Dienstag, 19. Dezember 2023

Re: An apple a day...

 


Ämne: Regentropfen..
Datum: den 21 november  11:24

Liebster Mausfreund,

Leider ist die Sonne hier sofort wieder verschwunden. Heute ist grau und regnerisch. Hundewetter. Warum nennt man es so? Kein Hund will in diesem Wetter vor die Tür.
Schön, dass ich gestern nichts verpasst habe. Ich meine bei eurem Weekly. Finde es süss, dass euch Lili ihre Spielsachen bringt. Warum eigentlich muss dieser fremde Mann ihr Herrchen stehlen? Das erinnert mich, als ich in Frankreich mal von einem "petit ami" zu Hause abgeholt wurde. Die kleinen Mädchen brachten schnell alle ihre Spielsachen hervor um sie ihm zu zeigen. Und als wir gingen erklärte die kleine Susie: "Quand je serai une grande fille, moi aussi, je veux "geh mit" avec les grands messieurs." Sie versuchte ein wenig deutsch einzumischen, damit ich es besser verstehen sollte. ;-)
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Ja, vielleicht können wir etwas lernen von der älteren Generation. Klug dein Onkelchen! Übrigens mag ich die Äpfel genau so wie du. Sie dürfen absolut nicht "mehlig" sein und sollen auch eine frische Säure haben. "James Grive" ist meine Lieblingssorte, die ich bei uns im Garten pflücken kann, aber leider kann man sie nicht längere Zeit aufbewaren. So kaufe ich mir jetzt "Jona Gold". Die wären auch nach deinem Geschmack.

Diese "Stendhals Syndrom" ist zum ersten mal im Jahre 1982 medizinisch diagnostiziert worden. Der Namen kommt von Stendhal, der ähnliche Dinge beschrieben hat, die er 1817 während seines Besuches in Florens erlebt hat. Die Krankheit wird vom Betrachten der Kunstwerke in Florens ausgelöst. Eine psychische Unbalanze. Jeden Monat wird dort ein Patient mit diesen Symptomen in die Psychiatrische Klinik eingewiesen.
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Ach, du willst eine Nachtigall in deinen Garten locken? Das ist aber eine lustige Idee. Dort wo K wohnt, gibt es in der Nähe seines Hauses einen kleinen Hügel mit Bäumen und Büschen und wenn er im Frühjahr bei offenem Fenster schläft, (oder versucht zu schlafen) hält ihn die Nachtigall wach mit ihren scharfen durchdringenden Tönen. Ich habe die Nachtigall gehört und gesehen im Schilf am Meer, als ich in Estland war. Es ist etwas besonderes, die Nachtigall zu hören. Das gebe ich zu.

Der Film gestern handelte nur von Bob Kennedy. Ich glaube ich muss die erste Sendung über John F. K verpasst haben. Also hatte ich grosse Möglichkeit deinen Doppelgänger zu studieren. Ja, ihr seid euch ähnlich. Aber ob auch in Grösse, Figur und Bewegungen, das weiss ich leider nicht.

Ich muss zurück an die Arbeit. Wünsche dir einen schönen Tag,
mit lieben Grüssen,
Malou

Montag, 18. Dezember 2023

Re: Ja, der Apfel

  (...)

Ja, der Apfel! Ich glaube, Jona Gold kenne ich auch. Aber ich bin nicht so bewandert in Apfelfragen. Sie sind ja eigentlich Rosenblütler, botanisch gesehen, nicht wahr? Sie sind - mit anderen Worten - von einer sympathischen und guten Familie. Ich habe kürzlich einen Artikel überflogen, der besagt, dass es in der Schweiz noch 400 Apfelsorten gibt. Man versucht, ihre Gene zu sammeln und aufzubewahren. In den Läden findet man dann aber bloss mehr 5 oder 6 verschiedene Sorten. Aber, das muss man zugeben, meist schauen sie ziemlich schön und gross und appetitlich aus. Und die modernen Menschen essen sie ja bekanntlich mit den Augen.

