Samstag, 19. Mai 2012

Basler Buchmesse


date 9 May 2005 06:21
subject Re: Siehst du..

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Ach, was kann ich dir erzählen von diesem langen Wochenende? Vielleicht von der Basler Buchmesse? Gerade höre ich, dass sie einen Rekordbesuch hatten. Es waren 405 Verlage, die ausgestellt haben, und es waren 40300 Besucher während der 3 Tage. Und dabei hatten gleichzeitig in Solothurn die Literaturtage stattgefunden. Darüber ist man zufrieden im dritten Jahr dieser Veranstaltung. Ich kann bestätigen, dass diese Messe ganz in Ordnung war. Ich war am Samstag schon um 930h, als geöffnet wurde, vor dem Eingang. Damals gab es noch nicht zuviele Leute, und man konnte bequem in den einzelnen Ständen herumwühlen und sich einen Überblick verschaffen. Nach und nach zogen die Zuschauer an. Und gegen Mittag war es schon ziemlich warm unter den grossen Leuchtern. Man hatte drei oder vier verschiedene Publikumsforen oder Arenen eingerichtet, in den ständig Diskussionen oder Lesungen stattfanden. Einige kleine Verlagen waren so verlegen, ihre Autorinnen und Autoren direkt am Stand lesen zu lassen. Doch das waren veritable Spiessrutenläufe. Es gab dann einige Agenten, die im Publikum Zettel verteilten über die Autorin, die gerade in Aktion war. Aber manchmal hörte man absolut nichts, denn die armen Leute mussten ohne Mikrophon auskommen. Bei irgend einem deutschen Esoterik-VErlag geriet ich an eine Blondine. Sie war recht hübsch und, wie man sehen konnte, las aus einem ihrer Manuskripte. Kein Mensch hörte zu. Man konnte auch nichts hören, weil sie eine fast tonlose Stimme hatte. Ich ging in ihre Nähe, versuchte, in einigen Büchern zu blättern, um gleichzeitig zu hören, worüber sie überhaupt las. Es war ein Text über eine Relaxation-Methode. Für mich hörte es sich an wie autogenes Training. Sie las weiter ähnlich, wie wenn man am Fernseher den Ton ausgeschaltet hätte. Und inzwischen hatte sie auch bemerkt, dass sie einen Hörer gewonnen hatte. Zwischen ihren Blicken auf das Manuskript schaute sie mich immer wieder, und wie mir schien, ziemlich verzweifelt an. Ich glaube, sie war froh, dass sich einer genähert hatte, und dass nicht alle Leute einfach achtlos vorbeigingen, während sie lass. Sie war eine ganz hübsche Blondine, hatte halblanges, volles und goldenglänzendes Haar und ein Gesicht mit Sommersprossen. Sie war gut geschminkt. Allerdings trug sie einen wollenen Pullover unter ihrer Jacke, ich glaube, es war eine Wildlederjacke. Diese Wolle sah etwas robust und provinziell aus. Aber sonst war sie ganz ok und sie umklammerte mich mit ihren schönen, grossen blauen Augen um mich in der Nähe zu behalten, und um nicht wieder wie Demosthenes mit den Steinen im Mund hinaus ins rauschende Meer zu reden. Und ich fügte mich ihrem Hilferuf und blieb einen Moment, blieb solange, bis ein paar neue Leute stehen blieben, um dann diskret zu verschwinden. Ja, sie las über autogene Entspannungsübungen. Und sie las so, als ob sie annahm, ich würde das alles zum ersten Mal hören. Nein, sagte ich leise und ebenso tonlos wie sie sprach, nein Helga, sagte ich, das kenne ich nachgerade schon sehr mehr als genug. Nein Helga, ich kenne das alles zur Genüge. - - Ich glaube, dass sie Helga heissten müsste. Denn sie sah in ihrer Blondheit und ihrer gewissen Bodenständigkeit eben aus wie eine Helga. Oder hätte vielleicht Margot besser gepasst?

Am Nachmittag habe ich im Getümmel Frans angetroffen. Er war ...

Interview mit Schriftsteller

date 9 May 2005 06:21
subject Re: Siehst du..

Liebe Malou
Es ist kaum zu glauben, dass diese Frei- und Feiertage schon vorbei sind. Es ist wie damals, als wir noch zur Schule gingen. Wir hatten uns so sehr auf die paar freien Tage gefreut, dass wir nicht daran glaubten, dass wir je zum Normalleben zurückkehren mussten. Wir genossen die freie Zeit, trödelten dahin, verschleuderten unsere wertvolle Lebenszeit an Nichtigkeiten, und plötzlich war wieder Montagmorgen und der Lehrer sass im alten Ernst vor uns und versuchte zu überzeugen, dass wir alle zur alten Arbeitshaltung zurückkehren sollten. Der Rektor hatte sogar oft den Spruch auf den Lippen: Es ist nichts schwerer zu ertragen als ein paar freie Tage. Und wie er damit recht hatte! Und wie es zutrifft!

