Samstag, 4. November 2017
Cafés in Zürich anno dazumal
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Es war ein schönes und stilles Vergnügen, in den
verschiedenen Buchhandlungen und Antiquariaten
(die im allgemeinen ziemlich düster und staubig
waren) herumzustreichen und nach irgendwelchen
Neuerscheinungen zu suchen. Gelegentlich traf man
dabei irgend eine Kollegin oder einen Kollegen.
Oder wenn ich dann irgend eine Jagdtrophäe erobert
hatte, pflegte ich mich in eines der kleinen Cafés zur
Lektüre zurückzuziehen. Schön war beispielsweise das
Weggen auf der anderen Flusseite. Das Café war ziemlich
diskret in einer schmalen Gasse versteckt. Und wer es nicht
kannte, konnte kaum per Zufall drauf kommen. Es war
modern möbliert, mit unterschiedlichen hölzernen und
farbig gestrichenen Stühlen. Und rechts in einer Nische
stand ein Ledersofa, in das man sich sinken lassen konnte.
Diese Ecke hatte ich immer bevorzugt. Sie war wirklich sehr
bequem. Und dazu gab es im Weggen eine hübsche und
sympatische, schon etwas ältere Servierin, die immer
modisch gekleidet und freundlich daherkam.
Das Café war klein, wohlgemerkt. Insgesamt gab es
vielleicht 5 oder 6 Tischlein mit normalerweise 2 Stühlen.
Oder dann ging ich in jenes kleine Restaurant neben dem
Storchen, das wohl kaum jemand kannte in Zürich. Es lag
für die meisten Zürcher nicht am Weg, weil es gegenüber
des Limmatquais lag. Mir war es aufgefallen, weil man
durch die grossen Fenster eine wunderbare Sicht über
die Limmat hinweg auf den Limmatquai und auf das
Grossmünster hatte. Es war die allerbeste Sicht. Aber das
Lokal an sich war nicht schön. Es verkehrten wenig Leute.
Und an irgend ein bekanntes Gesicht kann ich mich
überhaupt nicht mehr erinnern. Aber ich hatte immer
die Vorstellung, dass man hier in aller Ruhe bei einer
Tasse Kaffee einen Roman schreiben könnte.
Die echten Schriftsteller frequentierten aber damals
immer noch das Odeon am Bellvueplatz. Es war das
bekannte und grosse Wienercafé, das sich in der
Kriegszeit als Flüchtlingsnest einen Namen gemacht
hatte. Dort gab es an den Fenstern vorne kleineTische.
Und der Vorhang hing erst dahinter. Ein Schriftsteller
konnte also den Vorhang ziehen und war dann gegenüber
dem Betrieb im Lokal abgeschirmt. Er schien sozusagen
auf der Strasse zu sitzen, war aber durch die Scheibe von
den Passanten geschützt. In diesen Nischen sind wohl
einige Romane Zürichs entstanden. Und man sagt, dass
auch Max Frisch früher das Café Odeon oft besucht hätte.
Zu meiner Zeit war dem nicht mehr so. Zu meiner Zeit
hatte Frisch schon einigermassen Geld und pflegte sich
ins noble Restaurant gegenüber zurückzuziehen.
Gelegentlich besuchte ich mit einem neuen Buch das Café
am Rindermarkt ganz in der Nähe des Kunstmuseums und
des Schauspielhauses. Das war ein grosses, übersichtliches
Café, das regelmässig gut besucht war. Die Universität
war nicht weit, und es verkehrten auch Studenten dort.
Und gleich im Stock oberhalb war das Sozialarchiv
untergebracht, wo wir gelegentlich nach Literatur
suchten.
...
Freitag, 3. November 2017
auf dem Dach gegenüber
---
Bei mir hier sitzen die Tauben gelangweilt oben auf dem
hohen Dach gegenüber und feilen an den Fingernägeln.
Manchmal geht eine Bewegung durch die Reihe, die nur
mit Erotik oder vielleicht Eifersucht zu tun haben kann.
Dann fliegt eine weg, steuert irgend einen hohen Punkt an,
den ich nicht mehr übersehen kann, wo sie sich schmollend
niederlässt und lässt so in der wohlkalkulierten Reihe eine
Lücke zurück. Aber ich bin überzeugt, Tauben sind ziemlich
monogam und beobachten eifersüchtig, was in ihrer
Gruppe da oben geschieht. Wahrscheinlich sprechen sie
miteinander mit den Augen, schauen nachsichtig oder
scharf in die Welt und versuchen sich so, es ihren Nächsten
verständlich zu machen. Manche sind auch ziemlich eitel.
