Sonntag, 11. Oktober 2020

Was ist los hier?

 

Foto: Chris

Nie was Neues? 







Samstag, 3. Oktober 2020

Bruegel

 


Liebe Marlena
...
Letzte Woche habe ich einen Bildband über Pieter Bruegel erstanden, du erinnerst dich, den Bauern Bruegel, oder der Drollige Bruegel, wie man ihn heisst, Pieter Bruegel der Ältere. Es gibt ja dann noch den Jüngeren und es gibt noch Jan, den Blumen Bruegel, der etwas feiner gemalt hat und zB auch mit Rubens zusammengearbeitet hat. Ich erinnere mich an ein Bild, das sie zusammen gestaltet haben, ich meine, soweit Rubens seine Bilder überhaupt selbst gemalt hat. Er hatte ja eine wahre Fabrik, sagen wir Manufaktur, das klingt etwas höflicher. Er war ein guter Geschäftsmann gewesen, dieser Rubens. Heute wäre er wahrscheinlich ein grosser Video-Produzent, der mit seiner Arbeit steinreich geworden ist. Er hatte eine Nase für die Moden und Vorlieben seiner Zeit, und er hat sie voll genutzt. Aber zurück zum alten Bruegel. Er hat dieses wunderschöne Bild des Turmes zu Babel gemacht, dieses zugleich schöne wie bedrohliche und unheilversprechende Bild. Wie wäre es jetzt schön, dieses Buch zusammen anzuschauen? Hättest du überhaupt Zeit für solchen Luxus? Bruegel ist wohl mit Bosch der originellste Maler des 15. Jahrhunderts, köstlich und flandrisch und witzig, verspielt und mit einer Bauernschläue, wie nur noch der alte Cato bei den Römern. Nein, Cato war nicht verspielt, der war eher tierisch ernst und stockkonservativ. Bruegels Turm ist ja zur Ikone geworden. Und das ist eine grosse Leistung für eine einzige kleine Existenz im 15. Jahrhundert Flanderns.

 


 

Ich habe immer geliebt, wie die Holländer ihre Maler lieben und mit ihnen leben. Jedes Kind kennt sie. Und es gibt diesen schönen Begriff eines „Jan Steen Haushaltes". Kennst du die Bilder Steens? Er hat viele Interieurs gemalt und immer sehen sie zwar sehr malerisch, aber eigentlich äusserst unordentlich bis chaotisch aus. Mein Büro ist gelegentlich ein Jan Steen Haushalt, echt, es fehlen nur noch ein paar Hühner und in der Ecke eine Stoffdrapierung. Dann wäre ich ein Jan Steen Hausherr (es ärgert mich, mein Computer macht aus Steen immer Stehen. Er ist wirklich dumm und unverbesserlich starrköpfig, sofern er überhaupt einen Kopf hat!).




Dienstag, 29. September 2020

Es ist Zeit ...

 ... das schöne Gedicht wieder zu zitieren


Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los. 

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein. 

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben. 

Rainer Maria Rilke
 
 
 

Montag, 28. September 2020

Vorfall auf der Lenzburger Krone

 

Schloss Lenzburg

Liebe Marlena
 (---)
Vielleicht muss ich dir erklären, dass das Hotel Krone, das beste Haus in Lenzburg, gerade unterhalb unseres ehemaligen Wohnhauses steht. Als Junge habe ich aus dem Fenster oder dem Garten immer auf diese Krone heruntergesehen. Ich war im Kindergartenalter, als sie die Gartenwirtschaft hinter dem Haus zu einem grossen Fest- und Theatersaal umgebaut haben. Ich habe stundenlang den Arbeitern zugeschaut, wie sie den Beton in diesem zweiräderigen Karren in die Höhe gefahren haben. Ich glaube damals gab es noch nicht diese grossen Kranen. Nein, sie haben überall aus Holzbrettern Fahrbahnen auf Gerüsten gebaut, um mit diesen Karren den Beton zuführen zu können. Das fand ich faszinierend. Und ich glaube, diese Erlebnisse von meinem Kinderfenster aus haben auch ein wenig mitgewirkt, dass ich dann später erst einmal Architekt werden wollte.

