Samstag, 19. Januar 2019
"Dead Poets Society"
Ämne: Eine kleine Nachtmusik
Datum: den 12 januari 02:22
Lieber ...,
Ach wie spartanisch du lebst, nicht einmal die kleinste Süssigkeit gönnst du dir. Wäre ich S, würde ich glatt etwas misstrauisch werden obwohl du mir immer erklärst, dass alle diese neuen Ideen von ihr stammen. Aber ein süsses kleines Mail hast du mir gebracht und ich habe es langsam und andächtig verzehrt. Ich danke dir herzlich dafür.
*
Ich habe einen schönen Abend verbracht mit meinen Gästen. Zuerst habe ich sie mit Glögg (Glühwein) willkommen geheissen. Das gehört zu diesem letzten weihnachtlichen Festtag und dann haben wir uns lange und gemütlich bei Tisch unterhalten. Ich glaube es hat allen gut gefallen und jemand kam schliesslich mit dem Vorschlag wir sollten doch einen Club gründen damit wir uns öfters sehen. "Torsdagsklubben", denn der Donnerstag schien allen am besten zu passen. Na ja, wir werden sehen. Aber warum nicht.
Das erinnert mich daran wie wir vor ein paar Jahren versuchten eine Gesellschaft (oder einen Club) zu gründen in unserem Kollegium. So ungefähr wie "Dead Poets Society". Wir suchten nach einem guten Namen. "Döda pedagogers sällskap" kam uns zu morbid vor aber "Trevliga pedagogers sällskap" (trevlig=nett) klang schon viel besser. Jemand meinte, OK "nette pedagogen" klingt zwar schön aber "Trötta pedagogers sällskap" wäre doch etwas mehr realistisch (trött = müde). Schliesslich blieb man bei der Abkürzung TPS und meinte ein jeder könnte sich ein passendes Wort für das T wählen. Es gab auch
tråkig = langweilig
tokig = verrückt
tarvlig = gemein,
torr = trocken
Und was ist daraus geworden? Ich glaube mehr als 50 Personen hatten sich dazu angemeldet aber der Mann, der ursprünglich mit der Idee kam, ist ein Kerl der gute Ideen aufs Papier bringen kann aber nicht weiter. Eine Zeit lang fragten sich die Leute, wann denn nun das erste Treffen sein würde und mit der Zeit geriet das ganze in Vergessenheit. Nur an die ausgelassene Diskussion über den Namen erinnert man sich noch heute.
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A bientôt, j'espère,
Marlena
Kafka's Soup
...
Heute habe ich auch von einem neuen Buch gehört:
Kafka's Soup:
A Complete History of World Literature in 14 Recipes ,
das auch in schwedischer Übersetzung erschienen ist.
Publisher Comments:
I needed a table at Maxim's, a hundred bucks, and a gorgeous blonde; what I had was a leg of lamb and no clues. I took hold of the joint. It felt cold and damp, like a coroner's handshake. I took out a knife and cut the lamb into pieces. Feeling the blade in my hand I sliced an onion, and before I knew what I was doing a carrot lay in pieces on the slab. None of them moved.
—from
"LAMB WITH DILL SAUCE À LA RAYMOND CHANDLER"
Na, du siehst so ungefähr den Stil... und dazu ganz wunderbare Fotos. Denn der Autor ist ein Londoner Fotograf.
Ich glaube ich muss mir dieses Buch besorgen, denn ich bin neugierig geworden, wie man Kafkas Lieblingsspeise beschreiben wird. ;-)
Freitag, 18. Januar 2019
Re: Malen oder schreiben?
Lieber ...,
Ich hatte eigentlich von diesem Tag nichts mehr gutes erhofft, als ich mich an den PC setzte und in meine mailbox schaute. So kam dein Mail als eine grosse freudige Überraschung. Ich brauchte eins.
Manchmal (so heute) zweifle ich nämlich an allen meinen gutenVorsätzen. Die Bekannten von mir, diejenigen, die schon ihre volle Freiheit geniessen und denen ich gesagt habe, dass ich jeden Tag etwas wichtiges tun möchte, sagen mir lachend ins Gesicht, dass ich das vergessen kann. Es wird ganz einfach nichts daraus. Sag, sind wir Menschen wirklich so sehr auf äusseren Zwang angewiesen?
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Ja doch, ich kenne diesen Houellebecq oder wie er sich nun schreibt. Ich habe ihn hier in der Bibliothek introduziert. Wenn ich gewusst hätte, welche Themen er behandelt, hätte ich es wohl nicht getan. Aber ich wusste nur, dass man ihn sehr lobte und mit Sartre verglich und ich war neugierig geworden auf ihn.
Es freut mich, dass du schreiben möchtest. Ich meine, wenn du so schreibst, wie du mir schreibst, dann kann es nicht besser sein. Natürlich machen sich viele einen Namen, indem sie etwas Schockierendes bringen, das bisher Tabu war. Aber das hast du nicht nötig.
