Samstag, 23. Juni 2018

Romantisch?


Ämne: Romantisch? :-)

Lieber ...,
Wie schön und lustig du mir schreibst. Und weisst du, es war das schönste Geschenk das ich mir denken konnte heute.. ein Mail von dir. Eigentlich feiere ich ja nicht mehr aber das Datum erinnert mich doch daran dass ich nun wieder ein Jahr älter geworden bin.

Die Festtage sind vorüber und wir haben sie gefeiert wie es sich gehört. Es wird wie du so richtig vermutest gut gegessen, viel getrunken und die Nacht durch getanzt. Und man singt auch, besonders das schöne Midsommarlied das ganz allein mit seinem geheimnisvollen verlockenden Text die richtige Stimmung hervorzaubern kann. Nein, ich glaube nicht dass ich lieber auf Capri gewesen wäre. Wir haben wirklich viele schöne Traditionen in Schweden und es ist wie du sagst etwas besonderes mit diesen wiederkommenden Ereignissen. Auch mit unserer Reise in den Norden ist es so. So viele Erinnerungen an schöne vergangene Tage werden wieder wach und vermischen sich mit der Gegenwart. Ich weiss es ist pure Nostalgie.. und ich wünsche ich könnte die passenden Worte dafür finden.

Folke ist nun wieder abgereist und ich sollte allmählich mit den Vorbereitungen für die Reise beginnen - auch ist meine Entrümpelungsaktivität noch nicht ganz beendet - aber es war viel zu heiss heute um irgendetwas nützliches zu tun. Unsere Nachbarn sind gerade nach Madeira gefahren und wenn sie zurückkommen Ende nächste Woche können wir losfahren. Also werde ich ungefähr um dieselbe Zeit wie du fahren und wahrscheinlich auch zurückkommen. Ach, ich wage garnicht daran zu denken dass ich so lange ohne ein Lebenszeichen von dir sein muss. Aber ich tröste mich damit dass du dort in guten Händen bist. Sicher wird man dich als geliebtes Familienmitglied sehr verwöhnen und deine Schwiegermutter wird dich fühlen lassen wohin du gehörst... :-) Und ich werde an dich denken. Und wenn ich das Buch lese werde ich es in Gedanken mit dir tun und mir deine Kommentare vorstellen (ich werde versuchen herauszufinden was dir daran gefällt) und ich werde schöne Fotos machen, die ich dir dann im Herbst senden kann.
Ich muss schmunzeln wenn du mich romantisch nennst. Ich glaube du bist der erste Mensch der mich so nennt. Habe ich dir wirklich dieses Bild von mir vermittelt? Wo ich doch eher die Welt sehr nüchtern und realistisch betrachte. :-)
Das schöne kleine Gedicht von Hesse habe ich noch in guter Erinnerung. Es hat mir auch sehr gefallen. Aber es ist ein trauriges Gedicht. Es endet mit den Worten:

Seltsam im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
jeder ist allein.

Lass mich bald wieder von dir hören. Ich SSSSS dich immer wieder. :-)
Mit einem lieben Gruss
Marlena