Ich habe ein paar lustige Assoziationen zum Apfel, mal abgesehen von demjenigen Evas. Ich vermute, es muss auch ein James Grive gewesen sein, den unser Evchen damals ihrem Adam unter die Nase gehalten hat. Ich denke nicht, dass sie ihn mit einer Zwetschge herumgekriegt hätte … Höchstens mich. Aber eine Zwetschge kann man auch nicht auf diese Art abbeissen. 



Das Mac Symbol des abgebissenen Apfels ist perfekt. Ich hatte mich sogar einmal durchgerungen, eine Neujahrskarte zu zeichnen, auf der nur ein Apfelkerngehäuse (ich kenne den hochdeutschen Begrifff dazu nicht, nur denjenigen in Dialekt) zu sehen war, rundum abgebissen. Graphisch sah das gut aus. Ich war begeistert. Aber semantisch, vom Sinn her, waren die Leute etwas irritiert. Doch ich war im Recht, das alte Jahr war wirklich aufgegessen.

Die Perser haben, wenn sie heiraten, ein Tischtuch auf dem Boden, ein Trauungstuch, wie sie sagen. Das brauchen sie ebenso am Neujahrsfest. Und es ist eine alte Sitte, beim Jahresübergang am 21. März darauf 7 Schalen mit 7 verschiedenen Dingen zu stellen, die mit dem Laut S beginnen. Dazu gehört der Apfel = Sib, als Symbol für die Gesundheit. Daneben gibt es Sir = Knoblauch, Serke = Essig, Samano = Getreidebrei, Sabsi = Pflanzenkeime, Gemüse, Sekke = Geld, Senjed = Nüsse, und schliesslich noch Somaq = ein rotes Gewürz. Kurz und gut: auch die Perser wissen von der Gesundheit des Apfels. Nebenbei gesagt gehört auf das Tuch darüber hinaus ein kleines Wasserbecken mit einem Goldfisch. Er ist das Symbol des reinen Glückes. Und - wenn er denn gut erzogen ist - soll er sich im Moment des Jahresübergangs völlig still im Wasser halten, um dann das neue Jahr mit einer abrupten Kehrtwendung zu beginnen.




Den Begriff Stedhal Syndrom habe ich weder in meinem psychologischen noch im medizinisch-klinischen Wörterbuch gefunden. Vielleicht ist es ein literarischer Begriff. Wenn ich mal Zeit habe, werde ich in meiner Stendhal Biographie nachlesen. Er war wirklich krank und stand unter Medikamenten. Wenn er in Florenz darnieder gesunken sein soll. dann vielleicht wegen einer Frau auf dem Bild ;--)


An apple a day ..

 


den 21 november  09:38


Liebe Marlena

Gestern war hier ein schöner sonniger Tag, wie auch Du ihn hattest. Und heute scheint es wieder ganz ähnlich zu werden. Und die Fahrt über die Juraberge war prima. Du hast recht, ich muss ein bisschen vorsichtig sein. Wenn ich knapp an Zeit bin, fahre ich so schnell wie möglich. Und das ist auf der kurvenreichen, teilweise steilen Strasse wunderbar. Doch ich glaube, das Risiko ist höher, wenn ich gemütlich fahre und in Gedanken abschweife. Ich könnte so mit Leichtigkeit über ein Rotlicht fahren, ohne mit der Wimper zu zucken. Glücklicherweise gibt es dort oben keine Rotlichter. Das ‚Rotlichtmilieu’ ist bei uns anderswo…;--)) Doch glaube ich nicht, dass es tagsüber schon Eis auf der Strasse hat. Na ja, vielleicht morgens in der Früh ist es möglich auf dieser Höhe.

Ich geniesse es einfach, durch diese ländliche Gegend zu fahren. Das Leben läuft dort noch so langsam ab. Man kann das an den Autofahrern bemerken. Wenn sie in die Hauptstrasse einbiegen, tun sie das so langsam, dass man manchmal verzweifeln könnte. Du denkst, sie wollen dich absichtlich ärgern. Aber dann siehst du wieder Kinder an der Bushaltestelle, die einfach so dahinwarten. Und im Moment ist die Landschaft mit den herbstlichen Wäldern so schön.

