menge altes Gerümpel zum Müll bringen und im Carport sauber machen. Ich glaube, wenn man so viel altes Zeug spart fühlt man sich gestresst davon.
Na ja, du kennst es schon, dieses Feng Shui, dessen Ideen ich schon lange hatte bevor ich zum ersten Mal den Namen hörte. Natürlich haben sie dann diesen einfachen Grundgedanken zu einer ganzen Lebensphilosophie entwickelt. Zu einem wahren Geschäft.
date 10 June 2005 22:47
Donnerstag, 26. Januar 2012
mein Vis-à-vis
Ämne : ups
Liebe Marlena
Richtig, die zwei letzten Tage waren wild. Ich habe mich wirklich in den
Hintern gekniffen und versucht, die vielen Dinge, die hier herumliegen, zu
ordnen und soweit möglich zu erledigen. Man gewöhnt sich all zu leicht
ans Bummeln im Büro, denn es kommen tagtäglich soviele Informationen
und Broschüren und Berichte und Schreiben, dass man immerzu damit
verbringen könnte, sie zu lesen, sie zu überlegen und sie zu kommentieren
und zu überarbeiten. Und am Abend hat man alles in allem nichts getan,
oder man hat 9 Stunden gearbeitet, je nachdem, wie man die Sache
betrachtet.
Und wenn ich hier zum Fenster hinausschaue, dann sehe ich hinüber an ein
älteres Haus linkerseits. Früher war das eine traditionelle Wirtschaft, wie
wir es nannten, also ein Restaurant im traditionellen Stil, wenig Besucht,
und wenn, dann von eher einfachen und etwas merkwürdigen Gestalten.
Ein ehrbarer Bürger (gibt es so was noch heute?), ein ehrbarer Bürger
würde kaum ins Restaurant Schweizerhaus gehen. Denn alles schaute von
aussen etwas heruntergekommen aus. Aber dieser Name, Restaurant
Schweizerhaus ist um die rechte Ecke, zum Wasserturmplatz hin, mit klaren
altdeutschen Buchstaben immer noch gross an die Wand geschrieben. Die
Fenster sind mit hölzernen olivegrünnen Fensterläden ausgestattet, und auf
den Simsen stehen Kisten mit leuchtend roten Geranien. Sieht also nach
echtem Schweizer Volkstum aus. Doch auf der Seite zur Strasse wurde über
der alten Eingangstüre ein kleines Vordach an die Wand geklebt. Es ist
gewölbt, wie an einer Pagode. Rechts davon hängt ein Schild mit der
Aufschrift China Restaurant Guang Dong. Und an der Ecke ragt eine Art
Laterne in den Platz hinaus, nachts beleuchtet, mit der Inschrift Ziegelhof.
Das ist das Bier, das hier im Ort selbst gebraut wird. Du musst wissen, dass
für lange Jahre einige grosse Bierbrauereien sich die Schweiz aufgeteilt
haben. Da gab es Cardinal in der französischen Schweiz, auch im Wallis.
Feldschlösschen herrschte in der Gegend hier und im Raum Zürich vor.
Die Innerschweizer schworen auf Eichhofbier und die Bündner auf Callanda.
Bestimmt gab es noch zwei oder drei grössere Namen und daneben auch ein
paar lokale Untertropfen. Kurz und gut, du konntest blind durch die Schweiz
wandern und anhand des Geschmacks des Bieres bloss wusstest Du, in
welchem Raum du dich befandest. Natürlich hättest du dir dabei die Ohren
verschliessen müssen, denn anhand des Dialektes der Leute hättest du
deinen Standort noch viel genauer heraushören können.
Hier also mit einem breiten Baslerdialekt das Ziegelhof Bier. Es schmeckt
nicht so gut wie Cardinal, an welches ich mich in frühen Jahren meines
Lebens ohne grosse Widerstände und mit Hingabe gebunden habe.
Cardinal schmeckt einfach einmalig. Das mag damit zusammen hängen, dass
die Walliser Sommer so trocken und so heiss daherkommen. Denn, wenn
Hunger der beste Koch, dann ist Durst der beste Bierbrauer.
Doch ich war bei unserem Schweizerhaus vis à vis, und bei dessen
Multikulti-Fassade. Es ist zum Heulen, wenn du das siehst. Und dabei ist
das Restaurant heute besser geworden, als es damals, in den letzten Jahren
gewesen ist. Ich war etwa zweimal dort. Und neben anderen Chinesischen
Küchen schmeckt es eigentlich recht gut und differenziert.