Sie putzen und scheuern sich stundenlang. Aber gelegent-
lich stehen sie auch bloss dort oben, krallen sich an die
Dachziegel und schauen auf die kleinen Menschlein
hinunter.
Ich weiss nicht, was sie tun. Vielleicht zählen sie die Autos?
Vielleicht suchen sie eine spezielle Marke heraus, etwa
Volkswagen oder Merzedes, und verfolgen sie bis an
den Horizont. Oder vielleicht ist es schieres Mitleid,
das sie für Fussgänger haben, die sich eilig durch den
Verkehr quälen.
Wenn Kästner meint, die Möwen schauten aus, als ob sie
Emma hiessen, dann heissen die Tauben wohl Maria.
Und wenn sie oben auf der Dachkante hocken, spielen
sie Rosenkranz.
Bei mir hier sitzen die Tauben gelangweilt oben auf dem
hohen Dach gegenüber und feilen an den Fingernägeln.
Manchmal geht eine Bewegung durch die Reihe, die nur
mit Erotik oder vielleicht Eifersucht zu tun haben kann.
Dann fliegt eine weg, steuert irgend einen hohen Punkt an,
den ich nicht mehr übersehen kann, wo sie sich schmollend
niederlässt und lässt so in der wohlkalkulierten Reihe eine
Lücke zurück. Aber ich bin überzeugt, Tauben sind ziemlich
monogam und beobachten eifersüchtig, was in ihrer
Gruppe da oben geschieht. Wahrscheinlich sprechen sie
miteinander mit den Augen, schauen nachsichtig oder
scharf in die Welt und versuchen sich so, es ihren Nächsten
verständlich zu machen. Manche sind auch ziemlich eitel.
Sie putzen und scheuern sich stundenlang. Aber gelegent-
lich stehen sie auch bloss dort oben, krallen sich an die
Dachziegel und schauen auf die kleinen Menschlein
hinunter.
Ich weiss nicht, was sie tun. Vielleicht zählen sie die Autos?
Vielleicht suchen sie eine spezielle Marke heraus, etwa
Volkswagen oder Merzedes, und verfolgen sie bis an
den Horizont. Oder vielleicht ist es schieres Mitleid,
das sie für Fussgänger haben, die sich eilig durch den
Verkehr quälen.
Wenn Kästner meint, die Möwen schauten aus, als ob sie
Emma hiessen, dann heissen die Tauben wohl Maria.
Und wenn sie oben auf der Dachkante hocken, spielen
sie Rosenkranz.
Mittwoch, 1. November 2017
Métro, alt werden und Arc de Triomphe
Lieber ...
...
Ja, die Musik unten in der Métro. Es ist wahr, mein
Herz wäre beinahe zersprungen, als ich das Concierto
de Aranjuez hörte, das ein Musiker dort auf seiner Oboe
spielte. Es war himmlisch schön. Und man vergass darüber
die langen mühsamen Gänge. Die Akustik ist auch sehr
gut dort.
Wir konnten direkt von Boulogne mit der Metro ins
Zentrum fahren. Einmal, als ich abends allein in der Stadt
war, bin ich aus Versehen in Richtung Gare du Nord
gefahren. D.h. die richtige Linie aber die falsche Richtung.
Und als ich zurückfuhr war so gut wie der ganze Wagen voll
von Schwarzen. Ich schätze es müssen mindestens 80 %
gewesen sein. Zum grossen Teil elegante gepflegte
Menschen.
An dem Nachmittag habe ich mir zum ersten Mal Paris vom
Arc de Triomphe angesehen. Und während ich zusammen
mit Japanern, Russen, Spaniern u.a.m. in alle Richtungen
geschaut habe, fand unten am Grab eine Zeremonie statt
mit den "ancien combattants". Uniformiert, mit Medaillen
dekoriert und Fahnen in der Hand und natürlich passende
Musik dazu. Eigentlich genau wie damals, als ich um die 20
war. Doch auch die Herren waren um einiges jünger
damals. Vielleicht waren es dieselben. *s*
A propos Alter. Du schreibst nun oft, dass du dich wie rund
50 fühlst.. oder in den Augen der anderen erscheinst. Ist
das denn so wichtig? Ich finde je älter ein Mann ist, desto
interessanter ist er. Na ja, kommt vielleicht darauf an zu
was man ihn haben will. ;-) Aber als Gesprächspartner sind
sie den jüngeren überlegen. Jüngere Leute haben so viel zu
tun. Sie haben eigentlich keine Zeit über das Leben
nachzudenken.
