Dienstag, 18. April 2023

Religionen im Iran

 

Subject:  Religionen im Iran

Liebe Marlena
Danke dir für das Gewitter-Mail. Das hört sich alles sehr sommerlich an mit Gewitter, Blitzen und Baden im See.
Ja, ich will dir meine Daten geben, damit du genau weißt, wann mit mir wieder zu rechnen ist. Am 13. Juli fliegen wir ab und am 14. August sind wir wieder zurück. Du hast recht, es ist nicht Ende, es ist Mitte August. Dann fangen unsere Schulen mit dem Unterricht wieder an. Und Marlena, Kopf hoch, ich werde dich nicht vergessen. Wir haben doch soviele schöne Erlebnisse im Gedächtnis, mit denen wir die Zeit überbrücken können. Viel weniger würden dafür auch schon genügen. Bestimmt werde ich meine Marlena nicht vergessen. Habe doch noch keinen Altzheimer.

Lass mich dir noch etwas über Persien erzählen, auch wenn du bald nach Norrland, und nicht in den vordren Orient reisen wirst. Seit Jahrtausenden sind im Iran, oder früher Persien, Staat und Religion miteinander gekoppelt. Schon der 1. Sasanidische Herrscher gab im 3. Jahrhundert nach Chr. Shapur im Testament den Rat, die Religion zur Grundlage seiner Herrschft zu machen, und die Herrschft als Hüterin der Religion einzusetzen.
Die Religion Zarathurstras ist ja vor allem auch durch Nietzsches Schrift "Also sprach Zarathurstra" bekannt geworden, wo er den Propheten zu Wort kommen lässt. Das ist in der europäischen Kulturgeschichte natürlich eine revolutionäre Schrift, weil er darin sagt: Gott ist tot.
Im Iran existiert dieser Glaube seit den Achämeniden bis heute. Sie heissen Zoroastrier, vom Griechischen Zoroaster, werden aber auch Parsen genannt. Pars oder Fars ist die Provinz, von der sich die Religion ausgebreitet hat. Der zentrale Gott der Zoroastrier heisst Ahura Mazda, deshalb auch die Bezeichnung Mazdaismus. Avesta ist ihr heiliges Buch. Es ist nur noch in Teilen vorhanden, 3/4 davon sind bei Eroberungen durch die Griechen, die Araber oder die Mongolen verloren gegangen. Das Original enthielt wortgetreu die Aussagen Zarathustras. Ein anderer Teil beschreibt das altirnische Götterpantheon. Shapur II (309-379)liess die Gesetze und rituellen neu bearbeiten.
Im altiranischen Götterpantheon war Mithras oberster Gott Dazu gehören Ahura Mazda und die Göttin Anahita. In der Lehre Zarathustras wurde Ahura Mazda zum alleinigen Gott, allwessendem Schöpfer und Herr der Weisheit. Das Grundprinzip ist der Gegensatz zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis. Der Gegenpol zu Ahura Mazda ist Ahriman. Der Mensch kann zwischen Gut und Schlecht entscheiden. Auf dem Weg des Guten kommt er nach dem Tod ins Paradies, wählt er das Böse, droht ihm die Hölle. Das Ziel ist die Reinheit des Sagens, Handelns und Denkens.
Feuer Erde Wasser und Luft wurden als heilig angeschaut. Das Feuer ist ein Symbol des Guten, des Lichts, der Reinheit. Deshalb nannte man die Zoroastrier auch Sonnenanbeter. In den Tempeln brannte das ewige Licht. Es darf nie erlöschen. Die kultischen Handlungen um das Feuer obliegen den Priestern.
Die Pflicht, die 4 Elemente rein und heilig zu halten, ist auf den Totenkult zurückzuführen. Die Leichen der Toten sind unrein. Sie dürfen nicht mit Erde oder Wasser vermischt noch verbrannt werden. In vorislamischer Zeit wurden Würdenträger in Steinsarkophagen beerdigt. Man brachte sie in eine Gruft an hochgelegenen Stellen im Felsen.