Nun, weshalb ich Dir so ausführlich über mein Vis à vis erzähle, das hat
seinen Grund im ersten Stock. Dort ist, gleich rechts über dem
Pagodendächlein, ein Fenster. Linkerseits ist der Vorhang
zurückgeschlagen. Und dahinter steht ein Käfig mit Kanarienvogel oder
Wellensittich. Das Gitter glänzt golden im Sonnenlicht. Na ja, den Vogel
sehe ich nicht genau, dazu müsste ich ein Fernglas ins Büro mit bringen.
Ich meine, er sei blau, aber ich kann mich täuschen. Doch bin ich sicher,
dass sich dort tagein tagaus ein kleiner Wellensittich in der Sonne räkelt.
Die alte Frau besorgt ihm gelegentlich frische Luft, indem sie das Fenster
öffnet und eine Weile auf den Platz hinunter schaut. Die übrige Zeit überlässt
sie ihm die Sicht. Und wenn ich ihn sehe, dann denke ich an Euren Kaddaffi.
Wenn ich jetzt eine Kamera hätte, wie Du sie hast, dann würde ich Dir ein
Bild dieses Platzes schicken. Das hast du mal gewünscht. Und man sieht
wieder, wie sehr ich mit meinen Pflichten und Aufgaben weit abgeschlagen
im Rückstand liege. Ich tue mehr Dinge, die niemand von mir erwartet, als
dass ich jene Obliegenheiten wahrnehme, von denen alle denken, sie wären
meine Aufgaben. Das war schon so an der Universität. Ich habe immer die
Bücher gelesen, die nicht in aller Munde waren, während ich die offizielle
Pflichtlektüre oft meinen Kollegen überliess. Ich dachte mir, darüber würde
man ja dann ohnehin diskutieren, weil alle sie gelesen haben. Und so würde
ich auch noch in den Genuss dieser Information kommen. Du siehst, ich bin
Spezialist für Alternativprogramme, für Insider-Tipps, für
Ausnahmeerscheinungen und Abwegigkeiten.
*
Bob Dylan? Nun ja, ich hab ihn nicht vor Auge, aber er hat bestimmt mehr
Töne von sich gegeben als ich es getan habe. Es ist in Persien aufgenommen
worden. Ich litt damals an der Teheraner Magenverstimmung, die jeden
befällt, der erstmals nach Teheran kommt und bei soviel Durst vielleicht mal
in der Not eine Cola mit Eis zu sich nimmt, oder rohen Salat kostet, was alte
Reiseprofis natürlich geflissentlich unterlassen.
Ich finde, Deine Reaktion auf das Bild war etwas knapp. Und dabei habe ich
nun beinahe ein Jahr lang nach einem Foto gesucht, und kürzlich hat mir
S zufällig dieses eine zugesteckt. Es ist ein Unikat sozusagen, ein
Einzelstück, die Ernte eines Jahres, und Du solltest Dir dessen bewusst
sein. Es ist praktisch nicht mehr als das vorhanden.
*
Jetzt muss ich wieder hinter die Dinge. Es gibt hier noch vieles zu tun.
Heute abend treffen wir die Reisegruppe. S hat ein Mail an alle
geschrieben und mich gefragt, wie sie denn die Anrede schreiben sollte. Ich
habe vorgeschlagen "liebe Angsthasen!". Doch das ist böse. Nein, wir können
sie schon verstehen. Jetzt geht es ums Finanzielle.
Mit einem lieben Gruss
...
(10 Oct 2001)
Liebe Marlena
Richtig, die zwei letzten Tage waren wild. Ich habe mich wirklich in den
Hintern gekniffen und versucht, die vielen Dinge, die hier herumliegen, zu
ordnen und soweit möglich zu erledigen. Man gewöhnt sich all zu leicht
ans Bummeln im Büro, denn es kommen tagtäglich soviele Informationen
und Broschüren und Berichte und Schreiben, dass man immerzu damit
verbringen könnte, sie zu lesen, sie zu überlegen und sie zu kommentieren
und zu überarbeiten. Und am Abend hat man alles in allem nichts getan,
oder man hat 9 Stunden gearbeitet, je nachdem, wie man die Sache
betrachtet.
Und wenn ich hier zum Fenster hinausschaue, dann sehe ich hinüber an ein
älteres Haus linkerseits. Früher war das eine traditionelle Wirtschaft, wie
wir es nannten, also ein Restaurant im traditionellen Stil, wenig Besucht,
und wenn, dann von eher einfachen und etwas merkwürdigen Gestalten.