Es war nicht so, dass in L. jemand krank ist. Es gab einfach wieder einmal eine Anmeldung dort hinten. Und gestern ist gleich eine weitere eingetroffen. Es war ganz angenehm. Am Morgen, wie ich erzählt habe, war ich in einer Französischstunde ...

Schön, dass es jetzt auch bei Dir und Deiner Woche bergab geht. Na ja, bei mir war es damals eher ein Wunsch, eher eine Suggestion ans Schicksal als eine wirkliche Tatsachenbeschreibung. Aber alles in allem habe ich montags doch ziemlich streng. Und das regelmässig. Und das ist es auch, was mich am Wochenende auf Trab hält.

Was ist Stendhals Syndrom? Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass ich irgend so etwas gewusst hätte, obwohl ich doch eine Biographie über ihn gelesen hatte. Aber er hatte eine Krankheit, daran erinnere ich mich. Es war, so glaube ich, irgend eine Geschlechts­krankheit, die er ständig mit irgendwelchen Medikamenten zu unter­drücken suchte. Er hatte doch ein intensives Sexualleben mit intensiven Liebschaften, die ihn erst zum Schreiben antrieben.

An apple a day keeps the doctor away. Ist doch ein Rat, den man immer wieder hört. Auch unser Onkelchen schwört auf Äpfel. Wenn wir ihm irgendwelche exotischen Dinge mitbringen, Kiwis oder weit seltenere Früchte, so zieht er sich dankend auf seine Äpfel zurück. Ich glaube, er hält sich mehr oder weniger dran, täglich einen Apfel zu essen. In Visp hatten wir viele Äpfel im eigenen Garten. Einige davon waren ausgezeichnete Sorten, nach denen ich mich heute noch sehne. Die eine war ein grosser Apfel mit einer bäunlich-roten rauen Haut. Boskop nannten wir sie. Es gibt sie immer noch, aber selten habe ich so gute Exemplare gefunden, wie wir damals gegessen haben. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass man im eigenen Garten die Äpfel genau in jenem Reifegrad essen kann, den man am meisten liebt. Ich liebte sie hart und knackig und nicht zu sehr reif. Sie waren dann auch noch recht säuerlich im Geschmack. Der betreffende Baum stand genau neben jenem mit den wunderbaren Reineclauden (oder wie könnte man denn das schreiben?) Und es war jener Baum, auf dem ich jeweils unsere Nachtigall vermutete, ein Tiefstamm Baum, so dass man bequem und ohne Leiter bis zu den Ästen reichen konnte. Nachtigallen lieben es, bodennah zu leben, wie ich gelesen habe. Sie suchen nicht die Höhe, nicht für ihren schönen Gesang und nicht für ihr Nest. Ich habe meine CD mit Nachtigallengesang immer noch im Büro, und manchmal, vor allem an Wochenenden, lasse ich sie spielen.

Habe ich Dir erzählt, dass ich mir überlegt habe, mit dieser CD neue Nachtigallen in unseren Garten zu locken. Ich meine, wenn es vielleicht der Gesang eines Weibchens wäre, müsste man doch damit ein Männchen anlocken können. Und vielleicht würde das Männchen, wenn es sich ein bisschen herausputzt und sich mit der schönen Wohnung brüstet, auch noch ein Weibchen anziehen. Sind sie eigentlich monogam, die grossen Sänger? In der persischen Dichtung kommen sie immer wieder vor und haben die symbolische Bedeutung der Liebe. Die Rose sehnt sich nach dem Gesang. Und die Nachtigall singt zu ihrer Rose, bis sie sich öffnet. Letztlich ist es eine religiöse Metaphorik. Es gibt ein hübsches Gedicht von Storm glaube ich, welches diese Thematik aufnimmt. Wir hatten es mal noch in der Sekundarschule, ich glaube im 5. Jahr gelernt. Und ich habe es nicht vergessen. Lustig eigentlich, der Lehrer damals hat uns diese Dinge gleich in der Schule beigebracht. Das heisst, wir mussten nicht heimgehen, und so was auswendig lernen. Er hat es immer wieder rezitiert, bis jeder das auswendig konnte. Auch bei den Liedern hat er das gemacht. Das war einer der Gründe, weshalb ich im Gymnasium kaum wusste, wie ich die Dinge lernen sollte.

