Samstag, 30. April 2011
Valborg 2006
Liebster Mausfreund,
Sorry! Schon so lange her, aber ich war verreist. Anna feiert dieses
Jahr Valborg bei einer Freundin in Göteborg und weil das graue
regnerische Wetter nur müde macht, hatte ich eine Einladung nach
Stockholm angenommen.
Wie du weisst wird Valborg hier sehr gross gefeiert. Junge Leute
sehen es als einen Anlass sich zu betrinken, ältere gehen meist zu
einem der grossen Feuer mit denen der Winter endgültig verjagt wird.
Abschließend gibt es dann meistens ein festliches Essen im Familien-
und Freundenkreis.
Dieser Valborgsmässoafton war etwas besonders da unser König
gleichzeitig seinen 60. Geburtstag feierte mit allem was dazu gehört.
Und natürlich beeinflusste diese Tatsache auch die Konversation bei
Tisch. Du kannst dir ja vorstellen was passiert wenn eingefleischte
Republikaner, der eine zugleich Anhänger der kommunistischen
Partei, an einem solchen Tag mit Royalisten zu Tisch sitzen. Auf jede
Frage leierte dieser ehemalige Politiker einen Abschnitt seines
Parteiprogrammes herunter. Und DG und Charlotta verfechteten,
er mit Wut und sie (eine Studienrätin in Geschichte) mit Humor und
Intelligenz meine eigenen Ansichten. ;-) Natürlich habe ich selbst an
der Diskussion teilgenommen. Sie war doch ziemlich anregend und
adrenalinspendend. :-)
Ich weiss nicht, manchmal, auch mitten in der Hitze kann ich sowas
"von aussen" betrachten und darüber lachen. Und ich Frage mich,
welche Erlebnisse in ihrem Leben sie zu ihren Ansichten geführt
haben.
Ich erinnere mich dabei an meine Kindheit und die hitzigen
politischen Diskussionen die manchmal zwischen den Männern
entstehen konnten wenn wir ein grösseres Fest hatten. Wie
Kampfhähne standen sie einander gegenüber und ihre Aggressivität
flößte mir Angst ein.
OK. Das Essen war prima und als Nachtisch gab es natürlich, dem
Tag zu Ehren, ein Hofdessert. ;-))
Und jetzt bin ich zurück im stillen grauen Alltag.
G hat angerufen. Genau wie meine anderen Bekannten fühlt sie sich
wohl etwas vernachlässigt durch meine Stille. Doch ich habe ihr von
meinem Eremitleben erzählt und sie schien etwas erleichtert.
---
Du nimmst deine Sprachstudien ernst, sehe ich. Fast beneide ich dich
um deinen Fleiß. Ich selbst bin etwas faul im Moment. Begnüge mich
mit den Briefen von meinen Römer Bekannten, die mir meist auf
Italienisch schreiben. Und ich staune, wie gut ich alles sogar ohne
Wörterbuch verstehen kann. Doch sprechen ist eine andere Sache.
Das werde ich wohl nie lernen. Wozu auch?
Ich habe Möglichkeit dies jetzt abzuschicken. Will dich auch nicht
länger warten lassen. :-)
So grüsse ich dich lieb..
mit SHK
Malou
Sorry! Schon so lange her, aber ich war verreist. Anna feiert dieses
Jahr Valborg bei einer Freundin in Göteborg und weil das graue
regnerische Wetter nur müde macht, hatte ich eine Einladung nach
Stockholm angenommen.
Wie du weisst wird Valborg hier sehr gross gefeiert. Junge Leute
sehen es als einen Anlass sich zu betrinken, ältere gehen meist zu
einem der grossen Feuer mit denen der Winter endgültig verjagt wird.
Abschließend gibt es dann meistens ein festliches Essen im Familien-
und Freundenkreis.
Dieser Valborgsmässoafton war etwas besonders da unser König
gleichzeitig seinen 60. Geburtstag feierte mit allem was dazu gehört.
