Dienstag, 6. Juni 2017

Nationalfeiertag in Schweden



heute am 6. Juni 2017



und damals:


date 6 June 2005 06:31
subject Merci


Lieber ...,

Heute feiern wir unseren Nationaltag, zum ersten Mal als roten Tag im
Kalender. Anstatt den Pfingstmontag haben wir nun diesen als offiziellen
Feiertag.






Montag, 5. Juni 2017

Sonntag, 4. Juni 2017

Pfingstrosen







Siehst Du, wie die Pfingstrosen blühen? Es sind von allen Blumen die ersten, die ich in meiner Jugend irgendwie bemerkt habe. Vielleicht mal von den Hortensien abgesehen, die ich seit der Beerdigung meiner Mutter irgendwie kannte. Pfingstrosen haben Ameisen, deshalb vielleicht habe ich sie mir gemerkt. Und ich erinnere mich an ein Bild Manets mit schönen Pfingstrosen. Sie sind schön, wenn sie blosse Knospen bilden und sie sind schön, wenn sie in barocker Fülle sich offen den warmen Pfingsttemperaturen hingeben. Siehst Du Malou, ich bin ja wirklich nicht gerade ein guter Blumenkenner. Aber zu den Pfingstrosen habe ich ein kameradschaftliches Verhältnis gefunden. Und ich frage mich, weshalb wir in unserem Garten keine Pfingstrosen haben.

Ich wünsche Dir schöne Pfingsten.
MlGuK

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Samstag, 3. Juni 2017

Pfingsten - damals im Wallis



Deborence
(R)

Liebe Malou
Die deutsche Sprache reicht nicht aus, um unser Wetter zu beschreiben. Dazu würde man eine Menge Kraftausdrücke benötigen und sie in die Luft hinaus donnern. Es ist wirklich saukalt und unfreundlich. Ich habe - habe ich das nicht schon mal geschildert, um dich zu Tränen zu rühren? - ich habe unsere Tomaten wieder zurück unter die Plastikdecke geschickt. Das will heissen: vor ein paar Tagen hatte ich den Plastik entfernt und pro Pflanze einen Stock eingesteckt. Das sind so gewundene Metallstöcke, die der Pflanze Halt geben, ohne dass man sie binden muss. Aber dann vor 2 Tagen, als ich die Wetterprognosen für Pfingsten gehört hatte, habe ich alles wieder abgebaut und zugedeckt. Das ist ein Rückzug um knappe zwei Monate. Ist das nicht wahnsinnig.
Aber ich muss gestehen, gleich heute Morgen, bei Wind und Wetter, ist mir eine Erinnerung aus meiner  Jugend zurückgekehrt. Und wenn ich es mir genau überlege, hängt das mit dem Wetter zusammen. Damals, in der Zeit der Sekundarschule, hatten wir jeweils an Pfingsten ein Pfadfinderwochenende. Man zog aus mit Zelt und Kochgeschirr und hat das längere Wochenende von Pfingsten in Gottes freier Natur verbracht. So haben wir verschiedene Gegenden des Wallis kennengelernt. Ich erinnere mich an den Pfinwald, diesen altertümlichen südlichen Wald, der die Sprachgrenze bildet, und der in alter Zeit ein fast unüberwindliches Hindernis voller Räuber und Weglagerer gewesen war. Als wir dort in den Zelten lebten, war feines Wetter. Und sonntags waren die Gebüsche voller Liebespärchen, die sich auf ihren Wolldecken am Boden gütlich taten. Das Wallis war damals - ist es wohl noch heute - sehr konservativ. Und die jungen Leute durften nicht einfach so 'karisieren', wie sie es nannten. Also zogen sie sich in den Pfinwald zurück.