Haha… ich plaudere so dahin… und diese dumme Sprache
(es ist kein Whisky involviert, aber danke für den Tip). Ich
frage mich ob man überhaupt das Wesen eines Menschen,
der nicht seine Muttersprache verwendet, richtig kennen-
lernen kann. Dabei denke ich auch an dich und S.
Ja, die Musik unten in der Métro. Es ist wahr, mein
Herz wäre beinahe zersprungen, als ich das Concierto
de Aranjuez hörte, das ein Musiker dort auf seiner Oboe
spielte. Es war himmlisch schön. Und man vergass darüber
die langen mühsamen Gänge. Die Akustik ist auch sehr
gut dort.
Wir konnten direkt von Boulogne mit der Metro ins
Zentrum fahren. Einmal, als ich abends allein in der Stadt
war, bin ich aus Versehen in Richtung Gare du Nord
gefahren. D.h. die richtige Linie aber die falsche Richtung.
Und als ich zurückfuhr war so gut wie der ganze Wagen voll
von Schwarzen. Ich schätze es müssen mindestens 80 %
gewesen sein. Zum grossen Teil elegante gepflegte
Menschen.
An dem Nachmittag habe ich mir zum ersten Mal Paris vom
Arc de Triomphe angesehen. Und während ich zusammen
mit Japanern, Russen, Spaniern u.a.m. in alle Richtungen
geschaut habe, fand unten am Grab eine Zeremonie statt
mit den "ancien combattants". Uniformiert, mit Medaillen
dekoriert und Fahnen in der Hand und natürlich passende
Musik dazu. Eigentlich genau wie damals, als ich um die 20
war. Doch auch die Herren waren um einiges jünger
damals. Vielleicht waren es dieselben. *s*
A propos Alter. Du schreibst nun oft, dass du dich wie rund
50 fühlst.. oder in den Augen der anderen erscheinst. Ist
das denn so wichtig? Ich finde je älter ein Mann ist, desto
interessanter ist er. Na ja, kommt vielleicht darauf an zu
was man ihn haben will. ;-) Aber als Gesprächspartner sind
sie den jüngeren überlegen. Jüngere Leute haben so viel zu
tun. Sie haben eigentlich keine Zeit über das Leben
nachzudenken.
Haha… ich plaudere so dahin… und diese dumme Sprache
(es ist kein Whisky involviert, aber danke für den Tip). Ich
frage mich ob man überhaupt das Wesen eines Menschen,
der nicht seine Muttersprache verwendet, richtig kennen-
lernen kann. Dabei denke ich auch an dich und S.
Dienstag, 31. Oktober 2017
Noch ein Römerbild
Santi Luca e Martina
Ich glaube, ich schicke Dir wieder mal ein Römerbild. Hast
Du den Stadtplan dabei, damit Du dann auch genauestens
orientiert bist. Ich behaupte, in einer halben Stunde kann
man das Zentrum Roms auf einem Plan kennenlernen, dass
man sich dann schon ziemlich gut auskennt, sodass man
kaum mehr verloren gehen kann. Und ich muss gestehen,
dass ich mich nach einigen Tagen dort nach meinem Bild
Zürichs orientiert habe. Ich würde sagen, dass Zürichs
Zentrum ungefähr gleich gross sein muss.
Die Via del Corso ist die Bahnhofstrasse. Die Universität
liegtungefähr im Raum der Stazione Termini, wo dahinter
ja wirklich auch die Uni liegt. Der Vatikan wäre ungefähr
der Uetliberg. Und das Forum Romanum stellt als eine Art
Steinwüste den Zürichsee dar. Aber ich habe diese Vorlage
nicht bewusst genommen, sondern habe erst im
Nachhinein bemerkt, dass es in meinem Kopf so abläuft.