Gestern am Weekly haben wir viel über Sport diskutiert. Wenn Du als Maus im Büchergestell gehockt hättest, hätte Dich Lilli bestimmt aufgespürt. Sie war ziemlich unruhig und brachte alle ihre Spielsachen und hat sich viel bewegt. Wir haben über Sportarten geredet und über die Frage, wie sie sich durch die Tatsache des Fernsehens verändern. Beispielsweise Tennis: dieses Tiebreak ist eine Sache, die mit unserer modernen Zeit und vielleicht auch mit dem TV zu tun hat. Damit wird es zeitlich kontrollierbarer. Vielleicht hat sich damit auch die Sportbekleidung verändert, und die Gesten der Athletinnen und Athleten. Basketball ist ideal für Fernsehen. Radsport ist durch das Fernsehen eigentlich erst richtig populär und beobachtbar geworden. Man kann die Tour de France heute vom Helikopter und vom Motorrad aus beobachten, dh. mit den Leuten mitfahren. Früher sind die Fahrer in ein paar Sekunden an der Nase vorbeigeschwirrt, und das war’s dann. Golf ist auch sehr populär geworden. Und natürlich, wenn das Fernsehen kommt, kommt auch das Geld. Das verändert den Sport bestimmt ziemlich stark.

Doch insgesamt ist es dieser moderne Aspekt des Sportes, dass er nämlich sich selbst im zeitlichen Ablauf visualisiert. Der Sport ist ein Wettbewerb, und gleichzeitig auch die Darstellung und Sichtbarmachung dieses Wettbewerbs. Letzteres ist durch TV noch verstärkt worden. Das ist modern. Und man müsste von der Wissenschaft und ihrer Forschung eine ähnliche Transparenz und Sichtbarkeit verlangen. Du siehst, solch ein hohes Diskussionsniveau. Aber vom dritten Brett auf dem Gestell hättest Du bestimmt gut folgen können. Es müsste von dort wirken wie der Kameraausschnitt im Fernsehen: ein kleines Tischchen, meist mit einer Blume, einigen Büchern, Gläser und Wasser, daneben zwei Fauteuils mit zwei ernsten Herren, dahinter ein volles Büchergestell. Nur Lilli wäre etwas störend, wenn sie immer wieder durchs Bild läuft.

Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende

Mit liebsten Grüssen
 ...

Ein Gedicht


Theodor Storm :

Sie war doch sonst ein wildes Blut,

nun steht sie tief im Sinnen,

trägt in der Hand den Sonnenhut

und duldet still der Sonne Glut

und weiss nicht, was beginnen:


Das macht, es hat die Nachtigall

die ganze Nacht gesungen;

da sind von ihrem süssen Schall,

da sind in Hall und Widerhall

die Rosen aufgesprungen.


So ungefähr muss das Gedicht Storms aus der Sekundarschule geklungen haben. Es hat mir immer sehr gut gefallen, vielleicht wegen diesem wilden Blut mit dem Sommerhut ??

Wenn ich tiefer in mein Gedächtnis zurückgehe, muss ich zugeben, dass ich mich damals im Gedicht fragte, weshalb sie eine Frau sei, und nicht ein Mann. Ich konnte mich gut hineinfühlen in einen solch warmen Sommermorgen und war sozusagen ein bisschen neidisch, dass man diese Sensibilität nicht einem Mann zutraute. Aber heute denke ich, Storm hat schon richtig gewählt. Wenn man sich das Gedicht anhört, sieht man vor sich ein impressionistisches Bild mit einer Frau in einem hellen Sommerkleid, einem Hut und einem strahlenden blauen Himmel. Ungefähr so, wie sie Mary Casatt oder Berthe Morisot, die beiden grossen Impressionistinnen gemalt haben.

