Mittwoch, 17. Dezember 2014

Ja doch...

Datum: den 28 mars 2004 19:52

Lieber ...,

Ja doch, ich weiss, dass du froh bist, dass ich Katholikin bin. Ich glaube auch, dass die Tatsache, dass wir in einem katholischen Milieu gelebt haben uns irgendwie verbindet. Wenn du davon erzählst, kann ich mir alles ziemlich genau vorstellen und spüre noch die Atmosphäre von damals. Ich glaube deine Eltern waren klug, dass sie dich in diese Schule gehen liessen. Aber vielleicht gab es auch keine andere Wahl.

Du hast mir eine riesige Beilage mitgeschickt und ich habe sie auf Schirmgrösse verkleinert. Werde sie dir in fotofolder reinlegen. Machst du diese Zeichnungen nun aus dem Gedächtnis oder hast du sie damals in NY gemacht? Wenn ich sie ansehe, dann bilde ich mir ein zu sehen, was in den Leuten vorgeht. Sie sind sehr ausdrucksvoll.
*
Jetzt habe ich mir ein bisschen Hintergrundmusik eingestellt am PC. Es war mir plötzlich zu still hier. Es ist ein wunderbarer "Song" von meinem Lieblingssänger Corneelis Vreeswijk. Er ist wohl unser bester Trubadur oder vielleicht sollte ich sagen "war" denn er ist schon gestorben. Ich wünsche ich könnte es dich hören lassen. Seine Lieder haben schöne Melodien und wunderbare Texte. Viele sind sehr humoristisch, andere tiefsinnig. Ich liebe die, die von Vergänglichkeit handeln. Das tun viele.

*
Gestern war ich mit I in einer kleinen Boutique, wo man schöne Textilien und anderes Kunsthandwerk verkauft. Es liegt 15 Kilometer von hier direkt auf dem Lande in einer umgebauten Scheune und wir mussten auf schmalen Waldwegen dorthin fahren. Ich hatte mir K's Auto geliehen und nachher sah es aus als hätte es eine Lehmeinpackung erhalten. Keine Angst, ich habe es ihm (automatisch) gewaschen. Sah aus wie neu nachher.

Inga ist, wie du weisst sehr künstlerisch begabt und ich bewundere sie sehr. Früher hat sie auch gemalt aber jetzt macht sie meist Textilarbeiten und Puppen mit zeitgemässen Kleidern und persönlichen sehr lebendigen Gesichtsausdrücken. Aber du erinnerst dich villeicht nicht mehr. Sie ist die Mutter von Sebastian, Annas "Brüderchen" und hat Anna betreut, während sie bei ihrem kleinen Sohn zu Hause war. Sie ist jetzt die Sekretärin von unseren zwei Direktoren auf den theoretischen Linien. Früher hatte jeder Direktor seine eigene Sekretärin, aber auch in der Administration muss man neuerdings sparen und so hat I jetzt beide Posten übernommen. Die Arme! Denn unser Direktor ist ein richtiger Wirrkopf, der sicher eine Sekretärin verrückt machen kann.

