Freitag, 25. Oktober 2013

Freitags immer...



den 14 november 13:49
Re: freitags immer ...


Liebe Marlena

Ich weiss gar nicht, ob ich so alte und so lange Mails von mir nochmals lesen sollte. Ich habe es noch nicht getan, und vielleicht brauche ich vorher wirklich einen starken Schluck Whisky. So genau möchte ich ja doch meine seelische Vergangenheit nicht erforschen. Oder sollte ich?

*

Ja, ich habe diese CD von Helene Hanff schon mehrmals gehört. Es ist so romantisch und so hübsch. Es handelt sich um einen Briefwechsel zwischen einer amerikanischen Schriftstellerin, die in N.Y. wohnt, und einem englischen Buch Antiquar an der Charing Cross Road in London. So ungefähr. Und die Amerikanerin ist ein bisschen jugendlich und manchmal ungeduldig und naughty, und der Engländer sehr formal und höflich. Allerdings ist es in diesem kleinen Buchladen nicht immer dieselbe Person, die schreibt. Die Hanff bestellt diese oder jene Bücher, gibt diesen oder jenen Kommentar. Und die Engländer berichten, wie sehr sie sich Mühe gegeben haben, dieses oder jenes Buch zu finden, wie sie vielleicht an ihren Besuchen in englischen Landhäusern nicht erfolgreich gewesen sind, diese oder jene Erstausgabe zu finden. Es ist die Zeit nach dem Krieg, und die Engländerin schickt ihnen Esswaren, während die Leute der Buchhandlung ihr dann eine spezielle Ausgabe eines speziellen Buches als Dank zuschicken. Na ja, es ist ganz hübsch, und offenbar ist kürzlich ein Büchlein herausgekommen, da die Hanff erzählt, wie es war, als sie erstmals nach London gereist war.

Und einmal schickt sie sogar einen Schinken, und macht sich dann als Jüdin Gedanken, ob sie nicht doch besser eine Zunge geschickt hätte.

Ach es wirkt alles so romantisch und alt. Die Leute wählen noch nette Formen, wenn sie einander schreiben und tauschen Höflichkeiten aus. Man hat dieses Bild vor sich, wie ältere Leute in aufgeräumter Kleidung abends unter dem warmen Licht irgendeiner einer hübschen Tischlampe sitzen und mit ihrer Feder und mit echter Tinte einen Brief hinkritzeln. Ach, was waren das schöne Zeiten: das warme Licht, das echt raschelnde Papier, die pechschwarze, nass schimmernde Tinte, das krakelige Kratzen der Feder, der ruhige Fluss der Zeit vielleicht sichtbar am Mond zwischen den Vorhängen, in der das alles vor sich ging in einem mit dunkeln Holz möblierten Zimmer.

Es muss die Zeit gewesen sein, als Menschen noch persönliche Gesichter hatten. Ich meine, sie waren noch Persönlichkeiten mit einer ihnen gemässen Aura, auf die man gehen konnte. Ihr Verhalten war mehr oder weniger vorhersehbar. Ihre Kleider waren zerknittert und grau vielleicht, aber umso mehr haben ihre Gesichter sich zu erkennen gegeben. Ach, das waren noch Zeiten.

Wenn ich mir eine solch antike Buchhandlung vorstelle, dann kommen mir jene in N.Y. in den Sinn. Sie waren zwar nicht alle alt, einige aber altmodisch eingerichtet mit einer schönen Atmosphäre. Eine, The Strand glaube ich, hiess sie, war sehr ungeordnet und übervoll mit Büchern. Die meisten davon waren wohl, was wir ‚modernes Antiquariat’ nennen. Es sind nicht alte, sondern mittelalterliche Bücher, die verbilligt verkauft werden, weil man im Lager Platz braucht. Dort ist die Atmosphäre nicht sonderlich gemütlich, denn es gibt zu viele Leute und zu viele Bücher. Die Kombination von beidem macht eine Enge, die ein bisschen nervös macht.

*

Jetzt bin ich von der Sitzung zurück. Sie war nicht sonderlich ergiebig. Aber ich glaube, der Chef braucht einen Kreis, in dem er gewisse Fragen diskutieren und testen kann. Er sucht noch seinen Weg und er ist abhängig von seinem Team. Ich bin ja nun nicht einer, der sich dort in den Vordergrund drängt. Dazu ist meine Dienststelle zu klein und hat nicht eigentlich staatstragende Bedeutung. Beim alten Chef war ich respektiert, weil er meine Texte schätzte, glaube ich. Der Neue kennt mich noch nicht. Und ich glaube nicht, dass er mit Texten sosehr ansprechbar ist. Er kommt aus den Gewerkschaften. Das sind praktische Menschen, denen es nicht um Schöngeisterei geht, sondern um ungeschminkte, nackte Tatsachen und nicht zuletzt um das Materielle. Na ja, wir werden sehen, jeder hat seine schwache Stelle, seinen Knopf, worauf man drücken muss, damit man zu seiner Sache kommt.

*

Na ja, wenn ich diesen Briefwechsel zwischen Hanff und der Buchhandlung 84 Charing Cross Road höre, so kommt mir auch der unsere in Gedanken auf. Sie dort hatten den Vorteil, dass sie ein vorgegebenes Thema hatten. Die Hanff wollte alte günstige Bücher und der zuständige Mitarbeiter bei Marks & Co gab sich Mühe, sie zu finden. Das ist doch schon eine materielle Basis, die was hergibt. Aber zwischendurch spielt die Hanff mit dem Gedanken, nach London zu fahren und sich alles persönlich anzuschauen. Und offensichtlich hat sie das ja nach dem Krieg auch gemacht.

