Dienstag, 23. Januar 2024

Klarissimo

(R)


Liebe Malou
Ja, das klingt gut. Würde ich vielleicht auch lesen. Aber ich glaube nicht, dass ich je ein ganzes Buch in Englisch gelesen habe. Irgendwie würde ich mich dort nicht ganz heimisch fühlen. Aber es ist gut. Ich erinnere mich dabei an mein Onkelchen und die Dinge, die er erzählt hat. Allein die Tatsache, dass es damals ganz eine andere Welt war, allein diese Tatsache macht einen solchen Roman spannend. Wir können uns die Zeit nicht vorstellen. Ich habe eine Erinnerung aus der Zeit, als ich noch nicht zur Schule ging. Wir waren in Zürich und sassen beim Bahnhofplatz auf einer Terrasse. Man sah hinunter auf den riesigen Platz. Es gab einige wenige Tramschienen, vielleicht das Denkmal von Escher, daran erinnere ich mich nicht mehr. Und sonst war der Platz einfach leeeeeeeeeeeeeeeeeeer. Einfach absolut leer, vielleicht einige wenige Personen, Männer mit einem Hut. Frauen mit knöchellangen Röcken.

Ja, vielleicht ist schreiben einfach aus diesem Grunde gut: gegen die Zeit zu schreiben, erzählen, wie es war. Gegen diesen schleichenden Untergang anschreiben, den alles erfasst und der alles mit sich reisst. Ich werde traurig und wütend gleichzeitig, wenn ich davon rede. Du nicht, Malou? Wie das Leben vergeht, ist doch einfach ungeheuerlich, ungerecht, absolut brutal!!! All die Verstorbenen und Vergessenen, stell dir vor, wo sie sind! Es macht mich wahnsinnig, wenn ich daran denke.
Und jetzt trinke ich einen latte macchiato. Das ist die einzige Art von Kaffee, die man mit dem Suppenlöffel einnehmen kann, pflege ich scherzhaft zu sagen. Wenn du zu mir zu Besuch kommst, Malou, dann serviere ich dir einen solchen Latte. Ob du magst oder nicht, ich werde ihn dir an der Bar vor meiner Küche servieren. Die Bar ist ein Schrank, der früher in einer Zahnarztpraxis gestanden haben muss. Er passt blendend in meine 2-Zimmer-Klause. Nur darf man sich nicht zusehr betrinken. Wenn man sich an dieses Möbel lehnt, dann fährt es davon !! Ich werde dir dann ein Foto schicken, Malou, wenn es soweit ist. Das mache ich bestimmt. Ich habe vom Mann der Zügelfirma gehört, dass im Café gegenüber riesengrosse Sandwiches serviert werden. Die seien weitherum bekannt. Seine Männer gehen immer wieder dorthin, weil sie doch beim Zügeln einen respektablen Hunger entwickeln. Ist das nicht eine wundervolle Gegend? Und heute habe ich einen weiteren Band gefunden über die Primaten und Halbaffen. Diese Literatur brauche ich unbedingt in meiner Nähe, wenn ich dann einen Steinwurf vom Affenhaus entfernt wohne. Ich glaube, ich werde regelmässig zu den Affen gehen. Die Tiere haben mich schon immer fasziniert.
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Liebe Grüsse und Küsse und Qs
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Donnerstag, 18. Januar 2024