Eigentlich bin ich zu dem Geschäft gefahren, weil ich ein Geschenk brauchte für eine Kollegin, die morgen zu einer kleinen Geburtstagsfeier eingeladen hat.
*
Interessant was du von A's Studium erzählst. Mir geht es auch so, dass plötzlich meine kleine Anna Dinge kann, die mir ziemlich unbegreiflich sind. Es wäre natürlich gut, wenn ich das auch könnte. Dann könnte ich ihr ab und zu behilflich sein. Aber zu unserer Zeit gab es noch keine Computer und wenn es sie gab dann füllten sie die ganze Wand aus in einem riesigen Zimmer. Wir hatten unseren ersten als Anna so 5-6 Jahre alt war und sie schrieb ein paar Worte und malte auch ein kleines Vögelchen. Ich kann sie noch vor mir sehen. Und nun baut sie sich ihren eigenen PC zusammen von Teilen, die sie separat gekauft hat und programmiert schon selbst. Für mich wird diese Welt immer unbegreiflicher. Doch muss ich sagen, im Vergleich zu meinen Kollegen bin ich fast ein Experte. Das habe ich natürlich Anna zu verdanken. Sie ist auch sehr stolz auf mich und ihre Freunde sind nicht wenig erstaunt, wenn sie hören, dass wir uns per ICQ verständigen. Du merkst, jetzt werde ich plötzlich richtig aufgeblasen.. ;-))
*
Ich habe mich früher oft gefragt, was eigentlich passieren könnte, das unser Jahrhundert als sehr veraltet und unwissend erscheinen liesse. Und jetzt haben wir es schon da.. und wir sehen noch nicht das Ende davon. Ach, manchmal traure ich den alten Zeiten nach, wo man noch die Welt begreifen konnte.
Weisst du, dass es sehr gefährlich ist ein Handy im Auto zu gebrauchen? Die Strahlung ist um 1000 (tausend) mal erhöht. Auch in Zügen wird sie gefährlich hoch.
*
Nun werde ich mich oben beschäftigen. So lasse ich dich wieder und wünsche dir
einen guten Start in die neue Woche.
Mit lieben G's und K's,
Malou

Dienstag, 16. Dezember 2014

Re: Tauben, Kraniche, Abfall


Ämne: samstag
Datum: den 27 mars 2004 09:20


Liebe Malou
Nein nein, Kompost separieren wir schon lange hier in der Schweiz. Das ist das Hobby vom Samstag Morgen für die meisten Menschen hier. Aber es sind eben nicht alle, die es tun. Und ich vermute, dass speziell die Immigranten davon keine Ahnung haben und eben auch über Merkblätter nicht zu erreichen sind, weil ja einige nicht mal lesen können. Deshalb hat man in Basel beschlossen, solche Trainer auf die Menschen loszulassen. Nun, sie machen das im Nebenjob, vielleicht Pensionisten oder unausgefüllte Hausfrauen, die wirklich noch ein bisschen Kontakt brauchen?

Und die Kraniche habe ich gesehen. Es sind für mich fremde Vögel, die mir nicht sehr bekannt vorkommen. Ich glaube zwar, dass man hier ab und zu vereinzelte Kraniche sieht. Aber doch eher selten. So denke ich auch immer an Schiller, wenn ich den Namen höre. Und das ist doch schon ziemlich abstrakt.

Und nun schlägst Du mir vor, ein Taubenbuch zu machen? Das ist lieb gedacht. Doch für mich ist es noch ein bisschen weit weg. Es gibt in Isfahan alte Taubenschläge, wo um die 10'000 Vögel Platz finden. Es sind riesige Türme, und wenn man hineingeht, fühlt man sich wie in einem Kamin. Rundum gibt es Nischen, wo die Tauben festsitzen können. Es muss ein enormes Geflatter sein, wenn sie abends von der Arbeit heimkommen ;--) Und als Arbeit haben sie bloss die Pflicht, ihren Abfall hinaus in die Landschaft zu tragen. Das ist alles. Ist ein guter Job, nicht wahr: natural fertilizer. Aber ich glaube nicht, dass die paar Tauben, die ich hier in Liestal kenne, in einer solchen Kolonie leben könnten. Das ist die reine Massenhaltung, schon ziemlich kommunistisch.

***

Das war mein Briefchen von gestern. Ich glaube, ich hatte es noch nicht abgeschickt. Und jetzt haben wir schon wieder einen wunderschönen Samstagmorgen Himmel. Es ist zwar noch kühl, aber das Wetter gibt sich Mühe. Und am Montag Morgen wechseln wir wieder auf die Sommerzeit. Das ist schade, denn es war angenehm, um 6.00 aufzustehen, wenn es schon ein bisschen dämmerte.