An einem Pfingstwochenende, eben an jenem, das mir jetzt wieder in Erinnerung ist, da fuhren wir hinauf in die Derborence. Derborence heisst ein Roman von Ramuz, dem bekannten Westschweizer Schriftsteller. Und das Gebiet ist bekannt wegen seines kleinen Sees, wegen des Bergsturzes, der sich vor längerer Zeit dort einmal ereignet hatte, und wegen der Tatsache, dass das ganze Gebiet heute unter  Naturschutz liegt. Wir waren also um die 20 junge Leute dort oben. Und mindestens während eines Tages hat es geregnet und war kalt, dass wir uns entschlossen, in die Berghütte zu gehen, um uns ein bisschen aufzuwärmen und auszutrocknen. Wir stiegen also in dieses Haus hinauf. Dort war ein alter Mann mit einem Mädchen, die uns freundlich empfingen. Vielleicht war es wirklich diese Kälte, die dafür verantwortlich war, dass ich mich augenblicklich in diese charmante junge Frau verliebte. Ich weiss nicht mehr wie sie ausgesehen hat. Ich weiss nicht mehr, wie wir mit ihr und ob überhaupt gesprochen haben. Ich weiss bloss noch, dass mich die Situation an die Szenen aus dem Jugendroman 'Heidi' erinnerten. Und ich weiss noch, dass sie mir das ganze Wochenende nicht mehr aus dem Kopf gingen. Und es war kalt und unfreundlich, und die Wolken hingen tief den Berggipfeln entlang, so dass man den Eindruck hatte, man lebte unter einem Pfannendeckel.

Es gibt eine hübsche Kurzgeschichte von Heinrich Böll mit dem Titel 'Die ungezählte Geliebte'. Darin hat ein junger Mann im Nachkriegsdeutschland die Aufgabe, die Fussgänger zu zählen, die eine Brücke benutzen. Er tut das geflissentlich und genau, doch er erlaubt sich die Freiheit, jedesmal, wenn seine geheime Liebe passiert, sie nicht mitzuzählen.



Freitag, 2. Juni 2017

Kleine handliche Theorie


(R)


Liebe Marlena

Ach nein, das kann ich jetzt gar nicht akzeptieren. Es ist doch nicht so, dass man nichts zu schreiben hat, wenn nichts passiert. Im Gegenteil, je weniger passiert, desto mehr läuft im Kopf. So muss es doch sein. Es ist doch alles eine Frage des Kopfes. Das solltest Du doch weiss Gott wissen.... Es ist eher eine Frage der eigenen Aktivität. Wenn man viel zu tun hat, ist man im Schuss. Man ist auf ‚aktiv’ eingestellt, und wenn man dann eine freie Minute hat, dann ist man eben aktiv und schreibt. Hingegen in jenen entspannten Momenten, da man am liebsten auf dem Sofa herumliegt, den Kater am Bauch krault, oder die Wölklein am Himmel zählt, in jenen Momenten ist der Schalter auf passiv. Und es ist undenkbar, auch nur eine Zeile zu schreiben, obwohl man eigentlich im Moment viel Zeit hätte. Ich glaube, bei mir funktioniert das System so. Und das ist auch die Erklärung, weshalb ich früher als Schüler an jenen wundervollen katholischen Feiertagen nichts für die Schule gearbeitet hatte, obwohl ich mir es vorgenommen hatte. Ich wollte mich jeweils erst entspannen. Und als ich dann entspannt war, hatte ich keine Energie mehr, um wirklich was anzupacken.

Die Moral davon ist, dass man eigentlich die Aktivität, die man aus der vergangenen Woche noch hat, benutzen sollte, um etwas zu tun. Und dann sollte man erst entspannen. Der Freitagabend wäre dann die produktivste Zeit, theoretisch, für private Unternehmungen. Oder in der Ferienzeit wären es die ersten paar Tage, wenn der eigene Motor noch auf 150 dreht.

Ich war oft erstaunt, wie knapp Deine Mails ausgefallen waren immer dann, wenn ich mir ein besonders ausführliches gewünscht und ausgerechnet hatte, weil ich dachte, Du hättest viel Zeit. Und so war ich zum Schluss gekommen, dass meine quere Theorie eigentlich auch für Deine Verhältnisse gilt. Es gibt nichts Praktischeres, als eine kleine handliche Theorie, nicht wahr?