 


Gleich zwischen unserem Garten, der am Schlossberg oben erhöhht lag, und der Krone führte in einer tiefen Schlucht die Hauptstrasse von Zürich nach Bern. Und die Krone war bekannt, weil hier die Strasse eine Ecke von 90 Grad schlug. Man kann nicht sagen, eine Kurve, damals war es wirklich eine Ecke. Und an Sonntagen wälzte sich eine Kolonne von Fahrzeugen um diese Kronenecke. Und wir Kinder standen mit den Nachbarn, Herr Senn, oben am Geländer und schauten hinunter. Er rauchte seine Zigarre und wir zählten die Autos oder merkten uns die Kantonswappen auf den Nummerschildern. Damals hatte man den motorisierten Verkehr noch nicht mit so viel Misstrauen betrachtet.
Und gelengentlich, wirklich nur ab und zu – aber es waren für einen Jungen die Höhepunkte – gelegentlich also kam ein Lastwagen mit einer langen Ladung Baumstämmen. Und die hatten immer ihre liebe Not, die Kurve um die Kronenecke zu krigen. Manchmal mussten sie vor- und rückwärts „sägen“, um nicht die Hauswand zu demolieren. Das war immer eine interessante Angelegnheit.
Und einmal, ich bin immer noch bei der berühmten Lenzburger Krone, einmal turnte auf dem Dach der Krone ein verrückter Mann herum. Das Dach lag etwa auf gleicher Höhe unseres Gartens. Ich war damals wohl in der ersten Schulklasse. Und so sah in vis à vis diesen Mann, und aus dem Dachfnester stieg ein zweiter, der notdürftig mit einem Seil befestigt war und sprach dem anderen zu. Ich verstand eigentlich nicht, was da los war. Ich glaube, ich hatte das Gefühl, das wäre jetzt ein Kriminalfall. Die Polizei verfolgt einen Täter, der auf das Dach geflüchtet war. Aber später sagte man mir, dass der Mann verrückt sei.
Onkelchen erinnert sich auch noch an diesen Vorfall. Er war lange Jahre Kommandant der Lenzburger Feuerwehr und damals mussten sie mit einem Falltuch (nennt man das so?) ausrücken und das ganze Spektakel absichern. Immerhin ist die Krone drei Stöcke hoch. Ich kann mich bloss noch erinnern, dass ich sehr aufgewühlt war nach diesem Schauspiel. Nun ja, dass Menschen auf Dächern herumklettern und sich von anderen Menschen wieder herunterholen lassen, das war nun wirklich eine Neuigkeit. Und vielleicht hat das ja mitgespielt, dass ich später dann doch das Fach Psychologie gewählt habe. Denn neuerdings sind es die Psychologen, die andere Menschen von den Dächern herunterreden.

 

 

Sonntag, 27. September 2020

Re: Uppsala ... und Zürich

ups uppsala

Liebe Marlena 

"Uppsala zum zweiten" ist ein höchst interessanter Brief und ich habe bloss bedauert, dass er so unvermittelt endete. Das klingt ja alles wie aus einem Familienroman des 19. Jahrhunderts, meine Liebe. Diese geheimnisvollen Begegnungen, diese schicksalshaften Wendungen. Diese Art von Lieben, die alles in den Himmel heben oder offenbar die halbe Existenz zerstören können. Es macht alles den Eindruck des Bedeutungsschweren. Natürlich ist es auch Deine Erzählweise, die diesen Eindruck hinterlässt. Und man denkt, solche Erlebnisse sollte man nicht in kurzen Briefen oder leichtlebigen Essays darstellen, sondern es müssten - wie gesagt - dicke Wälzer von Romanen sein. Na ja, meine Liebe, das ist vielleicht ein wenig ironisch gesagt, denn ich selbst liebe es, wenn Du so schreibst, und ich bedaure immer das rasche Ende des Briefes. Ist es denn nicht auch für Dich ein interessantes Erlebnis, diesen Erinnerungen nachzugehen? Noch einmal in sie hineinzugehen, ist doch irgendwie, sie nochmals zu leben, nicht erleben, nicht ganz passiv, sondern aktiv zu leben und sie in der Tiefe auszukosten, oder vielleicht auch auszuleiden. Ist das nicht Proust in Aktion? Ach nein, Proust ist es wohl nicht, denn er ästhetisiert die Erfahrung total.   (...)