Ja, ich mache Dich katholisch. Sei froh, dass ich Dich nicht gleich zu Maria mache. Ich erinnere mich, in der Gymnasialzeit gab es ein wunderhübsches Mädchen, das auch täglich von Visp nach Brig in die Schule fuhr. Na ja, eigentlich waren es zwei, die sehr hübsch waren. Aber die eine war es besonders. Ihre Eltern waren von Italien eingewandert. Und wenn Italienerinnen hübsch sind, dann sind sie umwerfend hübsch, nicht wahr. Und ein Schulkollege, um ihre Schönheit in Worte zu fassen, meinte, sie wäre ‚schön wie Madonna’. (damals bedeutete ‚Madonna’ noch keine Zweideutigkeit) Ich als Protestant hätte nie einen solchen Gedanken gehabt. Aber ich habe ihn akzeptiert und ich habe mir immer vorgestellt, dass die stillen Wünsche der Jungen in jenen pubertären Tagen nicht zuletzt auch von den vielen schönen Marienbildern in den Kirchen beeinflusst war. Der Professor für Kunstgeschichte an der Technischen Hochschule in Zürich hatte meinen Gedanken später bestätigt, indem er betonte, dass die Wangenlinie in den Madonnenbildern eine spezielle Bedeutung hätte, eine Demut sublimierter Erotik. Natürlich hatte ich mir auch vorgestellt, dass Maria - laut Theorie - unbefleckt empfangen hätte. Und das war natürlich für pubertierende Boys genau die richtige Technik, Liebe zu machen.
Wenn ich Dich so katholisch mache, dann ist darin viel Projektion, das weiss ich wohl. Es ist aber auch viel Sympathie mit dabei, das weißt Du schon, Marlena, nicht wahr? Ich bin doch so froh, eine katholische Mausfreundin zu haben. Und ich hätte nichts dagegen, wenn sie weit dogmatischer und strenger wäre. Sie könnte päpstlicher als der Papst sein, denn das wäre für mich sehr spannend und informativ. Schon Deine Bedenken gegen die Evolutionstheorie finde ich süss! Wirklich so süss, dass ich Dich auf die marienhafte Wangenlinie küssen könnte.

Und jetzt muss ich los.
Ich wünsche Dir einen ebenso sonnigen Tag.
MlGuK

Montag, 15. Dezember 2014

Tauben, Kraniche, Abfall u.a.m


Ämne: Schneeflocken, Tauben, Kraniche, Abfall u.a.m
Datum: den 25 mars 2004 18:15

Lieber ... ,
Wie ich sehe hat mein Gottesvertrauen schliesslich doch geholfen und auch die Flaschenpost hat ihr Ziel erreicht.
*
Gestern Abend kam ein Anruf. "Bist du das Marlena?" sagte eine greisenhafte Stimme, die ich nicht richtig einordnen konnte unter meinen Bekannten. Einen kleinen Moment hoffte ich es könnte Jan sein. Er war mal mein bester Freund (Bruder, Vater und alles was man sich noch wünschen kann zugleich). Ich habe ihn schon lange für tot gehalten, weil er mir sonst sicher mindestens einmal im Jahr von irgendeinem Kontinent ein Lebenszeichen geschickt hätte.

Es war leider nicht Jan, sondern Lennart, ein früherer Kollege, der auch Deutsch gab und der schon ein paar Jahre in Pension ist. Jetzt hält er ab und zu Vorträge für andere Pensionisten über alles mögliche. Er gehörte zu den äusserst gebildeten Studienräten, die noch eine gediegene klassische Bildung erhalten haben. D.h. Leute, die so 10 Jahre älter sind als meine versäumte Generation. Nun wollte er einen Vortrag über den zweiten Weltkrieg halten und dabei suchte er die "Briefe aus Stalingrad", von denen er dem Publikum einige vorlesen wollte.

