Sonntag, 12. Januar 2025

Ämne: RE: +++ ---

 

Ja, Malou
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Du hast Recht, ich habe Malraux gedacht und Du hattest Mauriac gemeint. Und jetzt willst Du mich mit ihm gleich erschlagen und gibst mir eine Liste von 5 Titeln vor! Du bist aber ziemlich hart im austeilen, Malou! Ich habe dieses Wochenende eine dicke Biographie über Immanuel Kant begonnen und werde diesen und vielleicht den nächsten Monat damit mehr als beschäftigt sein. Wie könnte ich da Mauriac noch oben aufs Brot streichen?  ...

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Lieber ...

Ach, du verwirfst meinen Vorschlag.. :-(  Du bleibst lieber bei Kant, den du doch sowieso schon genügend kennst.. (Ich gebe zu, er ist auch hier wieder "auf der Tapete") - aber mit Mauriac würde sich für dich eine neue Welt öffnen.
Ich habe dir nur einige Titel von Romanen genannt die ich selbst gelesen habe. Ich frage mich, ob du überhaupt einen dieser Romane als "christliche Literatur" bezeichnen würdest. Ich glaube kaum. Gerade deswegen, weil ich glaube, dass du falsche Vorstellungen von ihm hast, möchte ich, dass du einen Versuch machst ihn zu lesen. Er wird dich nicht bekehren.. ;-) Das versichere ich dir...
Seine Bücher sind deprimierende, tief pessimistische Schilderungen seiner bürgerlichen Umgebung. So hatte er auch die ganze bürgerliche Kritik gegen sich.
OK, ich werde dich nicht bedrängen.
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Die kleine Animation war eine kurze japanische Story. Ich weiss nicht, was mit den Studenten los ist (nun meine ich diejenigen, die Anna bei ihrem Studium trifft) ) denn sie scheinen alle ganz verhext zu sein von japanischen Kurzfilmen. Es gibt sogar welche, die deshalb japanisch studieren neben ihrem technischen Studium. ...
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Ja, ich glaube dir schon, dass du dich in deinem Club in solcher Umgebung recht jung fühlst. Ich glaube überhaupt, dass unsere nächste Umgebung eine grosse Rolle spielt. Aber ich fühle mich nicht jung, wenn ich Åke und Garry  betrachte. Im Gegenteil. Das ist mir erst aufgefallen, als ein junger Kandidat bei uns im Arbeitszimmer auftauchte. Er bringt eine herrliche Frische in den Raum und man fühlt sich fast, als wäre man zurückversetzt in die ersten Jahre im Beruf. Optimismus und Glaube an die Zukunft. Na ja, er hat noch nicht angefangen zu arbeiten. Wenn ich die anderen jungen Lehrer betrachte, sind sie schon nach kurzer Zeit von dem Stress des Berufes beeinflusst. Es war fast ein bisschen ein Schock, als mir klar wurde, wie diese "Altmänneratmosphäre" mein Milieu bestimmt hat.
Jetzt muss ich ein wenig arbeiten. Vielleicht komme ich nachher nochmals zurück..
Bis dahin, sei lieb gegrüsst,
Malou

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Ämne: RE: supplément

Liebe Malou
Bist Du lieb, wie Du soviel Geduld hast mit mir und dem Mauriac. Weißt Du, wenn ich mal irgendwo ein Buch antreffe, werde ich es mir bestimmt aneignen und vielleicht sogar lesen, jetzt, da ich weiss, dass er Dein Favorit gewesen ist. Aber auf der anderen Seite beschreibst Du ihn als depressiv. Nun, was sollte ich denn von ihm erwarten?

Vielleicht haben wir viele Illusionen aufgegeben, aber wir sollten den jungen Menschen das nicht zeigen. Man kann sie immer noch verbessern, und dazu braucht es Mut. Und diesen müssen wir den Jungen wünschen. Ach, ist es nicht ein Dilemma, in dieser rasch sich ändernden Zeit in fortgeschrittenem Alter zu sein. Manchmal habe ich eine tiefe Sehnsucht nach alten Zeiten, ich kann gar nicht genau sagen, wonach. Und dann versuche ich mich zu beruhigen, dass ich mich eigentlich nur nach meiner Jugend zurücksehne.