Ich kann mich gut an die Anfangsjahre meines Studiums in Zürich erinnern. Zürich war ja 4 Stunden damals mit der Eisenbahn vom Wallis entfernt. Und ich wollte nicht jedes Wochenende heim, um etwas sparsam zu sein. Und all meine Kollegen studierten als gute Katholiken in Freiburg, und bloss einige Fortschrittliche vielleicht noch in Bern. Aber wirklich nur die Verwegensten. Ich sass also ziemlich allein hier in Zürich fest. Und ich erinnere mich, wie ich dort anfangs einsam war in meinen Studentenzimmerchen. Ich hatte so einen Tauchsieder, um mir ein Teelein zu kochen. Und sonst war das Zimmer so unpersönlich und fremd in diesem Studentenhaus des Rotary Club. Anfangs teilte ich ein Doppelzimmer mit einem Auslandschweizer aus Spanien. Aber der (ich erinnere mich nicht einmal mehr seines Namens), er war nie zuhause und viel älter als ich. Ich glaube, er studierte Physik und kam aus Madrid. Und er schaute aus wie ein Spanier, nur ohne den spanischen Charme. So fristete ich dort anfangs ein eher unglückliches Leben und fühlte mich fremd in dieser grossen Stadt. Und unter diesen Architekturstudenten war ich auch nicht echt zuhause, weshalb ich ja auch regelmässig in die Universität hinüber ging, um Vorlesungen zu hören. Ich pendelte sozusagen zwischen Hammer und Amboss. Damals habe ich all jene Studenten aufs Tiefste benieden, die zuhause leben konnten. Es gab viele, die wohnten vielleicht nicht direkt in Zürich, aber doch in der Region und abends eilten sie zum Hauptbahnhof. Und zuhause wartete ein gedeckter Tisch auf sie und eine Familie, und die alten Bekannten der Gymnasialzeit. Gar nicht zu reden von den öden Sonntagen, die ich anfangs in Zürich verlebte! Damals ging ich noch in die Mensa der ETH essen. Dort traf ich ein paar Kollegen, die ich kannte. Meist waren sie viel älter, als ich es war. Und sie diskutierten über Dinge, die mich nicht interessierten. Es war nicht das, was ich mir von einem echten Sonntag wünschte. Ich glaube, dieses soziale Leben anfangs meiner Zeit in Zürich hat mir meinen Studienanfang sehr erschwert. Und ich habe immer gedacht, es wäre ein Glück, dass meine Töchter, wenn sie denn studieren würden, weiter zuhause leben könnten. Vielleicht die ersten paar Semester, bis sie sich etwas in die neue Lebensart eingewöhnt hätten. Später, da bin ich mir sicher, ist es wichtig, dass man auch mal ein richtiges Studentenleben führen soll und einen eigenen Haushalt führt, oder doch so in einer Wohngemeinschaft lebt. Das ist etwas sehr Schönes, wenn man sich voller Leidenschaften dem Leben und der Liebe - will sagen den Studien - hingeben kann, ohne auf die eigene Familie Rücksicht nehmen zu müssen.
*
Ich hatte heute mein persönliches Gespräch mit meinem Chef. Er ist etwas dicker geworden, seit ich ihn letztmals so nah gesehen habe. Er ist ein wacher Geist und es ist interessant, mit ihm zu diskutieren. Doch er denkt natürlich viel weniger psychologisch als ich. Er denkt echt politisch. Und wenn etwas gut ist, hat er es gemacht, und wenn es schlecht ist, haben es seine Mitarbeiter gemacht. So ist er, wie alle Politiker. Wir sind nur dazu da, ihnen die Lorbeeren zu liefern. Doch was soll es? Die Politiker kommen und gehen. Und wir bleiben und überleben sie und machen die Politik. So ungefähr könnte man sagen, wenn es auch nicht allzu sehr stimmt.
Im Mai bin ich 20 Jahre an dieser Stelle. Das ist eine Ewigkeit. Und ich denke, dass es in der Wirtschaft unmöglich wäre, so lange auf ein und demselben Stuhl zu sitzen. Es ist auch nicht gut. Manchmal merke ich, wie ich bequem geworden bin. Manchmal finde ich alles ziemlich langweilig. Manchmal ärgert man sich über all die dummen Neuerungen, die bloss mehr Papierkrieg und sonst gar nicht viel bringen. Aber immerhin.
Ich war damals der jüngste. Und jetzt bin ich ungefähr der dritt- oder viert-älteste. Einer wird im Mai in Pension gehen. Der nächste folgt bald. Und dann komme schon bald ich. Allerdings dauert es bei mir etwas länger.
*
Ich habe eine Kusine, die in der Chemie arbeitet. Sie ist etwa 2 Jahre älter als ich. Und seit ein paar Monaten ist sie in Pension mit voller Rente. Wenn Du dir das Paradies vorstellen willst, so musst Du Dir so etwas Ähnliches ausdenken. Sie reist in der Welt herum, geht gut essen, nimmt Kilo um Kilo zu und pflegt ihr fröhliches Gemüt. Ja, sie hat wirklich das grosse Los erwischt. Vielleicht bedauert sie es in ein paar Jahren, doch heute geniest sie es in vollen Zügen. Immer wieder bekommen wir Postkarten von ihr aus irgend welchen exotischen Ferienregionen. Man kann wirklich nur neidisch werden.
*
Ist es nicht schlimm, wenn man an die Pensionierung denkt. Das ist wirklich sehr schlimm. Lass uns das Leben nehmen, wie es ist. Seien wir froh, dass wir noch ein paar Jahre arbeiten können. Alles andere macht alt.
Ich küsse und grüsse Dich
...