Sayyeds und Hadschis

den 22 januari  08:37

 
Liebe Malou


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Gestern habe ich richtig gefaulenzt abends. Ich habe erst mal Kaffee und Kuchen genossen, wie das nur die Deutschen können. Ich fühlte mich ziemlich voll zum Schluss. Und dann habe ich eine gute Stunde geschlummert. Ich hatte in der vorigen Nacht etwas wenig Schlaf gehabt. Ich war um 3.30h aufgewacht und bin dann nicht mehr eingenickt bis es fünf geschlagen hat. So entschloss ich mich, etwas ins Büro zu fahren. Auf unserem Chesterfield Sofa schläft es sich ganz wunderbar. Im Winter ist es gut, sich dabei unter einer Wolldecke zu verkriechen. Man muss dann ungefähr so liegen, wie die drei gerechten Kammmacher in Gottfried Kellers Novelle: so steif und unbeweglich wie möglich. Aber es geht gut. Und daneben sehe ich im Fernseher, was läuft auf dieser Welt. ich hatte dazu einige Berichte vom WEF in Davos angeschaut. Chatami weilt gerade dort, und seine elegante Sprache kommt mir irgendwie bekannt vor, auch wenn ich nichts verstehe. Er ist ein Sayyed, wenn Du weißt, was das ist? Die Sayyeds betrachten sich als Nachkommen Mohammeds. Und wenn ich die Moslems richtig kenne, so werden sie auch genau definiert haben, unter welchen verwandtschaftlichen Bedingungen man noch zur weiteren Familie Mohammeds gehört und wann nicht mehr. Sie kleiden sich gerne grün, die Sayyeds, mit der heiligen Farbe und ich glaube, sie fühlen sich irgendwie als bessere Menschen. Komisch, nicht wahr? Es ist ähnlich wie die Hadschis, das heisst die Leute, die ihre Hadsch nach Mekka, die man einmal im Leben machen soll, gemacht haben. Die Hadschis fühlen sich wirklich als bessere Menschen. Darin liegt aber nicht nur Überheblichkeit. Sie denken auch, dass sie den anderen, vor allem den jüngeren Menschen im Leben ein Vorbild sein sollten. Früher haben Hadschi Frauen wieder konsequenter ihre Kopfbedeckung verwendet. Irgendwie wollten sie ja doch ihrer Umgebung zeigen, dass sie dem Himmel etwas näher stehen. Heute müssen sie  ohnehin jederzeit in der Öffentlichkeit ihre Bedeckung tragen. Also beweisen sie auf andere Weise, dass sie Hadschis sind: sie schenken mehr Almosen, sie nehmen das Leben kontemplativer und so weiter. Mit dem Hadschi-Titel kann man darum ganz nett spielen. Wenn man im Bazar etwas zu kaufen trachtet und den Verkäufer milde stimmen will, dann nennt man ihn am besten Hadschi. Das verpflichtet ihn, mildtätig und ehrlich zu sein, und er wird dich nicht durch einen zu hohen Preis bedrängen. Jemand Hadschi zu nennen, meint, bei ihm eine gottesfürchtige, menschenfreundliche und ehrliche Haltung vorauszusetzen. Du siehst, mit solchen Subtilitäten arbeiten die Perser tagaus tagein. Na ja, es gibt vielleicht in jeder Kultur solche Finessen. Und sie machen natürlich für einen Fremden den grossen Reiz aus.

Ich schicke dies mal ab. Wer weiss, wann die nächste freie Minute kommt?
Ich wünsche Dir einen wunderschönen eiskalten Januartag.

Mit lieben Grüssen





Nochmals Himmel

 

Nochmals Himmel

Liebe Malou
ja, mein letztes Mail hat mir die Idee geöffnet, dass man eigentlich eine empirische Studie machen könnte, wie sich die Menschen den Himmel vorstellen. Das wäre sozusagen eine Erforschung des Himmels. Und ich bin überzeugt, es gibt italienische Himmel, französische Himmel, deutsche Himmel und vielleicht sogar Schweizer Himmel. Bei uns hätte es Geranien vor den Fenstern! Und im Menueplan überdurchschnittlich viele Käsespeisen. Das wäre eine lustige Untersuchung für eine Doktorarbeit.
Liebe Grüsse


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Montag, 15. Januar 2024

Subject: Cézanne

 


