Freitag, 17. Mai 2024

Wie rasch die Zeit vergeht.

 

Liebe Malou
Ach, wie rasch die Zeit vergeht. Jetzt ist diese Woche doch auch schon vorbei. Und ich habe nichts getan. Rein gar nichts. Nur gegessen, geschlafen und gelesen. Es ist fast schade um die Zeit. Wenn man keine Zeit hat, möchte man soviel tun. Und wenn man viel Zeit hat, lässt man sie den Bach hinunter schwimmen. Es ist allzu schade.

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Im Museum gab es einen Hinweis auf eine kleine Ausstellung in der Gallerie Beyeler in Basel. Diese habe ich gestern besucht. Der Basler Künstler hat hübsche, sehr farbige Stücke gemacht. Er ist hier ziemlich bekannt und hat auch einige lustige Wandmalerei in der Stadt gemacht. Die Gallerie war nicht überwacht. Es war weit und breit kein Mensch zu sehen. Ich hätte ein paar dieser Bilder einpacken können. Schliesslich kam ein weiterer Besucher. Er war äusserst gesprächig und ich musste annehmen, dass er selbst Maler sei. Er hat die Bilder kaum angeschaut, sondern überaus intensiv auf mich eingeredet. Immer wieder hat er Hodler gelobt. Und es gab ein Bild in der Ausstellung, das in Stil und Technik einem Hodlerbild geglichen hat. Aber das hatte er nicht bemerkt. Er hat bloss immer wieder von Hodler gesprochen und bei Cuno Amiet die Anlage des Hintergrundes vermisst. Manchmal sei der Schüler besser als der Lehrer. Nun, das konnte ich nicht bestreiten, aber ich hatte noch nie gehört, dass Hodler ein Schüler Amiets gewesen sei. Da kannte ich mich zuwenig aus. Bestimmt waren sie Zeitgenossen.
Kurz und gut, der Kerl hat drauflos gesprochen, dass ich definitiv den Eindruck hatte, er wäre einer Psychiatrischen Klinik entwichen. Er sagte, er lebe in Nizza und er male klassisch. Klassisch hiess für ihn eben, mit guter Anlage von Hintergrund, Mittelgrund, Vordergrund. Soviel hatte ich begrffen.
Schliesslich wurde er wirr und wirrer, so dass ich mich entschloss, zu gehen. Aber er folgte mir und redete weiter drauflos. So verliess ich die gute Gallerie Beyeler mehr oder weniger fluchtartig. Und gleich beim Ausgang begegnete mir eine Dame, die im Begriff war, in die Gallerie einzutreten. Ich glaube, sie ist ihm direkt in die Arme gelaufen und bestimmt hat er sie davon überzeugt, dass Hodler der allergrösste sei.

Du siehst, ich vertreibe mir meine Zeit mit vielen Unnötigkeiten.
Ich wünsche dir eine gute Zeit.
MLG
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Donnerstag, 16. Mai 2024

Lucian Freud

  

Liebe Malou..

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Ich habe kürzlich ein Bildband gekauft über Lucian Freud.
Vielleicht hast du von ihm gehört. Er ist ein Enkel des brühmten Sigmund Freud, lebt in England, und hat sich einen Namen als Porträtmaler gemacht. Und dabei macht er seinem Grossväterchen grosse Ehre. Er malt seine Figuren so nackt, wie man sie kaum je gesehen hat. Das Fleisch springt einem aus den Bildern derart entgegen, wie es bloss noch bei Sigmund aus seiner Psychoanalyse geschehen ist. Die Gemälde haben etwas Schockierendes an sich. Sie versetzen den Zuschauer in die Rolle des vorwitzigen Voyeuristen, weil die Modelle derart offen daliegen. Vielleicht ist es das erste Mal, dass auch Männer sich derart exponieren und ihre Dinger zeigen, wie man das noch niemals auf Bildern gesehen hat. Im ersten Moment wirkt es widerlich. Bei weiblichen Figuren sind wir das mehr gewohnt, denn da führt die Malerei eine lange Tradition fort. Aber das Männer derart die Beine spreizen oder besser unersehen (kein gängiges deutsches Wort). Ich glaube, zur Zeit hat Freud eine grosse Ausstellung in der Tate in London. Und einen Momentlang hatte ich mit dem Gedanken gespielt, nach London zu fliegen, um das anzuschauen.
Vielleicht findest Du im Internet ein oder zwei Beispiele diesem Maler.