Die Aussenseite wurde mit geschmückten Fassaden verziert. Ab islamischer Zeit setzte man die Leichen auf Türmen ausserhalb der Stadt den Geiern aus. Die sauberen Gebeine wurden dann mit Wachs behandelt und in kleine, in den Felsen eingelassene Höhlungen (Studan) gelegt. Dies Bestattungsart wurde bis in die Gegenwart gepflegt. Erst 1970 verbot der Schah es aus hygienischen Gründen. Seither begraben die Zoroastrier ihre Toten in Betonsärgen.
Mithraskult
Mithras (neupersisch Mehr) meint Vertrag, Respekt. Mithras war der Gott des Lichts und der Sonne, der höchste Got des altiranischen Pantheons. Er galt als Schirmherr der Verträge, der Erde, der Wahrheit. Er ist auch der Schutzgott der Krieger, und er geleitete sie nach ihrem Tod in die Gefild der Seligen (Champs 'Elysées).
Er unterstützte Ahura Mazda im Kampf gegen das Böse. Er besiegt den Urstier, aus dessen Tod neues Leben entstand. Darum war ithras auch für Regen, Wachstum und Fruchtbarkeit zuständig. Mithras soll am 25. Dezember in einer Grotte aus dem Fels geboren sein. Grotten Höhlen und Felsen sind ihm heilig. Nachweisbar ist der Mithraskult seit den Achämeniden. Seit da verbreitete er sich über den vorderen Orient bis Griechenland und Indien. Mit den Römern kam er als Soldatengott nach Mittel- und Westeuropa und wurde 307 n.Chr. zum obersten römischen Reichsgeott erhoben.
Die Heiligtümer des Kults waren meist in Felsgrossen und Katakomben. Nachdem im 4. Jahrhundert das Christentum im Römischen Reich als Staatsreligion eingeführt worden war, errichtete man oft auf unterirdischen alten Heiligtümern die ersten christlichen Kirchen. In Europa hat man Architekturreste der alten Heiligtümer gefunden. Im Iran selbst ist bisher eine einzige Ruine entdeckt worden.
Anahitakult geht auf die Göttin Anahita (Neupersisch Nahid) zurück. Sie ist die einzige weibliche Göttin im altpersischen Pantheon. Sie ist die Herrin des Herdes und des Hofes, die Göttin der Fruchtbarkeit, des Wassers und der Pflanzen.
Der achämenidische König Xerxes I (486-465 v.Chr.) hob die babylonischen Gottheiten auf und übertrug die Verehrung der Liebe und des Krieges auf Anahita. Sie wird als schönes und kräftiges Mädchen beschrieben. Vielleicht werden in ihrer Folge eine Reihe von sasanidischen Denkmälern mit dem persischen Wort dokhtar (Persisch = Mädchen wie deutsch Tochter) bezeichnet.
Der Islam ist die letzte Religion, die nach Persien kam. Islam bedeutet wörtlich Hingabe zu Gott. Die Gläubigen nennen sich Muslime, dh der Mensch, der sich Gott hingibt. Der Begriff Mohamedaner wird als abwertend empfunden. Nicht Mohammed, sondern Gott dh. Allah steht im Zentrum.
Das religiöse Leben ist harmonisch und ausgeglichen und überall präsent. Es verbindet die materielle und die spirituelle Welt. Die materielle Welt ist Teil des göttlichen Konzepts der Schöpfung. Das Leben zu geniessen ist ein Teil des Weges zu Gott. Die Religion wird integriert ins tägliche Leben und in die Freuden der Welt. Es gibt keine Trennung zwischen profan und sakral, zwischen Staat und Religion. Die Vorschriften aus dem heiligen Buch, dem Koran, gelten auch für den Alltag.
Der Islam ist ja durch die Arabische Herrschaft im 7. Jahrhundert nach Persien gekommen. Viele arabische Wörter sind ins Persische eingeflossen und ebenso die arabische Schrift. Im Grunde aber ist Persisch, das Farsi, eine Indogermanische Sprache. Und die Schrift eignet sich gar nicht besonders. Denn die arabische Schrift schreibt keine Konsonanten, und ist geeignet für kurze Wörter.