*

Vielleicht haben wir uns ein bisschen anstecken lassen. Auf jeden Fall stand unser Weekly gestern auch unter dem Thema von ‚merry old England’. Na ja, nicht England, aber jener Zeit. Mit anderen Worten, wir wärmten romantische Erlebnisse unserer Jugend auf. Ich erinnerte mich, dass meine Mutter mich jeweils mitnahm, wenn sie einen Laden aufsuchte, in welchem es vornehmlich Dinge gab, die man zum Nähen brauchte. Vielleicht gab es auch Unterwäsche. Ich weiss es nicht mehr so genau. Aber es war alles ziemlich ordentlich und geregelt. Und genau das war schlimm. Es gab keinen kleinen Stein des Anstosses, wo man hätte zugreifen können. Es gab keine Unregelmässikeit, die doch an sich interessant sind. Auf jeden Fall fand ich diese endlosen Stunden, während der meine Mutter unbekümmert mit der Besitzerin des Ladens plauderte, endlos lang. Es war eine Qual. Eine endlose Qual, um genau zu sein. Es war im Grunde Kindsquälerei. Ich hing meist vor der Ladentüre auf der steinernen Treppe herum und es war dort absolut nichts los. Höchstenfalls hätte ich mir, durch irgend eine gewagte Übung, das Knie aufschlagen können. Und auch im weiteren Umkreis war nichts, was sich hätte für einen kleinen Zeitvertreib anbieten können. Absolut nichts! Es war die veritable Hölle. Und ich habe nie begriffen, wie sich die Frauenwelt in einer solchen Umgebung unterhalten und gar noch gut unterhalten kann. Niemals war das zu begreifen. Ich dachte mir, diese Wesen müssten von einer anderen Welt sein, irgendwie mit anderen Gesetzmässig­keiten und anderen Programmen, die Zeit zu geniessen.

Umso mehr schätzte ich damals meine kleine Freundin, bei der ich bemerkte, dass sie genau dieselben Dinge mochte, die auch ich mag. Wir hingen nach der Schule hinter dem Schulhaus herum, hängten uns an die Turnstangen, plauderten hin und her. Einmal hatte sie mich eingeladen, in einem Motorlastwagen mitzufahren. Ihr Vater führte ein grosses Baugeschäft in Lenzburg. Und ich hatte die Ehre, zwischen Chauffeur und meiner kleinen Freundin auf diesem holperigen und ausgesessenen Sitz zu hocken und über das Armaturenbrett hinunter auf die Welt zu schielen. Es war einfach grossartig. Ich glaube, ich habe eine zeitlang sogar meine Freundin neben mir vergessen. Aber irgendwie genoss auch sie es. So habe ich es in Erinnerung. Entweder war sie stolz, dass ich ihre Welt so sehr bewunderte. Oder sie war erfreut, dass sie mir eine Freude machen konnte. Aber irgendwie war sie hell und fröhlich neben mir. Und natürlich hatte ich die Vorstellung, dass sie jeden Tag mit diesen riesigen Lastwagen in der Welt herum fahren würde. So ein kleines Ding von einem Mädchen mit einem kecken Rossschwanz hatte solch gigantische Maschinen unter Kontrolle!! Ich sag Dir, Marlena, ich war schon schwer beeindruckt.

Ich glaube, das ist es für heute

Ich wünsche Dir einen feinen Tag

Kuss
...

Irgendwie komme ich nicht hinein ins Hotmail. Was ist los mit diesem System? Ist es nicht merkwürdig, wie viele Sorgen und Gedanken man sich heute macht über Dinge, die man nicht mal sieht. Ich meine, wenn ich jetzt schimpfend und fluchend durch die holperigen Strassen von L
wanderte, indem ich mich über Hotmail auslassen würde, dann könnte das hier kein Mensch verstehen. Sie würden denken, ich wäre der Psychiatrischen Klinik entlaufen.

Lass es mich nochmals probieren.

Gruss

Omas und Enkelkinder u.a.


Ämne: Omas und Enkelkinder u.a.
Datum: den 14 november  09:54


Lieber ... ,
Ich sitze hier und schau schon nach einem Mail von dir. Da es Freitag ist, weiss ich, dass es vielleicht erst später kommt.. aber wer weiss..
Heute sieht es etwas grau und neblig aus. Es ist eigentlich schon lange her, dass ich die Sonne gesehen habe. Trotzdem fühle ich mich nicht so müde. Kann ja auch sein wegen der doppelten Nacht. ;-) Oder wirken schon die Lebenselixire, die ich seit ein paar Tagen nehme. Ich kann sie dir wirklich sehr empfehlen, diese Gericomplex. Nur habe ich etwas Angst, dass du dann so viel Energie bekommst, dass du dich nicht mehr mit geträumten Abenteuern begnügen wirst. *s*