(---)

Ich wünsche Dir einen schönen Tag
mlguk
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Pfingstwochenende



Liebe Marlena

Nun ja, was meinst Du, Marlena, wieviel man an einem solch heissen Vorsommerabend - oder ist es schon wirklich Sommer - wieviel man trinkt. Es war echt warm in seiner Bibliothek und seine Lili hat die halbe Zeit gehechelt, als ob sie irgendwo am Strand in Rimini an der Sonne liegen würde. Ist sie hysterisch? Auf jeden Fall ist sie ein unruhiges Tier, das immerzu mit seiner Schnauze zwischen die Beine kommt und das Allerheiligste anschubst, weil sie wohl spielen möchte. Es ist ziemlich unangenehm und ich habe W aufgefordert, sie wirklich etwas zu erziehen. Ich mag das nicht besonders, und wenn es so weitergeht, werde ich einen Lokalwechsel vorschlagen. Wäre schade um seine schöne Bibliothek.

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Du scheinst voll im Finale Deines Schuljahres. Und, wenn ich das richtig wahrnehme, sind alle ein bisschen in Euphorie: die Lehrkräfte ebenso wie die Schüler. Na ja, ich kenne das. es sind die schönsten Stunden in der Schule. Man geniesst sie rundum, obwohl sie eigentlich in den Räumen abspielen, wo man bislang vor allem Marter erlebt hat. Es ist dieses Aufatmen, das allen so gut tut.

Bei uns gibt es das auch ein bisschen, denn Ende Juni stehen auch bei uns die Sommerferien vor der Türe. Und dann sieht man unsere Leute nur mehr sehr selten bis gar nicht, und erst Mitte August fängt dann das neue Schuljahr wieder an. Die meisten kompensieren ihre vielen Überstunden. In früheren Zeiten war das eine Zeit, wo man sorglos lesen und aufräumen konnte. Heute bleibt während des Jahres in der Regel soviel liegen, dass man (respektive ich) durcharbeiten kann. Es geht also durch, aber alles - sagen wir - im zweiten Gang.

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So hatten wir wieder mal ein Weekly. Ws Freundin war in einem Konzert und ist kurz vor 22h auch noch eingetroffen. W hat mir seine Arbeiten in der Garage und Gartenhaus gezeigt, die er in den letzten Wochen vollbracht hat. Er hat sich eine hübsche Werkstatt eingerichtet. Und vorne dran ist ein gedeckter Sitzblatz mit einem Kamin. Ich habe sofort angemeldet, dass wir dort mal abends ein Picknick machen sollten. Und W hat freudig zugesagt. Die Ecke des Gartens ist wirklich ziemlich gemützlich und auch durch Bäume abgedeckt, so dass man aus den Wohnblöcken, die jetzt dort stehen und schon bezogen worden sind, nicht direkt in Ws Pfanne sehen kann.

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Und dazu steht ein längeres Wochenende vor der Türe. Ich bin noch gar nicht wirklich dazugekommen, mich darauf zu freuen. Es wird hauptsächlich regnen, wenn man den Prognosen glauben will. Das ist schade, macht aber keinen besonders grossen Unterschied. Na ja, doch ein bisschen. Schönes Wetter um Pfingsten wäre doch angenehmer. Ich werde wohl ein bisschen aufzuräumen versuchen, sowohl zuhause und hier im Büro. Man fühlt sich danach einfach leichter und neugeborener. Und manchmal findet man alte Dinge, die wirklich überraschend sind. Ich liebe es, alte Texte von mir zu finden. Ich kann sie dann lesen, als ob sie aus fremder Feder stammten, und ich kann sie dann irgendwie objektiver beurteilen als jene, die ich soeben geschrieben habe. Es wäre wirklich praktisch, man hätte einen Schalter im Kopf, mit dem man die Zeiten umschalten kann. Ich wäre schon mit einer völlig einfachen Kombination zufrieden: 10 Jahre zurück, Jetzt, 10 Jahre danach. Weshalb sind wir nicht ein bisschen raffinierter konstruiert? Weshalb haben wir nicht einen solchen Vor- und Rücklauf, wie sie jedes einfache Videogerät eingebaut hat? Das sollte doch nicht so kompliziert sein!

