Sonntag, 15. Juni 2014

auch ein Schicksal


Foto: Chris

Sie war ein Blümlein hübsch und fein,
Hell aufgeblüht im Sonnenschein.
Er war ein junger Schmetterling,
Der selig an der Blume hing.
Oft kam ein Bienlein mit Gebrumm
Und nascht' und säuselt' da herum.
Oft kroch ein Käfer kribbelkrab
Am hübschen Blümlein auf und ab.
Ach Gott, wie das dem Schmetterling
So schmerzlich durch die Seele ging.
Doch was am meisten ihn entsetzt,
Das Allerschlimmste kam zuletzt.
Ein alter Esel fraß die ganze
Von ihm so heiß geliebte Pflanze.

Wilhelm Busch 



Samstag, 14. Juni 2014

Patres


Ämne: Jesuiten, oder..?


Lieber ...,
Heute ist vielleicht der letzte Tag, an dem ich dir ganz ungestört ein längeres Mail senden kann. Ich hätte anderes zu tun, aber ich nehme mir das Recht zu prioritieren - das ist ja das beste mit dieser Zeit. Nichts ist vorgeschrieben, man muss nicht das eine oder andere zu einem bestimmten Zeitpunkt tun.

Du hast gesagt, Du wirst mir später über das Thema Jesuiten schreiben. Ja, ich glaube sie sind es Wert. Sicher haben sie auch in deinem Leben Spuren hinterlassen oder zumindest hast du einige in guter Erinnerung, genau so wie ich.

Vielleicht sollte ich da mit einem Witz beginnen. Ich zögere ein wenig, denn ich habe ihn halb vergessen. Aber so ungefähr geht er:
In einem Zugabteil sitzen drei Priester. Ein Dominikaner, ein (?) und ein Jesuit. Plötzlich erlischt das Licht und es wird ganz dunkel. Der Dominikaner beginnt mit einer Betrachtung über die Dunkelheit, der (?)  macht etwas ähnliches und der Jesuit nimmt eine Glühbirne und schraubt sie ein.
So ungefähr kommen sie mir vor, die Jesuiten. Sie sind intelligent und realistisch. ...

Meine frühesten Erinnerungen an Jesuiten gehen bis zu meiner Kindheit zurück. Als Katholik brauchte ich nicht an dem Religionsunterricht der Schule teilzunehmen. Statt dessen fand in meinen Elternhaus jede Woche ein solcher katholischer Unterricht statt. Wir waren wohl so rund 10 Kinder, vielleicht etwas weniger, die sich da immer einfanden. Der Unterricht wurde von verschiedenen Personen erteilt. Manchmal kamen Nonnen. Das hassten wir. Wir wollten nicht so "bemerkt" werden von den anderen Kindern. Aber meistens kam Pater Krabbe SJ. Er war ein gut aussehender charmanter Mann der es wirklich verstand uns Kinder zu begeistern. Eine zeitlang beendete er immer seinen Unterricht mit einer spannenden Abenteurgeschichte, jedes Mal eine Fortsetzung.. Und während dieser Zeit kamen sogar protestantische Kinder aus der Nachbarschaft um dies zu hören.
Später kam dann eine zeitlang Pater Köster. Er war ein dünner kleiner grauhaariger Mann, der mir irgendwie weltfremd vorkam. Man hatte immer den Eindruck dass ihm die alltäglichen Dinge nicht richtig vertraut waren. Es war übrigens er, der damals meine erste Beichte hörte mit den 65 Sünden die ich gewissenhaft auf einer Liste niedergeschrieben hatte. Ich gäbe was drum seine Miene sehen zu können, als er mir zuhörte. :-)