Und natürlich beeinflusste diese Tatsache auch die Konversation bei
Tisch. Du kannst dir ja vorstellen was passiert wenn eingefleischte
Republikaner, der eine zugleich Anhänger der kommunistischen
Partei, an einem solchen Tag mit Royalisten zu Tisch sitzen. Auf jede
Frage leierte dieser ehemalige Politiker einen Abschnitt seines
Parteiprogrammes herunter. Und DG und Charlotta verfechteten,
er mit Wut und sie (eine Studienrätin in Geschichte) mit Humor und
Intelligenz meine eigenen Ansichten. ;-) Natürlich habe ich selbst an
der Diskussion teilgenommen. Sie war doch ziemlich anregend und
adrenalinspendend. :-)
Ich weiss nicht, manchmal, auch mitten in der Hitze kann ich sowas
"von aussen" betrachten und darüber lachen. Und ich Frage mich,
welche Erlebnisse in ihrem Leben sie zu ihren Ansichten geführt
haben.
Ich erinnere mich dabei an meine Kindheit und die hitzigen
politischen Diskussionen die manchmal zwischen den Männern
entstehen konnten wenn wir ein grösseres Fest hatten. Wie
Kampfhähne standen sie einander gegenüber und ihre Aggressivität
flößte mir Angst ein.
OK. Das Essen war prima und als Nachtisch gab es natürlich, dem
Tag zu Ehren, ein Hofdessert. ;-))
Und jetzt bin ich zurück im stillen grauen Alltag.
G hat angerufen. Genau wie meine anderen Bekannten fühlt sie sich
wohl etwas vernachlässigt durch meine Stille. Doch ich habe ihr von
meinem Eremitleben erzählt und sie schien etwas erleichtert.
---
Du nimmst deine Sprachstudien ernst, sehe ich. Fast beneide ich dich
um deinen Fleiß. Ich selbst bin etwas faul im Moment. Begnüge mich
mit den Briefen von meinen Römer Bekannten, die mir meist auf
Italienisch schreiben. Und ich staune, wie gut ich alles sogar ohne
Wörterbuch verstehen kann. Doch sprechen ist eine andere Sache.
Das werde ich wohl nie lernen. Wozu auch?
Ich habe Möglichkeit dies jetzt abzuschicken. Will dich auch nicht
länger warten lassen. :-)
So grüsse ich dich lieb..
mit SHK
Malou
Freitag, 29. April 2011
Santificazione di Papa Woytila
Roma è tutta in festa per l'evento della santificazione di Papa Woytila. Le sue foto sono esposte dappertutto, e in giro, tanti turisti. Il giorno della beatificazione (1 maggio) sarà meglio non uscire di casa!
VERSO PIAZZA DELLA ROVERE
April 2005
Donnerstag, 28. April 2011
Basler Buchmesse (2) Ustinov
...
Ich habe ein paar Bücher gekauft. Aber im Grossen und Ganzen habe ich versucht, mich zurückzuhalten. Jäggi, die grosse Buchnandlung Basels, hatte eine grosse Abteilung mit sogenannten Hörbüchern, also mit CDs. Ich habe eine gekauft von Ustinov. Er ist letztes Mal gestorben. Ich habe ihn immer sehr gemocht und geschätzt. Ich glaube, er war ein äusserst vielseitiger Mensch und geschäftlich wohl ausserordentlich erfolgreich. Und dazu hatte er am Genfersee in der Schweiz gelebt, das habe ich ihm immer gugute gehalten, wo er doch in England aufgewachsen und zur Schule gegangen war. Kurz und gut: auf dieser CD spricht Sir Peter Ustinov über Vorurteile. Er spricht in seinem gebrochenen Deutsch (ich glaube, sein Vater war deutscher Muttersprache gewesen). Und er spricht, wie ich meine, sehr intelligent und menschlich. Er kommt für mich als Humorist in die Nähe von Chaplin. Der hatte neben bei gesagt auch am Genfersee, ein bisschen weiter oben, gelebt. Ustinow war als Schauspieler kein schöner Mensch. Er wirkte immer etwas ungelenk und hatte schon in jüngeren Jahren ein Bäuchlein. Ich erinnere mich an ein Foto, wo er neben Sophia Loren steht. Neben der eleganten, gazellenhaften Loren wirkt der gute Ustinov wie der Dorftrottel. So war er für komische Rollen prädestiniert. Hat er nicht in einem grossen Film Nero gespielt. Ich denke, diese Rolle passte gut zu ihm, ich meine zu seiner körperlichen Konstitution. In späteren Jahren, als er dann älter wurde, hat er ziemlich gut ausgesehen. Er war ein würdiger älterer Herr mit einem guten Humor, verspielt und voller Lebensweisheit. Er konnte ohne Ende lustige Anekdoten erzählen und hatte dabei, das war sofort deutlich, einen exzellenten Sinn für die Pointe.