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Na ja, ich habe - um offen zu sein - auch nicht wirklich erwartet, dass K oder Du das Buch von Tabucchi lesen würden. Ich tue das ja im Gegenfall auch nicht. Ich glaube, ich fange erst an, mich langsam einem Buch zu nähern, wenn es mir mehrere Leute empfohlen haben und wenn ich dazu auch vielleich in der Zeitung gelesen oder am Fernsehen gehört habe. Ich warne Leute, die mir Bücher schenken, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich sie in der Regel nicht lese. Es ist merkwürdig. Doch die Lektüre eines Buches braucht einen ganz bestimmten Einstieg. Das sollte man mal wissenschaftlich untersuchen. Würde der Buchindustrie sicherlich viel nützen, wenn man darüber mehr wüsste. Es gibt doch diese kleinen Karten in den Büchern, die man neu gekauft hat. Mit ihnen wollen die Verlage herausfinden, wie man dazu gekommen ist, gerade dieses Buch zu kaufen. Aber sie fragen bloss, wer das Buch empfohlen hat: Freund/in, Buchladen, Zeitungsinserat etc. Ich glaube, es spielen sehr viele unbewusste Faktoren mit, insbesondere natürlich auch die Aufmachung des Buches, das Bild auf den Klappen, das Format, die Reihe und was auch immer. Und das literarische Quartett war bestimmt ein sehr wichtiger Faktor.

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Wir sind hier auch im Finale, was unseren Erziehungsdirektor betrifft. Nach 12 Jahren tritt er zurück. Wir haben in nächster Zeit eine Buchvernissage. Seine interessantesten Reden sind zusammengefasst und herausgegeben worden. Er hat all seinen Chefs ein Gratisexemplar versprochen. Leider kann ich nicht hingehen, weil ich zu diesem Zeitpunkt besetzt bin. Und schliesslich findet Ende Juni ein Abschlussapéro statt. Nun ja, wir sind alle gespannt, wie die neue Phase werden wird. Für mich ist es schon das dritte Zeitalter, und man sagt, das erste Zeitalter sei das goldene gewesen. So jedenfalls hatten die alten Römer gedacht. Ich werde sehen.

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So wünsche ich Dir ein feines Wochenende. Hoffentlich ist Dein Haus jetzt wieder einigermassen so, dass Du es geniessen kannst.

Mit lieben Grüssen

Donnerstag, 1. Juni 2017

Warum sollte .. ?


Turm von Muzot


Subject: l'essentiel est invisible

Liebe Marlena 

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Warum also sollte mich diese Marlena 2000 km weit weg in Stockholm so sehr interessieren? Ich kann es dir kurz oder lang erläutern. Oder auf beide Arten!

Kurz: Aus dem Artikel über Peter Bichsel hast du ein Zitat von Jean Paul zitiert, das dir gefallen hat, das dir aufgefallen ist: „Es ist verdammt langweilig, zu sein". Es ist genau der Satz, der auch mir aufgefallen ist. Auch ich hätte, wenn ich einen kurzen Kommentar über diesen Artikel gemacht hätte, dieses Zitat genommen. Darin fühle ich, dass wir verwandt sind.

Länger: Du bist in dieser europäischen Kultur zuhause, mit dir kann ich mich über vieles unterhalten. Deine Gedanken regen mich an zu weiteren Gedanken. Wenn ich von Troubadours spreche, klingt es bei dir an und du erinnerst dich an dieses mittelalterliche Liebesgedicht "ich bin dyn, du bist myn ....", wenn du Rilke zitierst, kommen bei mir Erinnerungen hoch und ich sehe den Turm von Muzot. Verstehtst du, was ich meine? Ich habe den Eindruck, wir sind im selben Schiff, wir schwimmen im gleichen Wasser (meine pubertäre Fantasie, erinnerst du dich?), du hast einen Sinn für die Natur, der mir sehr nahe kommt und der mich berührt. Du sagst im letzten Mail "Also gut" und sprichst dann mit leichter Überwindung von der körperlichen Grösse. Nur ein germanisch sprechender Mensch versteht, was das ALSO GUT hier heisst. Es gibt da noch ein weiteres, ein sehr schönes und liebevolles Beispiel. Du hast einmal gesagt, du schickst mir wieder einen Kuss zurück "ich brauche doch nur einen". Nur ein Deutschsprachler, wozu ich dich auch zähle, meine Liebe (das ist ein Kompliment, bitte nicht übersehen) nur ein Mensch mit deutscher Zunge weiss, wie wichtig dieses Wörtchen "DOCH" hier ist. Ohne dieses DOCH wäre alles offen, was du sagst. Es könnte dann auch ein Affront sein. Es könnte wirklich alles bedeuten. In diesem DOCH liegt hier das Herz des Satzes. Es hat mich sehr gerührt, als ich es gelesen habe. Ich weiss, dass du mich verstehst, weil du dieses DOCH ja geschrieben hast. Und wahrscheinlich musstest du dabei gar nicht soviel denken, wie ich hier denke.