Ein ehrbarer Bürger (gibt es so was noch heute?), ein ehrbarer Bürger
würde kaum ins Restaurant Schweizerhaus gehen. Denn alles schaute von
aussen etwas heruntergekommen aus. Aber dieser Name, Restaurant
Schweizerhaus ist um die rechte Ecke, zum Wasserturmplatz hin, mit klaren
altdeutschen Buchstaben immer noch gross an die Wand geschrieben. Die
Fenster sind mit hölzernen olivegrünnen Fensterläden ausgestattet, und auf
den Simsen stehen Kisten mit leuchtend roten Geranien. Sieht also nach
echtem Schweizer Volkstum aus. Doch auf der Seite zur Strasse wurde über
der alten Eingangstüre ein kleines Vordach an die Wand geklebt. Es ist
gewölbt, wie an einer Pagode. Rechts davon hängt ein Schild mit der
Aufschrift China Restaurant Guang Dong. Und an der Ecke ragt eine Art
Laterne in den Platz hinaus, nachts beleuchtet, mit der Inschrift Ziegelhof.
Das ist das Bier, das hier im Ort selbst gebraut wird. Du musst wissen, dass
für lange Jahre einige grosse Bierbrauereien sich die Schweiz aufgeteilt
haben. Da gab es Cardinal in der französischen Schweiz, auch im Wallis.
Feldschlösschen herrschte in der Gegend hier und im Raum Zürich vor.
Die Innerschweizer schworen auf Eichhofbier und die Bündner auf Callanda.
Bestimmt gab es noch zwei oder drei grössere Namen und daneben auch ein
paar lokale Untertropfen. Kurz und gut, du konntest blind durch die Schweiz
wandern und anhand des Geschmacks des Bieres bloss wusstest Du, in
welchem Raum du dich befandest. Natürlich hättest du dir dabei die Ohren
verschliessen müssen, denn anhand des Dialektes der Leute hättest du
deinen Standort noch viel genauer heraushören können.
Hier also mit einem breiten Baslerdialekt das Ziegelhof Bier. Es schmeckt
nicht so gut wie Cardinal, an welches ich mich in frühen Jahren meines
Lebens ohne grosse Widerstände und mit Hingabe gebunden habe.
Cardinal schmeckt einfach einmalig. Das mag damit zusammen hängen, dass
die Walliser Sommer so trocken und so heiss daherkommen. Denn, wenn
Hunger der beste Koch, dann ist Durst der beste Bierbrauer.
Doch ich war bei unserem Schweizerhaus vis à vis, und bei dessen
Multikulti-Fassade. Es ist zum Heulen, wenn du das siehst. Und dabei ist
das Restaurant heute besser geworden, als es damals, in den letzten Jahren
gewesen ist. Ich war etwa zweimal dort. Und neben anderen Chinesischen
Küchen schmeckt es eigentlich recht gut und differenziert.
Nun, weshalb ich Dir so ausführlich über mein Vis à vis erzähle, das hat
seinen Grund im ersten Stock. Dort ist, gleich rechts über dem
Pagodendächlein, ein Fenster. Linkerseits ist der Vorhang
zurückgeschlagen. Und dahinter steht ein Käfig mit Kanarienvogel oder
Wellensittich. Das Gitter glänzt golden im Sonnenlicht. Na ja, den Vogel
sehe ich nicht genau, dazu müsste ich ein Fernglas ins Büro mit bringen.
Ich meine, er sei blau, aber ich kann mich täuschen. Doch bin ich sicher,
dass sich dort tagein tagaus ein kleiner Wellensittich in der Sonne räkelt.
Die alte Frau besorgt ihm gelegentlich frische Luft, indem sie das Fenster
öffnet und eine Weile auf den Platz hinunter schaut. Die übrige Zeit überlässt
sie ihm die Sicht. Und wenn ich ihn sehe, dann denke ich an Euren Kaddaffi.