Hast du auch dein Mail durchgelesen? Es ist lustig, denn du sprichst auch dort von der besonderen Neugier der Psychologen, genau wie in deinem letzten mail. Doch ich finde dich nie unpassend neugierig. Du bist eigentlich unendlich diskret in allem. Ich dachte immer das ist das typische für Psychologen: dass sie nie etwas sagen und nur ihre Klienten reden lassen. Ungefähr in der Meinung, wenn ich nichts sage, habe ich nichts gesagt.
Gestern habe ich eine kleine Weile Dr.Phil gesehen. Er ist da ganz anders. Er hat seine ganz bestimmten Auffassungen und er sagt sie den Leuten gerade ins Gesicht. Und wie man sehen kann sind sie meist sehr froh darüber. Es kommt mir oft vor, als suchten die Leute eine Auktorität, einen Vater, wenn du willst, der ihnen sagen kann wie sie ihr Problem lösen können und was sie tun müssen. Und er hat einen guten vertrauenerweckenden Einfluss auf sein Publikum. Alles scheint so einfach, so möglich zu verändern. Warum sollte das nicht auch meinen Problemen gelten können. Manchmal bittet er auch nach einer Zeit die Klienten, die er im Studio "behandelt" hat, zurückzukommen um zu erzählen, wie es dann gegangen ist. Ich denke er wählt nur gelungene Fälle dafür.
*
Ja, wenn das elektrische am Auto plötzlich streikt, kann es ziemlich schlimm werden. Ist mir mal passiert, als ich so 10 km von zu Hause war. Alles am Auto war schwarz. Und so bin ich ganz langsam dicht am Strassenrand in der dunklen Nacht nach Hause gefahren. Es war ein wirkliches Abenteuer, besonders an den Strecken wo es absolut keine Strassenbeleuchtung gab. Ich hoffe dein Auto ist wieder OK. Zu dieser Jahreszeit ist es besonders bequem das Auto zu nehmen.
*
Jetzt sind die Bäume hier im Garten entlaubt. Nur der alte Apfelbaum trägt noch eine Menge braune Blätter obwohl schon ein dicker Teppcih davon am Rasen liegt. Die Vöglein scheinen noch zu schlafen. Schön. dass es Freitag ist. Ich brauche ein wenig Zeit für zu Hause.
*
Was du von deiner Grossmutter erzählst, lässt mich an meine Tante denken, die voriges Jahr gestorben ist. Sie hat auch die Verwandschaft zusammengehlaten, indem sie dem einen von dem anderen erzählt hat. Sie war sozusagen die Kommandozentrale. Jetzt weiss ich garnicht mehr, was sich dort in Stockholm bei meinen Kusinen abspielt. Na ja, ich kann mir denken, dass alles so im alten Trab geht genau wie bei mir und wenn was besonderes passiert wäre, gehört es vielleicht zu der Kategorie von Ereignissen, über die man lieber schweigt. Und man darf nicht vergessen: meine Kusinen sind alle Männer. Sie sind schon von Natur aus etwas träge in ihren sozialen Kontakten. Vorurteile?
Ich werde auch wieder einmal nachhören müssen, wie es meinem Brüderchen geht. Er ist ja nun schon Grossvater geworden und ich glaube er nimmt seine Rolle sehr ernst und hat auch einen Riesenspass daran. Anna glaubt manchmal ich wünsche mir bald Enkelkinder, aber so ist es nicht, obwohl ich vernarrt bin in kleine Kinder. Ich bin sehr froh, dass ich damals als Anna klein war zuerst ein extra Jahr zu Hause geblieben bin und dann ein paar Jahre weniger gearbeitet habe. So habe ich ihre Kindheit richtig geniessen können.
*
Nun sende ich dir dies ab, damit du es noch zu deiner zweiten Tasse Kaffee bekommst.
Wünsche dir einen schönen Tag,
Marlena

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Bald wieder Nacht..