Date: Fri, 25 Aug 

Liebe Marlena
Gestern hatte ich also nach langer Zeit wieder einmal eine Zusammenkunft mit W und er hat mir als Geschenk einen Katalog von der grossen Zürcher Ausstellung über Cézanne gebracht. Das war eine nette Überraschung. Ich habe dann mit Schrecken festgestellt, dass die Ausstellung schon vorbei ist, obwohl ich sie doch bei Gelegenheit noch ansehen wollte. Es habe offenbar sehr viele Leute gehabt. Vor allem dann wieder in der Schlussphase. Und das mag ich eigentlich nicht. Ich hasse es, wenn man die Bilder nicht in Ruhe anschauen kann, weil sich soviele Leute davor herumdrängen. So schaue ich mir nun eben die Bilder im Katalog an.
Cézanne nennt man den "Vater der Moderne". Er hat wunderbare Bilder gemacht. Sie sind aber nicht mehr eigentlich impressionistisch. Er hat starke konstruktive Elemente. So sagt man von ihm, dass er den Kubismus vorbereitet habe. Und vor allem hat er an der Auflösung der Perspektive gearbeitet (zwei Bemühungen, die sich letztlich vielleicht als eine einzige herausstellen). Seine Stilleben sind wunderbar. Es gibt dort so frische Wassermelonen, wie man sie in Persien zu essen bekommt. Cézanne war ja wirklich ein bisschen eine merkwürdige Gestalt. Rilke hat sich viel mit ihm auseinandergesetzt und auch über ihn geschrieben. Zola war ein Freund von ihm. Zusammen sind sie in Aix en Provence aufgewachsen und haben in der Umgebung der Stadt ihre Jugendabenteuer verlebt. Sie haben sich später auseinandergelebt, weil Zola ein berühmter Schriftsteller geworden war, der sich mit der Dreyfuss-Affäre und seinem j'accuse einen grossen Namen als kritischer Schriftsteller gemacht hatte. Und Cézanne war schliesslich wieder aus Paris nach Aix geflohen und hatte damals noch kaum Erfolg. Zola hat in einem Roman (ich glaube, er heist l'artiste) Cézannes Leben und künstlerischen Bemühungen beschrieben, und ihn damit beleidigt. Ich glaube, sie haben später kaum mehr miteinander Kontakt gehabt.
In diesem Bund hatte es noch einen dritten Jungen aus Aix en Provence gegeben. Er ist schliesslich auch Maler geworden. Aber ich weiss nicht mehr, wie er heisst.
Ich bin mal in Aix en Provence gewesen und habe auch Cézannes Atelier besucht. Aix ist eine wunderbare, eine lichte und südliche Stadt. Der Cours Mirabeau, die Hauptstrasse ist eine breite, von grossen Bäumen (sind es Platanen?) gesäumte Strasse, die in der südlichen Hitze einen angenehmen Sonnenschirm bilden. Und wenn das Licht durch die Blätter hereinfällt, dann leuchtet dieses Dach, das die ganze Strasse überdeckt, in wunderbaren golden grünen Farben. Entlang dem Cours hat es elegante bürgerliche Läden und viele Restaurants. Ich erinnere mich an ein grosses Lokal eher am Ende des Cours, das ganz mit Spiegeln ausstaffiert war. Man konnte also, wie auch immer, in irgend einer Ecke sitzen und doch beobachten, wer auf dem Gehsteig draussen vorbeiging. Ich glaube nicht, dass man dort seine Geliebte verpassen konnte. Aber die meisten Leute sassen natürlich gleich draussen auf dem Gehsteig, und schauten nicht bloss der Geliebten, sondern auch noch allen anderen hübschen Frauen nach. Und die Kellner trugen lange weisse Schürzen bis zum Boden, wie man sie in Frankreich so oft sieht. Es war wirklich eine sehr gute und angeneme Atmosphäre.
Und dann gingen wir auch hinauf zum Atelier Cézannes. Das lag ein wenig ausserhalb, vor der Stadt, und man musste einen Weg hinaufsteigen. Dort oben stand ein einsames, zweistöckiges Haus in einem etwas wild verwachsenen Garten. Offenbar hatte man alles belassen, wie Cézanne es zurückgelassen hatte. Das behauptete man wenigstens, obwohl das ja immer mehr ein Mythos als eine wirkliche Tatsache ist. Es gab also die Staffelei, die Farben, ich erinnere mit an einen Totenschädel. Gab es nicht noch einen Apfel oder so? Aber das Atelier hat mir gut gefallen mit seinen hohen Fenstern und dem Zugang zum Garten.
Cézanne war nicht arm gewesen. Sein Vater war vom Hutmacher zu einem ziemlich erfolgreichen und gutsituierten Bankier geworden, der sich dann den Jas de Bouffon, ein stattliches Landhaus, gekauft hat. Aber offenbar war er auch recht autoritär. Auf jeden Fall hatte Cézanne seinem Vater über mehrere Jahre verschwiegen, dass er eine Geliebte und sogar einen Sohn hatte. Eine zeitlang hatte er die beiden in Marseille untergebracht.
Kurz und gut, es war eine ziemlich komplizierte Familie, und Cézanne war ein Hitzkopf und konnte sich über irgendwelche Dinge ereifern, so dass er wohl schwer auszuhalten war. Man kann es auf Fotos sehen, dass er recht aufbrausend gewesen sein muss. Vor allem im Alter hatte er einen glühenden Blick und deutliche Adern in den Schläfen. So hat er dann über eine lange Zeit allein mit seiner Haushälterin in diesem kleinen Häuschen ausserhalb von Aix gelebt.
Schade, dass ich in meiner Stube nicht einen Cézanne hängen habe. Ich wäre heute ziemlich reich damit. Ich mag seine Farben, die sind mir irgendwie verwandt. Sie haben eine Tendenz ins Blau-Grüne. Aber seine frühesten Bilder sind sehr gewalttätig und erotisch. Er hat da wohl einige seiner eigenen Komplexe ausgelebt. Die Bilder waren sehr pubertär. Und dann malte er viele Varianten von kämpfenden Figuren, den Geschlechterkampf, oder später die Badenden, in der Suche nach einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Abbild und Komposition. Und schliesslich hat der ja seinen Mont Ste. Victoire (so heisst er doch, oder?) immer wieder gemalt. Er war ein ziemlich besessener Maler. Heute würde man ihn wohl für einen Spinner nehmen.
Und diesen armen Kerl habe ich jetzt einfach vergessen. Es gab schon vor Jahren eine Ausstellung über Cézanne, die Badenden. Auch jene hatte ich nicht gesehen. Ich glaube, ich muss mir wirklich den Katalog eingehend anschauen.
*
Ja Marlena, auch bei uns ist es strahlend schön und keine Wolke sieht man am Himmel. Aber ich fühle mich irgendwie krank, es scheint, irgend etwas ist im Anzug. Ich werde wohl heute etwas früher schlafen gehen als üblicherweise. Es ist wunderbar, einen solchen warmen Spätsommer zu haben. Aber, wenn ich den Leuten hier zuhöre, so meinen sie, der Sommer hätte wirklich einiges wieder gut zu machen. Ich kann das von mir nicht behaupten. Ich habe diesen Sommer soviel Sonne mitbekommen wie lange nicht mehr. Ob diese Reserve durch den Winter hinhalten wird, so wie es das Kinderbuch "Frédéric" erzählt?
Es ist schön, wenn Du Französisch schreibst. Es ist toll, wenn man zwei Sprachen so perfekt beherrscht, wie Du das tust. Darüber kannst Du stolz sein. Und wenn Du es nicht bist, dann bin ich es für Dich. Und jetzt kommt noch Italienisch dazu. Das nennt sich polyglott.
Mit einem schönen Kuss (französisch und fast rezeptpflichtig!!)