Kurz und gut: ich habe jetzt die persönliche Stimme Ustinovs zuhause, und darüber bin ich ganz glücklich.
MLG
Ich habe ein paar Bücher gekauft. Aber im Grossen und Ganzen habe ich versucht, mich zurückzuhalten. Jäggi, die grosse Buchnandlung Basels, hatte eine grosse Abteilung mit sogenannten Hörbüchern, also mit CDs. Ich habe eine gekauft von Ustinov. Er ist letztes Mal gestorben. Ich habe ihn immer sehr gemocht und geschätzt. Ich glaube, er war ein äusserst vielseitiger Mensch und geschäftlich wohl ausserordentlich erfolgreich. Und dazu hatte er am Genfersee in der Schweiz gelebt, das habe ich ihm immer gugute gehalten, wo er doch in England aufgewachsen und zur Schule gegangen war. Kurz und gut: auf dieser CD spricht Sir Peter Ustinov über Vorurteile. Er spricht in seinem gebrochenen Deutsch (ich glaube, sein Vater war deutscher Muttersprache gewesen). Und er spricht, wie ich meine, sehr intelligent und menschlich. Er kommt für mich als Humorist in die Nähe von Chaplin. Der hatte neben bei gesagt auch am Genfersee, ein bisschen weiter oben, gelebt. Ustinow war als Schauspieler kein schöner Mensch. Er wirkte immer etwas ungelenk und hatte schon in jüngeren Jahren ein Bäuchlein. Ich erinnere mich an ein Foto, wo er neben Sophia Loren steht. Neben der eleganten, gazellenhaften Loren wirkt der gute Ustinov wie der Dorftrottel. So war er für komische Rollen prädestiniert. Hat er nicht in einem grossen Film Nero gespielt. Ich denke, diese Rolle passte gut zu ihm, ich meine zu seiner körperlichen Konstitution. In späteren Jahren, als er dann älter wurde, hat er ziemlich gut ausgesehen. Er war ein würdiger älterer Herr mit einem guten Humor, verspielt und voller Lebensweisheit. Er konnte ohne Ende lustige Anekdoten erzählen und hatte dabei, das war sofort deutlich, einen exzellenten Sinn für die Pointe.
Kurz und gut: ich habe jetzt die persönliche Stimme Ustinovs zuhause, und darüber bin ich ganz glücklich.
MLG
Basler Buchmesse..
date 9 May 2005 06:21
subject Re: Siehst du..
Liebe Malou
Es ist kaum zu glauben, dass diese Frei- und Feiertage schon vorbei sind. Es ist wie damals, als wir noch zur Schule gingen. Wir hatten uns so sehr auf die paar freien Tage gefreut, dass wir nicht daran glaubten, dass wir je zum Normalleben zurückkehren mussten. Wir genossen die freie Zeit, trödelten dahin, verschleuderten unsere wertvolle Lebenszeit an Nichtigkeiten, und plötzlich war wieder Montagmorgen und der Lehrer sass im alten Ernst vor uns und versuchte zu überzeugen, dass wir alle zur alten Arbeitshaltung zurückkehren sollten. Der Rektor hatte sogar oft den Spruch auf den Lippen: Es ist nichts schwerer zu ertragen als ein paar freie Tage. Und wie er damit recht hatte! Und wie es zutrifft!