Ich hatte mal ein Interview gesehen mit einem deutschsprachigen Schriftsteller. Wie hiess er bloss. Ich habe nie etwas von ihm gelesen. Aber er ist sehr populär. Auf jeden Fall ist er ein sehr hässlicher und neurotischer Mensch. Ich glaube, er kann sich mit Schreiben knapp über Wasser behalten. Ich meine damit, wenn er nicht die Regelmässigkeit des Schreibens hätte, würde er verkommen im Alkohol, im Suizid oder weiss Gott wo. Er hat damals im Interview, und in seiner bröckelnden und stotternden Sprache erzählt, wie er es schafft, solch dicke Bücher zu schreiben die von sovielen Leuten gekauft und - so muss man annehmen - oft auch gelesen werden. Und er hatte zwei Dinge erzählt, die mir sofort eingeleuchtet haben. Er hat gesagt, dass er jeden Tag von 8 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr arbeite. Und dies jeden Tag, wohlgemerkt, auch an Sonntagen. Er dürfe keine Ausnahme machen, sonst würde er aus dem Tritt geraten und dann wäre nicht sicher, ob er den Roman zu Ende bringen könne. Erinnert das nicht an einen Seiltänzer, der nicht links und nicht rechts, vor allem nicht in die Tiefe sehen darf, der unablässig auf das Seil vor seinen Füssen starren muss und sonst nichts? Und die zweite Sache, die er erwähnt hat, hat mich ebenso überzeugt. Er hat gesagt, dass er abends, bevor er seinen Feierabend eröffne, einen halben Satz zu schreiben beginne. Dahinter steht die Einsicht, dass es morgens um 8 Uhr, um mit der Arbeit zu beginnen, am leichtesten sei, einen begonnenen Satz erstmals zu beenden, um dann weiterzuschreiben. Natürlich sind das ein bisschen kleinliche Tipps von einem armen und gequälten Menschen. Aber sie haben doch was an sich. Auf jeden Fall sollte man sie sich merken, wenn man in diesen Aspekten Probleme hat.

Ach, was kann ich dir erzählen von diesem langen Wochenende? Vielleicht von ...

langes Wochenende

date 7 May 2005 07:41
subject Re: Siehst du..

Liebe Malou
So ein langes Wochenende hatten wir lange nicht mehr. Es ist beinahe eine Woche. Am Montag habe ich gleich noch die Sitzung ausfallen lassen, so dass die Samstagsarbeit auch dahinfällt. Es ist wie in den Werkstätten des Himmels: nichts zu tun und eine weite Sicht hinaus auf die Welt.

Heute werde ich in Basel an die Buchmesse gehen. Das ist doch eine hübsche Sache, nicht gleich so gross wie die Frankfurter oder die Leipziger, aber immerhin. Und dabei ist sie erst ein paar Jahre alt. Es gibt auch eine Abteilung für Kinder- und Jugendbücher. Vielleicht muss ich dort auch eine kleine Runde drehen?

Und das Wetter? Nun, es scheint ein bisschen durchzogen wie eine gute Speckseite. Blauer Himmel mit einigen Wolkenstreifen. Aber es ist ok.

Ich wünsche dir ein gutes Wochenende
MLG
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Freitag, 18. Mai 2012

PCs vom Himmel

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date 5 May 2005 16:05
subject   Siehst du..

Liebe Malou
Ach, sei nicht so ungeduldig. Ich schicke dir die Bilder, wenn ich mal dran vorbeikomme. Ich kann doch jetzt nicht alles durchsuchen, bis ich sie finde. Das wäre wirklich ungebührend aufwendig.

Ich habe ein paar Rezensionen geschrieben und ein paar Kaffees getrunken. Beides ist nicht zu verachten. Und dazu wollte ich ein bisschen aufräumen im Büro. Habe mir gedacht, dass ich vielleicht so vorankomme, wenn ich jedes Mal ein bisschen was tue, nicht perfektionistisch, sondern im Imperfekt sozusagen.

Das Wetter ist ein bisschen windig und kühl. Für Mai etwas zu wenig mild, denke ich. Aber wir haben ja Geduld.

Du bist eine Könnerin zusammen mit deiner Tochter. Ganze Anlagen installiert ihr gemeinsam? Und ich habe bloss versucht, eine Hörspiel CD zu kopieren, und es ist nicht gelungen. Ich glaube, sie ist gesperrt. Ich muss Walter fragen, wie sowas zu tun ist. Mit diesen Dingen fühle ich mich wirklich wie ein Nicht-Schwimmer-Kind im tiefen Wasser. Es ist meist ziemlich vom Zufall abhängig, ob ich vorankomme oder ob ich Wasser schlucke und mich hustend und schimpfend zurückziehe. Es ist einfach widerlich, dass man bei der Arbeit mit soviel Unkenntnis und Unklarheit umzugehen hat. Manchmal könnte ich die ganze Anlage hinunter auf den Turmplatz schmeissen. Aber das habe ich dir sicher schon früher verraten. Eigentlich könntest du in der Terror-Prävention einen kleinen Beitrag leisten und unseren Geheimdienst auf dieses Gefahrenpotential aufmerksam machen. Ich meine, PCs die vom Himmel fallen, ist doch schon ziemlich gefährlich, oder?