So habe ich heute ein wenig in unserer Institution herumgestöbert auf den Büchergestellen, wo wir alte Bücher aufbewahren, von denen wir uns bisher nicht trennen konnten, die wir aber längst vergessen haben. Leider gab es sie nicht, die Briefe aus Stalingrad. Dagegen habe ich ein paar wunderbare Anthologien mit deutschsprachigen Schriftstellern gefunden, zum Teil auch solche, die ich bisher nicht kannte. Und da ich weiss, dass heutzutage niemand mehr so viel Deutsch kann, dass er sie lesen würde (darin sind auch die Lehrer einbegriffen) so habe ich sie mir mit nach Hause geliehen. Ich werde fast traurig, wenn ich sehe auf welch hohem Niveau einmal der Deutschunterricht gestanden hat. Heutzutage wären diese Bücher sogar für die Studenten an der Uni zu schwer. Und es tut mir auch leid um die Schüler, die nicht richtige Literatur zu lesen bekommen sondern nur ziemlich alltägliche, kindische Texte ohne grossen Sinn.
OK... ich muss das Thema verlassen.

(---)

Wenn du so deine Tauben beschreibst, dann weckt das viele schöne Erinnerungen an Bücher, die ich als Kind gelesen habe oder dann später mit Anna. Bücher in denen Tiere die Hauptpersonen sind und es uns Menschen nachmachen. Ach wie sehr ich diese Bücher mochte. So viele schöne Bilder sind auf meiner Netzhaut hängengeblieben.. denn es gab sie, die schönen Illustrationen dazu.
Fast möchte ich mir ein Buch von dir wünschen, wo du über deine Tauben schreibst. Und ich möchte Illustrationen dazu sehen mit dem Gartenhaus, wo sie durch die Luke einsteigen können, um es sich in der Ecke auf den Stuhlpolstern gemütlich zu machen und ihre Orgien zu feiern?
Das wäre doch was, oder? Hat doch noch niemand vor dir gemacht. Und Kinder werden sich ewig freuen, wenn sie eine Taube erblicken und an deine schönen Geschichten denken. Mach es doch!
Hast du übrigens die schönen Bilder von den tanzenden Kranichen gesehen, die ich dir mal beigelegt hatte?
Wenn ich an Kraniche denke, muss ich wieder zurückdenken an Uppsala, wo der alte blinde Mann (dem ich manchmal die Zeitung vorlas) in seinem Rollstuhl mir das Gedicht "Die Kraniche des Ybikus" (von Schiller glaube ich) vorsagte. Und wie ich entdeckte, dass sich in einem kaum mehr funktionierendem Körper eine ganze Welt von Schönheit verbergen kann.

*
Ach, erst jetzt beginnt ihr euren Abfall zu sortieren? Das tun wir schon seit ein paar Jahren. Flaschen, Dosen und Kartons sowie Zeitungspapier wird in dafür aufgestellte Behälter gelegt. Und hat man einen Garten, dann gibt es da meistens auch einen Kompostbehälter.
*
Nun muss ich schliessen und hier ein wenig Ordnung bringen. Auch einen Test korrigieren, den eine Klasse heute geschrieben hat.
Ich grüsse dich lieb und wünsche dir einen schönen Abend bzw einen schönen Tag morgen,
K+S
Malou

Tropfnasserdonnerstagmorgen...


Ämne: tropfnasserdonnerstagmorgenumsiebeninderfrüh
Datum: den 25 mars 2004 08:10


Liebe Malou
Höre ich richtig? Du hast wieder ein Mail in den Wind gesetzt? Das hört sich an wie Flaschenpost, die man, wie Du weisst, irgendwo und irgendwann aussetzt, in der Hoffnung, irgendjemand würde sie dann finden. Nein, soviel Gottvertrauen sollte verboten sein.
---
Heute habe ich um 10 eine Sitzung in Basel, deshalb bin ich mit dem PW hergefahren. Und so konnte ich auch vermeiden, all zu lange durch die Nässe zu gehen. Als ich früher ab und zu bei meiner Oma in Liestal in den Ferien weilte, war ich stets erfreut über die feuchten Strassen nach dem Regen, die kleinen Weglein, die oft mit Moos und oder feuchtem Laub belegt waren. Das fand ich ganz ausserordentlich angenehm und komfortabel weich, denn vom Wallis her waren wir Feuchtigkeit nicht gewohnt, dort war alles trocken, hart und spitzig
---
Von den Tauben heute morgen natürlich keine Spur. Wo wohnen sie bloss? Ich meine, haben sie eine feste Adresse? Vielleicht in einem Gartenhaus, wo sie durch die Luke einsteigen können, um es sich in der Ecke auf den Stuhlpolstern gemütlich zu machen und ihre Orgien zu feiern? Oder in einem Dachstock, rundum behangen von Spinnennetzen, wo es trocken ist, was Tauben bestimmt mögen? Übernachten sie in grösseren Gruppen oder bloss zu zweit? Gibt es auch Singles, die sich jede Nacht woanders verkriechen und Wärme suchen? Ach die Tauben, man weiss so wenig über sie.