Wenn ich jetzt eine Kamera hätte, wie Du sie hast, dann würde ich Dir ein
Bild dieses Platzes schicken. Das hast du mal gewünscht. Und man sieht
wieder, wie sehr ich mit meinen Pflichten und Aufgaben weit abgeschlagen
im Rückstand liege. Ich tue mehr Dinge, die niemand von mir erwartet, als
dass ich jene Obliegenheiten wahrnehme, von denen alle denken, sie wären
meine Aufgaben. Das war schon so an der Universität. Ich habe immer die
Bücher gelesen, die nicht in aller Munde waren, während ich die offizielle
Pflichtlektüre oft meinen Kollegen überliess. Ich dachte mir, darüber würde
man ja dann ohnehin diskutieren, weil alle sie gelesen haben. Und so würde
ich auch noch in den Genuss dieser Information kommen. Du siehst, ich bin
Spezialist für Alternativprogramme, für Insider-Tipps, für
Ausnahmeerscheinungen und Abwegigkeiten.
*
Bob Dylan? Nun ja, ich hab ihn nicht vor Auge, aber er hat bestimmt mehr
Töne von sich gegeben als ich es getan habe. Es ist in Persien aufgenommen
worden. Ich litt damals an der Teheraner Magenverstimmung, die jeden
befällt, der erstmals nach Teheran kommt und bei soviel Durst vielleicht mal
in der Not eine Cola mit Eis zu sich nimmt, oder rohen Salat kostet, was alte
Reiseprofis natürlich geflissentlich unterlassen.
Ich finde, Deine Reaktion auf das Bild war etwas knapp. Und dabei habe ich
nun beinahe ein Jahr lang nach einem Foto gesucht, und kürzlich hat mir
S zufällig dieses eine zugesteckt. Es ist ein Unikat sozusagen, ein
Einzelstück, die Ernte eines Jahres, und Du solltest Dir dessen bewusst
sein. Es ist praktisch nicht mehr als das vorhanden.
*
Jetzt muss ich wieder hinter die Dinge. Es gibt hier noch vieles zu tun.
Heute abend treffen wir die Reisegruppe. S hat ein Mail an alle
geschrieben und mich gefragt, wie sie denn die Anrede schreiben sollte. Ich
habe vorgeschlagen "liebe Angsthasen!". Doch das ist böse. Nein, wir können
sie schon verstehen. Jetzt geht es ums Finanzielle.
Mit einem lieben Gruss
...
(10 Oct 2001)
Mittwoch, 25. Januar 2012
dein Bild
Ämne : Soulagement
(ungekürzt)
Lieber Mausfreund,
Wie schön dich wieder zu sehen. Ich war schon etwas unruhig. Ein bisschen wie eine Frau die ihren Mann nach der Arbeit zu Hause erwartet und er taucht nicht auf. Mehrere Tage lang bleibt er weg, ohne dass du weisst ob ihm etwas Schlimmes passiert ist oder ob er mit jemanden abgehaut ist. ;-)
Und du erinnerst dich noch an Dinge die ich selbst fast vergessen habe. Ja, nach einem Bild von dem Platz unter deinem Fenster hatte ich dich mal gefragt. Und nach einem Bild von dem Brunnen vor deinem eigenen Haus. Aber weisst du, wenn du die Aussicht von deinem Bürofenster so beschreibst wie in dem Mail heute dann brauche ich eigentlich kein Bild. In meiner Fantasie ist es wahrscheinlich schon wirklicher als es eine fotografische Abbildung zeigen könnte.
Ich glaube es ist nicht gut lange mit dem Gefühl "ich sollte eigentlich" herumzugehen. Entweder muss man ganz vergessen was man tun sollte oder es eben ziemlich schnell erledigen. Sonst kommt zuviel zusammen das Stress verursachen kann. Na ja, ich rede. Reden ist leicht, tun etwas ganz anderes.
*
Ja, ich weiss schon. Du bist etwas asozial hinter der Fassade. Sind wir ja beide sonst würden wir uns nicht schreiben. Und dieses wertvolle Foto von dir, dieses einmalige habe ich nicht genug gelobt? Also muss ich es wohl nochmals versuchen. Vielleicht geht es ohne S und M einzumischen.