Fast zehn Jahre später, als ich in Uppsala studierte, sah ich ihn wieder. Die Katholiken hatten nur eine kleine Kapelle dort im Erdgeschoss eines Wohnhauses ganz im Zentrum. Im Treppenhaus wohnten die Patres (3 oder 4 Jesuiten) und ein paar Nonnen, die ihnen den Haushalt führten. Einer dieser Patres war Pater Roth, der erste schwedische Jesuit nach der Reformation. Er stammte aus einer bekannten Familie und sein Vater war Reichsbankchef gewesen (sein Namen stand auf den Geldscheinen ;-)
Er war ein grosser Charmeur, hatte ein offenes frohes Wesen und ein herrliches ansteckendes Lachen. Später wurde er Chef der Vatikanradiosendungen in Rom. Aber damals gehörte er uns. Wir Studenten bewunderten ihn. Und Sonntag abends nahm er oft an unseren Open House Treffen Teil und ich erinnere mich wie wir diskutierten, wobei es mir grossen Spass machte das eine oder andere in Frage zu stellen. Manchmal taten mir die armen Konvertiten etwas leid dabei. Sie hatten doch gerade die Wahrheit gefunden und jetzt mussten sie sich so was anhören. Z.B warum gerade Katholik sein? Kommen Nicht-Christen auch in den Himmel? Ich erinnere mich dass Pater Rooth meinte: Wenn man ein Verbot nicht kennt dann sündigt man nicht wenn man dagegen verstösst. Und ich antwortete, dass die Kirche damit viele Sünder schuf indem sie ihnen Verbote auflegte. Es wäre doch besser die Menschen wüssten nicht was sie nicht dürfen u.s.w. Jedenfalls hatte ich immer den Eindruck dass er mich sehr mochte obwohl ich so war wie ich war.. ;-)  ---

Und nun zu Pater Köster SJ. Dieser kleine, wie es uns schien, unbedeutende Mann, der damals von uns Kindern fast ein wenig geringschätzt wurde, traf ab und zu in Uppsala ein um die Sonntagsmesse zu halten.. Ich sehe ihn noch vor mir am Altar während er predigte. Ich sehe ihn seine Hände ringen und ich höre seine Stimme. Und aus diesem kleinen alten Körper kommen Worte die alle in seinen Bann ziehen. Er ist nicht ein Mann der irgendetwas unbegreifliches verkündet, der Wahrheit mit Poesi ersetzt. Er ist Naturwissenschaftler und Philosoph zugleich. Er ist exaltiert, er vergisst zu atmen und auch wir halten den Atem an. Seine Stimme steigert sich mit jedem Satz um dann plötzlich ganz still und sanft zu enden. Und was er sagt während er da steht, ist so interessant, dass es die "Grossen" anzieht. Die Professoren der Uni, die Philosophen, die leitenden Persönlichkeiten unserer Gesellschaft. Sie kommen in diese kleine Kapelle, wenn Pater Köster predigt. Einige von ihnen sind bekannte Atheisten und auch sie kommen um ihn zu hören. Auch Gunnel Wallquist kommt. Sie ist Mitglied der Schwedischen Akademie. Nun ja, sie ist Katholikin und geht natürlich in die Messe. Aber sie kommt von Stockholm nach Uppsala um ihn zu hören. Sie ist übrigens sie, die Prousts "À la recherche du temps perdu" ins schwedische übersetzt hat. Ich glaube sie brauchte 30 Jahre dazu. ;-)

Und später als ich in Göteborg auf die Lehrerhochschule ging, traf ich ihn zum letzten Mal. Ich musste mir eine Wohnung für ein halbes Jahr besorgen und rief ihn an, um zu fragen ob er jemanden kennen würde, der ein Zimmer zu vermieten hätte. Und er bot mir an seine elegante Vierzimmerwohnung im Zentrum der Stadt zu disponieren während er (gerade zu dieser Zeit) in der Welt herumreiste und Vorträge hielt. Zwei Wochen musste ich zuerst woanders wohnen. Bei Freunden meiner Eltern die in einem Hochhaus mit Aussicht über den Hafen wohnten. Durch sie lernte ich ein wenig das genuine Leben eines echten Göteborgers kennen.