Ich habe mal von einer Tante von S ein 1. Klass-Schulbuch bekommen und angefangen, lesen zu lernen. Aber ich habe es rasch wieder aufgegeben. A und B können ziemlich viel Farsi. Ich kann ungefähr sagen, worüber diskutiert wird, aber das ist auch schon alles. Persisch ist auch eine blumige Sprache, sie haben viele euphemistische Umschreibungen und Redensarten.
Ich war mal mit einem Unoexperten in Dörfern der Wüste. Der Experte war Deutscher und hatte einen irnanischen Dolmetscher mitgenommen. Er wollte sich über den Zustand des Bewässerungssystem informieren. Und so trafen wir uns mit den Oberhäuptern der jeweiligen Dörfern. So passierte es, dass der Dolmetscher lange mit ihnen sprach, vielleicht 5 Minuten oder so, und schliesslich alles in einem einzigen Satz übersetzte. Und der Deutsche war sehr verärgert, weil er glaubte, der Dolmetscher unterschlage ihm gewisse Aussagen. Ich musste den Streit praktisch schlichten. Aber der Dolmetscher verwarf immer hilflos die Arme und beteuerte, sie hätten eben wirklich nicht mehr gesagt.
Auch mir ging es oft so, dass in Gesprächen die Leute mir Dinge gesagt haben, von denen ich dachte, warum erzählen sie sie mir. Aber mit der Zeit kapierte ich, dass es eben nicht um Information, sondern bloss um Kontakt ging. Man sagt sich Nettigkeiten, man ist sehr höflich, man wiederholt Dinge immer wieder, man hat Redensrituale, die den Kontakt ermöglichen. Das ist so wie die Engländer, die über das Wetter reden. Seit in Europa die Kommunikation so subjektiviert worden ist, dass jeder über seine innersten Gefühle reden, seither reden die Leute im öffentlichen Raum nicht mehr. Sie haben keine Maske mehr, um sich dahinter zu verstecken. Die Geselligkeit ist auf die Maske angewiesen. Das habe ich lange nicht gewusst.
Soweit die Religionen Irans. Es gibt ja dann noch ein paar andere, wie die armenischen Christen, die Juden, auch eine andere, an deren Namen ich mich jetzt nicht erinnere.
Das wichtige an allem finde ich diese Schwarz-Weiss-Philosophie des Guten und des Bösen. Ich glaube, das kommt heute noch im Islam zum Vorschein. Und dazu die Erlaubnis, das Leben geniessen zu dürfen. Wir europäischen Christen sind da ein bischen mehr gebremst.
+
Meine Liebste, ich schicke dir jetzt mein Mail. Und dazu die liebsten Grüsse von deinem Mauspartner, der nun bald von Persien nach Norrland sehnsuchen wird.
Mit Liebe
Dein ..



Montag, 17. April 2023

Chesterfield und Rubens

(R)





Liebe Marlena

Gerne möchte ich dir meine Familie vorstellen. Wir sitzen hier
im Foto auf unserem Chesterfield, einem schönen englischen
Ledersofa, auf das wir stolz sind, weil wir es während der
Studentenzeit mit unserem wenigen Geld gekauft hatten. Es ist
klassisch, gut zum Sitzen, noch besser zum Schlafen vor dem
Fernsehen (behauptet NN), man kann darauf Liebe machen
oder streiten, es ist wirklich wunderbar und klassisch-englisch
und wird mit seinem Leder jedes Jahr schöner. Es haben schon
kleine Kinder drauf gepinkelt und ältere Herren ihren Bordeaux
verschüttet. Es gibt nichts, was unser Chesterflied nicht schon
gesehen hätte. Und es wird wirklich mit dem Alter schöner und
schöner, so wie es die Heiterkeit mit uns Menschen macht.

Und im Hintergrund hängt eben dieses berühmte Bild von diesem
berühmten Rubens kopiert von diesem berühmten Kopisten (wie
hiess er doch nur?) mit dem pazifistischen Titel (wie hiess der
schon wieder?). Durch die Reflexion des Blitzes sieht man nicht
so viel von der berühmten Minerva, welche den Kriegsgott Ares
vertreibt. Aber, soviel kann ich sagen, es ist ein grandios
konstruiertes Bild. Ich habe es von einem Foto vielleicht 10x15chm
kopiert. Es müssen also unendlich viele Fehler und Veränderungen
drin sein. Es ist eigentlich - streng genommen - kein Rubens mehr,
sondern von diesem Kopisten eben. Ich habe etwa eine Woche daran
gearbeitet, in den Ferien, also fast von morgens bis abends. Dazu
sage ich den Gästen in unserem Haus gewöhnlich und zum Spass,
wenn sie Lust hätten, dann könnten sie es ohne weiteres klauen.
Wir haben es hoch versichert und würden viel verdienen dabei erstens,
und der Kopist würde endlich berühmt zweitens. Kurz und gut, ein
spektakulärer Bilderraub wäre das beste, was uns passieren könnte.
Aber bisher wollte leider keiner. Sind alles Angsthasen hier in der
Schweiz, wollen keine Rubens klauen. Tant pis.



