Fortsetzung
So, mein lieber Mausfreund, ich bin wieder ganz bei dir. Natürlich hätte ich noch einiges zu tun aber ich würde sowieso an dich denken und wenn ich dir zuerst schreibe dann kann ich nachher mehr ungestört arbeiten. :-)
Das Essen hat sehr gut geschmeckt. Auch die Nachspeise ;-)
Du bist sehr schlau glaube ich. Schreibst mir welchen Rat du deiner Tochter gibst. "Eine Frau muss die grenzen setzen u.s.w. " und ich denke vielleicht ist es auch an mich gerichtet. Du willst dass ich unsere §§§ überwache und dir helfe sie zu respektieren ;-) Nun glaube ich doch, dass einiges erlaubt ist in einem Mausleben was man vielleicht nicht in dem "real life" tun würde. Und wozu überhaupt ein Mausleben leben wenn es dem anderen genau ähnlich sein soll?
Ich mache so gern Ausflüge mit dir in unseren Favoritstädten, verbringe ein paar Stunden mit dir auf der Champs-Elysées, ruhe mich nach dem wandern etwas aus auf einer Bank im Jardin du Luxembourg, gehe in Muséen und lasse mich von dir unterrichten. Vielleicht gehen wir am Abend in die Oper oder in eines der vielen Theater. Nachher spazieren wir durch die Tuilerien, wo die Bäume in der Nacht so schön von unten beleuchtet sind, zurück zu unserem Hotel...
Am Tag gehen wir auch in verschiedene "librairies" die du so gern magst und besuchen die rue Mouffetard wo wir uns Obst und Gemüse kaufen, das wir dann am Nachmittag mitnehmen zu einem Ausflug in den Bois de Boulogne. Du hast dazu eine Flasche guten Wein besorgt. Es ist schön davon zu träumen..
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Damals als wir nach Luleå flogen übernachteten wir zuerst in der zentral belegenen Wohnung meines Schwiegervaters. Am nächsten Morgen nahmen wir den Bus in nördlicher Richtung. Noch 70 Kilometer mussten wir fahren. Es war ein schöner sonniger Tag als ich zum ersten Mal zu dem Haus kam wo ich seitdem so viele schöne Sommer verbracht habe. Ein Mann kam uns auf dem Hof entgegen und schloss mich in seine Arme und sofort fühlte ich mich zu Hause. Es war mein lieber Schwiegervater.
Vom Bus aus fand ich wohl die Landschaft etwas karg. Platt und steinig kam sie mir vor. Viel Wald. Aber als ich den Fluss sah war ich überwältigt von der Schönheit der Natur. Von der grossen Bauernküche sieht man direkt hinunter auf den Fluss hinter dem Haus.
Man muss einen steilen Hang runter gehen.
Da stehen grosse Kiefern, Tannen und Birken und man kann Heidelbeeren und später im Herbst auch Preiselbeeren direkt hinter dem Haus pflücken.
Es dauerte viele Jahre bevor ich begriff warum das Licht dort so besonders ist. Der Fluss reflektiert nämlich die Sonnenstrahlen und beleuchtet somit das Laub der Bäume auch von unten. Deswegen badet die ganze Natur in Licht. In einem späteren Mail werde ich dir erzählen wie wir dort unsere Ferien verbringen.
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Du hast mich gefragt was ich mit dem Turmbauen meine. Ich glaube du weisst es schon, aber kann es natürlich trotzdem erklären. Du machst dir ein Bild von mir, verleihst mir verschiedene Eigenschaften und ich werde dadurch immer "vortrefflicher" in deiner Fantasie. Wenn ich dir dann schreibe kann es passieren dass du einiges wieder streichen musst also könnte man sagen dass ich mit meinen "Steinen" dein Gebäude etwas zerstöre. Ich glaube wenn du mich selbst "bauen" könntest, würde es ein sehr schöner Turm werden.
Und an diesem schönen Traumgebäude würdest du dann hochklettern und versuchen den Himmel zu erreichen..
Kennst du dieses Rilkegedicht?
Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden
in welchen meine Sinne sich vertiefen;
in ihnen hab ich wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gelebt gefunden
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Ich verlasse dich nun für heute (d.h. den PC aber sicher noch nicht dich)
Gute Nacht, mein lieber Mausfreund
Marlena