Wir waren mal in Kempten in den Ferien. Das liegt im südlichen Bayern, wenn ich mich recht erinnere. Und an einem Samstag Morgen bei schönstem Sonnenschein gingen wir dort durch die Strasse der kleinen Stadt. Und die Leute waren vergnügt, grüssten sich, nahmen sich Zeit für einen Schwatz, plauderten auf der Schwelle der kleinen Läden. Ach, es war alles so beschaulich und hübsch und sauber und sonnig, dass man sich in die alten Zeiten zurückversetzt meinte. Einer dieser Momente ist mir noch heute tief in Erinnerung geblieben, obwohl das jetzt bestimmt 20 Jahre her ist.

Jetzt muss ich aber bestimmt heim. Das war nur ein kleiner extra Gutenachtkuss.
Mit lGuK
...

Samstag, 11. Januar 2025

und so fort

 

 Liebster Mausfreund,

RE: Studentenleben

 

Ämne: RE: Studentenleben, Strohwitwen, Literatur...undsofort

Liebe Malou
Danke Dir für das nette Kompliment. Du nennst mich Wand, wo Du mich Tattergreis nennen könntest, nicht wahr? Du bist enorm generös!!!

Und offenbar hast Du grosse Pläne mit Deiner breiten Lektüre, die Du bereithältst. Ich mache das auch so. Ich habe meist mehrere Bücher, die herumliegen. Manchmal vergesse ich sogar eines davon, wenn es z.B. im Büro besonders eng zu und her geht. Und später finde ich es wieder und muss mit der Lektüre erneut von vorne anfangen. Ich hoffe, Du wirst mir aus Deinem Buch einige nützliche Tipps für das 3. Alter mitteilen. Ich renne mit verschlossenen Augen auf diesen Abgrund zu. Also bitte, warne mich vor den schlimmsten Überraschungen.

Ein solcher Tipp ist schon das Vorfest, wie ich finde. Eine wundervolle Idee, ein Fest mit einem kurzen Fest vorher zu beginnen. Ich nehme an, die Wirkung ist die des Durchlauferhitzers im Badezimmer, wo das Wasser in einer kurzen Schlaufe mitttels einer aggressiven Gasflamme auf beinahe Kochtemperatur erwärmt wird. Und wenn man dann die Tür zum grossen Festsaal öffnet, wo die Leute in vornehmster Ausstattung gelangweilt herumsitzen, ist man in Hochstimmung und kann der Gastgeberin mit Innbrunst um den Hals fallen. Eigentlich ist es ja ein Geschenk für die Gastgeber, wenn man mit solcher Toplaune antrabt. Und das grosse Fest wird bestimmt vom kleinen profitieren, wenn nicht sogar davon abhängig werden. Gar nicht zu denken an die allerfeinste Insitution des Nachfestes, bei dem man bekanntlich nochmals rasch bei einer fröhlichen Studentin unterschlüpft und noch ein paar Kaffees mit Zutaten geniest. Ach, wie ist die Studentenzeit schön! Und nochmals „ach“, ach was sind wir alten Leute Banausen, und freuen uns zitterig und tatterig auf das blosse eine Fest, wo man dann einen ganzen stundenlangen Abend mit noch längeren Gesichtern herumsitzt, smalltalkt und müde auf die Tischbombe wartet, die den Puls endlich doch endlich noch etwas in die Höhe bringt.
Allerdings, das muss man auch sagen, ist ein solches Vorfest eine irre Arbeit. Wenn alle fein gegessen und getrunken haben, was geschieht dann noch auf dem richtigen Fest? Stehen da alle mit vollen Mägen herum und rülpsen? Es ist, je länger ich darüber denke, desto deutlicher wird es, es ist eine echte Dienstleistung an das Fest. Und natürlich eignet es sich vor allem für ein grosses Fest mit vielen unbekannten Leuten, wo man dann als kleinere Gruppe mit Hochstimmung hereinplatzen kann, so dass alle übrigen bloss neidisch herüberschauen.

Dass sich ein solches Fest in weiten Teilen um einen netten und smarten Bluefish dreht, finde ich so reizend, als ob sich alles in einem spannenden Roman abspielen würde. Ach Malou, manchmal spüre ich diese gewisse Art von Neid gegenüber den jungen Leuten. Ich fühle in meinem Herzen den Wunsch, auch nochmals dabei sein zu können. Ich möchte am allerliebsten wieder in dieser jugendlichen Situation sein, wo alles noch offen und alles noch möglich ist und wo die Welt unbekannt und zauberhaft erscheint. Die Illusionen der Jugend sind doch wunderbar. Und ihre Leichtigkeit ist unwiederbringlich.