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Re:  Ja, es gibt viele Bilder von ihm im Internet,   z.B.  hier

Zeit, ein eigenwilliger Partner

 

Ämne: weekendmail
Datum: den 21 februar13:10


Liebe Malou
Graues, kühles Fastnachtswetter haben wir hier. Am Montag beginnen die Schulferien, und man fühlt sich ein bisschen leichter und in Ferienstimmung. Hoffentlich weiss das Wetter, was es uns schuldet in den nächsten Tagen. Ich habe zwar einige kleine Projekte, die ich in diesen Tagen zu Ende bringen will. Aber Du weißt, wie es ist. Wenn man plötzlich frei hat, zerrinnt die Zeit zwischen den Fingern. Die ersten paar Tage denkt man, dass man einige faule Stunden sehr wohl verdient hat. Und dann sind die 14 Tage auch schon um. Man muss sehr schlau sein im Umgang mit der Zeit. Sie ist ein cleverer und eigenwilliger Partner, und um sie zum Freund zu machen, muss man sie an die kurze Leine nehmen, wie einen verspielten Hund. Ich habe in meinem Leben sehr viel Zeit vergammelt. Wenn man all diese Momente und Stunden zusammennehmen würde, könnte man gut und gerne ein zweites Leben daraus machen. Aber die Kunst, die ich benötige, besteht heute darin, dies alles nicht als Verlust, sondern als Gewinn anzuschauen. Diese vielen freien und losen Stunden waren ein Geschenk des Himmels. Ich bin wie Du, ich lasse mich gerne verführen von Filmen am Fernsehen, von Leuten, die ich zufällig treffe, von Büchern, die ich zufällig da und dort finde, von Themen, die mich weiss Gott woher aus dem blauen Himmel anspringen. Wenn ich an einem Thema arbeite, so treffe ich überall verwandte Dinge, Querverbindungen, Unterthemen und so fort. Das Thema wird immer grösser und reicher.

Immer noch freut es mich von Dir zu hören, dass Du Ungerer entdeckt hast. Das kleine Büchlein seiner Jugend ist ziemlich eindrücklich. Er hat mit seiner Familie im Elsass den wirklichen Krieg erlebt. Daraus merke ich, dass er eine andere Generation ist, als ich es bin. Wer so was erlebt hat, der ist für das ganze Leben geprägt. Krieg ist eine Situation, die die Menschen von Grund auf verändert. Und der kleine Tomi Ungerer war ein Bube, der viel gezeichnet hat. Darin fühle ich mich ihm verwandt. Ich erinnere mich daran, wie ich im Kindergarten eine Zeichnung über einen Deichbruch in Holland gemacht hatte, worüber ich in den Mittagsnachrichten gehört hatte. Die Kindergärtnerin war ganz begeistert und hatte mein Werk mit einem Titel beschrieben, damit man später erkennen würde, was damit gemeint sei. Ich sehe die Zeichnung noch heute ungefähr vor mir, obwohl ich sie vor etwa 20 oder 25 Jahren beim Aufräumen verbrannt hatte. Ein Helikopter schwebte über einem Hausdach, das aus dem Wasser ragte. Dort sassen auf dem Giebel eng zusammengedrängt einige arme Menschen. Vom Helikopter wurden Wolldecken und - komischerweise - Münzen abgeworfen.

Ungerer hatte eine tüchtige Mutter. Sie hat die Familie in schweren Zeiten ohne Mann durchgebracht. Und sie hat in schwierigen Situationen sehr geschickt und mit offenbar weiblichen Charme gemeistert. Das erinnert mich an S und an meine Schwiegermutter. Der Iran ist heute noch ein Kontext, wo man so etwas lernen kann. Bei uns in der Schweiz, wo alles reglementiert ist, läuft das Leben völlig anders.

Soweit mein Wochenendmail.
Mit Gs und Ks
...

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Ämne: RE: weekendmail...
Datum: den 21 februari 23:18

Lieber ...,
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Ich habe mich sehr gefreut über dein schönes week-endmail. Ja, die liebe Zeit. Es ist wirklich eine Kunst, mit ihr richtig umzugehen. Irgendwie nähere ich mich der Auffassung, dass die faulen und nicht die fleissigen Stunden die wichtigsten sind. Oft habe ich das Gefühl, dass wir nur dauernd arbeiten, in der Hoffnung einmal später Zeit zu finden für andere Dinge. Aber es ist nicht sicher, dass wir diese Zeit je finden. Andereseits geniesse ich die freien Stunden viel mehr, wenn ich zuerst eine lästige Arbeit hinter mich gebracht habe. Dann erst werden sie richtig wertvoll. Aber auch das ist wohl angelernt. Man glaubt, man muss die Freizeit verdient haben. Wenn nicht jagt einen das schlechte Gewissen. Ich glaube, das ist das Problem in unserer westlichen Welt. Wir haben ein bisschen vergessen zu leben.

Du schreibst schön über die Zeit. Ach, ..., wenn du wüsstest was du damit anstellst..