Ämne: Bald wieder Nacht..
Datum: den 13 november  22:19

Lieber ... ,
Soll ich dir das nun erzählen? Kann ich es tun ohne ganz unmöglich zu erscheinen? Stell dir vor, ich bin aufgewacht und habe im Dunkeln die Ziffern der Uhr gesehen. 06.45. Ich war noch ganz verschlafen und dachte ich muss wohl runter und Anna guten Morgen sagen, bevor sie zur Uni geht. Und da merke ich, dass ich mich gestern nicht umgezogen habe für die Nacht. Ich habe meine Unterwäsche und ein T-shirt an. Es ist stockdunkel und von unten sehe ich, dass ich das Licht im Küchenfenster nicht ausgeschaltet habe. So gehe ich runter an den PC. Es ist schon (oder erst) 7 Uhr. Wie man es nun sieht. Spät für Anna aber früh für ein Mail von dir. Anna ist leider noch offline, aber von dir liegt schon ein Mail da. Doch es ist von gestern.(?) Ich gucke auf die Uhr am PC und da steht 17.03. Was ist denn los? Ist doch nicht möglich! Ich möchte in die Küche gehen um dort nachzusehen ob es stimmen kann. Aber ich sehe auch so ein, dass ich die Nacht noch vor mir habe. Es ist erst Abend. Anna kommt frühestens in 2 Stunden von der Uni nach Hause. Und draussen ist es pechschwarz. Ganz undurchdringlich schwarz. Ich frage mich, was los ist mit meinem Kopf.
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Ja, du hast recht, Abendsitzungen sind eine ermüdende Sache. Nicht gerade wenn sie stattfinden. Dann ist man doch meistens froh gelaunt aber nachher kommt die Müdigkeit. Ich hoffe doch, dass du es gut überstanden hast. Ich weiss, dass auch meine Kollegen sich eine Weile hinlegen nach der Arbeit und einen kleinen Erfrischungsschlaf machen. Mit Kollegen meine ich Å und G.  Na ja, sie sind beide Junggesellen, obwohl G  ja schon zum dritten mal eine Ehe mit seiner ersten Frau eingegangen ist. Wirklich ein ungewöhnliches Paar. Ich kenne seine Frau von damals als wir noch jung waren. Teils habe ich sie bei einem Fest in der Schule gesehen aber einmal war ich auch bei ihnen zu Hause eingeladen. Und noch heute, nach vielen Jahren fühle ich mich sehr bekannt mit ihr. Manchmal höre ich wie G mit ihr spricht am Telefon und ich frage mich, wie sie mit diesem Mann wieder zusammenziehen konnte. Er klingt so sauer und irritiert. Und wenn sie anruft und ich den Hörer abnehme weil G im Moment vielleicht in einem Klassenzimmer steht, dann versuche ich immer sehr nett und freundlich zu sein, weil sie mir irgendwie leid tut und weil wir ja beide das Los teilen, in seiner Nähe leben zu müssen. ;-)
Å dagegen ist wie ein Sonnenschein. Er ist ein so äusserst synpathischer Mensch und deshalb auch bei allen Leuten beliebt. Wenn ich mich manchmal betrübt oder unglücklich fühle, dann setzen wir uns hin und trinken einen Kaffee und sprechen über unsere Hoffnungen und Ängste im Leben. Er geht nächsten Herbst in Rente und heute haben wir darüber gesprochen, was man dann mit seinem Leben anfangen wird. Er braucht ja dann eigentlich nicht mehr hier zu wohnen, sondern könnte zu seiner Jugendliebe in seine Heimat oben im Norden ziehen. Sie hat ein schönes Haus dort an einem See gelegen und ich verstehe nicht warum er hier bleiben sollte allein in seiner Villa. Aber er weiss noch nicht.
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Gestern war K an einem Fest mit Kollegen. Weiss nicht genau was sie diesmal gefeiert haben, nur dass eben zwei von den männlichen Kollegen unbedingt auf dem Heimweg eine kleine Flüssigkeitskontrolle bei K einlegen mussten. Und da er eine Whiskyflasche dort hatte sind sie immer fröhlicher und lauter geworden und haben um zwei Uhr Nachts bei ihrem Abzug noch alle Nachbarn geweckt . K wohnt im 8. Stock eines 9-stöckigen Hauses. Vom Fenster konnte er sehen, wie dann der eine nach einer wackeligen Slalomfahrt vom Rad gestürzt ist. Heute kam er, dieser sonst so vornehme Herr ungefähr in deinem Alter, hinkend und verwundet zur Arbeit. Und dabei meinten sie noch, dass es ein Glück war, dass er so betrunken war, weil er sich sonst erschlagen hätte. Du siehst, sie benehmen sich wie junge Studenten. Was soll man dazu sagen? Die Schweden haben eben kein natürliches Verhältnis zum Alkohol.
Übrigens spricht man jetzt viel von der Korruption in "Systembolaget", unser staatliches Alkoholmonopol. Hohe Chefs, aber auch Angestellte, haben sich bestechen lassen von ausländischen Lieferanten. Göran Perssons Freundin ist höchste Chefin bei Systembolaget, aber natürlich hat sie nichts von diesen Dingen gewusst.
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"Sie können ganz unmöglich sein manchmal, die Psychologen", schreibst du. Wie einsichtsvoll! ;-) Und wenn du so mit Walther vertraulich spricht, dann merkt er sicher, dass du irgendwelche Geheimnisse vor ihm hast. Falls er nicht informiert ist. Ich würde ihm sogar zutrauen, dass er dein Password hat und deine Mails lesen kann. Hast du es jemals geändert? Am Anfang hat er doch von unserer Mailerei gewusst. Fragt er denn nicht ob die immer noch am Leben ist?
Schade, dass du nicht sagst welches Mail es war. So muss ich weiter befürchten, dass ich dich vielleicht blamiert habe, indem ich zu vertraulich war. Aber meistens schreibe ich doch so, dass nur du meine Liebe zwischen den Zeilen sehen kannst, oder? ;-)
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Jetzt bin ich fast wach geworden.. *s* Es ist schrecklich. Ich muss 2½ Stunden geschlafen haben und wollte mich doch sicher nur ein wenig ausruhen nach der Arbeit. Anna ist immer noch nicht zu Hause. Man muss wirklich stark sein um ein so hartes Programm zu bemeistern. Rein körperlich meine ich auch.
Jetzt kam sie gerade nach Hause. Sie haben einen neuen im Korridor. Einen Italiener namens Piero. Er hat eine gute Eigenschaft: Er spricht italienisch.. ;-)
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In dem Film über Schweden hast du sicher Südschweden gesehen. Es ist ganz platt. Und durch die platte Landschaft winden sich kleine Landstrassen. Ich bin mal an einem frühen Junimorgen mit dem Auto durch diese Landschaft gefahren, auf dem Weg zur Fähre in Trelleborg. Ich wollte einen Kurs in Hamburg besuchen. Links und rechts stand die Saat hoch und am Strassenrand blühten Mohnblumen und und Kornblumen. Der Sommerhimmel war herrlich blau und ab und zu sah man in der Ferne, oft auf kleinen Höhen, vereinzelte Bauernhäuser. Sie bestehen oft aus mehreren Häusern, die um einen Hof liegen. Skånelänga nennt man sie. Du weisst Schweden hat sehr unterschiedliche Natur und wenn du meinst dass es oben im Norden karg ist, so ist das nur teilweise richtig. Ich sehe ja meistens die schönen Flusstäler und die Küste. Dann gibt es natürlich auch unendliche Waldgebiete.
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Spazierengehen ist gut für den Menschen. Für den Körper sowohl wie die Seele. Ja, es wäre schön mit dir Spaziergänge zu machen. Wir würden uns wunderbar dabei unterhalten. Und ab und zu würde ich dich umarmen ...  nur so, weil ich eben Lust dazu hätte. Du würdest auch nicht unberührt davon sein. Nein, wirklich nicht. Aber wir müssen uns eben begnügen mit Träumen und Mails. Das ist auch schön obwohl ...
Hast du den Briefwechsel gelesen, von dem du mir erzählt hast? Ist es interessant? Erzähl mir davon.
Ich musste gestern ein wenig Platz machen in der mailbox und so habe ich Fotos aus einigen mails herausgenommen und auf den PC gelegt. Dabei habe ich eins gefunden, über 20 K gross und ich war erstaunt, dass es nur Text war. Ein wunderschönes langes Mail, in dem du mich zu trösten versuchst, weil ich nicht das "Familienglück" gefunden habe, von dem ich in meiner Jugend geträumt hatte. Es ist so schön geschrieben, dass es auch jedem anderen Menschen Trost schenken würde. Willst du es noch einmal sehen? Ich glaube es ist im Sommer 2000 geschrieben. Damals hast du mich noch kein halbes Jahr gekannt und vielleicht war ich noch eine Traumgestalt, eine Konstruktion in deinem Kopf, die du dir selbst geschaffen hattest. Ich glaube ich schicke es dir gleich. Du musst es ja nicht lesen, wenn du nicht magst.
*
Jetzt ist es bereits 21.00 Uhr. Werde noch ein wenig hier ausrichten und dann nochmals schlafen. Zwei Nächte an einem Tag... nicht schlecht.. :-))