Samstag, 13. Januar 2024

Re: Sempé und Stendhal ... plus Francis Grand Clément

 

Ämne: Do? Frei?
Datum: den 23 augusti  00:05

Lieber ...,
Wieder einmal spät, leider. Denn je später der Abend desto müder der Kopf.. Ich beneide dich um die Kunst eine Weile schlafen zu können und dann wieder munter zu sein. Wenn ich mich am Tag schlafen lege dann kann ich nicht sofort wieder aufwachen und wenn ich es schliesslich tue dann habe ich nur einen Wunsch, nämlich sofort wieder weiterzuschlafen.
Anna hat die vorige Nacht nur eine Stunde geschlafen, zwischen 5.00 und 6.00 Uhr. Aber sie darf ja nicht den Unterricht verpassen und so hat sie auch heute den ganzen Tag fleissig gearbeitet. Zuviel Kaffee und zu viel Mathematik spät am Abend gab sie die Schuld. Und sie meint sie wäre in den zwei letzten Tagen richtig abgemagert - hätte nun die reinste Wespentaille. Nun ja, das hat sie sich ja immer schon gewünscht aber ich bin doch etwas unruhig dass sie mir bald verschwindet. So habe ich heute Wildfleisch gebraten (Hirsch, Elch und Renntier soll es sein) und die Hälfte davon eingefroren für sie. So braucht sie nicht jeden Tag Zeit fürs Kochen zu verschwenden. Ich sehe ein dass das Wort nicht richtig hierher passt.
Als ich einkaufen war sass wieder einmal Anna G., eine meiner Schülerinnen, die im Juni das Abitur gemacht hat, in der Kasse. Und ich meinte "Was, du sitzt immer noch hier?" und sie sagte dass es nur zufällig sei. Sie hat schon an der Uni begonnen - und studiert - Französisch. Das hat mich wirklich gefreut und ich habe gedacht dass ich schon viele Studenten an die Uni geliefert habe. Und dann lachte sie und sagte dass sie jetzt den "Petit Prince" lesen. Über den hatten wir uns in einer Stunde am Ende gut unterhalten.
Der Mond schaut  zum Fenster herein. Diesmal leuchtet er intensiv, aber nicht mehr rot wie gestern.
Es war wieder ein ganz heisser Tag und ältere Herren laufen in kurzen Hosen herum. Das habe ich wirklich noch nie erlebt zu dieser Jahreszeit. Sogar oben in Kalix wo 12 Grad um diese Zeit wohl normal wäre, haben sie bis zu 25 Grad warm. Schade dass ich das nicht erleben kann.