Daher vielleicht meine romantische Liebe zur Nachtigall. Und im übrigen: sie ist doch ein sehr mystischer Vogel!

*

Aber wir sind thematisch ja schon bei den Adventkränzen und beinahe bei Weihnachten. Es ist eine schöne Tradition, einen solchen Kranz zu haben. Aber es macht viel Arbeit, weshalb die Leute so was heute im Laden kaufen. S hat in den letzten Jahren angefangen, so was selbst zu machen. Aber sie macht nicht einen Kranz, sondern eine grosse Schale mit Zweigen und 4 Kerzen und anderen dekorativen Dingen. Wir bringen jedes Jahr auch Onkelchen so ein riesiges Ding mit. Und bei ihm muss man ja auch darauf achten, dass es nicht in Brand gerät. Ein traditioneller Kranz ist in dieser Hinsicht vielleicht ein bisschen riskant.

Ich glaube, ich habe viel geschrieben heute. Und trotzdem nicht alle Fragen beantwortet. Na ja, Du musst sie nochmals stellen.

Mit einem lieben Kuss

...

Sonntag, 17. Dezember 2023

Feierabendmail

 

den 13 november 17:07
Feierabendmail

Liebe Marlena

Heute abend habe ich noch eine Sitzung. Sie beginnt erst um 17h. Das hasse ich. Früher hat mir dies nichts ausgemacht, aber heute gehe ich gerne rechtzeitig heim, um mein Kaffeelein und mein Schläfchen zu nehmen. Alles andere Stört meine Kreise!

Morgens war ziemlich regnerisch. Und weil bei unserem Auto die Elektronik spukt, hatte ich keinen Scheibenwischer und keinen Winker. Es ist ziemlich abenteuerlich, so in der Landschaft herumzufahren. Man würde nicht mal merken, wenn man einen Passanten überfährt. Es sieht ja alles aus wie hinter der verglasten Badezimmertüre. So bin ich ziemlich vorsichtig gefahren und habe dann S. angerufen, das Auto in die Garage zu bringen. Ich selbst bin mit der Eisenbahn nach Basel gefahren. Das mache ich ja nicht ungern. Aber es braucht seine Zeit.

Kürzlich hast Du mich sogar mehrmals gefragt, welches Mail denn die Sekretärin gebracht und ev. angesehen hätte. Ich weiss es nicht mehr. Ich habe das auch nicht kontrolliert. In solchen Dingen schliesse ich die Augen und gehe blind durch die ganze Suppe. Ich bin mir aber sicher, dass sie es nicht gelesen hat. Sie ist sehr vertrauenswürdig. Und auch sehr strikt. Da kann ich meine Hand ins Feuer legen. Bei Walter, der auch sagt, er sei diskret, wäre ich mir nicht so sicher. Er würde es lesen. Aber er würde es nicht ausnutzen. Aber er ist ziemlich neugierig. Wie die meisten Psychologen. Manchmal denke ich, sie sind indiskret, weil sie es gewohnt sind, in den privaten Dingen der Menschen und ihren Lebensum­ständen herumzukramen. Sie fragen Dinge, die andere niemals fragen würden. Sie schauen dich von unten bis oben an. Und sie machen sich ihre Überlegungen, hängen dir irgendwelche Absichten und Motive an, die mehr in ihrer als in deiner Brust gewachsen sind. Sie können ganz unmöglich sein, die Psychologen. Das lass Dir gesagt sein, Marlena.