Grüsse dich lieb, mein wunderbarer Mausfreund,
Marlena

Feierabendmail


den 13 november 17:07
Feierabendmail

Liebe Marlena

Heute abend habe ich noch eine Sitzung. Sie beginnt erst um 17h. Das hasse ich. Früher hat mir dies nichts ausgemacht, aber heute gehe ich gerne rechtzeitig heim, um mein Kaffeelein und mein Schläfchen zu nehmen. Alles andere Stört meine Kreise!

Morgens war ziemlich regnerisch. Und weil bei unserem Auto die Elektronik spukt, hatte ich keinen Scheibenwischer und keinen Winker. Es ist ziemlich abenteuerlich, so in der Landschaft herumzufahren. Man würde nicht mal merken, wenn man einen Passanten überfährt. Es sieht ja alles aus wie hinter der verglasten Badezimmertüre. So bin ich ziemlich vorsichtig gefahren und habe dann S. angerufen, das Auto in die Garage zu bringen. Ich selbst bin mit der Eisenbahn nach Basel gefahren. Das mache ich ja nicht ungern. Aber es braucht seine Zeit.

Kürzlich hast Du mich sogar mehrmals gefragt, welches Mail denn die Sekretärin gebracht und ev. eingesehen hätte. Ich weiss es nicht mehr. Ich habe das auch nicht kontrolliert. In solchen Dingen schliesse ich die Augen und gehe blind durch die ganze Suppe. Ich bin mir aber sicher, dass sie es nicht gelesen hat. Sie ist sehr vertrauenswürdig. Und auch sehr strikt. Da kann ich meine Hand ins Feuer legen. Bei Walter, der auch sagt, er sei diskret, wäre ich mir nicht so sicher. Er würde es lesen. Aber er würde es nicht ausnutzen. Das dann doch wieder nicht. Aber er ist ziemlich neugierig. Wie die meisten Psychologen. Manchmal denke ich, sie sind indiskret, weil sie es gewohnt sind, in den privaten Dingen der Menschen und ihren Lebensum­ständen herumzukramen. Sie fragen Dinge, die andere niemals fragen würden. Sie schauen dich von unten bis oben an. Und sie machen sich ihre Überlegungen, hängen dir irgendwelche Absichten und Motive an, die mehr in ihrer als in deiner Brust gewachsen sind. Sie können ganz unmöglich sein, die Psychologen. Das lass Dir gesagt sein, Marlena.

Weshalb wohnst Du nicht irgendwo hier in der Nähe. Ich würde fürs Leben gerne mal mit Dir einen Spaziergang machen, irgendwo in einer kleinen Conditorei eine Schokolade (wie sittsam, mit S c h o k o l a d e !!) trinken, Dir ein paar Minuten ins Gesicht schauen, ein paar süsse Scherze machen, um dann wieder im Karussell der Pflichten loszutraben. Ach, das wäre doch aufregend. Weshalb denn gleich so hoch im Norden? Ich meine, irgendwo hier in der Nähe wäre doch auch ganz nett. Gut, das Meer wäre vielleicht ein bisschen weit weg. Im Film aus Schweden, den ich kürzlich gesehen habe, haben mich die weiten wilden Strände beeindruckt. Die sind wunderbar. Aber man hat sie vom Flugzeug im Tiefflug gesehen, nicht von den Beinen eines langsamen Spaziergängers, wie wir es dann wären. Und auch das Flache Land mit den langen Alleen beidseits des Weges war sehr schön. Es müsste ja alles nicht gleich so wild sein, so verboten und leidenschaftlich, sondern ganz gemütlich und bloss ein bisschen erotisch. Nur eine Messerspitze Erotik. Das wäre doch schon genug. Aber hier im Netz ist sowenig davon! Ich meine von den Klängen und den Farben und den Rhythmen.