Wenn ich einen Roman schreiben würde, dann würde er von einer älteren Frau handeln, die von ihrem Leben enttäuscht, in eine Cyberwelt flieht. Ein Roman mit demselben Thema, wie es Bichsel in seiner Kurzgeschichte "Ein Tisch ist ein Tisch" verwendet. Du kennst sie sicher. Der alte Mann findet sein Leben so öde und langweilig bis er eines Tages auf den Gedanken kommt alle Wörter mit anderen zu ersetzen. Er glaubt, dass sich sein Leben nun ändern wird und er hat viel Spass dabei. Doch er verlernt darüber seine eigene Sprache und kann sich am Ende mit niemandem mehr verständigen.
Es ist eine wunderbare aber auch sehr traurige kleine Geschichte, die ich die Jahre hindurch im Unterricht verwendet habe. Bichsel hat sie sogar selbst für den schwedischen Schulfunk vorgelesen. Aber das habe ich dir vor langer Zeit schon einmal erzählt.
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In der Zeitung habe ich gerade wieder von einer Person gelesen, die das Buch "Blonde" über alles preist, und ich frage mich warum ich nicht darin weiterkomme. Ich kämpfe wirklich damit. Am liebsten möchte ich es nur liegen lassen, aber dann bin ich wiederum neugierig, was Leute so gut daran finden. Aber da, wo ich mich befinde, ist M. Monroe immer noch ein Kind, obwohl ihr tragisches Leben eigentlich schon begonnen hat. Hast du das Buch gelesen?
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Nun verabschiede ich mich für heute.
Mit lieben Grüssen,
Malou
Donnerstag, 17. Januar 2019
Malen? .. oder schreiben?
...
Und nun zur nächsten CD-ROM, meinem Roman. Weisst Du, Malou, ich hatte vor etlichen Jahren mit meinen Bildern eine, nein sogar zwei Ausstellungen gemacht. S hatte sie initiiert. Es ging alles gut, und ich habe einige Bilder verkauft. Aber es war - wenn ich zurückblicke - zu früh für micht. Ich hätte damals gerne bei einem Profi Malstunden genommen. Aber ich fand keinen, dessen Bilder mir so gefallen hätten, dass ich ihn als Lehrer akzeptiert hätte. Nur einmal hatten wir - sie war eine Künstlerin - gefragt. Irene Zurkinden, eine bekannte Basler Malerin, hatte lange in Paris gelebt und malte irgendwie mit impressionistischem Einschlag. Ihre Bilder haben mir immer zugesagt. Aber sie wollte keine Stunden geben. Sie sei zu alt dafür, meinte sie damals. Heute ist sie - so glaube ich - gestorben. Kurz und gut: mit der Malerei hatte ich einige Erfahrungen gemacht. Und so bleibt der Wunsch, mit Schreiben irgendwie eine Darstellung zu gestalten. Das Ideal wäre, zwischen den beiden Leidensarten zu pendeln, so wie das Dürrenmatt köstlich getan hat. Auch Varlin war übrigens ein exzellenter Schreiber, witzig und pointiert. Aber ich glaube, ein Roman benötigt eine hohe Konzentration, mindestens wenn man ihn sich in konventioneller Weise vorstellt. Deshalb glaube ich, sollte man eine neue Form finden, die der heutigen Zeit entspricht, die eben nicht mehr soviel Konzentration aufzubringen vermag wie dies Henry James noch getan hatte, diese oberflächliche und flatterige, schnellebige Zeit heute. Kennst Du Houellebecq, den französischen Skandal-Schriftsteller? Er schreibt sehr salopp und geradezu obszön hässlich. Vielleicht ist das der neue Dreh? Man sollte sich ja auch nicht gleich einen Roman vornehmen. Ein paar Geschichten würden es auch tun. Ich hatte in Spanien ein kleines Büchlein mit einigen Geschichten des spanischen Erfolgschriftstellers Javier Marias. Sie stammen aus einer Zeit vor ungefähr 10 Jahren und ich war einigermassen erstaunt, wie umständlich seine Sprache und seine Gedankengänge damals bisweilen waren. Es ist wirklich kein Meister vom Himmel gefallen. Marias ist heute natürlich absolut routiniert und professionell geworden. Aber - und das darf man vielleicht auch nicht verschweigen - ich glaube, ein erfolgreicher Romanschriftsteller hat einen ziemlich monotonen Beruf. Dem wäre nur die Reiseschriftstellerei vorzuziehen, wie sie Noteboom betreibt. Noteboom kann immerhin die Hälfte des Jahres in der Welt herumreisen, um die andere Hälfte in seiner Villa im Mittelmeer darauf zu verwenden, seine Zettelchen zu ordnen und in eine sinnige Reihe zu bringen. Ich bin sicher, Schreiben erfordert noch mehr Selbstdisziplin als Malen. Meine Selbstdisziplin ist nicht mehr so hoch, wie sie früher war. Und ich hatte mich in all den Jahren nicht besonders um die Endprodukte bemüht. Ich habe Zeichnen, Malen und Schreiben immer mehr zum eigenen Vergnügen gemacht und nie auf ein Werk gezielt. Aber heute denke ich, es wäre schön, wenn etwas Bleibendes resultieren könnte. Die Bilder, die ich vor gut 10 Jahren gemacht hatte, gefallen mir heute besser als damals. Damals hatte ich sie stets mit hyperkritischen Augen angeschaut. Ein Freund aus dem Club, Modejournalist und sehr künstlerischer Typ, ermuntert mich immer wieder, zu malen. Aber, das ist vielleicht mein Schicksal, ich bin kein Monomane. Ich kann mich nicht bloss auf ein Ding konzentrieren. Ich liebe die Abwechslung. Ich lasse mich gerne ablenken. Ich bin - um es in einem Wort zu sagen - ein bisschen flatterhaft. In dieser Hinsicht bin ich ja auch noch ziemlich modern.