In Basel ist man dran, Abfalltrainer auszubilden. Sie werden später die Aufgabe haben, die Bevölkerung aufzuklären, besonders auch fremdsprachige Menschen, wie man mit dem Abfall umzugehen hat. Abfall ist ja bekanntlich geradezu zu einer Wissenschaft geworden. Die Pet-Flaschen, die Glasflaschen, die Büchsen, das Papier, die Küchenreste: alles wird separat gesammelt und recyclet. Ach, die guten alten Zeiten sind vorbei, wo man die Dinge einfach so wegwerfen konnte. Heute überlegt man sich die Probleme schon beim Einkauf, und man zögert.

Jetzt habe ich die Tauben erspäht. Es ist eine Gruppe von 15 bis 20 Tieren. Und sie fliegt in unregelmässigen Kurven grosse 8-förmige Figuren über verregneten Ort. Wahrscheinlich werden sie sich später auf dem Dach gegenüber am Wasserturmplatz über diese Frühgymnastik brüsten und sich dabei die Schnäbel zerreissen. Sie fliegen alle so überzeugt. Keine scheint zu zögern. Keine will ausbrechen und sich ausruhen. Es sieht aus wie ein eine gut verabredete Sache.

Ach, es ist schon spät. Ich muss mich meinen kleinen Sorgenkindern widmen, die hier auf dem Pult und überall im Büro herumliegen. Die armen Waisenkinder warten nur darauf, dass man sich mit ihnen beschäftigt.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit lGuK
...

Samstag, 13. Dezember 2014

Mehr spassig als feierlich



Lieber Mausfreund,
Heute ist Lucia. Ich bin früh aufgestanden und habe mir im Fernsehen
die Luciafeier angesehen. Es ist immer sehr feierlich.
Dann habe ich mir einen guten Kaffee gemacht und schliesslich
nachgeschaut (im Netz) ob Anna schon aufgestanden war.

Ja doch, sie wurde schon um 5 Uhr morgens geweckt von ein paar
Freunden mit Luciagesang und Saffransgebäck, Lussekatter,
(Luciakatzen) wie wir sie nennen. Und nun ist schon der dritte
Advent. Fast nicht zu glauben. Draussen sieht es aus wie im Frühling.
...
13. Dezember 2005

 und nur feierlich:

Lucia 13. Dezember





"Semblable à une apparition céleste, Sainte Lucie vient illuminer les
ténèbres des nuits de décembre. À travers tout le pays, aux premières
heures du jour, les écoles, les hôpitaux, les maisons de retraite et
les lieux de travail reçoivent, dans une atmosphère baignée de magie,
la visite d'une Sainte Lucie et de son cortège. Vêtues de longues robes
blanches, précédées de la Sainte coiffée d'une couronne de bougies, les
jeunes filles s'avancent solennellement, chacune portant une bougie à
la main et chantant des refrains traditionnels. "

Besonders die Worte ".. dans une atmosphère baignée de magie.."
gefallen mir daran, denn diese Feier hat etwas Magisches an sich.  