Das Unvereinbare sind "épicurien" und gleichzeitig "passionné". Beide suchen Genuss, aber der frühere hat als Ziel stille Zufriedenheit, der andere zermürbende Leidenschaft. Was denkst du davon? Aber ich glaube du kennst dich auf diesem Gebiet besser aus als ich ;-)  Stendhal hat auch ein Buch
über die Liebe geschrieben wo er sie wissenschaftlich untersucht fast wie ein Mathematiker. Vier Sorten von Liebe unterscheidet er. Und die Geburt der Liebe umfasst sieben Phasen: die wichtigste ist die "cristallisation", ein wahres psychologisches Gesetz von S. entdeckt. "on pare l'objet aimé de mille perfections.." Hat nicht Schwanitz genau das beschrieben? Vielleicht ist sein Buch sogar von Stendahls "De l´Amour" (1822) beeinflusst. Und ich denke ich bin in dieser ersten Phase hängengeblieben.. ;-)
Ich habe auch nachgeschaut was in unserem alten Lexikon (vom Beginn des vorigen Jahrhunderts) über Stendhal geschrieben steht und dort wird er als einer der bedeutendsten Psychologen seiner Zeit bezeichnet. Nein, nach Rom ist er nicht gekommen, aber wohl in die Nähe von Rom. Und er hat auch ein Buch über Rom geschrieben. Glaubst du man kann diese alten Bücher in der Bibliothek aufstöbern? Er schreibt keine leichte Sprache, aber sehr intelligent kommt er mir vor. Wenn du hier wärest würde ich dir vorlesen was über ihn steht. Ich danke dir dass du mich wieder auf ihn aufmerksam gemacht hast.

Ich liebe die Zeichnungen von Sempé. Man freut sich wenn man sie anschaut. Auch auf dem einen Bild im Lehrbuch siehst du wie das Auto widerspenstig dagegenhält. Aber warum willst du erst in dem nächsten Leben zeichnen? In diesem Leben solltest du versuchen deine Träume zu verwirklichen.
Du sprichst etwas verringernd über Lehrbücher und natürlich hast du Recht. Aber dieser Verfasser, Francis Grand Clément, war ein besonderer Mensch. Ein wenig wie du, intelligent und humoristisch und warum sollte er in seinem Buch den Schülern das Beste vorenthalten? Sicher war er mit allen Grössen in Frankreich bekannt und sie liessen ihn ihr Material verwenden. Weisst du, sogar die Schüler, die grosse Probleme mit dem Sprachenlernen hatten liebten das Fach Französisch, eben weil das Lehrbuch so genial war. Oder meinst du mein jugendlicher Charme hätte das bewirkt?? ;-)

Oh, so spät schon! Ich muss ins Bett. Sende dir noch einen lieben Gruss und küsse dich Gute Nacht.
Marlena






Donnerstag, 11. Januar 2024

Re: eine Kopie ...

Halo liebe Malou

ich staune, welch lange, detaillierte und hübsche Briefe du nach Rom schickst. Diejenigen, die in Basel anflattern, sind bloss halb so lang. Nicht einmal!

Ja, dein Englisch ist sorgfältig und schön Malou. Und deine kleinen sprachlichen Bilder, die du brauchst, gefallen mir. Ich weiss, was du meinst, wenn du sagst, du möchtest mir manchmal gewisse Dinge in Schwedisch beschreiben. Vielleicht wäre es für dich einfacher auch bei mir, in Englisch zu brauchen? Aber du hast jetzt dein Deutsch in den letzten 7 Jahren so sehr poliert und gepflegt, dass das auch so sehr ok ist.

Ja, die 'amerikanisierten' Schweden. Und USA auf Platz zwei. Das ist eine gute Pointe, und ich musste laut lachen am Morgen früh schon. Ich erinnere mich dabei an ein Cartoon von Sempé. Da sieht man einen typischen Pariser: rundlich, mit einer kleinen französischen Dogge, hässlich, wie man sie wirklich nur in Paris sieht, eine typische französische Zeitung unter dem Arm, vor einem typischen französischen Lokal, wo er gleich seinen Apéritiv trinken geht, mit der typisch französischen Atmosphäre in den Strassen rundum. Plaudernd klagt er seinem Kollegen, der dabeisteht: "wir veramerikanisieren uns zusehends!" Und für unsere Augen ist es absolut typisch Paris, oder sagen wir französisch.