Mittwoch, 20. Juni 2018

Sommerlich



Liebe Marlena
Nun ja, mit einem kühlen Rosé nach einem exquisiten
Essen, darüber könnte man mit mir schon verhandeln.
Ich bin hier etwas in Aufbruchstimmung. Muss noch einige
Dinge abschliessen, die Bücher organisieren, aufräumen,
und was sonst alles anfällt, bis zu den Ferien. Im Moment
ist es strahlend schön, und in aller Augen kannst Du die
azurblaue Adria und ihr Wellenspiel sehen. Alle träumen
von irgend einer romantischen Destination.
Gestern abend haben wir mit dem Club ein Schloss in der
Nähe besichtigt. Es gibt in diesem Teil unserer Region die
höchste Dichte an Burgen und Schlössern in Europa, hat
der Führer stolz behauptet. Das Gebäude, welches wir
besucht haben, ist ein alter Wehrturm auf der Spitze
eines Felsens. Später hat man um den Turm herum noch
Anbauten zugefügt, die heute noch bewohnt sind. Und
unter dem Felsen führt direkt eine internationale
Eisenbahnlinie durch. Das war alles in allem nicht
uninteressant, wenn auch diese Burg nicht soviel zu
sehen bietet wie ein französisches Loire-Schloss oder
eine italienische Barockkirche. Im Hof des Schlosses
haben wir unseren Apéro genommen und geplaudert.
Und schliesslich gab es im nahen Dorf ein Nachtessen
über mehrere Gänge. Letzteres war nicht so besonders,
und etwas üppig, für einen solch warmen Sommerabend.
Aber die allermeisten haben es überlebt, wenngleich einige
arg geschwitzt haben im backofenwarmen Esssaal des
Hotels mit der tiefen Decke. Und so sind wir schliesslich
gegen 11Uhr wieder zurückgefahren und haben uns mit
vollem Magen im heissen Bett gewälzt.
Man soll doch nicht soviel essen, erstens abends und
zweitens, wenn's so warm ist! Weshalb lernt der Mensch
so schwer??
Heute bin ich unterwegs. Morgens in Basel, nachmittags in
Olten, jener kleinen Stadt, wo ich früher einmal für 5 Jahre
gelebt habe. Olten ist der Verkehrsknotenpunkt der
Schweiz. Hier kreuzen sich eisenbahnmässig die Achsen
Basel - Chiasso und Genf - Romanshorn. Mit andern
Worten Nord-Süd und Ost-West. Früher, als die Leute noch
mit der Bahn reisten, wusste jeder, dass er früher oder 
später den grossen Oltner Bahnhof durchqueren würde.
Natürlich mit einem Halt, zum Umsteigen. Jeder kannte
also die Ortschaft, aber keiner war wirklich je in der kleinen
Stadt gewesen. Und dabei ist es eine recht lebendige Stadt
mit einer sehr hübschen Altstadt direkt am Fluss, mit einer
romantischen alten und gedeckten Holzbrücke. Mein Büro
war auch direkt an diesem Fluss, wunderschön gelegen.
Nur dass Olten im Winter jeweils etwas nebelig war. S
mochte das gar nicht. Ich fand es hingegen phänomenal,
bei dichtem Nebel durch die Strassen zu gehen. Alles
erscheint dann so nah und intim, es ergibt ein
merkwürdiges Gefühl.
Sicherlich gibt es darüber einige romantische Gedichte.
Eines, so erinnere ich mich, beginnt wie: "Seltsam, im
Nebel zu wandern ...". Gerade gestern habe ich im Gestell
ein Büchlein gefunden mit Gedichten deutscher Romantik.
Doch ich habe dieses eine Gedicht nicht gefunden.
Vielleicht handelt es ja auch nicht hauptsächlich vom
Nebel, diesem diffusen und höchst beliebten Szenenbild
der Romantik, sondern von Naturerlebnissen oder
Sonnenaufgängen oder geheimer Liebe, wie sie die
Romantik ja auch nicht verachtet hat.

Erst in den letzten Jahren habe ich entdeckt, wie wichtig
die Romantik noch für unsere Tage ist. Sie hatte wirklich
einen nachhaltigen Einfluss auf unser Denken und Fühlen.
Die Gedichte wirken heute, neben ihrer Süsslichkeit
und ihrem Pathos, etwas ekstatisch. Das Romantische ist
eine "Gemütserregungskunst", hat Novalis gesagt. Und das
kennst Du ja bestens, Marlena. Nun ja, über Romantik
muss ich Dir wirklich kaum etwas erzählen.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit einem lieben Gruss 

...   

Freitag, 8. Juni 2018

Oh sweet song!





How shall I hold my soul and yet not touch
It with your own? How shall I ever place
It clear of you on anything beyond?
Oh gladly I would stow it next to such
Things in the darkness as are never found
Down in an alien and silent space
That does not resonate when you resound.
But everything that touches me and you
Takes us together like a bow on two
Taut strings to stroke them to the voice of one.
What instrument have we been lain along?
Whose are the hands that play our unison?
Oh sweet song!

(Rilke)
(Capri 1907)




Montag, 4. Juni 2018

Blick durchs Fenster




An Rainer Maria Rilke
Gedicht von Karl Ernst Knodt.

Du hast mich reich gemacht, du seltner Mann!
Ich war so müde der verbrauchten Worte,
Ich war so arm geworden in dem Bann
Des Taggesprächs ... Da tatest Du die Pforte
Zu neuem Wort mir auf! Ganz ohne Schlüssel
Schloß sich die Tür mir auf zu jenem Innenraum,
Wo wie auf einer klarkristallnen Schüssel
Die Muse mir entgegentrug den Tag und Traum
In neuen, niegeahnten Farben ... Und mir war,
Als wäre nun die Erde neugeschaffen,
Als wäre mir die Welt nochmal so klar.
Ich fühlte tausend neue Fenster in den Augen klaffen,
Und durch sie spielten neue Lichter in mein Herz.