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Ich finde es süss, wie Du immer wieder Euren schwedischen Sportlern in internationalen Wettkämpfen den Daumen hältst. Bestimmt hilft ihnen das, den Anforderungen gewachsen zu sein. Und auf jeden Fall war es bei der Skifahrerin Anna Persson (heisst sie so?) ziemlich wirksam. Ich reagiere auch ein bisschen so. Letzte Woche hatten wir am Fernsehen diese grosse Familiensendung „Wetten dass…“. Es geht darum, dass irgendwelche Leute wetten, dass sie dieses oder jenes erreichen könnten. Und Promis wetten mit. Das Konzept der Sendung ist raffiniert erfunden, finde ich. Und es läuft Samstag abends, wenn auch Kinder am TV sitzen. Das ist ziemlich gut so. Jedenfalls behauptete ein Schweizer Bauer an jenem Abend, er könne innert 2 Minuten seine Kuh Rosi melken, und mit der vollen Tasse Milch auf dem Rücken der Kuh einen Hürdenlauf über einige Pferdehürden vollführen, ohne die Milch zu verschütten. Es sah ziemlich komisch aus, als er auf seiner Kuh daherritt und die Glastasse Milch in die Höhe hielt. Er konnte seine Wette gewinnen und wurde vom Publikum zugleich als beste Wette des Abends gewählt. Darüber freute ich mich, weil ich überzeugt war, ein Schweizer Bauer könne eine solche Betätigung gut gebrauchen. Aber sonst bange ich mit den Schweizer Sportlern nicht mehr so sehr mit, wie ich das früher gemacht hatte.

Mauriac kenne ich vom Namen her. Ich hatte nie etwas von ihm gelesen. war er nicht Kulturminister unter De Gaulle? Und bestimmt ist er katholisch, wie die Franzosen eben katholisch sind. Vielleicht kannst Du mir von ihm erzählen?

Der Briefeschreiber ist nicht Rilke. Du hast noch 2 Rate-Chancen. Ich gebe Dir kleine Hinweise: er lebt nicht mehr, er war Wissenschafter und er war und ist wirklich sehr bekannt.

Ich wünsche Dir ein feines Wochenende. Bist Du immer noch grüne Witwe?
Wenn ich in der Nähe wäre, würde ich zu einem Kaffee vorbeikommen!
Mit GS und KS

Freitag, 10. Januar 2025

Studentenleben, Strohwitwe und Literatur

 

Lieber ...,
Freitag Abend. Ein ungewöhnlicher, denn ich habe ihn ganz für mich selbst. Das ist ein bisschen ein Luxus. Wenn K nicht in der Nähe ist, können meine Gedanken frei laufen - und man braucht sich nicht zu fragen wohin.

Wenn ich das etwas früher gewusst hätte, wäre ich wahrscheinlich irgendwohin gegangen oder hätte mir Gäste eingeladen. Aber so ist es auch gut. Ich kann tun was ich will und nichts ist vorausbestimmt.
Ein bisschen bewache ich Annas Vorhaben heute. Nicht dass sie mich brauchen würde. Es ist mehr aus Neugier. Anna ist vor vielen Jahren mal in einer Chatcommunity mit einem Jungen bekannt geworden, der schon damals wie eine Art Guru für alle kleinen Script kiddies war. Aber nicht nur für die, denn er ist  einer der besten "Hackers" die wir in diesem Land haben. Er hat sich für das kleine Mädchen interessiert, weil es ungewöhnlich war, dass sich ein Mädchen in ihrem Alter so gut auskennt auf diesem Gebiet. So haben sie sich schon seit so 5 Jahren ab und zu mails geschickt und ich glaube, dass er es eigentlich war, der sie am meisten zu ihrem jetzigen Studium inspiriert hat. Sie nennt ihn ihren "Mentor" und sieht ihn als einen guten Freund ohne die geringste Spur von Romantik. Neulich hat er einen Auftrag an der Uni bekommen und vorige Woche haben sie sich zum ersten mal "live" gesehen. Ich war etwas erstaunt über ihre Aussage nach dem Treffen, er sei "der netteste und smarteste Mensch, den sie in dem letzten Jahr begegnet ist". Das ist stark, wenn es von Anna kommt. Sie ist normalerweise sehr restriktiv mit solchem Lob.