---
Ach, was kann ich dir erzählen von diesem langen Wochenende? Vielleicht von der Basler Buchmesse? Gerade höre ich, dass sie einen Rekordbesuch hatten. Es waren 405 Verlage, die ausgestellt haben, und es waren 40300 Besucher während der 3 Tage. Und dabei hatten gleichzeitig in Solothurn die Literaturtage stattgefunden. Darüber ist man zufrieden im dritten Jahr dieser Veranstaltung. Ich kann bestätigen, dass diese Messe ganz in Ordnung war. Ich war am Samstag schon um 930h, als geöffnet wurde, vor dem Eingang. Damals gab es noch nicht zuviele Leute, und man konnte bequem in den einzelnen Ständen herumwühlen und sich einen Überblick verschaffen. Nach und nach zogen die Zuschauer an. Und gegen Mittag war es schon ziemlich warm unter den grossen Leuchtern. Man hatte drei oder vier verschiedene Publikumsforen oder Arenen eingerichtet, in den ständig Diskussionen oder Lesungen stattfanden. Einige kleine Verlage waren so verwegen, ihre Autorinnen und Autoren direkt am Stand lesen zu lassen. Doch das waren veritable Spiessrutenläufe. Es gab dann einige Agenten, die im Publikum Zettel verteilten über die Autorin, die gerade in Aktion war. Aber manchmal hörte man absolut nichts, denn die armen Leute mussten ohne Mikrophon auskommen. Bei irgend einem deutschen Esoterik-Verlag geriet ich an eine Blondine. Sie war recht hübsch und, wie man sehen konnte, las aus einem ihrer Manuskripte. Kein Mensch hörte zu. Man konnte auch nichts hören, weil sie eine fast tonlose Stimme hatte. Ich ging in ihre Nähe, versuchte, in einigen Büchern zu blättern, um gleichzeitig zu hören, worüber sie überhaupt las. Es war ein Text über eine Relaxation-Methode. Für mich hörte es sich an wie autogenes Training. Sie las weiter ähnlich, wie wenn man am Fernseher den Ton ausgeschaltet hätte. Und inzwischen hatte sie auch bemerkt, dass sie einen Hörer gewonnen hatte. Zwischen ihren Blicken auf das Manuskript schaute sie mich immer wieder, und wie mir schien, ziemlich verzweifelt an. Ich glaube, sie war froh, dass sich einer genähert hatte, und dass nicht alle Leute einfach achtlos vorbeigingen, während sie las. Sie war eine ganz hübsche Blondine, hatte halblanges, volles und goldenglänzendes Haar und ein Gesicht mit Sommersprossen. Sie war gut geschminkt. Allerdings trug sie einen wollenen Pullover unter ihrer Jacke, ich glaube, es war eine Wildlederjacke. Diese Wolle sah etwas robust und provinziell aus. Aber sonst war sie ganz ok und sie umklammerte mich mit ihren schönen, grossen blauen Augen um mich in der Nähe zu behalten, und um nicht wieder wie Demosthenes mit den Steinen im Mund hinaus ins rauschende Meer zu reden. Und ich fügte mich ihrem Hilferuf und blieb einen Moment, blieb solange, bis ein paar neue Leute stehen blieben, um dann diskret zu verschwinden. Ja, sie las über autogene Entspannungsübungen. Und sie las so, als ob sie annahm, ich würde das alles zum ersten Mal hören. Nein, sagte ich leise und ebenso tonlos wie sie sprach, nein Helga, sagte ich, das kenne ich nachgerade schon sehr mehr als genug. Nein Helga, ich kenne das alles zur Genüge. - - Ich glaube, dass sie Helga heissten müsste. Denn sie sah in ihrer Blondheit und ihrer gewissen Bodenständigkeit eben aus wie eine Helga. Oder hätte vielleicht Margot besser gepasst?
...
subject Re: Siehst du..
Liebe Malou
Es ist kaum zu glauben, dass diese Frei- und Feiertage schon vorbei sind. Es ist wie damals, als wir noch zur Schule gingen. Wir hatten uns so sehr auf die paar freien Tage gefreut, dass wir nicht daran glaubten, dass wir je zum Normalleben zurückkehren mussten. Wir genossen die freie Zeit, trödelten dahin, verschleuderten unsere wertvolle Lebenszeit an Nichtigkeiten, und plötzlich war wieder Montagmorgen und der Lehrer sass im alten Ernst vor uns und versuchte zu überzeugen, dass wir alle zur alten Arbeitshaltung zurückkehren sollten. Der Rektor hatte sogar oft den Spruch auf den Lippen: Es ist nichts schwerer zu ertragen als ein paar freie Tage. Und wie er damit recht hatte! Und wie es zutrifft!