Na ja, ich überschlafe meinen Ärger noch einmal und werde morgen weitersehen!
MLG
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Re: Auffahrt

date 4 May 2005 09:31
subject Ach,

mein lieber lustiger Mausfreund!
Da finde ich wieder ein so humoristisches Mail, das mir den Tag
verschönert. Na ja, nicht nur humoristisch sondern auch ein wenig
lästerlich. Aber wie du ja weisst, vertrage ich ziemlich gut auch
Spass über solche Dinge (schon von K daran gewöhnt ;-)

So so, du steckst sie wirklich ins Gefrierfach, deine heissen Briefe..
und nachher legst du sie wohl in die Microwelle?

Ich schliesse meine ein, in ein kleines Schmuckkästchen, das ich in
mir trage. Dort sind sie gut geschützt gegen alle Angriffe der Zeit.
Der Inhalt bleibt intakt. Klingt das nicht schön? Eine Liebe die nie
verdirbt?

Ja, wir haben schon wieder Feiertage. K kommt heute nach Hause. Wenn
das Wetter etwas besser wird, werden wir uns im Garten zu tun machen.
Sonst haben wir nichts Besonderes vor.

Der Verlust meiner wertvollsten Bilder schmerzt mich immer noch, aber
jetzt wie ein Dorn in der Haut, nur wenn ich ihn berühre. Du könntest
meine Pein ein wenig lindern, indem du mir die deinen nochmals
schickst. Warum tust du es nicht?

Ich muss mich jetzt ein wenig hier beschäftigen. Wenn mir Zeit übrig
bleibt, schicke ich dir noch ein paar Zeilen.

Bis dahin alles Liebe,
Malou

Heute...

..
 ... im Garten

Donnerstag, 17. Mai 2012

Auffahrt und Banntag

date 4 May 2005 08:42
subject Re: Nein...

Liebe Malou

Klar, die Liebesbriefe passen v.a. ins Tiefkühlfach, weil sie glühend heiss und natürlich überaus verderblich sind. Man muss sie behandeln wie die Gene und eigentlich sollte man sie in flüssigem Stickstoff lagern. Natürlich werden sie in einer solchen Lage sehr schnell abkühlen, wirst du entgegnen. Und damit hättest du auch recht. Allerdings können sie nicht wirklich verderben bei einer Kaltlagerung.

Heute haben wir Mittwoch. Das Wetter ist ziemlich freundlich, eigentlich gutes Maiwetter. Und ab Morgen haben wir doch schon Wochenende. Ist es nicht toll, dass er 'aufgefahren' ist? Davon stammt ja doch die 'Auffahrt'. Schade, dass nicht mehr Menschen zu verschiedenen Tagen im Jahr echt aufgefahren sind. Das hätte uns mehr Feiertage gebracht. Es gibt doch schöne Gemälde, die Marias Himmelfahrt zeigen. Die haben mir immer gut gefallen. Und ich hatte den Eindruck, dass die Weltraumfahrt und all die NASA Dinge eigentlich uralt seien. Vor allem mag ich jene Bilder, die noch um die ominöse Wolke, mit der Maria aufsteigt, rund viele Menschen und Figuren zeigen, die die Auffahrt zu einem echten Happening machen.
Und am Freitag sind dann die Büros der Verwaltung offiziell geschlossen. Man darf natürlich arbeiten, aber für das Publikum sind sie geschlossen.
In unserer Gegend finden an Auffahrt in vielen Gemeinden Banntage statt. Da gehen die Bewohner der Gemeinde in einem folkloristischen Zug rund um und schreiten die Gemeindegrenzen ab. Ich glaube, diese Tradition kommt aus einer Zeit, als die Grenzsteine gerne versetzt wurden, um damit die eigenen Äcker zu vergrössern. Heute ist das nicht mehr der Grund. Übrigens hat .. seinen Banntag am Montag gehabt, eine Ausnahme, auf die sie sehr stolz sind. Obwohl ich jetzt ungefähr 25 hier wohne und arbeite, war ich nie an einem solchen Anlass gewesen, obwohl immer wieder Männer die Bemerkung gemacht haben, sie würden mich einladen. In ... muss man dazu eingeladen werden. Und man muss Mann sein. Das weibliche Geschlecht ist nicht zugelassen. Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich nie auf eine solche Einladung eingegangen bin. Der Abmarsch der Männer in Viererkolonne, das Knallen mit alten Gewehren, das singen von vaterländischen Liedern: ich hatte mir das nie als sehr erstrebenswert vorgestellt. Doch andererseits gibt es Leute, die behaupten, um in hier Kontakte zu schaffen, müsse man am Banntag teilnehmen. Das hingegen kann ich einsehen. Es ist wie im Wallis. Wenn man mal mit jemandem ein Glas zuviel getrunken hat, ist man auf ewig sozusagen miteinander verbunden.

Ich habe beinahe vergessesn, das Ding zu versenden. Man wird hier so leicht abgelenkt.

Ich wünsche dir schöne Auffahrt. Aber bitte, fahr nicht zu hoch ...

MLG
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