Sonntag, 16. April 2023

Ronda - ein Sehnsuchtsort



Ronda  12 nov. 2015 
Aber es stand auf meiner Liste.
Marlena


Liebe Marlena
...
Es gibt Sehnsuchtsorte. Elias Canetti betrieb einen Kult mit den Städten, die er aufsuchen wollte. Je heiliger ihm eine Stadt war, desto länger schob er den Besuch hinaus.

Da kommt mir eine kleine Sache in den Sinn. Ich habe dir erzählt, dass wir vor ein paar Jahren in Andalusien waren. Es waren sehr schöne Ferien in diesem schon ziemlich afrikanischen Klima. Und eines Tages sind wir mit unseren spanischen Freunden nach Ronda gefahren. Nun ist Ronda ein ganz speziell romantischer Ort. Rilke war dort und hat im Hotel Reina Victoria logiert und ein bisschen über seinen Duineser Elegien geschwitzt. Und vor allem Hemingway war da, der grand old man, über den die Spanier reden als wie über den eigenen Grosspapa. Hemingway war ja bekanntlich ein begeisterter Stierkampfbesucher, ein afficionado oder so ähnlich, dh. ein Fan. Und er hat ein interessantes Buch über den spanischen Stierkampf geschrieben, das ich damals in den Ferien nochmals gelesen habe. Nun bin ich sicher, dass du Marlena, als Nordländerin und als sensible Frau, den Stierkampf ganz und gar nicht bejahen kannst. Schliesslich bringt es dich schon in Aufregung, ein paar Ameisen im Hause zu Leibe zu rücken. Doch es geht mir nicht um den Kampf. Nein, Hemingway hat Ronda, diese alte und malerische Stadt in den Bergen, an einer tiefen Schlucht gelegen, ebenso lebendig und poetisch beschrieben wie Rilke. Nein, eigentlich nicht ebenso, sondern eben a la Hemingway. Die zwei sind ja nicht gerade Brüder im Geiste. Der eine war ein Spring-ins-Feld, der andere ein hochsensibler Schöngeist. Nun denn, Hemingway sagte über Ronda, er empfehle es jenem Mann, der gedenke, mit einer Geliebten auszureissen und durchzubrennen. Das fand ich schön gesagt, echt Hemingway, der Macho, wie er ja wohl im Privatleben nicht nur war mit seinen Depressionen.

By the way: Ronda habe ich nicht in unsere Liste aufgenommen, vorsichtshalber. Aber in meinen Gedanken war schon Hamburg drin. Ich lass DICH mutmassen, weshalb!

Ich habe nun - weiss Gott - noch ein paar weitere Gedanken und Fantasien gehabt. Und ich kann dir sagen, sie waren nicht schlecht, wir müssten uns ihrer nicht schämen. Allein, sie lassen sich nicht alle mit unserem §5 vereinbaren.

Gottseidank also haben wir zusammen bloss eine feine Mausfreundschaft mit Fachgesprächen über Rilke, über die Spurbreite der Champs Elysées und über das gegenwärtige Potential an valablen Schwiegersöhnen. Was ist denn schon dabei! Zumindest werden wir dir deine Trauer vom Gesicht wegretouchieren. Ich helfe dir dabei, soweit ich kann. Keiner soll mir vorwerfen, ich könne nicht retouchieren!

Gibt es irgendwelche Worte, die man jetzt sagen könnte?? Ich glaube nicht.

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A propos Reisen: "Ich bin ein Seemann im Verkennen meiner selbst" schreibt Fernando Pessoa, "ich habe überall gesiegt, wo ich nie gewesen bin. Reisen? Existieren ist Reisen genug".

Freitag, 14. April 2023

Warum so still?????