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Ach, was kann ich dir erzählen von diesem langen Wochenende? Vielleicht von der Basler Buchmesse? Gerade höre ich, dass sie einen Rekordbesuch hatten. Es waren 405 Verlage, die ausgestellt haben, und es waren 40300 Besucher während der 3 Tage. Und dabei hatten gleichzeitig in Solothurn die Literaturtage stattgefunden. Darüber ist man zufrieden im dritten Jahr dieser Veranstaltung. Ich kann bestätigen, dass diese Messe ganz in Ordnung war. Ich war am Samstag schon um 930h, als geöffnet wurde, vor dem Eingang. Damals gab es noch nicht zuviele Leute, und man konnte bequem in den einzelnen Ständen herumwühlen und sich einen Überblick verschaffen. Nach und nach zogen die Zuschauer an. Und gegen Mittag war es schon ziemlich warm unter den grossen Leuchtern. Man hatte drei oder vier verschiedene Publikumsforen oder Arenen eingerichtet, in den ständig Diskussionen oder Lesungen stattfanden. Einige kleine Verlage waren so verwegen, ihre Autorinnen und Autoren direkt am Stand lesen zu lassen. Doch das waren veritable Spiessrutenläufe. Es gab dann einige Agenten, die im Publikum Zettel verteilten über die Autorin, die gerade in Aktion war. Aber manchmal hörte man absolut nichts, denn die armen Leute mussten ohne Mikrophon auskommen. Bei irgend einem deutschen Esoterik-Verlag geriet ich an eine Blondine. Sie war recht hübsch und, wie man sehen konnte, las aus einem ihrer Manuskripte. Kein Mensch hörte zu. Man konnte auch nichts hören, weil sie eine fast tonlose Stimme hatte. Ich ging in ihre Nähe, versuchte, in einigen Büchern zu blättern, um gleichzeitig zu hören, worüber sie überhaupt las. Es war ein Text über eine Relaxation-Methode. Für mich hörte es sich an wie autogenes Training. Sie las weiter ähnlich, wie wenn man am Fernseher den Ton ausgeschaltet hätte. Und inzwischen hatte sie auch bemerkt, dass sie einen Hörer gewonnen hatte. Zwischen ihren Blicken auf das Manuskript schaute sie mich immer wieder, und wie mir schien, ziemlich verzweifelt an. Ich glaube, sie war froh, dass sich einer genähert hatte, und dass nicht alle Leute einfach achtlos vorbeigingen, während sie las. Sie war eine ganz hübsche Blondine, hatte halblanges, volles und goldenglänzendes Haar und ein Gesicht mit Sommersprossen. Sie war gut geschminkt. Allerdings trug sie einen wollenen Pullover unter ihrer Jacke, ich glaube, es war eine Wildlederjacke. Diese Wolle sah etwas robust und provinziell aus. Aber sonst war sie ganz ok und sie umklammerte mich mit ihren schönen, grossen blauen Augen um mich in der Nähe zu behalten, und um nicht wieder wie Demosthenes mit den Steinen im Mund hinaus ins rauschende Meer zu reden. Und ich fügte mich ihrem Hilferuf und blieb einen Moment, blieb solange, bis ein paar neue Leute stehen blieben, um dann diskret zu verschwinden. Ja, sie las über autogene Entspannungsübungen. Und sie las so, als ob sie annahm, ich würde das alles zum ersten Mal hören. Nein, sagte ich leise und ebenso tonlos wie sie sprach, nein Helga, sagte ich, das kenne ich nachgerade schon sehr mehr als genug. Nein Helga, ich kenne das alles zur Genüge. - - Ich glaube, dass sie Helga heissten müsste. Denn sie sah in ihrer Blondheit und ihrer gewissen Bodenständigkeit eben aus wie eine Helga. Oder hätte vielleicht Margot besser gepasst?
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Mittwoch, 27. April 2011
Richtung Stockholm..
Ämne: Re: Sempé
Datum: den 19 augusti 2002 13:57
Lieber ...,
Endlich funktioniert es wieder mit dem Internet. Bin gerade nach Hause gekommen. Erhitzt, müde und huuungriiig!!!
Aber bald wieder bei dir.
Bis dahin liebe Grüsse
Marlena
---
Ämne: Neue Welt..