das Lied "Sankta Lucia"  hier

Freitag, 12. Dezember 2014

Ivana



date 2 June 2005 07:11
subject Re: *s*


Liebe Malou
Na ja, ich hatte bloss gedacht, du hattest mir doch vor Jahren das
entscheidende Stichwort "BUEGELN" geliefert. Bestimmt erinnerst du
dich. Was dir jetzt zum Namen Ivana einfällt, ist schon sehr gut. Ich
habe mittlerweile eine Zeichnung. Wenn ich Zeit habe, schicke ich dir
eine Kopie. Die Kolorierung gefällt mir zwar nicht besonders, und ich
bin heute echt früh aufgestanden in der Meinung, ich mache eine neue
Zeichnung. Aber als ich sie heute morgen nochmals angeschaut habe,
dachte ich, das sei doch ok. Ich meine, der Aufwand wäre einfach zu
gross. Und als Amateur muss man eben ein Auge zudrücken. Man neigt ja
dazu, zuviel Arbeit zu machen, zu detailliert zu arbeiten, die
Grosszügigkeit vermissen zu lassen. Das merke ich immer wieder. Die
besten Dinge kommen unter einem gewissen Zeitdruck zustande, und nicht
dann, wenn man beliebig Zeit hat. Das finde ich merkwürdig und
irgendwie auch tragisch. Aber es ist nun einmal so.



Na ja, schau mal das Bild. Dein dynamischer Rock ist schon mal
richtig. Das Bild erinnert vielleicht ein bisschen an den Rattenfänger
von Hameln. Bestimmt kennst du die Geschichte. Aber diese Assoziation
ist gut. Die vielleicht beste Gabe Ivanas ist ihr Fingerspitzengefühl,
ihre sorgfältige Arbeit und ihre rücksichtsvolle und vornehme Art der
Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten und bestimmt auch mit Eltern und
Kindern. Sie war während ungefähr 20 Jahren als Logopädin in Liestal
tätig. Und Liestal ist bestimmt ein ziemlich holperiges Pflaster. Wer
das ohne grosse Blessuren schafft, der ist kommunikativ sehr geschickt
und muss wohl auch da und dort bloss leer schlucken und nichts sagen.
In den vielen langen Jahren sind Hunderte, wenn nicht Tausende von
Liestaler Kindern an die Seestrasse gekommen, und Ivana hat diesen
stotternden, polternden, stolpernden, spuckenden und geifernden
Kindern eine anständige Sprache beigebracht. Vielleicht deshalb gibt
es hier in Liestal oft so ein grosses Gerede und Geschnorre, weil sie
heute alle reden können und sich keiner mehr scheut, den Mund
aufzumachen. Die Adresse des Logopädischen Dienstes hier ist die
Seestrasse. Das ist ein wenig merkwürdig, denn es gibt weit und breit
keinen See in Liestal. Doch früher hat es dort unten bei den Bäumen,
was heute Allee heisst, einen kleinen Feuerwehrweiher gegeben. Davon
ist der Name geblieben. Der Platz ist unter den Platanen schön gelegen
und ich würde behaupten, es sei der zweitschönste Parkplatz Europas
(der schönste ist der Münsterplatz in Basel). Und es gibt in Liesal
das Gerücht, so meine Behauptung, dass - wenn es in Liestal - wie auf
dem Bild - einen See gäbe, und wenn es in diesem See Fische gäbe -
dann hätte Ivana bestimmt noch diesen stummen Fischen das Reden
beigebracht. Im Hintergrund sieht man den Turm der katholischen
Kirche, von dem meine Grossmama immer gesagt hatte, dies sei der
Besenschrank des Spitals (der gleich nebenan steht). Und dahinter
sieht man den Aussichtsturm oben auf dem Berg, von dem ich im Moment
nicht einmal mehr weiss, wie er heisst. Na ja, ich bin ja schliesslich
auch kein Liestaler.
Meine Sekretärin hat mich eben informiert, dass der Berg Schleifenberg
heisse. Richtig, das wusste ich doch eigentlich einmal.
Du siehst, es gibt einiges zu sagen über Liestal und über Ivana. Sie
wird überigens in Zukunft in Basel arbeiten, im selben Haus, wo jene
Bibliothek untergebracht ist, bei der ich die Bücher zum Rezensieren
hole.