Datum: den 19 januari 22:22


Liebster Mausfreund,

Vielleicht ist es wieder "stille Liebe", aber soviel Liebe ist doch gar nicht gesund. Und deswegen möchte ich sie nun auch mit einem Mail abbrechen.

Heute Nacht hat es wieder heftig geschneit bei uns. Fast 30 cm sind gekommen. Und am morgen, als ich mich langsam daran machen wollte ihn wegzubringen, hörte ich es wieder, dieses Summen und dann sah ich durch die Glasscheibe an der Eingangstür wie eine Kaskade von Schnee in der Luft herumwirbelte. Ich bin fast etwas geniert, aber ich denke es ist seine Frau, die ihn bittet das zu tun. Ich werde ihnen demnächst einen Strauss Tulpen hinbringen. Tulpen zu dieser Jahreszeit sind ein Luxus und sicher ein geschätztes Geschenk. Ich lkaufe sonst immer die ersten erst Anfang Februar zu K's Geburtstag. Ich liebe sie sehr, diese schönen Boten des Frühlings.

Heute haben die Schulpolitiker wieder einen Geniestreich angestellt. Fast alle, die bei uns in der Schulverwaltung arbeiten, müssen Anstellungen mit einander tauschen. Meine Freundin, die bisher eigentlich die Arbeit des einen Direktors gemacht hat, muss nun für zwei Direktoren arbeiten. Wenn sie das nicht akzeptiert hätte, hätte sie eine ganz andere Arbeit übernehmen müssen. Die Leute sind so aufgeregt, dass sie fast krank werden. Einige drohen damit, ihre Anstellung zu kündigen.. aber das kümmert die Organisatoren wenig, denn dann können sie jüngere und billigere Leute einstellen. Ach, sie tun mir wirklich leid. Mein eigener Kummer erscheint mir im Moment ziemlich gering.

Bist du nun so sehr in deine Lektüre vertieft, dass du mich vergessen hast? Oder hast du wieder eine neue Freundin entdeckt bei deinen Ausflügen nach Basel? Hast du nun schon deine Bilder auf eine CD gelegt, sodass du wieder Platz hast? Ich vermisse wirklich deine Morgenmails. Warum muss ich mich mit Tagesmails begnügen? Viel lieber wären mir Stundenmails.. ;-))

Diese Woche habe ich Konferenzen und auch Elterngespräche. Aber das gilt nur Dienstag und Donnerstag und der Rest kommt dann nächste Woche. Und am Montag kommen die Leute mit der Ventilation. Ich habe grosse Angst, dass die Apparatur die sie bringen nicht passen wird. Sie haben schon mitgeteilt, dass sie einen ganzen Tag brauchen werde, um das Ding zu installieren. Du weisst Handwerker.. ich glaube du kennst das auch.

Sonst ist hier natürlich nichts passiert. Wie sollte es auch. Wenn mein Leben ein Film wäre, würde ich dabei einschlafen oder den Salon verlassen. Na ja, diese Worte habe ich aus einem Film geklaut, den ich gestern gesehen habe. Aber sie haben mir gefallen.

Die Gerichtsverhandlungen gegen A.L's Mörder sind zu Ende. Ich habe ein Stück gehört heute im Radio, wo man alles direkt sendet. Ein Interview mit dem Taxifahrer, der ihn nach der Tat nach Hause gefahren hat und dann weiter zu einer Freundin. Nun wird er psychiatrisch untersucht.

Heute sind drei gefährliche Gangster aus der sichersten Gefängnisanstalt Schwedens ausgebrochen. Sie liegt kaum 10 Kilometer von hier entfernt. Man hat immer noch keine Spur nach ihnen. In Südschweden hat man zwei 18-jährige Mädchen ermordet aufgefunden. Man glaubt sie waren unterwegs um zwei junge Männer zu treffen, mit denen sie in einem Chat bekannt geworden sind. Ich glaube viele junge Leute leben gefährlich heutzutage.

Im Fernsehen läuft die grosse Sportgala des Jahres. Ich werde auch ein wenig hinschauen. Es ist schön so viele junge hübsche starke Leute zu sehen. Und die alten sind natürlich auch dabei.. so wie Ingemar Stenmark, Björn Borg und andere. Und eine Menge unserer besten Artisten sorgen für Unterhaltung. Bei solchen Programmen kann man gut Papiere aufräumen. ;-)

So lasse ich dich, wo immer du bist, und hoffe dass die "stille Liebe" bald wieder laut wird.