Na ja, vielleicht muss ich mich damit begnügen, in die Wolken zu sehen und meinen Gedanken nachzuhängen.

Ich wünsche Dir einen wundervollen Abend ohne Sitzung.
Mit lieben Grüssen
...

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Re: Spät... wie so oft..


den 13 november  09:22
Re: Spät... wie so oft..


Liebe Marlena

Ich wünsche Dir viel Glück im Kampf gegen die Grippe. Ich habe letzte Woche ein 5-Set-Spiel gegen sie gewonnen. Es war ziemlich knapp, sozusagen im Tiebreak. Ungefähr so, wie Federer gegen Nalbandian gewinnt. Gestern abend haben wir einen Teil des Spiels am Fernsehen gesehen. Es war das erste Mal, dass Federer gegen seinen Angstgegner gewonnen hat. Und es schien alles so leicht.

Du weißt, dass Federer ganz hier in der Nähe gewohnt hatte. Nach dem Sieg in Wimbledon hat ihm mein neuer Chef (er ist verantwortlich für die Bereiche Bildung, Kultur und Sport) gratuliert und einen grossen Empfang veranstaltet. Und ein paar Tage später hat Federer an den Medien mitgeteilt, dass er in den Kanton Schwyz oder Zug (ich weiss nicht mehr genau) umziehen werde. Das kommt daher, dass nicht alle Schweizer Kantone denselben Steuerfuss haben. Und um Geld zu sparen, suchen sich die Reichen den billigsten aus. Der Kanton Schwyz, eigentlich ein eher strukturarmer und gebirgiger Kanton, ist dafür spezialisiert. Und die anderen sind darüber ziemlich neidisch.

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Ich kenne Schopenhauer schon ein bisschen. Er war einer von denen, die im Gymnasium vom Philosophielehrer verteufelt worden war. Aber er war ziemlich reich und konnte als Privatier leben und seinen philosophischen Studien nachgehen. Aber wenn man sich seinen Kopf ansieht, dann denkt man schon, dass er ziemlich kleinlich war. Na ja, die meisten Philosophen sind so, denn sie hantieren ja in der meisten Zeit mit Umlauten, mit Kommas und Punkten;--) Es gibt viele Anekdoten und Witze über Kant, der ein ähnlich pedantischer Typ war. Er war sein Leben lang nie aus Königsberg herausgekommen. Und die Menschen der Stadt sollen nach ihm die Uhr gestellt haben, denn pünktlich nahm er jeden Tag seinen Spaziergang unter die Füsse. Aber er hat meist mit Bekannten gespeist und dabei diskutiert. Diese Situation stelle ich mir doch schon ziemlich gemütlich und genussreich vor.

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Heute habe ich Probleme mit dem Auto. Das Elektrische funktioniert nicht richtig. Ich habe keinen Scheibenwischer und keinen Winker. Und das ist doch ziemlich gefährlich an einem solchen düsteren Regentag. S. kommt jetzt und bringt ihn zur Garage. Ich will nicht mein Leben riskieren. Aber ich verliere so auch ein bisschen zuviel Zeit. Ich muss zusehen, wie ich heute durch mein Programm komme.

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Na ja, die Diskussion am Radio war ganz passabel. Mindestens habe ich einmal ein Studio erlebt und gesehen, wie so was abläuft. Die Journalistin war sehr gut und hat das alles gut geleitet. Sie ist Spanierin, aber hier in der Schweiz aufgewachsen. Deshalb lag ihr auch der multikulturelle Aspekt vor allem am Herzen. Aber im allgemeinen bin ich in solch neuen Situationen und Umständen abgelenkt und komme gar nicht richtig zu meinen Überlegungen und Haltung. Ich habe mir zwar Notizen gemacht, in der Art des Mind Map. Das ist sehr nützlich und eine gute Stütze. Gut vor allem deshalb, weil man überall einsteigen kann. Und seit der letzten Podiumsdiskussion habe ich auch gewusst, dass eine Podiumsdiskussion keine echte Diskussion ist. Man sollte sich bloss einige Voten vorbereiten, die man dann irgendwo in der Diskussion platziert. Und das sollten nicht zu viele sein. Vielleicht 5 wichtige Dinge, die man sagen will. Und immer wieder sollte man in Richtung dieser Aussagen kommen, so dass man sie wiederholen kann. Nur so wird man von den Radionhörern wirklich gehört, denn sie liegen ja noch im Bett, sind auf der Fahrt ins Büro oder sitzen im Büro bei der ersten Tasse Kaffee. Sie sind nicht wirklich aufmerksam. Und deshalb kommt man nur an sie heran, indem man dasselbe 5 mal in jeweils ein bisschen anderen Worten sagt. Man will ja in der Oeffentlichkeit viel zu differenziert reden. Aber eigentlich sollte man nur die einfachsten und die plausibelsten Dinge sagen. Nun ja, manchmal findet man die einfachsten Dinge erst am Ende einer langen Diskussion.

Ich bin ganz froh, dass Du mich nicht gehört hast. Ich will mich zuerst selbst hören, um dann das Band zu „autorisieren“, wie Du es mit Deinem Foto gemacht hast.