Datum: den 19 augusti 2002 16:57
Lieber ...,
Ach, wie lange ist es her dass ich zum schreiben komme. Und du hast mir inzwischen so schöne Mails geschickt. Ich habe mich sehr gefreut und oft musste ich lachen über deine lustigen Kommentare. Wenn du mich zum lachen bringst liebe ich dich vielleicht am meisten.. ;-)
Also: Am Donnerstag nach der Arbeit haben Anna und ich uns ins Auto gesetzt Richtung Stockholm. Es war kochend heiss im Auto denn ich habe keine AC und wir fuhren meist mit offenem Fenster. Ich hatte die Karte zu Hause vergessen aber es war fast die ganze Strecke Autobahn und nachdem ich sie verlassen hatte kannte ich noch den Weg von früher.
Zuerst haben wir die Schlüssel zu Tante A's Villa abgeholt bei B (einem ihrer Söhne, der in der Nähe wohnt). Sie haben eine schöne Wohnung im 5. Stock. Eine junge Frau öffnete die Tür und sah uns ziemlich erstaunt an. Sie hatte keine Ahnung wer wir waren und was uns zu ihr führte. Anna meinte später sie hätte uns wohl für Jehowas Zeugen gehalten.. Nun ja, dann kam auch gleich B., ein gut gewachsener braungebrannter Mann, den ich wohl fast 20 Jahre lang nicht mehr gesehen hatte. Und im Hintergrund schlichen die beiden Söhne herum (15 und 19 Jahre alt) der spätere in Annas Alter.
Sie wollten unbedingt dass wir bleiben sollten aber wir haben gemeint wir müssten uns erst ein wenig frisch machen nach der langen Reise und so beschlossen wir später noch einmal vorbeizukommen. Ich wollte ihnen etwas Zeit lassen denn ich sah dass sie sich gerade zu Tisch setzten wollten um zu Abend zu essen.
So sind wir gegen 21.00 Uhr nochmals dort erschienen und haben zusammen Kaffee getrunken. Wir haben uns nett unterhalten und Anna hat zum ersten mal ihre "klein-Kusinen" kennengelernt. Ich denke sie haben sich gefunden.
Man hat sich viel zu sagen nach so langer Zeit und B. (mein Cousin) wollte auch ein wenig mehr erfahren über seine verstorbene Mutter, Dinge aus ihrer Jugend, die er sie gern hätte fragen wollen.. Und dann haben wir uns den Blick von ihrem grossen eingebauten Balkon angesehen. Es war unglaublich schön. Vor uns lag der Mälarsee und am nächtlichen Himmel stand ein ganz grosser roter Halbmond. Er zeigte mir auch wo der Badestrand lag, wo wir als Kinder immer baden gingen. Auch hatte er die schönen Bilder gesehen die ich seinem Bruder geschickt hatte.
Am nächsten Morgen kamen alle Autos bei uns vorbei und wir fuhren zusammen nach B. zur Beerdigung. Ich kenne den Friedhof seit früher. Habe mal Tante A. hingebracht als sie das Grab ihres Mannes besuchen wollte. Es ist, glaube ich, der schönste Friedhof den ich kenne. Die Gräber liegen an einem Hang von lauter Bäumen beschattet. Neben A's Grab ein wunderschöner Apfelbaum mit herrlich leuchtenden Früchten. Man glaubt fast im Garten Eden zu sein. Und dann waren wir in der 800 Jahre alten kleinen Kirche und alles war so schön und Stimmungsvoll wie es sich die Söhne erwünscht hatten.
Und so habe ich viele Verwandte wiedergesehen nach langer Zeit, den "Klan" wie sie sich aus Spass nennen und ihre schönen Frauen und Kinder. Auch die Frau meines Onkels war dort. Ich hätte sie fast nicht erkannt so alt kam sie mir vor.
Nach vielen Verabschiedungen und Versicherungen dass wir uns von nun an alle öfters treffen müssen sind wir dann wieder Richtung heimwärts gefahren. Zum Glück gab es keine Polizeikontrollen in Sicht denn manchmal habe ich die Grenze mit 30 Km überschritten. Da hätte ich den Führerschein verloren und das Leben wäre ziemlich schwer geworden.
Als wir gegen Abend nach Hause kamen hat K schon mit einem herrlichen Lachsessen auf uns gewartet und ich habe ihm gleich Bilder zeigen können die ich mit der Digitalkamera gemacht hatte.