Erstens siehst du auf dem Bild sportlich aus. Du könntest sehr gut einer dieser hormonstrozenden Harros sein, die man im heutigen ST finden kann. Vielleicht ist es das T-shirt das es macht. Dann liebe ich dein Kinn. Es sieht sehr männlich aus. Ich habe schon immer eine Schwäche für diese Art von Kinn gehabt. Darüber deine schön geformten weichen Lippen. ...(Zensur)... Deine Nase ist fotogenique. Und deine Augen. Es hat mich etwas überrascht dass sie so hell sind. Ich würde sie gern live sehen. Und wenn ich dir so in die Augen schaue dann bin ich mir bewusst dass ich das im real life kaum wagen würde. Und dann versuche ich das Bild von dir, das ich in mir trage, mit dem auf dem Foto in Einklang zu bringen. Ich weiss doch dass du aus Fleisch und Blut bist aber trotzdem kann ich es nicht richtig fassen, dass du wirklich bist. Es ist fast als hätte ich vergessen dass hinter den Mails ein richtiger Mensch steht.. Übrigens siehst du auch poetisch aus und wenn ich nicht wüsste, dass es sich um eine Magenverstimmung handelt, hätte ich glatt geglaubt du leidest an Weltenschmerz. ;-)
Schau mal zu was du mich mit deiner kleinen ironischen Bemerkung verlockt hast. Aber natürlich fühle ich mich geehrt dieses "Einzelstück" von Foto zu besitzen. Das letzte sozusagen das du nun auch verschenkt hast. ;-) Oder besitzen die übrigen 59 Mailpartnerinnen auch dieses Bild???
---
Mit einem lieben Gruss und Kuss,
Marlena
Datum : Wed, 10 Oct 2001 18:31:34 +0000
(ungekürzt)
Lieber Mausfreund,
Wie schön dich wieder zu sehen. Ich war schon etwas unruhig. Ein bisschen wie eine Frau die ihren Mann nach der Arbeit zu Hause erwartet und er taucht nicht auf. Mehrere Tage lang bleibt er weg, ohne dass du weisst ob ihm etwas Schlimmes passiert ist oder ob er mit jemanden abgehaut ist. ;-)
Und du erinnerst dich noch an Dinge die ich selbst fast vergessen habe. Ja, nach einem Bild von dem Platz unter deinem Fenster hatte ich dich mal gefragt. Und nach einem Bild von dem Brunnen vor deinem eigenen Haus. Aber weisst du, wenn du die Aussicht von deinem Bürofenster so beschreibst wie in dem Mail heute dann brauche ich eigentlich kein Bild. In meiner Fantasie ist es wahrscheinlich schon wirklicher als es eine fotografische Abbildung zeigen könnte.
Ich glaube es ist nicht gut lange mit dem Gefühl "ich sollte eigentlich" herumzugehen. Entweder muss man ganz vergessen was man tun sollte oder es eben ziemlich schnell erledigen. Sonst kommt zuviel zusammen das Stress verursachen kann. Na ja, ich rede. Reden ist leicht, tun etwas ganz anderes.
*
Ja, ich weiss schon. Du bist etwas asozial hinter der Fassade. Sind wir ja beide sonst würden wir uns nicht schreiben. Und dieses wertvolle Foto von dir, dieses einmalige habe ich nicht genug gelobt? Also muss ich es wohl nochmals versuchen. Vielleicht geht es ohne S und M einzumischen.
Erstens siehst du auf dem Bild sportlich aus. Du könntest sehr gut einer dieser hormonstrozenden Harros sein, die man im heutigen ST finden kann. Vielleicht ist es das T-shirt das es macht. Dann liebe ich dein Kinn. Es sieht sehr männlich aus. Ich habe schon immer eine Schwäche für diese Art von Kinn gehabt. Darüber deine schön geformten weichen Lippen. ...(Zensur)... Deine Nase ist fotogenique. Und deine Augen. Es hat mich etwas überrascht dass sie so hell sind. Ich würde sie gern live sehen. Und wenn ich dir so in die Augen schaue dann bin ich mir bewusst dass ich das im real life kaum wagen würde. Und dann versuche ich das Bild von dir, das ich in mir trage, mit dem auf dem Foto in Einklang zu bringen. Ich weiss doch dass du aus Fleisch und Blut bist aber trotzdem kann ich es nicht richtig fassen, dass du wirklich bist. Es ist fast als hätte ich vergessen dass hinter den Mails ein richtiger Mensch steht.. Übrigens siehst du auch poetisch aus und wenn ich nicht wüsste, dass es sich um eine Magenverstimmung handelt, hätte ich glatt geglaubt du leidest an Weltenschmerz. ;-)
Schau mal zu was du mich mit deiner kleinen ironischen Bemerkung verlockt hast. Aber natürlich fühle ich mich geehrt dieses "Einzelstück" von Foto zu besitzen. Das letzte sozusagen das du nun auch verschenkt hast. ;-) Oder besitzen die übrigen 59 Mailpartnerinnen auch dieses Bild???
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Mit einem lieben Gruss und Kuss,
Marlena
Datum : Wed, 10 Oct 2001 18:31:34 +0000
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