Schau mal dieses hübsche Foto. Ich glaube, es war eines
der ersten, die ich knipste. Es war gegen Abend und ich
kam von Termini herunter. Und da fand ich diese Gruppe
Jugendlicher vor der Kirche S Martina e Luca. So glaube
ich zumindest, dass sie heisst. Sie liegt gleich neben dem
Forum Romanum. Diese Kuppelkirchen, typische Barock-
gebilde, haben es mir einfach angetan. Ich habe sie von
allen Seiten fotographiert. Sie prägen ja auch die Sky-Line
Roms. Und sie sehen aus allen Seiten gleich aus ;--).
Ich habe übrigens die Erkenntnis gemacht, wie sich diese
Kirchen architektonisch entwickelt haben. Das wusste ich
vorher nicht, oder nicht so bewusst. Der Anfang war die alte
Basilika, also ein Langraum. Dann kamen die Seitenschiffe
hinzu. Ich glaube, der alte St. Peter war so eine alte
Basilika. Dann kam das Querschiff, das den Grundriss
eines lateinischen Kreuzes machte. Und damit ergab sich
die Vierung, jenes Quadrat, über dem sich Hauptschiff und
Querschiff kreuzten. Darüber entstand oft der Kirchturm.
Und im Barock dann eben die Kuppel, wie man in der
Kirche Il Gesù sehen kann. Und schlisslich hat man die
Schiffe beiseite gelassen und nur diesen Rundbau mit der
Kuppel gebaut. Ich finde, das ergibt einen wirklich schönen,
geradezu idealen Innenraum. Es gibt noch andere solche
Kuppelkirchen in der Nähe des Forums. Diese hier ist lange
nicht renoviert worden und sieht ein bisschen vergammelt
aus. Die eine Seite, nämlich jene, die Richtung Forum geht,
ist eine Präsentationsfassade mit Eingang. Ich glaube, ich
habe sie auf einem anderen Foto mindestens teilweise
erwischt.
Schön ist die Abendsonne auf dem Bild und der Kontrast
der doch überaus vergänglichen und volatilen Ballone vor
dem Hintergrund der Kirche, die ja schon fast sowas wie
die Ewigkeit repräsentiert.
Sonntag, 29. Oktober 2017
Besuch im Vatikan

Hier noch zwei Bilder. Sie kommen, wie Du sicherlich annehmen wirst, aus der Umgebung des Vatikans. Die Medaille für Kristina von Schweden befindet sich, wie Du bestimmt weisst, in S Pietro. Ziemlich nahe beim Eingang auf der rechten seite findet man die riesige Medaille. Sie hängt allerdings ziemlich hoch, so dass man die Inschrift kaum lesen kann. Nicht weit davon steht die Pietà von Michelangelo. Davon schicke ich Dir später ein Bild. Natürlich hätte ich diese katholische Christina niemals gesehen ohne unsere Mailerei.
Und das andere Bild stammt von der Piazza Santa. Es war ziemlich warm, und die drei Patres haben sich irgendwo ein Wässerchen organisiert. Ich glaube, sie kommen alle drei von sehr verschiedenen Ethnien. Na ja, zwei Asiaten und ein Westler. Der liebe Gott muss in der Tat mehrsprachig sein. Die Moslems denken, er spreche arabisch, die Katholiken vielleicht immer noch, lateinisch. Aber er kann bestimmt auch ein paar Brocken Schweizerdeutsch! Wenn man von der Piazza Santa durch die Kolonnaden in den Dom will, muss man einen gründlichen Check über sich ergehen lassen. Manchmal gibt es dort lange Warteschlangen. Sie durchleuchten alles: Taschen, Körbe, Mappen etc. Nur die Priester lassen sie ungeschoren durch, wie ich meine. Und dann geht es wieder mehr oder weniger in Kolonne hinauf zum Eingang. Man muss also, wenn man auf den Petersplatz kommt, auf der rechten Seite hinauf. Links lassen sie einen nicht eintreten.