Weshalb wohnst Du nicht irgendwo hier in der Nähe. Ich würde fürs Leben gerne mal mit Dir einen Spaziergang machen, irgendwo in einer kleinen Conditorei eine Schokolade (wie sittsam, mit S c h o k o l a d e !!) trinken, Dir ein paar Minuten ins Gesicht schauen, ein paar süsse Scherze machen, um dann wieder im Karussell der Pflichten loszutraben. Ach, das wäre doch aufregend. Weshalb denn gleich so hoch im Norden? Ich meine, irgendwo hier in der Nähe wäre doch auch ganz nett. Gut, das Meer wäre vielleicht ein bisschen weit weg. Im Film aus Schweden, den ich kürzlich gesehen habe, haben mich die weiten wilden Strände beeindruckt. Die sind wunderbar. Aber man hat sie vom Flugzeug im Tiefflug gesehen, nicht von den Beinen eines langsamen Spaziergängers, wie wir es dann wären. Und auch das Flache Land mit den langen Alleen beidseits des Weges war sehr schön. Es müsste ja alles nicht gleich so wild sein, so verboten und leidenschaftlich, sondern ganz gemütlich und bloss ein bisschen erotisch. Nur eine Messerspitze Erotik. Das wäre doch schon genug. Aber hier im Netz ist sowenig davon! Ich meine von den Klängen und den Farben und den Rhythmen.
Na ja, vielleicht muss ich mich damit begnügen, in die Wolken zu sehen und meinen Gedanken nachzuhängen.

Ich wünsche Dir einen wundervollen Abend ohne Sitzung.
Mit lieben Grüssen

...

Re: Spät... wie so oft..


den 13 november  09:22
Re: Spät... wie so oft..


Liebe Marlena

Ich wünsche Dir viel Glück im Kampf gegen die Grippe. Ich habe letzte Woche ein 5-Set-Spiel gegen sie gewonnen. Es war ziemlich knapp, sozusagen im Tiebreak. Ungefähr so, wie Federer gegen Nalbandian gewinnt. Gestern abend haben wir einen Teil des Spiels am Fernsehen gesehen. Es war das erste Mal, dass Federer gegen seinen Angstgegner gewonnen hat. Und es schien alles so leicht.

Du weißt, dass Federer ganz hier in der Nähe gewohnt hatte. Nach dem Sieg in Wimbledon hat ihm mein neuer Chef (er ist verantwortlich für die Bereiche Bildung, Kultur und Sport) gratuliert und einen grossen Empfang veranstaltet. Und ein paar Tage später hat Federer an den Medien mitgeteilt, dass er in den Kanton Schwyz oder Zug (ich weiss nicht mehr genau) umziehen werde. Das kommt daher, dass nicht alle Schweizer Kantone denselben Steuerfuss haben. Und um Geld zu sparen, suchen sich die Reichen den billigsten aus. Der Kanton Schwyz, eigentlich ein eher strukturarmer und gebirgiger Kanton, ist dafür spezialisiert. Und die anderen sind darüber ziemlich neidisch.

*

Ich kenne Schopenhauer schon ein bisschen. Er war einer von denen, die im Gymnasium vom Philosophielehrer verteufelt worden war. Aber er war ziemlich reich und konnte als Privatier leben und seinen philosophischen Studien nachgehen. Aber wenn man sich seinen Kopf ansieht, dann denkt man schon, dass er ziemlich kleinlich war. Na ja, die meisten Philosophen sind so, denn sie hantieren ja in der meisten Zeit mit Umlauten, mit Kommas und Punkten;--) Es gibt viele Anekdoten und Witze über Kant, der ein ähnlich pedantischer Typ war. Er war sein Leben lang nie aus Königsberg herausgekommen. Und die Menschen der Stadt sollen nach ihm die Uhr gestellt haben, denn pünktlich nahm er jeden Tag seinen Spaziergang unter die Füsse. Aber er hat meist mit Bekannten gespeist und dabei diskutiert. Diese Situation stelle ich mir doch schon ziemlich gemütlich und genussreich vor.