Montag, 14. Januar 2019
Sonntag, 6. Januar 2019
Wieder hier ...
Fortsetzung
So, mein lieber Mausfreund, ich bin wieder ganz bei dir. Natürlich hätte ich noch einiges zu tun aber ich würde sowieso an dich denken und wenn ich dir zuerst schreibe dann kann ich nachher mehr ungestört arbeiten. :-)
Das Essen hat sehr gut geschmeckt. Auch die Nachspeise ;-)
Du bist sehr schlau glaube ich. Schreibst mir welchen Rat du deiner Tochter gibst. "Eine Frau muss die grenzen setzen u.s.w. " und ich denke vielleicht ist es auch an mich gerichtet. Du willst dass ich unsere §§§ überwache und dir helfe sie zu respektieren ;-) Nun glaube ich doch, dass einiges erlaubt ist in einem Mausleben was man vielleicht nicht in dem "real life" tun würde. Und wozu überhaupt ein Mausleben leben wenn es dem anderen genau ähnlich sein soll?
Ich mache so gern Ausflüge mit dir in unseren Favoritstädten, verbringe ein paar Stunden mit dir auf der Champs-Elysées, ruhe mich nach dem wandern etwas aus auf einer Bank im Jardin du Luxembourg, gehe in Muséen und lasse mich von dir unterrichten. Vielleicht gehen wir am Abend in die Oper oder in eines der vielen Theater. Nachher spazieren wir durch die Tuilerien, wo die Bäume in der Nacht so schön von unten beleuchtet sind, zurück zu unserem Hotel...
Am Tag gehen wir auch in verschiedene "librairies" die du so gern magst und besuchen die rue Mouffetard wo wir uns Obst und Gemüse kaufen, das wir dann am Nachmittag mitnehmen zu einem Ausflug in den Bois de Boulogne. Du hast dazu eine Flasche guten Wein besorgt. Es ist schön davon zu träumen..
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Damals als wir nach Luleå flogen übernachteten wir zuerst in der zentral belegenen Wohnung meines Schwiegervaters. Am nächsten Morgen nahmen wir den Bus in nördlicher Richtung. Noch 70 Kilometer mussten wir fahren. Es war ein schöner sonniger Tag als ich zum ersten Mal zu dem Haus kam wo ich seitdem so viele schöne Sommer verbracht habe. Ein Mann kam uns auf dem Hof entgegen und schloss mich in seine Arme und sofort fühlte ich mich zu Hause. Es war mein lieber Schwiegervater.
Vom Bus aus fand ich wohl die Landschaft etwas karg. Platt und steinig kam sie mir vor. Viel Wald. Aber als ich den Fluss sah war ich überwältigt von der Schönheit der Natur. Von der grossen Bauernküche sieht man direkt hinunter auf den Fluss hinter dem Haus.
Man muss einen steilen Hang runter gehen.
Da stehen grosse Kiefern, Tannen und Birken und man kann Heidelbeeren und später im Herbst auch Preiselbeeren direkt hinter dem Haus pflücken.
Es dauerte viele Jahre bevor ich begriff warum das Licht dort so besonders ist. Der Fluss reflektiert nämlich die Sonnenstrahlen und beleuchtet somit das Laub der Bäume auch von unten. Deswegen badet die ganze Natur in Licht. In einem späteren Mail werde ich dir erzählen wie wir dort unsere Ferien verbringen.
*
Du hast mich gefragt was ich mit dem Turmbauen meine. Ich glaube du weisst es schon, aber kann es natürlich trotzdem erklären. Du machst dir ein Bild von mir, verleihst mir verschiedene Eigenschaften und ich werde dadurch immer "vortrefflicher" in deiner Fantasie. Wenn ich dir dann schreibe kann es passieren dass du einiges wieder streichen musst also könnte man sagen dass ich mit meinen "Steinen" dein Gebäude etwas zerstöre. Ich glaube wenn du mich selbst "bauen" könntest, würde es ein sehr schöner Turm werden.
Und an diesem schönen Traumgebäude würdest du dann hochklettern und versuchen den Himmel zu erreichen..
Kennst du dieses Rilkegedicht?
Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden
in welchen meine Sinne sich vertiefen;
in ihnen hab ich wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gelebt gefunden
....
Ich verlasse dich nun für heute (d.h. den PC aber sicher noch nicht dich)
Gute Nacht, mein lieber Mausfreund
Marlena
Samstag, 5. Januar 2019
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