 

Samstag, 26. September 2020

Uppsala - zum zweiten

Ämne: :-)))

...

Dadurch dass ich zu Hause wohnen konnte, habe ich eigentlich kein typisches Studentenleben gelebt. Du weisst, wenn man mit so 10 anderen Personen in einem Studentenkorridor wohnt und die Küche und den Alltag teilt. Ich wohnte zu Hause und wurde nach wie vor eifersüchtig von meinem Onkel behütet. Irgendwie hatte ich später den Eindruck, dass sie mich brauchten, um überhaupt zusammen leben zu können.
Ich sass also meist an meinem Schreibtisch zu Hause und vertiefte mich in die Bücher. Vor mir an der Wand sehe ich das Foto wo ich als 21-jährige gerade an meinem Schreibtisch eine Arbeit vorbereite.

Wir kamen spät im Herbst nach Uppsala, d.h. das erste Semester, an dem ich teilnehmen wollte, war fast zu Ende. Ich hatte mich angemeldet für Germanistik und mich mit  Kursplänen versehen. Literatur, Sprachgeschichte und natürlich die Sprache selbst, Wortschatz, Aussprache und Grammatik das schwierigste Kapitel für die meisten Studenten. Uppsala hatte damals den Ruf sehr viel zu verlangen und man sagte sogar, dass die Schüler, die dort bei ihrer Übersetzung schon zum dritten Mal durchgefallen waren, an der Hochschule in Stockholm kein Problem damit hatten.
Nun ja, es besteht wohl immer eine gewisse Rivalität zwischen Lehranstalten, aber ich glaube die Uni von Uppsala ist schon immer als Nr 1 betrachtet worden. (Nr 2 Lund). :-)