Ach, was ich noch sagen wollte. Du bist ein guter Kumpel, wie du mir
hilfst, eine Zeichnungsidee zu finden, obwohl du keinen Deut über die
Person oder ihre Umstände weisst. Dafür hast du einen wirklich
schweren Kuss verdient. Ich meine 'schwer' ungefähr in dem Sinne, wie
man auch von schweren Weinen oder von schweren Trauben spricht.

Einen schönen Tag und MLG
...

date 2 June 2005 07:44
subject ;-)


Lieber ...,
So ein schönes Bild!!! Da liegt aber viel Liebe und Arbeit dahinter
und ich denke Ivana wird sich riesig darüber freuen. Vielleicht wird
sie es einmal so tun, wie die Geliebte von Picasso, die nun im hohen
Alter hervortritt und die Zeichnungen zeigt, die er von ihr gemacht
hat. Eigentlich wollte sie sie mitnehmen ins Grab aber dann hat sie
sich doch von jemandem überreden lassen, sie zu veröffentlichen.

Und einen schweren Kuss bekomme ich sogar? Du weisst, dass ich von
einem schweren Wein nur ein halbes Gläschen brauche um berauscht zu
werden.

Hier ist das Wetter im Moment gut, aber ich glaube doch es hängt Regen
in der Luft und so sollte ich mich wohl beeilen und schnell etwas im
Garten erledigen, das ich in den letzten zwei Wochen nicht habe tun
können. Überall stehen Pflanzen herum, die ich in die Erde bringen
muss. Und das Gras wächst.

Ich komme also später wieder, wenn es angefangen hat zu regnen. ;-)

Mit lieben Grüssen,
Malou

Wieder mal


date 1 June 2005 06:52
subject Re: ?


Liebe Malou

(---)

Und morgen werden wir wieder mal eine Logopädin verabschieden.
Erinnerst du dich noch an die Dame, die Wortblasen bügelt? Ich stehe
wieder vor der Aufgabe. Das heisst, ich vermute, Iwana wird auch eine
Zeichnung erwarten. Oder irgend ein Zeichen. Entweder lässt sie sich
nichts anmerken, weil sie sehr rücksichtsvoll und vornehm ist. Oder
sie würde sich enttäuscht zeigen und die Enttäuschung ein bisschen
spielerisch zur Schau stellen. Und so habe ich gedacht, ich würde eine
Zeichnung in Reserve halten, warten, bis alle darauf warten, ungläubig
und naiv dann die Augenbrauen hochziehen und den Überraschten und
Unvorbereiteten spielen, konsterniert, dass man so etwas von mir
erwarte, wo doch niemand auch nur ein Sterbenswörtchen davon
gesprochen hatte, aber dann, nachdem sich die Thematik vom Tisch
verzogen hätte, würde ich dann doch mein Bildchen herausziehen und
umständlich aus meinem Unterlagen hervorkramen. Na ja, vielleicht
lässt sich das machen. Aber erst muss ich noch eine Zeichnung
hervorbringen. Das geht ja nicht so einfach. Und nochmals plätten, ich
weiss nicht?

Wenn du mir also eine Idee hast, ich bin sehr empfänglich.
MLG

***

Lieber ...,
Ach, welche Erwartungen du hast. Ich soll dir helfen eine Person zu
charaktärisieren, die ich nie gekannt habe und von der ich auch nichts
anderes weiss als den Vornamen. Und doch, dieser Vorname verlangt
irgendwie einen schwingenden Rock.. so wie man mit leichten frohen
Schritten durch die Tür hinausschreitet und einen Blick zum Himmel
sendet, wo einen die Sonne begrüsst und Willkommen heisst, sie fortan
nicht nur durch ein Bürofenster zu betrachten.

Aber es ist auch möglich, dass ich da ganz falsch geraten bin.. :-)

...