Nun, jedenfalls hatte sie schon seit langem geplant heute Abend zu einem grossen Synthfest zu gehen und dann hat sie gedacht, wenn sie diesmal das "Vorfest" bei sich macht, könnte sie gleichzeitig ihren Geburtstag feiern.. (das wissen die anderen zwar nicht). Vorfeste, so nehme ich an, sind eigentlich dazu da um sich vor dem richtigen Fest etwas Mut anzutrinken. Natürlich können es auch (mit unseren Augen gesehen) ganz anständige Veranstaltungen sein. Und da es sich herumgesprochen hat, dass B kommt, haben sich etwas mehr Gäste angemeldet, als sie ursprünglich gedacht hatte. Alle sehen zu ihm auf.. Und ich denke, sein Ego wird gigantische Proportionen annehmen, bevor der Abend zu Ende ist.. ;-))

Und nun hat das arme Kind einen ganzen Dinner für die Leute gemacht (16 Personen). Ein orientalisches Gericht mit Crevetten und Curry. Dazu Reis, Salat, Painriche und nachher Kuchen mit Eis. Getränke bringen alle selbst mit. Coca-cola, Alko-läsk (läsk=Limonade) oder Vodka.. Ja, ich habe auch gelacht, als ich das hörte. Und später irgendwann nach 22.00 Uhr werden sich alle zu dem Synthfest begeben.
Ich hoffe dieser kleine Einblick in schwedisches Studentenleben hat dich nicht allzusehr gelangweilt.

Jetzt werde ich ein bisschen lesen. Ich habe so 3 - 4 Bücher, zwischen denen ich hin und her pendle, je nach Laune. Das eine ist ein schreckliches Buch über das "dritte Alter". Ich wollte es für K kaufen und dann habe ich wahrscheinlich ein falsches erwischt mit einem ähnlichen Titel. Jedenfalls ist es nicht was ich mir vorgestellt hatte. Es enthält viel Wahres über Dinge, die man am liebsten verdrängen würde. Na ja, ich habe erst angefangen darin zu lesen.
Das andere ist ein Roman, den ich vor sehr vielen Jahren schon mal gelesen habe. Damals habe ich Trost darin gefunden und mich und auch andere Leute in meiner Umgebung in den Personen wiedererkannt. Und jetzt bin ich neugierig, was es war, was mich so fasziniert hat und ob ich heute das ganze mit denselben Augen betrachte wie damals.

Das dritte ist ein Buch von François Mauriac. Eine ältere Kollegin, die im Herbst in Rente gegangen ist, studiert nun Französisch an der Uni und jetzt soll sie einen Schriftsteller wählen, über den und dessen Werk sie schreiben will. Neulich  war sie zu Besuch in der Schule und hat mich gefragt ob ich ihr jemanden empfehlen könnte. Und ich glaube Mauriac könnte interessant sein für sie. Sie ist die Witwe des früheren Oberpfarrers hier und ich glaube es kann ihr nicht schaden sich ein wenig mit diesem katholischen Schriftsteller auseinanderzusetzen. Und nun habe ich meine alten Mauriacbücher herausgesucht (sie haben schon etwas Patina bekommen) und konnte es nicht seinlassen ein bisschen darin nachzulesen. So bin ich wieder einmal bei Mauriac hängengeblieben. ;-) Hast du schon mal was von ihm gelesen?



Der elende, briefschreibende Ehemann, von dem du sprichst, könnte Rilke sein. Ich will es nicht, kann es aber auch nicht ausschliessen. Aber wie ich sagte, ein Künstler und sein Werk sind zwei verschiedene Sachen.

So, nun mache ich eine Pause. Ich habe schon zu Abend gegessen. Ratatouille von gestern mit Fleisch von heute.. :-) Hat ausgezeichnet geschmeckt. Und dazu Vodka... nein ich mache nur Spass. Bin ja schliesslich kein schwedischer Student.