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Heute habe ich Probleme mit dem Auto. Das Elektrische funktioniert nicht richtig. Ich habe keinen Scheibenwischer und keinen Winker. Und das ist doch ziemlich gefährlich an einem solchen düsteren Regentag. S. kommt jetzt und bringt ihn zur Garage. Ich will nicht mein Leben riskieren. Aber ich verliere so auch ein bisschen zuviel Zeit. Ich muss zusehen, wie ich heute durch mein Programm komme.

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Na ja, die Diskussion am Radio war ganz passabel. Mindestens habe ich einmal ein Studio erlebt und gesehen, wie so was abläuft. Die Journalistin war sehr gut und hat das alles gut geleitet. Sie ist Spanierin, aber hier in der Schweiz aufgewachsen. Deshalb lag ihr auch der multikulturelle Aspekt vor allem am Herzen. Aber im allgemeinen bin ich in solch neuen Situationen und Umständen abgelenkt und komme gar nicht richtig zu meinen Überlegungen und Haltung. Ich habe mir zwar Notizen gemacht, in der Art des Mind Map. Das ist sehr nützlich und eine gute Stütze. Gut, vor allem deshalb, weil man überall einsteigen kann. Und seit der letzten Podiumsdiskussion habe ich auch gewusst, dass eine Podiumsdiskussion keine echte Diskussion ist. Man sollte sich bloss einige Voten vorbereiten, die man dann irgendwo in der Diskussion platziert. Und das sollten nicht zu viele sein. Vielleicht 5 wichtige Dinge, die man sagen will. Und immer wieder sollte man in Richtung dieser Aussagen kommen, so dass man sie wiederholen kann. Nur so wird man von den Radionhörern wirklich gehört, denn sie liegen ja noch im Bett, sind auf der Fahrt ins Büro oder sitzen im Büro bei der ersten Tasse Kaffee. Sie sind nicht wirklich aufmerksam. Und deshalb kommt man nur an sie heran, indem man dasselbe 5 mal in jeweils ein bisschen anderen Worten sagt. Man will ja in der Oeffentlichkeit viel zu differenziert reden. Aber eigentlich sollte man nur die einfachsten und die plausibelsten Dinge sagen. Nun ja, manchmal findet man die einfachsten Dinge erst am Ende einer langen Diskussion.

Ich bin ganz froh, dass Du mich nicht gehört hast. Ich will mich zuerst selbst hören, um dann das Band zu „autorisieren“, wie Du es mit Deinem Foto gemacht hast.

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Die schwedische Sonnenscheingeschichte ist sehr schön. Sie ist wie ein Traum. In Träumen erlebt man gelegentlich solche oder ähnliche Dinge. Und es ist das Ziel unseres Lebens, dass wir unsere Träume verwirklichen. Dass die Enkel den Grosseltern am nächsten stehen, ist kein Wunder. Das kann man immer wieder sehen. Und es ist schön, das zu bemerken. Es schliesst einen grossen Kreis. Vielleicht bin ich deshalb mit meiner Grossmutter ganz gut ausgekommen. Und mein Vetter ebenfalls, der auch der ältere von zwei Brüdern ist und eine ältere Schwester hat. Aber meine Schwester hatte vor nicht zu langer Zeit eine eher etwas giftige gegen mein Grossmütterchen gemacht. Sie sagte, sie hätte ihr immer erzählt, was ihre Kusine mache, oder wie sie etwas mache. Ich hatte diese Berichte nie als Rivalitäten erlebt. Ich wusste, dass meine Grossmutter ein Jahr beim Bruder meines Vaters zu Weihnachten war, das andere bei uns. Und dann hat sie jeweils von den andern erzählt. Sie hat vielleicht versucht, ihre Familie ein bisschen beisammen zu behalten?

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Jetzt muss ich los.

Ich wünsche Dir einen guten Tag.

Mit allerliebsten Grüssen

...





Spät... wie so oft ..