Ich habe entdeckt, dass ich wieder die webcam von L sehen kann. Zwar ist die Ansicht jetzt nicht mehr so schön wie früher. Man sieht alles mehr aus der Ferne. Aber für die Leute ist es wohl angenehm nicht von allen gesehen und erkannt werden zu können. War das Deutsch?

Sag, kann man vielleicht sogar dein Fenster sehen auf dieser Webcam? Oder wie liegt dein Büro im Verhältnis zu dem Bild? Ich freue mich mit dir auf die freien Tage. 14 Tage sogar.. das klingt wie der reine Luxus.

So sende ich dir diesen kleinen Abendgruss ab.
Mit lieben Gs und Ks,
Deine Malou

Donnerstag, 9. Mai 2024

ein Nachtigallen-Open



 ... das macht es hat die Nachtigall die ganze nacht gesungen ... (Theodor Storm)
Datum: den 9 maj  17:13

Liebe Marlena
Heute ist Auffahrt. Das wird bei Euch nicht anders sein als bei uns.
Eigentlich ein Feiertag. Da kommt mir in den Sinn, dass auch Mohammed aufgefahren ist, und zwar von Jerusalem, von der berühmten Moschee mit der goldenen Kuppel. Und er sei geradewegs in den 7. Himmel gefahren, der Glückliche. Kürzlich habe ich gelesen, dass er dort oben die Hand von Ali gesehen habe, die Hand also seines Schwiegersohnes, wenn ich richtig orientiert bin. Was sonst noch geschehen ist, weiss ich nicht mehr. Er hatte dort wohl mit Gabriel geschäftlich zu tun. Und er habe Allah Auge in Auge gegenüber gestanden! Immerhin, der Kerl!

So sitze ich heute im Büro und versuche, einige Bücher zu rezensieren. Ich habe gestern 53 Stück aus der Bibliothek mitgenommen. Es muss eine Affekthandlung gewesen sein. Und jetzt steht dieser hohe Turm vor mir im Büro auf dem Pult und sieht aus, als ob ich hoffnungslos mit Arbeit überschüttet sei. Na ja, bin ich ja auch. Ich liebe diesen gewissen Eindruck der Unordentlichkeit inmitten der Bücher. Habe ich Dir mal erzählt, wie Piagets Büro in den letzten Jahren ausgesehen hat. Ich glaube ich habe das. Es war ein Schock, mitanzusehen, wie er im Papier ersoffen ist. Aber offensichtlich fühlte sich das alte Männchen dort heimisch.
Normalerweise nehme ich mir Bücher zuerst vor, die mich besonders ansprechen. Das sind originellere Bilderbücher, oder Sachbücher über ein Thema, was mich besonders interessiert. Dieses mal habe ich zwei Taschenbücher über Vögel. Beide finde ich exzellent. Das eine behandelt 80 verschiedene Singvogel-Arten in unseren Gegenden. Alle sind beschrieben und werden auf einem klaren und scharfen Farbfoto porträtiert. Und auf einer CD kann man sich ihren Gesang, die Rufe und Wanrrufe anhören. Seit Jahren versuche ich mir in Erinnerung zu rufen, wie damals in meiner Jugend die Nachtigall geklungen hat. Meine Oma hatte reklamiert, dass sie nicht schlafen könne, so laut und intensiv muss der Klang gewesen sein. Und ich hatte sie kaum gehört. Jetzt habe ich hier ein Tonbeispiel, und ich muss sagen, ja, genau so war es. Es erinnert mich an warme Sommernächte, vielleicht mit Vollmond, da ich mit den Kollegen noch beim Gartentor weiter diskutierte. Die Erinnerung vermischt die Stille der Nacht, die leicht alkoholisierte Stimmung, der laue Geruch der Luft, die Sorglosigkeit angesichts des Wochenendes und dieses wunderbare Schlagen der Nachtigall zu einem Gesamtkunstwerk. Ich weiss auch noch, wo im Garten sie meist war. Wir hatten eine Reihe von Apfelbäumen, die das Steinweglein säumten. Und dort muss sie gewesen sein. Sie kann nicht hoch auf dem Baum gewesen sein, >sondern ungefähr auf meiner Ohrenhöhe. Offenbar baut sie ihr Nest meist am Fuss eines Strauches, also eher tief. Die Nahrung besteht aus Insekten und anderen Kleintieren und wird auch überwiegend am Boden gesucht. Im Herbst nimmt sie auch Beeren und Samen. Sie lebt nicht überall in Mitteleuropa, aber gerne in Gärten und Parks sommerwarmer und trockener Gebiete. 
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Jetzt lass ich die Vögel noch etwas zwitschern im CD-Player, und dann muss ich heim. Der Hunger meldet sich langsam.