Ich wünsche dir noch einen schönen Abend, meine liebe Wand.
Mit Gs und Ks,
Malou


Philemon und Baucis

(R)

(---)

Onkel Kurt erzählt von seiner Elisabeth, mit der er ein Leben lang gemeinsam dieses Geschäft in L. geführt hatte und die immer eine etwas eigensinnige Frau gewesen war. Er sagt, und das fand ich rührend, er sagt, dass er sich heute besser mit ihr unterhalten könne, da sie gestorben sei. Früher seien sie immer wieder in Streit geraten, weil Elisabeth partout auf ihre Meinung zu beharren pflegte. Aber heute, da sie tot ist, sei das alles viel leichter und besser geworden. Sie sei jetzt umgänglicher.
Es ist schön zu hören, wie zwei Menschen zusammen in Loyalität und Liebe gelebt haben, und zu hören, wie relativ Liebe im praktischen Alltag ist. Wir jüngeren Generationen halten die Liebe für eine rein romantische, rein gefühlsmässige Angelegenheit. Doch früher war das primäre Ziel der Ehe die nackte materielle Existenz und das ökonomische Überleben. Gerade die höheren gesellschaftlichen Kreise haben nicht aus Liebe geheiratet, sondern um die Interessen ihrer Familien zu wahren. Wenn sich daraus Liebe ergeben haben sollte, so war es ein Glücksfall.





Und dabei fällt mir bei K. und E. die schöne Geschichte von Philemon und Baucis ein, die man in Ovids Metamorphosen finden kann. Die alten und armen Eheleute Philemon und Baucis haben sich mit der gastlichen Aufnahme von Jupiter und Merkur (waren es diese beiden?) einen Wunsch verdient. Und sie wünschten sich, dass keiner den anderen überlebe, dass keiner das Schicksal zu ertragen habe, den Tod des anderen betrauern zu müssen. Dieser Wunsch wurde ihnen gewährt und sie sind beide in je einen Baum verwandelt worden, die in naher Nachbarschaft noch heute beisammen stehen sollen.









Mittwoch, 8. Januar 2025

Besser spät ...


Ämne: Besser spät..
Datum: den 9 januari 01:03

Lieber ...,
Eigentlich ist es schon zu spät und ich bin zu müde um ein anständiges Mail zu senden. Aber vielleicht findest du doch ein unanständiges besser als garkeines. ;-))

Zuerst muss ich doch protestieren gegen das "junge Ding". So nennt man doch nicht eine Frau am Rande ihres "besten Alters".. ;-) Aber ich glaube ich kenne mich ziemlich gut aus was "Lehrkräfte in fortgeschrittenem Alter" betrifft. Als ich nämlich an diese Schule kam, war ich noch sehr jung. Ich denke die meisten von den Kollegen, die hier arbeiteten waren so 10 -15 Jahre älter als wir jungen Eindringliche. Zuerst standen sie wohl (so wie wir sie sahen) unserer Elterngeneration näher. Aber dann mit der Zeit wurden wir alle immer mehr gleichaltrig. Man vergass den Altersunterschied. Und dann sah man sie langsam alt werden. Man sah wie sie langsamer wurden, vergesslicher und etwas rigider. Es gab Leute, die nicht mehr gut hörten und deswegen von Schülern und sogar von neuen jungen Kollegen, die nicht besser wussten, als etwas "dumm" betrachtet wurden, obwohl sie Giganten waren im vergleich zu diesen, ich meine was ihr Können (ihr Niveau) betraf. Leider gibt es bei uns nicht die Möglichkeit, von der du erzählt hast. Und die Aufgaben, vor die man sie stellte, wurden immer schwieriger. Das ganze begann damals, als man die etwas weniger theoretischen zweijährigen Linien des Gymnasiums zu dreijährigen machte und ganz einfach mit den anderen zusammenschlug. Besonders für Lehrer in Mathematik und Sprachen bedeutete das eine grosse Umstellung.
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Oh, es ist schon spät. Ich sage dir nun gute Nacht und schreibe dir morgen mehr. Übrigens, die Reise nach Wien klingt wie eine gute Idee. Wirst du mit Walther dorthin fahren? Ich glaube ihr beiden würdet die Stadt unsicher machen. Ach, du machst mir wirklich Sehnsucht, denn ich habe Wien sehr schön in Erinnerung. Ich war dort zu Besuch als 17-jährige mit meinen Eltern und dann später mit K, als mein Onkel dort einen Auftrag hatte. Es war unsere erste Reise zusammen.