Deine italienische Freundin hat  mit Lodoletta einen hübschen Namen. Habe ich nie gehört, und ich frage mich, wie er denn heissen würde, wenn man ihn ins Deutsche übersetzen würde. Weisst du es, ob es ein deutsches Aequivalent gäbe?

 ...

Re:

Ja, mein Brief an die Römer war lang ... Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich ihre Mails lange nicht ordentlich beantwortet hatte. Zu sagen: "Thanks for your interesting mail" und dann überhaupt nicht den Inhalt irgendwie berühren ist ja nahezu eine Beleidigung.

Ich finde auch dass der Name Lodoletta schön klingt, aber die arme Frau hat sich ihr Leben lang wegen dieses Namens geschämt. Er bedeutet "kleine Lerche". Zum Glück ist Lo keine von den üblichen italienischen Matronen, was doch etwas lustig wirken könnte bei dem Namen.

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eine Kopie meiner Bemühungen


Lieber ... ,

Heute Morgen habe ich mich mit der Englischen Sprache herumgeplagt. Die Grammatik beherrsche ich so eingermassen aber diese Sprache ist ja viel mehr als so. Es war mein Lieblingsfach im Gymnasium und eigentlich hätte ich es dann an der Uni studieren wollen.. aber Frankreich kam dazwischen. :-)

Ich schicke dir eine Kopie von meinen Bemühungen, damit dir nichts von meinem "inhaltreichen"  Alltag  entgeht. ;-))

 ***


Dear Lou,
I have read your letter again, this time carefully using my wordbook and I realize that your operation must have been a very tough experience. I once had a little operation made with only  local anaesthesia and the worst thing about it was that I could hear the comments of the physicians, when they discovered that the case was not as easy as they had assumed. The feeling that they were insecure was frightening.

Yesterday you went to a control again and I hope that now everything is as it should be. Have you been able to take care of the girls lately, or have you been forced to stay home all this time? And Aki? Are you allowed to "lo prendere in braccio" again. Poor little fellow.


Aki

Sometimes I waken at five o'clock in the morning, and then my first thought always is: "Now Lou gets up". I myself realize that I have to change my diurnal rhythm. I go to bed much too late, often after midnight, and then of course I sleep until 9 o'clock in the morning (sometimes later).  But you see, very often the most interesting TV-programs are late in the evening. Sometimes I just see the beginning of them and then I record the rest on video.

This week I have recorded 3 documentaries. One about Gorbatjov (a man I always have admired) one about Botswana guided by Alexander Mc Call Smith who is showing places and people who have inspired him to his "Ladies' Detective Agency" and the third one was about Doris Lessing (Nobel price winner in literature) and her life. Today there will be a new episode of "Solens mat" which I have told you about, and I look forward to see it.
"Bo Hagström, a Swedish journalist,  is travelling through unknown Italian villages, from Campania in the south to Piemonte in the North, looking for the "unknown heroines of the kitchen", women of different ages and with different social backgrounds - but all with a burning passion for good food".

But still more interesting than the food are the people who live in that beautiful landscape. And all is accompanied by beautiful Italiansongs which remind me of my youth when Italy was the country of my dreams.
Of course I can understand that you are suffering from all the changes. Especially in a city like Rome life must have changed strikingly (con forza). But the old buildings remain and still give fuel to our imagination.

Sweden really is a very Americanized country. (The most Americanized country in the world. On the second place comes the USA ;-) We always know what is going on "over there", but we seldom hear things about Europe. But now there is a little program called "Zapp Europa", unfortunately only 30 minutes, which brings us reports from different TV-stations on our own continent. And last week I could see what happened in Rome after the murder recently.

If you still believe that we have a beautiful winter landscape here, I must disappoint you. When I look out of the window now, I almost get the impression that spring has come.
Today we have +8° . The only difference is that the days are very short now. You can take a look at our web cam to see it.


Well, I've written enough for this time.. maybe even too much. Also for me it is a useful exercise of the English language.

I wish you a wonderful time and please give my kind regards also to N.

Love
Marlena