Einen schönen Feiertag wünsche ich Euch
Gruss
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ABB - ein schwedisch-schweizerischer Tango

 

Liebe Marlena
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Na ja, vielleicht waren es nicht nur die Schweden, die unsere gute alte ABB zugrunde geritten haben. Aber gestern Abend habe ich doch bei Onkelchen eine ganze Zeitungsseite voller Infos über dieses Unternehmen gefunden. Du musst wissen, dass Lenzburg im gleichen Kanton liegt wie Baden, wo die ABB stationiert ist. Und natürlich nehmen die dortigen Regionalzeitungen regen Anteil am Schicksal dieses Unternehmens. Wenn man also die letzten Jahre überblückt, so waren es nur unaussprechlich schwedische Namen, die dieses Unternehmen geführt hatten und einige davon zum Schluss noch Millionen in 3-stelliger Höhe sozusagen als Pension mitgenommen haben. Ich kenne die Geschichte ja nicht so genau. Vielleicht haben sie die Schweizer bloss nicht genannt. In der Zeitung war nur einer genannt, nämlich Leutwiler, der offenbar damals die Fusion mit dem schwedischen Unternehmen initiiert hatte. Es war nun ja auch eine Regionalzeitung, und es ist sehr gut möglich, dass diese Perspektive nicht sehr objektiv, oder sagen wir gelassen war. Trotzdem musst Du mir erklären, was ein Kohlsäufer ist. Das scheint ja doch ein sehr hässliches Wort zu sein.

Aber ich hoffe, dass dieser schwedisch-schweizerische Tango in Zukunft etwas Musik und Rhythmus bekommen wird und aufwärts geht. Dass ich an meinem Geburtstag diese Aktien gekauft habe, berechtigt noch nicht, mich zu den Kapitalisten zu zählen, wo ich doch für die ABB eher einen äusserst barmherzigen Samariter darstelle. Ich bin im Grunde ein wohltätiger Idealist, was als soviel wie ein Antipode des Kapitalisten betrachtet werden sollte. Aber nun können wir ja gemeinsam auf die Himmelfahrt unserer Aktien warten. Ich habe dabei nicht so viel riskiert, während Du wohl schon einiges Geld verloren hast. Ich hoffe nicht, dass Du deswegen gleich Deine gesamten Pensionspläne in Südamerika aufgeben musst ;--)) Vielleicht kann ich Dir dann etwas aushelfen? Ich werde Dir jeden morgen um halb zehn einen kurzen Kaffee in der Dorfpinte am Rio Plata spendieren. Wenn man alt ist, geht nichts über einen regelmässigen Morgenkaffee mit viel warmer Milch, der zwar heiss, aber nicht zu früh in den Morgenstunden serviert werden sollte. Und wenn dazu noch etwas Tangomusik erklingt, umso besser.

...

Montag, 6. Mai 2024

Weil du nicht da bist ...

 



Weil du nicht da bist, sitze ich und schreibe
All meine Einsamkeit auf dies Papier.
Ein Fliederzweig schlägt an die Fensterscheibe.
Die Maiennacht ruft laut. Doch nicht nach mir.

Weil du nicht da bist, ist der Bäume Blühen,
Der Rosen Duft vergebliches Bemühen,
Der Nachtigallen Liebesmelodie
Nur in Musik gesetzte Ironie

Weil du nicht da bist, flücht ich mich ins Dunkel.
Aus fremden Augen starrt die Stadt mich an
Mit grellem Licht und lärmendem Gefunkel,
Dem ich nicht folgen, nicht entgehen kann

Hier unterm Dach sitz ich beim Lampenschimmer,
Den Herbst im Herzen, Winter im Gemüt.
November singt in mir sein graues Lied.
 »Weil du nicht da bist« flüstert es im Zimmer.

»Weil du nicht da bist« rufen Wand und Schränke,
Verstaubte Noten über dem Klavier.
 Und wenn ich endlich nicht mehr an dich denke,
 Die Dinge um mich reden nur von dir.

Weil du nicht da bist, blättre ich in Briefen
Und weck vergilbte Träume, die schon schliefen.
Mein Lachen, Liebster, ist dir nachgereist.
Weil du nicht da bist, ist mein Herz verwaist.


Mascha Kaléko








Donnerstag, 2. Mai 2024

Frage

 



Inschrift

Sag
in was
schneide ich
deinen Namen?

 
In den Himmel?
Der ist zu hoch

In die Wolken?
Die sind zu flüchtig

In den Baum
der gefällt und verbrannt wird?

Ins Wasser
das alles fortschwemmt?

In die Erde
die man zertritt
und in der nur
die Toten liegen?


Sag
in was
schneide ich
deinen Namen?

In mich
und in mich
und immer tiefer
in mich



Erich Fried