Ich hatte eine lange Literaturliste, von der ich wählen konnte, eine gewisse Anzahl Seiten zu lesen und ich muss lachen, wenn ich daran denke, was mein erstes Buch war: Buddenbrooks von Thomas Mann. Ich glaube ich wollte so schnell wie möglich die Anzahl Seiten hinter mich bringen. ;-) Es war wirklich kein leichtes Buch. So unendlich Wortreich.. aber doch ziemlich interessant. Dann erinnere ich mich noch an mein erstes ”Ausspracheseminar”. Es wurde von einem jungen deutschen Dozenten geleitet. Ich glaube, ich habe ihn so wie Herrn Grünlich in meinem Buch aufgefasst. Die Gruppe hatte bereits 8 von den 10 Stunden gemacht und er begann also diese meine erste Stunde damit, mir eine Moralpredigt zu halten, wie ich mir das vorstelle, erst nun zu kommen u.s.w. was ich dann ruhig beantwortete mit ”es wird schon gehen”. Ausserdem war seine eigene Aussprache etwas von einem Dialekt gefärbt,  wobei seine ”i” zu sehr wie ein ”e” klangen. Das habe ich ihm aber nicht gesagt. ;-)

Ich will jedoch nichts Schlechtes über ihn sagen, denn es war er, der mich Rilke entdecken liess. Er hatte also auch Literaturvorlesungen. Und ganz anders als später bei einem Dozenten in Französisch, der immer am Ende seiner Vorlesungen herzlich lachte so als wollte er sagen: ”Wie viel Dummes Zeug sich ein Mensch ausdenken kann”, endeten seine Vorlesungen immer damit, dass man glaubte er würde nun anfangen zu weinen. Man hatte oft den Eindruck er trüge die ganze ”Schuld des Deutschen Volkes” auf seinen Schultern.
Er sprach also über Rilke, er schenkte uns ein Kompendium mit Rilkes allerschönsten Gedichten (die ich Dir bereits alle geschickt habe) und so kam es, dass ich das Stundenbuch zu lesen begann. Ich war überwältigt davon. So tiefe und schöne Gedanken in einer solch wunderschönen Sprache hatte ich noch nie gesehen. Irgendwie passte es auch zu meinem Leben oder vielleicht besser gesagt zu meiner Gedankenwelt zu dem Zeitpunkt.
*
Eines Tages kam ein Brief von einem Bekannten unserer Familie. Er war an mich gerichtet.   (...)

*
Ach, ich finde nicht richtig den Faden zurück. Möchte diese Erinnerung von mir abschütteln, bevor ich weiterschreibe.
Hoffentlich sehe ich ein kleines rotes Dreieck vor deinem Namen, wenn ich nun ins Internet gehe..
Alles Liebe
Marlena





Donnerstag, 24. September 2020

Gedanken über das alt werden ...

 

Ämne: Re: und jetzt Samstag, sieh Dich vor !

Lieber ...,
Ja, du hast Recht. Sie ist "in die Jahre gekommen"die Gréco, wie du sagst. Und zuerst denkt man, man könne sie nur bedauern. Und natürlich muss man das auch tun, denn das Altern ist eine hässliche Sache. Jedenfalls muss es so sein für Frauen, die mit ihrem Gesicht in der Öffentlichkeit posieren müssen.

Doch weisst du, an Erfahrungen und Erlebnissen möchte ich nicht ein Jahr jünger sein. Während unser Körper zusammenschrumpft wird unsere Seele immer weiter und reicher. Alles was wir erlebt haben lebt weiter in uns und schenkt jedem neuen Augenlbick einen Glanz, der einem "jüngeren" Betrachter verborgen bleibt. Ich denke manchmal daran, wenn ich mir mit Anna etwas ansehe. Z.B die Midsommar-feier. Dann versuche ich für einen Moment alle meine schönen Erinnerungen an frühere Feiern wegzudenken um zu verstehen, was sie sieht. Und ich sehe ein wie reich ich bin, denn ich kann fast jedem Moment noch etwas Schöneres abringen. OBS! Schöneres, gross geschrieben. ;-)

(---)
Weisst du, es ist lustig mit diesen Buchstaben am Ende des Mails. Ich habe natürlich versucht auszudenken wofür sie stehen. Und als ich gestern mein Mail beendete, wollte ich dich ein wenig necken und selbst sowas hinschreiben. Und dann war ich ganz erstaunt, als ich entdeckte, dass ich genau dasselbe geschrieben hatte, wie du in einem Mail neulich.

Du willst mir also wirklich schicken awiw??? Oh, sieh dich vor! Du ahnst nicht wiw..

Mit einem lieben raschen Gruss und Kuss,
deine Malou