*

Die schwedische Sonnenscheingeschichte ist sehr schön. Sie ist wie ein Traum. In Träumen erlebt man gelegentlich solche oder ähnliche Dinge. Und es ist das Ziel unseres Lebens, dass wir unsere Träume verwirklichen. Dass die Enkel den Grosseltern am nächsten stehen, ist kein Wunder. Das kann man immer wieder sehen. Und es ist schön, das zu bemerken. Es schliesst einen grossen Kreis. Vielleicht bin ich deshalb mit meiner Grossmutter ganz gut ausgekommen. Und mein Vetter ebenfalls, der auch der ältere von zwei Brüdern ist und eine ältere Schwester hat. Aber meine Schwester hatte vor nicht zu langer Zeit eine eher etwas giftige Aussage gegen mein Grossmütterchen gemacht. Sie sagte, sie hätte ihr immer erzählt, was ihre Kusine mache, oder wie sie etwas mache. Ich hatte diese Berichte nie als Rivalitäten erlebt. Ich wusste, dass meine Grossmutter ein Jahr beim Bruder meines Vaters zu Weihnachten war, das andere bei uns. Und dann hat sie jeweils von den andern erzählt. Sie hat vielleicht versucht, ihre Familie ein bisschen beisammen zu behalten?

*

Jetzt muss ich los.

Ich wünsche Dir einen guten Tag.

Mit allerliebsten Grüssen
...

Spät... wie so oft.. .( 00:25)


Ämne: Spät... wie so oft..
Datum: den 13 november  00:25


Liebster Mausfreund,
Ach wie bist du spassig. Ich habe wieder sehr über deine lustigen Einfälle geschmunzelt. Verstehe schon, dass es dir lieb wäre, wenn du den lieben Herrgott spielen könntest. Deine Ideen sind sehr wild und trotzdem muss ich dir verraten, dass ich auch an eine solche Site gedacht habe. Vielleicht nicht so ausführlich und detailliert wie du, aber deine Fantasie gefällt mir.
Wenn ich es richtig bedenke, so glaube ich doch nicht, dass ich unsere Mauspartnerschaft dort registrieren möchte. Sie soll frei sein. Nichts darf sie irgendwie einzwängen. Das ist das Schöne an ihr. Sie soll Flügel haben und wie die Tauben nach Venedig fliegen können (um dann wieder zurückzukehren ;-)).
*
Du willst über Schopenhauer lesen und ich glaube du wirst vielleicht überrascht sein. Er war anscheinend nicht so wie man vermuten könnte. Wie so viele, hat er nicht gelebt, wie er gelehrt hat. Es gibt mehrere grosse Künstler, Philosophen und Komponisten, die als Menschen ziemlich "klein" waren. Oder gibt es "kleinlich"? Von denen man nie vermutet hätte, dass sie so grosse Dinge zustande bringen könnten. Hast du übrigens schon einmal den Film über Mozart gesehen? Ich glaube er heisst "Amadeus". Wenn nicht, dann solltest du dir wirklich die Zeit dafür nehmen. Er ist sehr sehenswert.
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Ich versuche eine beginnende (?) Grippe mit heissem Tee zu kurieren. War am Nachmittag bei Lidl ein wenig Obst und Gemüse einkaufen. Es kostet dort die Hälfte oder sogar 1/4 von den Preisen, die wir gewöhnt sind. Aber sonst ist das Geschäft nicht mehr so wohl besucht. Vielleicht, weil sich jetzt alle anderen anstrengen ihre Kunden zu behalten.
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Ich hätte dich so gern im Radio gehört. Und ich bin überzeugt davon, dass du das gut gemacht hast. Natürlich verstehe ich, dass man ohne Mikrofon ganz anders reden kann. Warum eigentlich tut man es nicht immer? Warum sagt man nicht unverblümt die Wahrheit? Wir sind eigentlich eine sehr verlogene Generation.
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Im Irak passieren immer wieder Terrorattacke. Es ist schrecklich. Diese Italiener, die doch wirklich nur Gutes dort getan haben und die armen Irakier. Die USA hat sich in eine schwierige Situation versetzt. Sie können doch auch nicht abhauen. Was passiert dann mit den Menschen dort?
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Heute früh hatte ich Eis an den Autoscheiben. Es wird langsam Winter. Ich warte auf den 1. Dezember, wenn man überall die leuchtenden Sterne aufhängt und alle Leuchter in die Fenster stellt. Dann sieht es schön aus und man vergisst die grosse Finsternis. Aber bis dahin sind es noch, ach ich sehe gerade, bald nur 2 Wochen. Dann geht die Zeit immer sehr schnell. Man möchte sie fast festhalten.
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Ich habe vorhin ein Programm gesehen über ein altes Paar, die als 20/24-jährige in einander verliebt waren (es war 1938 und sie studierten beide in Uppsala) und die sich dann 60 Jahre lang nicht mehr gesehen hatten. Jeder hatte sein eigenens Leben gelebt, viele Kinder und Enkelkinder bekommen und nun, wo sie fast 90 sind (beide verwitwet) haben sie sich wiedergesehen und in einander verliebt. Du hättest die Reaktion der Verwandten sehen sollen. Aber nichts konnte die beiden von ihrer Liebe abbringen und schliesslich haben sie geheiratet und man hat gesehen, wie sie in das Leben des anderen eingezogen sind. Sie war Ärztin gewesen und er hatte irgendeinen hohen Posten im öffentlichen Leben gehabt. Und die ganze Welt hat sich gewundert, wie man sich in dem Alter so verrückt verlieben kann. Schön zu sehen war die Reaktion der ganz jungen Enkelkinder (Urenkel?). Sie hatten grosses Verständnis für die Liebe der beiden. Ach, es war eine wirkliche "Sonnescheingeschichte" wie wir sagen.
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Es ist spät geworden und ich muss ins Bett. Ich grüsse dich lieb
und wünsche dir einen schönen Tag,
Marlena