Ich muss leider doch jetzt ins Bett. Habe viel zu tun morgen.
So grüsse ich dich lieb und wünsche dir einen schönen Tag nach deinen Wünschen,
Malou



Fragen des Alterns und Reisepläne

 

Wien


Liebe Malou
Ach, ich weiss gar nicht, ob ich gestern geschrieben habe. Es war soviel los. Und die Arbeit fängt ungefähr so an wie im letzten Jahr. Es ist in dieser Hinsicht kein Fortschritt zu verzeichnen. Oder vielleicht arbeite ich jedes Jahr ein wenig langsamer? Das könnte sein. Ich habe gestern Nachmittag einen Kurs besucht, den Lehrkräfte in fortgeschrittenem Alter besuchen. Sie werden für 1 Semester bei vollem Lohn vom Unterricht dispensiert und besuchen stattdessen einen Kurs. Dazu gehört auch ein Praktikum in der Industrie und verschiedene Besuche bei Institutionen. Sie waren auch bei uns. Und so habe ich sie dann auch kennen gelernt. Es scheint mir wirklich so, dass ältere Mitarbeiter andere Fortbildungsbedürfnisse haben als jüngere. Und vor allem tut ihnen gut, wenn sie unter sich sind. Ich glaube, ein Nebeneinander zwischen jüngeren und älteren Leuten in dieser Situation würde den alten nicht gut tun. Die Jungen sind progressiv, wollen alles schon wissen und können und wollen noch viel mehr wissen und können. Die Alten wollen dagegen ihre Flexibilität erhöhen, alte festgefahrene Erfahrungen auflösen und in neue verwandeln. Sie wollen sich darum bemühen, dass sie noch dabei sind. Aber sie sind nicht so expansiv. Man könnte sagen, die Jungen sind progressiv, die Alten sind reflexiv. Sie lassen ihre Praxis und ihre Erfahrungen Revue passieren. Ziel ist eine Art Lockerung. Natürlich kommen einige neue Techniken dazu, aber die sind nicht so wesentlich.

Du siehst, wie sehr ich mich schon um die Bedürfnisse älterer Lehrkräfte interessiere. Ich habe sogar in letzter Zeit ein Büchlein gekauft: Psychologie des Alterns. Gut, zugegeben, es war ein Occasions-Preis. Aber dennoch! Dass ich so was kaufe, spricht für mich, auch wenn ich es noch nicht gelesen habe. Ich glaube, dass in unserer Gesellschaft diese Fragen des Alterns wichtiger werden. Wir haben ja die Häufigkeitsverteilung einer Zwiebel, wo die älteren Menschen die häufigsten Positionen besetzen.


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 Na ja, vielleicht sollte ich die Fragen des Alterns nicht mit einem „jungen Ding“ wie Du diskutieren. Das ist doch viel zu weit weg für Dich. Vielleicht sollte ich Dir aber meine neuesten Geheimnisse verraten. Im Club haben wir einen, der ein Reisebüro besitzt. Er ist immer informiert, was in dieser Sparte aktuell ist. Und offenbar gibt es neue Flüge von Zürich nach Wien für Fr. 60.- . Das wäre spottbillig, und durch eine durchaus akzeptable Fluggesellschaft. Ich spiele mit dem Gedanken, mal nach Wien zu reisen. Walter ist ein grosser Wien-Fan. Ich glaube, es ist seine Liebe zur Musik, die das macht. Und er hatte irgendwelche unvergesslichen Erlebnisse auf dem Wiener Zentralfriedhof. Ich meinerseits habe bloss die Erinnerung an die Praxisräume von Sigmund Freud, mit dem alten Kanapee und der farbenfrohen Decke drüber. Aber daran bin ich nicht mehr so sehr interessiert. Ich würde viel lieber wieder mal im Sacher ein Kaffee mit Torte genehmigen, den Prater durchwandern und vielleicht eine Vorstellung im Burgtheater besuchen. Na ja, die neuere Architektur würde ich mir natürlich auch anschauen. Wien muss einige ganz aussergewöhnliche Bauten haben. Und bestimmt gibt es auch ein paar ältere Dinge, die interessant sind. Im Gymnasium haben die Lehrer immer auf den Stephansdom hingewiesen. Sie waren ziemlich stark auf Oesterreich hin orientiert. Ich glaube, viele von ihnen hatten dort studiert.

Und jetzt muss ich an die Arbeit. Es gibt noch vieles zu tun.
Mit lieben GuK