 

Ämne: Spät... wie so oft..
Datum: den 13 november  00:25

Liebster Mausfreund,
Ach wie bist du spassig. Ich habe wieder sehr über deine lustigen Einfälle geschmunzelt. Verstehe schon, dass es dir lieb wäre, wenn du den lieben Herrgott spielen könntest. Deine Ideen sind sehr wild und trotzdem muss ich dir verraten, dass ich auch an eine solche Site gedacht habe. Vielleicht nicht so ausführlich und detailliert wie du, aber deine Fantasie gefällt mir.
Wenn ich es richtig bedenke, so glaube ich doch nicht, dass ich unsere Mauspartnerschaft dort registrieren möchte. Sie soll frei sein. Nichts darf sie irgendwie einzwängen. Das ist das Schöne an ihr. Sie soll Flügel haben und wie die Tauben nach Venedig fliegen können (um dann wieder zurückzukehren ;-)).
*
Du willst über Schopenhauer lesen und ich glaube du wirst vielleicht überrascht sein. Er war anscheinend nicht so wie man vermuten könnte. Wie so viele, hat er nicht gelebt, wie er gelehrt hat. Es gibt mehrere grosse Künstler, Philosophen und Komponisten, die als Menschen ziemlich "klein" waren. Oder gibt es "kleinlich"? Von denen man nie vermutet hätte, dass sie so grosse Dinge zustande bringen könnten. Hast du übrigens schon einmal den Film über Mozart gesehen? Ich glaube er heisst "Amadeus". Wenn nicht, dann solltest du dir wirklich die Zeit dafür nehmen. Er ist sehr sehenswert.

Ich versuche eine beginnende (?) Grippe mit heissem Tee zu kurieren. War am Nachmittag bei Lidl ein wenig Obst und Gemüse einkaufen. Es kostet dort die Hälfte oder sogar 1/4 von den Preisen, die wir gewöhnt sind. Aber sonst ist das Geschäft nicht mehr so wohl besucht. Vielleicht, weil sich jetzt alle anderen anstrengen ihre Kunden zu behalten.

Ich hätte dich so gern im Radio gehört. Und ich bin überzeugt davon, dass du das gut gemacht hast. Natürlich verstehe ich, dass man ohne Mikrofon ganz anders reden kann. Warum eigentlich tut man es nicht immer? Warum sagt man nicht unverblümt die Wahrheit? Wir sind eigentlich eine sehr verlogene Generation.
*
Heute früh hatte ich Eis an den Autoscheiben. Es wird langsam Winter. Ich warte auf den 1. Dezember, wenn man überall die leuchtenden Sterne aufhängt und alle Leuchter in die Fenster stellt. Dann sieht es schön aus und man vergisst die grosse Finsternis. Aber bis dahin sind es noch, ach ich sehe gerade, bald nur 2 Wochen. Dann geht die Zeit immer sehr schnell. Man möchte sie fast festhalten.

*
Ich habe vorhin ein Programm gesehen über ein altes Paar, die als 20/24-jährige in einander verliebt waren (es war 1938 und sie studierten beide in Uppsala) und die sich dann 60 Jahre lang nicht mehr gesehen hatten. Jeder hatte sein eigenens Leben gelebt, viele Kinder und Enkelkinder bekommen und nun, wo sie fast 90 sind (beide verwitwet) haben sie sich wiedergesehen und in einander verliebt. Du hättest die Reaktion der Verwandten sehen sollen. Aber nichts konnte die beiden von ihrer Liebe abbringen und schliesslich haben sie geheiratet und man hat gesehen, wie sie in das Leben des anderen eingezogen sind. Sie war Ärztin gewesen und er hatte auch irgendeinen hohen Posten im öffentlichen Leben gehabt. Und die ganze Welt hat sich gewundert, wie man sich in dem Alter so verrückt verlieben kann. Schön zu sehen war die Reaktion der ganz jungen Enkelkinder (Urenkel?). Sie hatten grosses Verständnis für die Liebe der beiden. Ach, es war eine wirkliche "Sonnescheingeschichte" wie wir sagen.
*
Es ist spät geworden und ich muss ins Bett. Ich grüsse dich lieb
und wünsche dir einen schönen Tag,
Marlena