Am Abend waren wir noch schwer beschäftigt mit dem packen von Annas Sachen. Wir mussten die hinteren Sitze in Ks Auto herunterfällen damit das Fahrrad Platz haben sollte. Und deshalb hat K gemeint, wir sollten allein fahren und ich sollte erst am Sonntag nach Hause kommen. Es war eine ganz gute Idee denn ich brauchte noch Zeit in Linköping um einiges zu besorgen. Anna hatte schon am Samstagabend ihre erste Sitzung und war auch am Sonntag von 9.00 bis 21.00 Uhr mit einem vollen Programm beschäftigt. Auch heute hat sie ein volles Program mit dem Verein für weibliche Studenten die diese Ausbildung gewählt haben.
Und morgen kommt dann die "Nullung", eine von den meisten Studenten gefürchtete Begebenheit wo sie als Universitätsstudent aufgenommen werden.
Ich bin am Sonntag dann noch zu IKEA und Coop gefahren (wo eben sonntags geöffnet ist) um u.a. Kochtopf, Bratpfanne, Wasserkocher (wie du mir geraten hattest)und noch so einiges zu kaufen was wir vergessen hatten oder sonst nur brauchten. Erst gegen Abend bin ich ziemlich müde nach dem heissen Tag wieder nach Hause gekommen.
Diesmal habe ich den Weg in der schräg hereinfallenden Abendsonne gesehen und habe ihn fast nicht erkannt so anders hat es ausgesehen. Es ist ein nicht allzu breiter Weg mit sehr viel Kurven wunderschön fürs Auge. Besonders jetzt wo die Felder in verschiedenen braungelben Nuancen leuchten. Und man ist richtig erstaunt wie dünn besiedelt Schweden ist. Ab und zu geht der Weg durch kleine Orschaften sonst sieht man nur vereinzelte kleine Häuser mit schönen Gärten. Es gibt einen schnelleren Weg aber dieser gefällt mir bedeutend besser und ich geniesse mit den Augen.
Hier herrscht immer noch Hochsommerwärme. Von einem Ort rapportierte man 39 Grad.. Was ist eigentlich los mit der Welt?
Und der arme Papst.. ich frage mich ob er mitkriegt was er um sich sieht. Aber die Polen lieben ihn und man sagt er sei ein sehr guter und einflussreicher Papst (gewesen). Nicht nur Gerechtigkeit sondern auch Barmherzigkeit braucht es auf der Erde.
Der Artikel über Naipaul könnte schon stimmen. Aber man darf nicht vergessen dass der Mann sehr schüchtern ist. Und seine Rauheit hat wohl auch was damit zu tun. Anna hat ziemlich oft laut gelacht über den Herrn Biswas. Er ist nämlich auf eine sehr realistische Art zeitweise sehr unsympatisch. Möchtest du nicht doch einen Verusch machen es zu lesen? Und die Art wie er sich ausdrückt.. er weiss was in dem Gedächtnis des Zuhörers hängenbleibt. Ich fand ihn sehr sympatisch in dem Dokumentarfilm den man in Anschluss an den Nobelpreis zeigte. Irgendwie bilde ich mir ein den "richtigen Menschen" hinter der Fassade entdeckt zu haben. Sowas ist immer ein bisschen gefährlich. Lachst du nun wieder?? :-)
Nun werde ich gleich eine Weile nach Sempé suchen hier im Internet. Da du ihn genannt hast interessiert er mich sehr.
Du siehst ich war ziemlich im RL die letzten Tage aber heute bin ich zum ersten mal allein. Ich kann es eigentlich noch nicht verstehen. Nichts muss ich zu einem bestimmten Zeitpunkt tun. Und doch glaube ich es ist nützlich sich ein wenig Routinen zu schaffen damit das Leben kein Chaos wird. Ausserdem habe ich ja die Arbeit die mich zu einer gewissen Ordnung zwingt.
Ich lasse dich nun obwohl es noch so vieles gibt in deinen Mails was ich kommentieren möchte. Deinen Kommentar zum Frosch fand ich super und Anna und ich haben sehr darüber geschmunzelt. Du bist einmalig mein lieber Mausfreund.
Alles gute noch wünscht dir
Marlena
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