Es ist komisch, ..., wenn du nicht wärest hätte ich nie gewusst wie alle diese alten Erinnerungen noch in mir weiterleben. Dir ein Mail zu schreiben ist wirklich wie "auf der Couch liegen".
Viele Jahre später einmal als ich vor einer wichtigen Wegwahl stand, als mein Verstand versuchte alle meine Gefühle zu verdrängen, musste ich an ihn denken. Vielleicht tat ich es weil ich eine schöne Ansichtskarte von ihm erhalten hatte aus Rom. Ich weiss jetzt dass mein Leben sehr anders ausgesehen hätte, wenn ich ihn damals erreicht hätte. Er hätte mir geholfen den richtigen Entschluss zu fassen.. Aber er war verreist..
*
Und nun schicke ich dir dieses Epistel. Es sollte von Jesuiten handeln.. :-)
Vielleicht tut es das auch, aber nicht so wie ich es ursprünglich wollte. Man kann nicht im Vorhinein bestimmen was man auf der Couch sagen wird..
Wünsche dir einen schönen Tag
Marlena

Freitag, 13. Juni 2014

"Du und ich in Rom"



(R)

subject Warum nicht?
...
Was ich eigentlich sagen wollte: Ich habe auch eine wunderschöne
persönliche Reiseschilderung über Rom gefunden mit dem Titel "Du und
ich in Rom", von Sigge Hommerberg geschrieben. Es ist ein Buch für
Leute, die eine Romreise planen, die gerade dort gewesen sind, oder
die sich dorthin sehnen. Vielleicht gehöre ich in alle drei
Kategorien. Einmal möchte ich dorthin fahren, mit dir bin ich (leider
nur in Gedanken) dort gewesen, und schliesslich meine lebenslängliche
Sehnsucht nach dieser Stadt.
Sigge Holmberg besitzt gute kunsthistorische und auch archeologische
Kenntnisse. Ausserdem ist er sehr gastronomisch interessiert. Das Buch
gibt praktische Tips nicht zuletzt über Essen und Wein. Zwanzig
Spaziergänge unter Führung mit Kartenskizzen zu jedem Kapitel. Und
schliesslich ein kleines Nachschlagewerk über andere
Sehenswürdigkeiten und die Adressen zu den beliebtesten Restaurants
und Trattorien des Schriftstellers.
Was sagst du dazu? Ich wünsche das Buch wäre in andere Sprachen
übersetzt. Muss mal bei google nachsehen, ob es so ist. Und weisst du,
das DU in dem Titel des Buches bist immer noch du, chéri. Klar musst
du nochmals dorthin. Hast doch den Vatikan verpasst. Ich würde so gern
auf Entdeckungsfahrt gehen mit dir in dieser romantischen Stadt. Deine
vorige Reise war doch nur eine Rekognozierungsreise, um die Zeit dann
später besser ausnützen zu können. ;-)
Ich schicke dir ein kleines Bild mit aus dem Buch, ein Aquarell von
Franz Roesler, vor mehr als hundert Jahren gemalt. Es zeigt die Via
dei Cappelari (Strasse der Hutmacher). Und es sagt, so ungefähr sieht
es heute noch aus. Sogar die Wäsche hängt noch dort. ;-)

Ich sehe gerade, dass du mir einen Artikel geschickt hast. Bin
neugierig darauf. Ja, Gunnar Ekelöf ist einer unserer grossen Dichter.
So lasse dich einen Moment.
Wünsche dir einen schönen Tag noch,
MlGuK
Malou