- - - -

Da halt' ich nun mein Glück und meinen Schmerz
Und form sie um. Ich schaffe neu mein Leben.
....
Du heil'ge Kunst, sollst zu der neuen Form
auch neuen Geist mir geben!

Sonntag, 3. Juni 2018

Ja doch ...






Lieber. ..
Ja doch... Eifersucht ist es. Ein Wunsch dich nicht mit
anderen teilen zu müssen. Und ich sehe doch ein, wie
komisch das ist. Ich meine, wenn man seinen Mann
Jahrzehnte hindurch als "single" leben lässt während
der Woche, umgeben von Frauen, die ihn attraktiv finden
und.. na ja du kannst dir das sicher vorstellen.. dann kann
man sich solche Gefühle wie Eifersucht nicht leisten.
Ausserdem ist meine Parole: "Leben und leben lassen".
Klingt doch schön? Und sollte natürlich auch dir gelten.

(--)


Ich wünsche dir einen schönen Tag,

MlG,
Malou

Samstag, 2. Juni 2018

Re: Il faut que tu saches...


Liebe Malou
Ich kenne den Subjonctiv sehr wohl. Aber es gibt damit
auch sehr lyrische Redensweisen. Es ist eine Art, die
Direktheit von Aussagen zu mildern. Für mich bleiben
sie eine Art Moll-Tonlage. Ich habe - nebenbei gesagt -
den Subjoctiv-Brief von F noch nicht beantwortet. Ich
muss zusehen, wann ich dazu komme.
Deine Schilderung des Schreibkrampfes hat mich eher
amusiert. Na ja, amusiert, es hat mich auch erstaunt. Ich
habe mir überlegt, wie man so was überwinden kann.
Und ich habe mich daran erinnert, wie Du am Anfang
unserer Mailerei oft erzählt hast, dass Du Deine Zeilen
wieder gelöscht hast. Das ist doch alles in etwa dasselbe.
Ich könnte Dich jetzt beruhigen und erklären, weshalb
eine solche Anpsannung absolut nicht nötig sei. Aber
das bringt ja wohl nicht viel.
(---)
Übrigens: Du hast den Fortschritt Deiner ABB Aktien
belächelt, von 39 auf 41 oder ähnlich. Das sind wohl
Kronen, oder nicht? Aber vielleicht solltest Du
berücksichtigen, wie lang der Weg von 39 auf 41 war.
Die Aktien waren teilweise bedeutend tiefer. Vielleicht
hast Du all die Aengste und Sorgen, die ich mit diesem
Baby erlebt habe, schlichtweg verpasst. Was bist Du
auch eine Rabenmutter!!!

Ich wünsche Dir einen schönen Tag
Mit lieben Grüssen
...



Freitag, 1. Juni 2018

Il faut que tu saches ..



Lieber ...,
So heisst es im Song von Celine Dion gesungen, den
ich mir gestern vor dem Einschlafen anhörte. Ich habe
seit einiger Zeit einen kleinen portablen CD-spieler.. wie
nennt man die schnell? Und abends, wenn ich nicht allzu
müde bin, höre ich mir vor dem Einschlafen ein wenig
Musik an. Dabei habe ich auch daran gedacht, dass du
neulich im Zusammenhang mit dem Brief deiner Jugend-
freundin, den Subjonctif erwähnt hast. Und ein wenig habe
ich geschmunzelt über deinen Kommentar dazu. Der
Subjonctifist nämlich ein alltagliches Ding und kann in
sehr prosaischen Sätzen verwendet werden.
Z.B  Il faut que j'aille aux toilettes... Il faut que tu fasses
attention... Il vaut mieux que tu prennes un taxi... Je suis
contente que tu sois guéri... Tu veux que je vienne chez
toi?  u.s.w.

Manchmal habe ich grosse Lust dir lieber auf Englisch oder
Französisch zu schreiben. Dann könnte ich mich irgendwie
hinter schönen Formulierungen verstecken. Verstehst du
wie ich das meine? Und sogar die meist alltäglichen Dinge
würdest du interessant finden, eben weil sie in einer
anderen Sprache schöner klingen.
Hast du den ersten Artikel, den aus "The Guardian"
gelesen? Müsste dich eigentlich sehr interessieren. Er
war ein Bisschen ein ..., der liebe August. ;-)

(---)

Nun lasse ich dich nochmals heute und wünsche dir
noch einen schönen Abend,
mit lieben Grüssen,
Malou