Liebe Malou
Ach, wie rasch die Zeit vergeht. Jetzt ist diese Woche doch auch schon vorbei. Und ich habe nichts getan. Rein gar nichts. Nur gegessen, geschlafen und gelesen. Es ist fast schade um die Zeit. Wenn man keine Zeit hat, möchte man soviel tun. Und wenn man viel Zeit hat, lässt man sie den Bach hinunter schwimmen. Es ist allzu schade.
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Im Museum gab es einen Hinweis auf eine kleine Ausstellung in der Gallerie Beyeler in Basel. Diese habe ich gestern besucht. Der Basler Künstler hat hübsche, sehr farbige Stücke gemacht. Er ist hier ziemlich bekannt und hat auch einige lustige Wandmalerei in der Stadt gemacht. Die Gallerie war nicht überwacht. Es war weit und breit kein Mensch zu sehen. Ich hätte ein paar dieser Bilder einpacken können. Schliesslich kam ein weiterer Besucher. Er war äusserst gesprächig und ich musste annehmen, dass er selbst Maler sei. Er hat die Bilder kaum angeschaut, sondern überaus intensiv auf mich eingeredet. Immer wieder hat er Hodler gelobt. Und es gab ein Bild in der Ausstellung, das in Stil und Technik einem Hodlerbild geglichen hat. Aber das hatte er nicht bemerkt. Er hat bloss immer wieder von Hodler gesprochen und bei Cuno Amiet die Anlage des Hintergrundes vermisst. Manchmal sei der Schüler besser als der Lehrer. Nun, das konnte ich nicht bestreiten, aber ich hatte noch nie gehört, dass Hodler ein Schüler Amiets gewesen sei. Da kannte ich mich zuwenig aus. Bestimmt waren sie Zeitgenossen.
Kurz und gut, der Kerl hat drauflos gesprochen, dass ich definitiv den Eindruck hatte, er wäre einer Psychiatrischen Klinik entwichen. Er sagte, er lebe in Nizza und er male klassisch. Klassisch hiess für ihn eben, mit guter Anlage von Hintergrund, Mittelgrund, Vordergrund. Soviel hatte ich begrffen.
Schliesslich wurde er wirr und wirrer, so dass ich mich entschloss, zu gehen. Aber er folgte mir und redete weiter drauflos. So verliess ich die gute Gallerie Beyeler mehr oder weniger fluchtartig. Und gleich beim Ausgang begegnete mir eine Dame, die im Begriff war, in die Gallerie einzutreten. Ich glaube, sie ist ihm direkt in die Arme gelaufen und bestimmt hat er sie davon überzeugt, dass Hodler der allergrösste sei.
Du siehst, ich vertreibe mir meine Zeit mit vielen Unnötigkeiten.
Ich wünsche dir eine gute Zeit.
MLG
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