Büroausflug - Strassburger Münster


Liebe Marlena
Soeben bin ich aus Basel zurückgekommen. Und so habe ich noch einen kleinen Moment Zeit, Dir zu schreiben.
Wir haben heute unseren Büroausflug gemacht. Diesmal ging es nach Strassburg im Elsass. Das haben zwei Kolleginnen bestens organisiert. Schade war nur, dass heute ein nicht besonders schöner Tag war. Schon am Morgen etwa ab 10 Uhr hat es angefangen zu nieseln. Dann, eine zeitlang schien der Himmel sich zu bessern. Doch am Nachmittag hat er einen echten Rückfall gehabt.
Strassburg ist ein hübscher Ort. Und am Nachmittag gibt es jede Menge Touristen. Man sollte am Morgen früh eintreffen, dann ist es noch erheblich schöner.
Wir gingen erst mal in das schöne und berühmte Strassburger Münster. Du weißt vielleicht, dass Goethe hier für sich und die Welt die Schönheit der Gotik entdeckt hat. Das war eine Leistung der Romantik, die ja doch am Mittelalter ihre grosse Vorbild-Zeit gefunden hat. War dann ja auch eine Gelegenheit, im Stil der Neu-Gotik zu bauen, wie etwa das Londoner Parlament, oder jenes schöne Parlament in Pudapest, vielleicht das schönste von allen. Bis ins 19. Jahrhundert war das Strassburger Münster mit seinen 142 m das höchste Gebäude Europas. Es ist ein interessantes Gebäude, denn es wurde während einer Zeit von etwa 200 Jahren gebaut. Die ältesten Teile, der Chor und das Querschiff sind noch romanisch, der Längsbau dann Gotisch nach französischer Manier, und vorne, die grosse Fassade ist sehr vertikal orientiert. Das Münster hat heute nur einen Turm. Das war nicht immer so. Ursprünglich gab es zwei Türme, und sie waren 3 Stockwerke hoch. Dann hat man aber, nach dem grossen Erdbeben von Basel, den Raum zwischen den Türmen ausgefüllt und links noch einen Turm von einer Stockwerk Höhe zugefügt. Weil aber der Boden nicht ganz sicher ist, hat man dann auf der anderen Seite den Turm nicht mehr gebaut. So ist die Frontalfassade nicht symmetrisch. Doch die Schauwand ist schön und wirklich gotisch aufgelöst. Das heisst, man hat sozusagen vor die Wand noch einen Dekorationsvorhang gestellt, der auch aus Stein ist, der aber seinen Stein sozusagen verleugnet. Die Rippen und Wimperge sind so fein, dass man das Gefühl hat, sie sollten eigentlich aus Holz, und nicht aus Stein sein. Insgesamt ist das also ein imposantes Gebäude, und - wie gesagt - wichtig, weil es Goethe ins Auge gestochen ist.
Wir haben mit einer Führung einen kleinen Stadtrundgang gemacht und viele interessante Dinge gehört. Wir haben gemeinsam mittaggegessen. Ich habe mir ein ziemlich opulentes Gericht bestellt. Zusammen mit einem Kollegen haben wir eine Platte mit Sauerkraut und verschiedenen Fleischaften und Würsten gegessen. Das Sauerkraut hat recht gut geschmeckt, war es doch in Wein gekocht. Und das Fleisch war dann halt insgesamt etwas "nahrhaft". Und dazu haben wir ein grosses Eslässer Bier gekippt. Das war viel, angesichts der Tatsache, dass ich jeweis im Büro sehr wenig mittagesse. Aber ich habe dann den Nachmittag leidiglich und ohne Siesta überstanden. Viele machten eine kleine Fahrt mit eiem Schiff durch die Kanäle. Ich ging nochmals ins Münster und dann durch die Strassen und Gassen zurück zum Bahnhof. Doch dann - leider - hat es schon ziemlich geregnet.
So sind wir jetzt wieder zurück. Es ist gut, einmal einen Tag mit den Arbeitskollegen zusammen zu sein und über andere Dinge als über die Arbeit zu reden. Es stellen sich zwar mit der Zeit immer etwa die gleichen Gruppierungen heraus. Und auch die Leiter sitzen dann schliesslich an einem Tisch und "markieren die Führung".

(...)

Ich danke Dir für Dein Mail heute. Es hat mich besonders gefreut, dass Du geschrieben hast, obwohl Du wusstest, dass ich nicht hier bin. Das nenn ich Treue!!
Mit einem grossen Kuss, einem römischen meinetwegen. Die sollen ja sehr intensiv sein.
...