Mit einem lieben Abendgruss,
Malou

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Ämne: Nochmals.. ein kleines PS
 22:52


Lieber ...,
Unsere mails haben sich scheinbar gekreuzt.. und als ich meins abgeschickt hatte habe ich das deine gefunden. Es freut mich sehr, dass du wieder da bist.
Ich merke, dass du jetzt immer häufiger sagst "in unserem Alter". Das finde ich ein wenig lustig aber auch schön.
Ja, ich glaube wie du, dass man teils langsamer und auch ein bisschen empfindlicher wird. Und was du über Sorgen sagst, die einander in Schach halten, da hast du ganz recht. Nun ja, ich habe einige, auf die ich meine Aufmerksamkeit verteilen kann.. so bleibe ich auch nicht so schnell bei einer hängen.

Ja, dieses Pensionieren. Ich habe immer gedacht, das nächste Ziel, nach der Pensionierung ist der Tod. Es ist eigentlich ein schrecklicher Gedanke, aber irgendwie ist es doch so. Und dann habe ich wiederum das Gefühl, dass das Pensionieren irgendwie an die Zeit erinnert, wo man mit dem Studium fertig war und nun die ganze Welt vor einem lag.. zum erobern. Ich hoffe, dass dieses spätere Gefühl einmal überwiegen wird.

Ich grüsse dich nochmals und umarme dich lieb, weil du mir ein so schönes Mail geschickt hast.
Deine
Malou

Donnerstag, 13. April 2023

Re: Küss mir deine ..

 Ämne: RE: Küss mir Deine süsse Waschmaschine


Ach, mein Liebling!
Wir haben doch nicht dieselben Temperaturen wie Kanada.. ;-) Hast du den Golfstrom vergessen? Ohne den, wäre es schon so aber wir haben heute nur -5 grad. Doch auch bei dieser Temperatur kann man sich durchaus wohl fühlen in der warmen Stube.

Du machst mich sehr neugierig auf deine Lektüre. Warum willst du sie verheimlichen?

Ja, diese gute alte Waschmaschine! Sie hat eine ziemlich erotische Wirkung auf dich gehabt. *s*
Aber, da sie schon wegtransportiert war, als ich dein Mail fand, habe ich mir deine Küsse für mich behalten. Diebstahl, ich weiss. Aber manchmal ist die Versuchung zu gross.
Schon als ich mein Mail abgeschickt hatte musste ich lachen über meine Idee, dir ein Bild von meiner Waschmaschine zu senden und ich wollte ein PS anhängen. Einen Kommentar betr. der romantischen Seite eines solchen Vorhabens. Vielleicht ist es der Beginn der neuen Ära, diese "Post-romantik-zeit" die nach dem vierten Jahr eintreffen soll.

Hier ist es schön wintrig. Bei dir auch? Heute werde ich die neue Waschmaschine einweihen. Das ist ein schöner Moment für jede Hausfrau, glaube ich. Sonst werde ich mir einen gemütlichen Tag machen mit etwas Lektüre, wie du. Und vielleicht auch ein paar Abituraufsätze korrigieren... aber nur vielleicht. :-)

So wünsche ich auch dir einen schönen gemütlichen Samstag,
mit lieben Grüssen und Küssen,
Malou



Mittwoch, 12. April 2023

Küss mir Deine süsse Waschmaschine ...


Liebe Malou
Das ist das zweite Mail aus der warmen, dunkeln Ecke in der Stube. Ich habe heute Nachmittag ein Buch gekauft, bin an der Lektüre, und muss jetzt eine kleine Pause machen. Ich werde Dir später erzählen, worum es geht. Es ist ein Buch über eine soziologische Arbeit, kann ich sagen, um Dich ein bisschen neugierig zu machen.