Die Piazza Santa ist einfach eindrücklich. Einen solchen Platz gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Das hängt an seiner genialen Gestaltung, aber natürlich auch an den vielen Menschen, die ihn beleben. Man hat irgendwie den Eindruck, hier sei so etwas wie das Zentrum der Welt. Das würden natürlich viele bestreiten, aber eine solche Konzention habe ich sonst nirgendwo gesehen. Na ja, ich habe auch nicht alle Plätze gesehen. Ich würde behaupten, S Marco in Venedig mache einen ähnlich grossen Eindruck auf unsere Seelen. Aber daran sieht man vielleicht nur meinen Eurozentrismus. Der grosse Platz in Isfahan ist jedenfalls von völlig anderer Qualität. Und Times-Square ist kein Platz, sondern eine blosse Strassenkreuzung. Na ja, vielleicht wäre da noch der Wasserturmplatz in Liestal zu erwähnen. Er ist natürlich auch eindrücklich im Sinne der Redensweise: Steter Tropfen höhlt den Stein (meiner Seele).
Es ist merkwürdig, wie ich mich in katholischen Kirchen wohl fühle. Ich fühle dort immer einen Frieden und finde mich gut aufgehoben. Das hängt vielleicht schon damit zusammen, dass ich solche Kirchenbesuche mit Ferien assoziiere. In eine Kirche zu treten, bedeutet für mich sozusagen Ferien. Und natürlich sind solche Kirchen immer auch angenehm kühl und ein bisschen dunkel, in Kontrast zur Hitze und Helligkeit der Strasse. Ich kann die Römer verstehen, dass sie ihre schönen Kirchen wie Ruhe- und Meditationsräume nutzen. Und wenn man dann eintritt, zum Beispiel morgens um neun, dann denkt man, man sei allein in diesem grossen Raum. Es sind keine Menschen zu sehen. Man ist beeindruckt vom Raum, von den Säulen, vielleicht von den Malereien oder vom Altar. Man geht herum. Und plötzlich sieht man da und dort Menschen. Die einen sitzen still und scheinen zu beten, oder doch zumindest sich selbst zu suchen und zu finden. Andere gehen herum und schauen sich auch die Kirche an. Vielleicht ist noch irgendwo ein Sakristan unterwegs, der mit irgendwelchen Dingen hantiert. Einziger Nachteil der Kirchen: man kriegt leicht Nackenstarre!
Ich hatte in Il Gesû ein lustiges Erlebnis. Ich war so müde und hatte mich auf einen Bank mitten in der Kirche gesetzt. Es gibt dort ein schönes, barockes trompe d'oeuil Deckengemälde, so dass man denkt, man würde geradewegs in den Himmel hinauf sehen. Aber eben der Nacken. Ich sass also ziemlich erschöpft dort und bemerkte, dass ungefähr 4 m vor mier ein Bild aufgestellt war. Es war so schief an einen Stuhl gelehnt. Und wenn immer Menschen vorbeikamen und das Bild betrachteten, hellte sich ihr Gesicht auf. Sie waren ganz begeistert von diesem Bild, vielleicht 50x100cm gross. Und je mehr Leute ich passieren und leuhten sah desto neugieriger wurde ich, was es wohl auf diesem Bild zu sehen gäbe. Ich dachte an einen Grundriss, irgend eine Darstellung, die den Menschen eine Übersicht und eine Einsicht gaben. Ich konnte mir nichts anderes vorstellen als eine erläuternde Darstellung. Und als ich dann meine Kräfte wieder gesammelt hatte und bereit war, mich hin zu diesem Bild zu bewegen, da fand ich ... einen Spiegel. Er war schief gestellt, so dass man, ohne den Kopf in den Nacken zu werfen, die Decke betrachten konnte. Das war ein lustiger Moment.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Samstag, 28. Oktober 2017
Geheimnis der Liebe
Lieber ...,
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Übrigens scheint nun das Geheimnis der Liebe bald gelöst zu sein. Die neueste Forschung auf dem Gebiet sagt: eine Verliebtheit (Passion) hält 18 Monate bis zu 4 Jahren an. Wenn wir uns verlieben, bildet der Körper Fenyletylamin (nicht zu verwechseln mit Testosteron). Hier gilt es nämlich wirklicher Liebe. Fenyletylamin hat ähnliche Eigenschaften wie cannabis und amfetamin. Man wird „hoch“ davon.