Dienstag, 22. Oktober 2013

Re: Morgenmail


Ämne: In der Dämmerung..
Datum: den 11 november  17:12

Lieber ...,

Na, siehst du.. es hat doch geklappt. Es gehörte zu meinem etwas kurzen und trockenen Glückwunsch im mail und es hat mir gefallen, denn ich glaube wirklich, dass wir uns immer näher kommen und vertrauter werden. Es ist schön, einem Menschen so nahe zu kommen. Und was diese heissen Schwüre betrifft so weisst du, dass ich jederzeit bereit wäre dir ewige Maustreue zu schwören.

Eigentlich sollte es eine Stelle geben, wo man seine Mauspartnerschaft registrieren könnte. So wie man bei uns die Homos registrieren kann. Aber natürlich wäre es etwas kompliziert, wenn der RL-partner entdeckt, dass man Bigamie betreibt. Ich denke es gibt nicht allzu viele Ehen, wo man einander so viel erzählt hat, wie wir es in den vergangenen (fast) vier Jahren getan haben. Und trotzdem bist du mir irgendwie fremd..
Es gehört wohl auch zu einem Mausleben.
*
Wir sind ein kleines Land, was die Einwohneranzahl betrifft. Kaum 9 Millionen. So kennen wir unsere "kändisar" (bekannte Leute) und es gibt viele, die man bewundern muss. Ich glaube, dass es diese Leute des öffentlichen Lebens nicht allzu leicht haben heutzutage. Sie sind überall bewacht und können auch jederzeit von allen Menschen erreicht werden. Es gibt fast kein Programm mehr im Radio, bei dem du nicht nachher eine e-mailadresse bekommst, wo du deine Ansicht über das gehörte sagen kannst, über das du "deine Galle speien kannst" wie man bei uns sagt. Du kannst dir ja vorstellen, was da alles zusammenkommt. So gibt es auch immer weniger Menschen, die Politiker werden wollen.
*
Ja, deine Tauben.. :-) Ich sehe gerade lauter kleine Vöglein im Kirsch- und im Pflaumenbaum hier vor dem Fenster. Sie hüpfen so munter hin und her zwischen den Zweigen und strahlen Kraft und Freude aus. Es ist schön, wenn es beginnt zu dämmern. Der Himmel ist noch etwas blau- und rosafarbig.. und der Rasen leuchtet stark grün. Ich geniesse den Anblick. Ich glaube überhaupt, dass ich das Leben am meisten mit den Augen geniesse.
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Möchtest du mir nicht verraten, welchen Brief deine Sekretärin gesehen hat? Ich möchte doch wissen ob ich mich schämen muss, weil ich zu persönlich geschrieben habe. Sicher kannst du ihr ansehen ob sie gelesen hat oder nicht.. und ausserdem ist es vielleicht dieselbe Person die mal triumphierend einen geöffneten Brief in dein Zimmer getragen hat. Ach Ruedi, denk an deinen Ruf.. ;-)
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Ich habe dieses Jahr zwei schwarze Schüler in einer Klasse. Das Mädchen wohnt hier mit ihren Eltern und der junge Mann ist als alleinstehender hierher geflüchtet und hat scheinbar schon Erlaubnis hier zu bleiben. Die meisten Asylsuchenden haben grosse Schwierigkeiten mit der Sprache, aber diese beiden sprechen schon ausgezeichnet Schwedisch und haben beide Französisch als Muttersprache. So lasse ich sie den Kurs schneller beenden. Ich hoffe, dass sie im Juni (nach zwei Semestern) schon alle 5 Semester absolvieren können. Es macht Spass, sich mit ihnen zu unterhalten nach der Stunde. Man hat nicht allzu viel Möglichkeit mit jemanden Französisch zu sprechen.
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Heute habe ich mir Keso gekauft. (Quark auf deutsch?) Es soll viel protein enthalten und doch ziemlich mager sein. Du siehst, ich will ein gesünderes Leben beginnen. Doch habe ich in der Kantine gebratenen Speck gegessen. Das schmeckt so wunderbar, dass ich nicht widerstehen kann. Konnten die anderen auch nicht. Und wir haben wieder gelacht.. ich glaube wir brauchen es. Man fühlt sich sehr wohl nach einer Mahlzeit in der Kantine.
Von der Post habe ich mir ein Paket mit Lebenselixiren abgeholt. Gerikomplex und Ginsana. Das frühere kennst du schon und Ginsana ist ein Getränk, das viel Ginseng enthält. Und dann war da noch ein chinesisches "Wundermittel". Alles zusammen hat wohl ungefähr so viel gekostet wie eine Flasche Whisky. Natürlich merkt man den Effekt nicht so schnell.. aber falls ich bald unerträglich munter werde.. dann weisst du warum. ;-))

So, ich lasse dich wieder, mein lieber Mausfreund. Jetzt fühle ich mich ganz zufrieden mit dem Dasein und werde mich über mein RL hermachen.

Ich wünsche dir einen schönen Abend.
Je t'embrasse,
Marlena