Bei Euch oben ist jetzt ziemlich kalt, nicht wahr. Im Fernsehen haben sie Situationen aus Kanada gezeigt, wo die Temperatur unter 50° gesunken sein soll. Ach, das muss schön sein. Niemand kann erwarten, dass du das Haus verlässt. Es friert dir ja gleich die Nase ab. Nein, jeder bleibt zuhause, verkriecht sich mit einem schönen Buch hinter den Ofen und kommt erst nächste Woche wieder hervor um nachzusehen, ob sich das Klima von einer freundlicheren Seite zeigt. Ach, so was würde ich jetzt geniessen. Vielleicht würde ich überhaupt nicht mehr aus dem Bett steigen, obwohl mir das im allgemeinen nach 9 oder 10 Stunden schwer fällt. Ich würde zuhause herumhängen und Zabbaione schlürfen zur Lektüre.

Du bist tüchtig, scheint mir, und dass Du mir ein Bild Deines Maschinenparkes in der Waschküche zeigst, finde ich schon fast rührend. Waschmaschinen haben ja eine geradezu erotische Ausstrahlung, nicht wahr. Das bemerkt man aber nur, wenn man sich an die zahlreichen Filmszenen erinnert, die in Waschsalons spielen. Das ist ein idealer Ort, denn dort kommen am ehesten Singles zusammen. Und es ist vielleicht einer dr wenigen Orten, wo man Männer etwas linkisch und tapsig zeigen kann. Der Waschsalon ist nach dem ST vielleicht der zweitbeste Ort, das Allerliebste zu finden. Und er ist natürlich dem ST an Sinnlichkeit haushoch überlegen, wenn man bedenkt, dass man nebenbei farbige Slips, hübsche BHs und andere nette Dessous zeigen kann. Ach, wenn ich es mir so überlege, finde ich Deine Waschküche der romantischste Ort, den ich in den letzten 10 Jahren gesehen habe. Ich würde dort ganz gerne sitzen, vielleicht das Time Magazin lesen und ab und zu auf das Glasfenster des Waschautomaten sehen und staunen, wie meine Jeans dort Purzelbäume schlagen. Und natürlich würde ich hinüberschielen auf die hübsche Blondine, die zwei Maschinen weiter lachsfarbene Unterwäsche in den Apparat stopft und mir dabei einen aufregenden Hintern entgegenstreckt. Ach, so ein Waschsalon ist im Grunde wie in der Zeitung die Seite der „einsamen Herzen“. „Junge Blondine mit spannendem Po sucht graumelierten Time Leser“.
Es gibt hier in der Schweiz kaum solche Waschsalons. Und ich weiss nicht weshalb. Hier scheinen die Menschen zu denken, man lerne den Lebenspartner oder auch die sie am besten in der Bar um die Ecke oder in der Kantine am Arbeitsplatz kennen. Es gibt kaum Waschsalons. Weshalb - zum Teufel -gibt es bei uns keine Waschsalons? Wenn man schon an die viele schmutzige Wäsche denkt!

Nun ja, Malou, vielleicht hat meine Fantasiererei mit dem Buch zu tun, welches ich gerade lese. Aber ich will wirklich nicht mehr verraten. Es ist ein Fachbuch! Das soll genügen.
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Ist ein bisschen komisch, was mir hier im Mail eingefallen ist. Vergieb mir, Malou. Es ist ja nun mal Freitagabend, da lässt man alle Disziplin und alle Hüllen fallen.
Mit G+K

... 

Alltag


Datum: den 16 januari  00:45

Liebster Mausfreund,
Heute war ich aber erstaunt, als ich dein Abendmail fand. Oh, du bist lieb!!! Und immer wieder bringst du Freude und Frische in mein Leben. Dafür danke ich dir sehr. Und natürlich bringst du mich, wie so oft zum lachen. Ja, es ist ein komisches Wort dieses Gottesacker. Und wie du über den lieben Gott hergehst. Aber ich bin sicher, dass er ein Auge zudrückt. Bei einem Menschen, der so viel Freude in der Welt verbreitet, kann er nicht anders. :-)