Leider hat diese körpereigene Passionsdroge noch mehr Ähnlichkeiten mit Narkotika. U.a. bildet der Körper allmählich eine Toleranz dagegen. Der Effekt verschwindet und damit auch die Passion. Und höchstens vier Jahre lang hält die Verliebtheit an. Aber das Ende der Passion braucht nicht das Ende einer Beziehung zu bedeuten. Die Molekylärbiologie hat gefunden, dass Paarbeziehungen auch das morfinähnliche, beruhigende Oxytocin bilden, das nicht so stark ist wie die Passionsdrogen, aber das „habit-forming“ (weiss nicht auf deutsch) ist und auch nach der Verliebheit anhält. Für denjenigen, der nicht ohne Passion leben kann gibt es nur einen Ausweg: einen neuen Partner zu finden in den man sich verlieben kann. Mit einem neuen Objekt für die Verliebheit beginnt die Fenyletynamilproduktion und die Passion von neuem.
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Übrigens scheint nun das Geheimnis der Liebe bald gelöst zu sein. Die neueste Forschung auf dem Gebiet sagt: eine Verliebtheit (Passion) hält 18 Monate bis zu 4 Jahren an. Wenn wir uns verlieben, bildet der Körper Fenyletylamin (nicht zu verwechseln mit Testosteron). Hier gilt es nämlich wirklicher Liebe. Fenyletylamin hat ähnliche Eigenschaften wie cannabis und amfetamin. Man wird „hoch“ davon.
Leider hat diese körpereigene Passionsdroge noch mehr Ähnlichkeiten mit Narkotika. U.a. bildet der Körper allmählich eine Toleranz dagegen. Der Effekt verschwindet und damit auch die Passion. Und höchstens vier Jahre lang hält die Verliebtheit an. Aber das Ende der Passion braucht nicht das Ende einer Beziehung zu bedeuten. Die Molekylärbiologie hat gefunden, dass Paarbeziehungen auch das morfinähnliche, beruhigende Oxytocin bilden, das nicht so stark ist wie die Passionsdrogen, aber das „habit-forming“ (weiss nicht auf deutsch) ist und auch nach der Verliebheit anhält. Für denjenigen, der nicht ohne Passion leben kann gibt es nur einen Ausweg: einen neuen Partner zu finden in den man sich verlieben kann. Mit einem neuen Objekt für die Verliebheit beginnt die Fenyletynamilproduktion und die Passion von neuem.
Freitag, 27. Oktober 2017
Wie Männer kochen
Nebenbei gesagt weiss ich, liebe Marlena, wie Männer kochen. Ich mach das heute eigentlich kaum mehr. Aber früher habe ich auch ab und zu gekocht, so, wie Männer eben kochen. In der einen das Weinglas, in der anderen den Kochlöffel, das ist die klassische Pose. So was gehört sich. Ohne das wäre Kochen Galeerenarbeit und die Küche die wahre Hölle. Mit dem Wein aber schon ein bisschen anzufangen, das gibt der Küche jenen Glanz, die sie überhaupt erträglich, ja vielleicht gar wohnlich macht. Man muss aber auch wissen, dass das nicht freiwillig ist. Es herrschen hier ziemlich verbindliche Regeln und Gesetze: Es geht darum, dass man den Wein rechtzeitig zu öffnen hat. Es geht darum, dass man zu prüfen hat, ob denn der Zapfen nicht riecht. Es geht nicht zuletzt darum, dass man sich für ein Vorhaben solcher Grössenordnung – nämlich ein Essen auf den Tisch zu bringen – dass man sich für ein solches Wagnis etwas Mut antrinken muss. Denn wenn man daran denkt, was dabei alles schief gehen könnte! Also, meine Liebe, alle Männer der Welt kochen auf diese Art und Weise. Nicht alle kochen sie vielleicht eine Bouillabaisse, aber alle fuchteln sie mit Weinglas und Kochlöffel herum. Das ist – darwinistisch gesprochen - das Resultat stammesgeschichtlicher Evolution. Soweit die Summe soziobiologischer Erkenntnis! Und was auch erkannt ist: Männer kochen mit doppelt bis dreifachem Budget als ihre Frauen. Und sie waschen nicht ab post festum und überlassen die schmutzige Küche dem Personal. Wer auch immer dieses Personal sein mag. Gott möge sie segnen und behüten, diese Männer der Welt!!!
Ich selbst bin heute soweit, dass ich mir erlaube, mit dem Weinglas in der Luft herum zu fahren, ohne dabei gleich kochen zu müssen. Das mag jetzt etwas überheblich klingen, Marlena, ist es ja vielleicht auch. Aber es braucht doch viel Arbeit an sich selbst, zu trinken, ohne zu kochen. Das ist sozusagen eine Trapeznummer ohne Netz. ...
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