Einmal hast du einige Zeilen von Rilke zitiert, ein Liebesgedicht, welches mit dem Bild des Geigenbogens spielt, der über zwei Saiten streicht. Das ist es! Dieses Gefühl, verstanden zu werden in diesen Dingen, die vielleicht nicht gerade das praktische, alltägliche Leben sind, das ist für mich einfach wunderbar. Darum sage ich, du bist meine Muse (ich hoffe, du findest diesen Begriff nicht eine beleidigende Zumutung? Die Muse ist die moderne Variante der minniglichen Frau, der Lady im Turm), du inspirierst mich zu Dingen, die ich sonst nicht beachten würde oder nicht tun könnte. Und natürlich hoffe ich, dass bei dir Ähnliches passiert.

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Sehr lang: Du hast das schon richtig verstanden, meine Marlena, das ist sozusagen meine Liebeserklärung an Dich. Und weil sie philologisch ist, verletzt sie nicht §5. Sie ist eben platonisch. Nur mit dieser Liebe kann ich meine gegenwärtige Manie erklären, dir meterlange Mails zu schicken, mich durch dich bei meiner Arbeit ablenken zu lassen, oder nachts aufzuwachen und an dich zu denken.

(Einschub: Du sagst, du könntest meinen Traum sehr einfach und direkt interpretieren. Siehst du, genau das habe ich auch gedacht. Ich habe noch eher daran gedacht, wie du ihn interpretieren würdest, als daran, wie ich ihn denn interpretiere. Das heisst, ich habe gewusst, du würdest ihn so interpretieren (wie "so"?) Ich bin überzeugt, ich weiss, wie du ihn interpretierst. Und ich hatte gezögert, ihn dir überhaupt zu erzählen. Aber ich bitte dich, Traumdeutung ist nun wirklich mein Fachgebiet und nicht deines!! Damit wir uns richtig verstehen. Nach den Regeln der Kunst soll man den Traum nicht im luftleeren Raum interpretieren, sondern im Zusammenhang mit den Assoziationen des Patienten. Aber - und das ist schön - auch hier spüre ich diese Übereinstimmung mit dir, dieses Verständnis ohne Worte. (desshalb meine vielen Worte ;-))) Einschub Ende)

Ich weiss, ich habe dich auch etwas überrannt mit meinen Mails. Du allein für dich hast dir bestimmt einen Maus-Kontakt nicht so intensiv vorgestellt, so dass man jeden Tag ein Mail schreiben würde. (Eine strenge Reihenfolge der Gegenseitigkeit, wie du andeutest: "ich wäre an der Reihe"). Ist ja auch verrückt! Und manchmal hast du ganz einfach nicht die Zeit oder die Ruhe oder die Lust oder weiss was dazu. Diese Kadenz stammt von mir. Und sie hat dich ein bisschen in eine Sache hineingezogen, die du von dir aus nicht gesucht hast. Dafür entschuldige mich und ich hoffe wirklich von Herzen, dass du keine Probleme damit kriegst.

Aber das kommt - so erkläre ich mir im Moment - aus meiner gewissen Einsamkeit, wie soll ich sagen, platonischen Einsamkeit, geistigen Einsamkeit. Deshalb bist du mein Fyrklöver, und ich danke Gott, dass du nicht nur eines, sondern dass du mindestens vier Blätter hast. Wahrscheinlich hast du ja noch etliche mehr. Wir Katholiken sind für das Platonische sehr begabt, das ist meine Überzeugung.


Nun, meine liebe Marlena, das war "der langen Rede kurzer Sinn" wie man in Deutsch schön sagen kann. Es war die Liebeserklärung vom Sonntagmorgen, dem 2. April 2000, von ...  an Marlena, unter Respektierung der Paragraphen 1 bis 5.

Ich wünsche dir noch einen schönen Tag und freue mich darauf, von dir zu hören.

Mit einem feinen Gruss