Lustig,  wie du neulich über die Hölle geschrieben hast. Ich glaube nicht an die Hölle, aber schon ein wenig an den Himmel. Ich habe heute wieder mal in der Kantine gegessen. Ich ging ziemlich spät dorthin und da sass noch eine nette Kollegin (du hast sie auf einem Stockholmsbild gesehen mit mir). Und als wir uns so ganz fröhlich mit einaner unterhielten, kam unser Direktor herein. Ich habe ihn kurz vor Weihnachten ziemlich ausgeschimpft und ich dachte "Mein Gott, lass ihn sich nicht an unseren Tisch setzen". Aber da alle anderen Tische schon leer waren, setzte er sich neben mich. Na ja, als Lehrer hat man schon ein wenig Schauspielertalent. Jedenfalls kam das Gespräch dann irgendwie auf solche "nach dem Tod-Erlebnisse" von denen man manchmal hört. Wie man durch einen Tunnel gezogen wird und ein grosses starkes Licht sieht. Die Kollegin hatte so etwas erlebt und sie erzählte von dem starken Gefühl von Wärme und Liebe, das sie spürte. Sie hätte die ganze Welt umarmen können. Und der Chef meinte "Ach, das war der Grund neulich ..." Es war ein lustiger Kommentar über den wir alle lachten. Aber was ich sagen wollte. Ich habe einmal etwas ähnliches erlebt aber es war so stark und überwältigend, dass ich nie genug Worte dafür gefunden habe. Und wie sollte man einem Menschen sowas auch erklären können?
*
Heute Nacht habe ich endlich mal richtig ausgeschlafen. Und dann habe ich  "den Stier an den Hörnern genommen" und habe eine neue Waschmaschine und sogleich auch eine Spülmaschine gekauft. Es gibt ein Geschäft in der Nähe, das Electroluxapparate führt und so habe ich diese Dinge hier gekauft, obwohl ich sie wahrscheinlich zu einem besseren Preis bekommen hätte in einem grossen Kaufhaus. Aber es ist praktisch und sie werden die Apparate schon morgen installieren und auch die alten mitnehmen. Und dann habe ich mich noch in meiner Vortrefflichkeit übertroffen und am Heimweg mein Auto gewaschen. Man konnte kaum mehr sehen welche Farbe es hatte,  und ich wollte auch die Spuren von neulich wegwischen. Und schliesslich habe ich den Weihnachtsbaum hinausgeworfen und aufgeräumt. So bin ich einigermassen zufrieden mit diesem Tag.
Am Abend kam die Nachbarin noch kurz herein. Sie ist immer so gestresst und kann sich kaum auf etwas konzentrieren, wie z.B. einen Film ansehen. Wir haben uns ein wenig unterhalten und dann habe ich sie (mit List ;-) dazu gebracht, die ersten 10 Minuten des Films "A beautiful mind" anzusehen (auf Video). Und sie hat ihn mitgenommen um ihn zu Hause fertig zu sehen.
Kennst du den Film? Von dem Leben des Nobelpreisträgers, der Schizofreni hatte. Man kann ihn sogar mehrmals sehen. Er wird immer besser mit jedem Mal. :-)

Ich habe meine alte treue Waschmaschine fotografiert. Eigentlich um dir zu zeigen, wie bequem ich es habe. Gleich neben der Küche ist meine kleine Waschküche. Sie unterscheidet sich sehr von denen, die man als Kind gewöhnt war. Oft hatte man sie unten im Keller, wo es immer ein wenig roch von der Ölheizung. Aber davon gibt es hier nichts. Gegenüber der Waschmaschine steht der elektrische Heizkessel. Auch der ist ein so sauberes weisses Ding, wie der Schrank neben der Waschmaschine, mein Trockenschrank, oder wie das nun auf deutsch heissen kann.
Ich schicke dir ein Bild davon mit.

die alte treue ...


Oh, schon wieder spät. Ich muss ins Bett. Vor zehn sagst du doch, und jetzt ist es schon nach elf. Ich werde mich bessern müssen.

Ich grüsse dich lieb und wünsche dir viel schöne (auch moderne) Musik in den Ohren. Es ist schön, dass du mir von zu Hause schreiben kannst. Abendmails sind etwas Besonderes. :-)

Weisst du übrigens, dass ein Bild, das du auf den PC legst, wahrscheinlich genau so viel Platz nimmt wie ungefähr tausend (ja 1.000) Mails von mir. Denn ich glaube du speicherst sie oft als BMP. Aber vielleicht irre ich mich. Die Computer werden langsamer, wenn man so viel drauf hat. Aber 5 CD's??? Da übertreibt er wohl gewaltig.

OK Nun doch gute Nacht, mein lieber Mausfreund,
Malou