Donnerstag, 12. Juni 2014

Schöne Schweiz



Foto: Chris

mittelalterliche Liebe


Liebe Malou
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Über die Typen der Liebe? Vielleicht schmunzelst du, wenn ich dir erzähle, dass ich im Moment ein Buch über die mittelalterliche Liebe lese. Ich hatte es mal bei Gelegenheit gekauft und war vor allem begeistert über die schönen Abbildungen. Man kennt ja die hübschen Miniaturen, die kleinen Handarbeiten wie Spiegelverzierungen oder Schmuckkästchen. Und so bin ich kürzlich mehr durch Zufall wieder an dieses Buch gelangt und habe angefangen zu lesen. Es ist besser als erwartet. Der Autor scheint ein guter Kenner des Mittelalters. Und bestimmt weisst du, dass man in jener Zeit sozusagen die Erfindung der Liebe beobachten kann. Es gibt Spezialisten, die behaupten, sie wäre nicht zuletzt durch den Islam und dessen Lyrik im Spanien der Mauren geprägt worden. Ja, die Liebe ist ein grosses Thema. ...

Es gibt in jenem Mittelalter eine Liebesgeschichte mit der Nachtigall, die mich beeindruckt hat. Eine Dame hatte ein stilles Liebesverhältnis mit ihrem Nachbarn. Von Fenster zu Fenster haben sie sich getroffen und von dieser platonischen Verbindung gelebt. Aber als die Dame eines Nachts aufstand, um ans Fenster zu gehen, wurde ihr Ehemann misstrauisch. Er stellte sie zur Rede. Sie erklärte ihm, dass sie so sehr in den Gesang der Nachtigall verliebt sei, was ihr den Schlaf raube und was auch der Grund sei, weshalb es sie zum Fenster hinziehe. Doch der eifersüchtige Ehemann war offenbar nicht davon überzeugt. Er liess die besagte Nachtigall fangen, brach ihr das Genick und warf ihr den toten Vogel vor die Füsse. Sie wickelte das Tier in ein Seidentuch und übergab es ihrem Geliebten. Dieser liess dafür ein wertvolles Kästchen zimmern, um ihn als Reliquie ihrer Liebe darin aufzubewahren und zu verehren.

Die Tragik ist wohl typisch für das Mittelalter. Und sie erinnert auch an viele Geschichten aus dem Islam.

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Mittwoch, 11. Juni 2014

Kirchenbesuch in Rom


(ungekürzt)







Liebe Malou
Hier noch zwei Bilder. Sie kommen, wie Du sicherlich annehmen wirst,
aus der Umgebung des Vatikans.
Die Medaille für Christina von Schweden befindet sich, wie Du bestimmt
weisst, in S Pietro. Ziemlich nahe beim Eingang auf der rechten seite
findet man die riesige Medaille. Sie hängt allerdings ziemlich hoch,
so dass man die Inschrift kaum lesen kann. Nicht weit davon steht die
Pietà von Michelangelo. Davon schicke ich Dir später ein Bild.
Natürlich hätte ich diese katholische Christina niemals gesehen ohne
unsere Mailerei.
Und das andere Bild stammt von der Piazza Santa. Es war ziemlich warm,
und die drei Patres haben sich irgendwo ein Wässerchen organisiert.
Ich glaube, sie kommen alle drei von sehr verschiedenen Ethnien. Na
ja, zwei Asiaten und ein Westler. Der liebe Gott muss in der Tat
mehrsprachig sein. Die Moslems denken, er spreche arabisch, die
Katholiken vielleicht immer noch, lateinisch. Aber er kann bestimmt
auch ein paar Brocken Schweizerdeutsch!
Wenn man von der Piazza Santa durch die Kolonnaden in den Dom will,
muss man einen gründlichen Check über sich ergehen lassen. Manchmal
gibt es dort lange Warteschlangen. Sie durchleuchten alles: Taschen,
Körbe, Mappen etc. Nur die Priester lassen sie ungeschoren durch, wie
ich meine. Und dann geht es wieder mehr oder weniger in Kolonne hinauf
zum Eingang. Man muss also, wenn man auf den Petersplatz kommt, auf
der rechten Seite hinauf. Links lassen sie einen nicht eintreten.
Die Piazza Santa ist einfach eindrücklich. Einen solchen Platz gibt es
sonst nirgendwo auf der Welt. Das hängt an seiner genialen Gestaltung,
aber natürlich auch an den vielen Menschen, die ihn beleben. Man hat
irgendwie den Eindruck, hier sei so etwas wie das Zentrum der Welt.
Das würden natürlich viele bestreiten, aber  eine solche Konzention
habe ich sonst nirgendwo gesehen. Na ja, ich habe auch nicht alle
Plätze gesehen. Ich würde behaupten, S Marco in Venedig mache einen
ähnlich grossen Eindruck auf unsere Seelen. Aber daran sieht man
vielleicht nur meinen Eurozentrismus. Der grosse Platz in Isfahan ist
jedenfalls von völlig anderer Qualität. Und Times-Square ist kein
Platz, sondern eine blosse Strassenkreuzung. Na ja, vielleicht wäre da
noch der Turmplatz hier zu erwähnen. Er ist natürlich auch
eindrücklich im Sinne der Redensweise: Steter Tropfen höhlt den Stein
(meiner Seele).
Es ist merkwürdig, wie ich mich in katholischen Kirchen wohl fühle.
Ich fühle dort immer einen Frieden und finde mich gut aufgehoben. Das
hängt vielleicht schon damit zusammen, dass ich solche Kirchenbesuche
mit Ferien assoziiere. In eine Kirche zu treten, bedeutet für mich
sozusagen Ferien. Und natürlich sind solche Kirchen immer auch
angenehm kühl und ein bisschen dunkel, in Kontrast zur Hitze und
Helligkeit der Strasse. Ich kann die Römer verstehen, dass sie ihre
schönen Kirchen wie Ruhe- und Meditationsräume nutzen.
Und wenn man dann eintritt, zum Beispiel morgens um neun, dann denkt
man, man sei allein in diesem grossen Raum. Es sind keine Menschen zu
sehen. Man ist beeindruckt vom Raum, von den Säulen, vielleicht von
den Malereien oder vom Altar. Man geht herum. Und plötzlich sieht man
da und dort Menschen. Die einen sitzen still und scheinen zu beten,
oder doch zumindest sich selbst zu suchen und zu finden. Andere gehen
herum und schauen sich auch die Kirche an. Vielleicht ist noch
irgendwo ein Sakristan unterwegs, der mit irgendwelchen Dingen
hantiert.
Einziger Nachteil der Kirchen: man kriegt leicht Nackenstarre!
Ich hatte in Il Gesû ein lustiges Erlebnis. Ich war so müde und hatte
mich auf einen Bank mitten in der Kirche gesetzt. Es gibt dort ein
schönes, barockes trompe d'oeuil Deckengemälde, so dass man denkt, man
würde geradewegs in den Himmel hinauf sehen. Aber eben der Nacken. Ich
sass also ziemlich erschöpft dort und bemerkte, dass ungefähr 4 m vor
mier ein Bild aufgestellt war. Es war so schief an einen Stuhl
gelehnt. Und wenn immer Menschen vorbeikamen und das Bild
betrachteten, hellte sich ihr Gesicht auf. Sie waren ganz begeistert
von diesem Bild, vielleicht 50x100cm gross. Und je mehr Leute ich
passieren und leuhten sah desto neugieriger wurde ich, was es wohl auf
diesem Bild zu sehen gäbe. Ich dachte an einen  Grundriss, irgend eine
Darstellung, die den Menschen eine Übersicht und eine Einsicht gaben.
Ich konnte mir nichts anderes vorstellen als eine erläuternde
Darstellung. Und als ich dann meine Kräfte wieder gesammelt hatte und
bereit war, mich hin zu diesem Bild zu bewegen, da fand ich ... einen
Spiegel. Er war schief gestellt, so dass man, ohne den Kopf in den
Nacken zu werfen, die Decke betrachten konnte. Das war ein lustiger
Moment.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit lGuK
...