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Ämne: Suddenly, I'm not half the one I used to be
Datum: den 5 maj 2004 21:01
Lieber ...,
Ich
gebe dir ganz Recht in dem was du sagst über die jungen Leute, und ich
sollte mich wohl nicht so stark engagieren. Aber der junge Kerl ist ein
so lieber Mensch und einer von Annas wirklich guten Freunden. Es tut mir
weh, ihn so traurig zu wissen.
Vielleicht ist es auch, weil ich selbst nicht in aller bester Stimmung bin, das mich Dinge um mich herum so stark berühren.
Ich denke an eine Strophe von Beatles:
"yesterday,
life was such an easy game to play..." So voll von allen möglichen
Erwartungen, Hoffnungen, Sehnsüchten und Plänen. Und jetzt?
Ach
nein, ich sollte eigentlich nicht schreiben, wenn ich so gelaunt bin.
Aber warum sollte ich dir ein falsches Bild von meinem Leben geben.
Nicht falsches vielleicht, aber einseitiges. Doch ich weiss, nach Regen
kommt Sonnenschein. Auch bei dir war es heute so.
Jetzt
blüht der Pflaumenbaum. Ich verstehe warum Astrid Lindgren in ihrem
Buch "Die Gebrüder Löwenherz" das Paradies mit blühenden Bäumen
darstellt. Es ist so einmalig schön. Nach dem starken Regen gestern ist
das Gras stark gewachsen und ich musste es heute wieder mähen. Das tue
ich nicht ungern. Die Bewegung an der frischen Luft tut meinem Körper
sicher gut.
Ich war bei G, wie versprochen. Gehe
gern zu ihr, denn es gibt immer interessante Dinge über die wir uns
unterhalten können. Wir kennen uns seit jungen Jahren, denn wir wurden
ungefähr zur selben Zeit hier angestellt. Damals waren wir eine Clique
von jungen Lehrern, die noch nicht von Familien gebunden waren und wir
gingen fast täglich nach der Arbeit aus essen. Im Bahnhofsrestaurant,
das heute ein wenig verändert ist. Aber sofort, wenn man es betritt
fühlt man dieselbe Atmosphäre wie damals. Nun sind die meisten von den
Leuten längst in alle Windesrichtungen verschwunden und einige leben
nicht mehr. Nur ein paar sind noch da. Darunter auch diese G und
wir haben viele schöne gemeinsame Erinnerungen. Auch wenn man nicht
darüber spricht, weiss man dass es sie gibt und es verbindet einen
irgendwie.
Ich glaube nicht, dass die jungen Lehrer heute so viel
Freizeit haben wie wir damals. Unsere Arbeitsaufgaben sind um 30 - 50 %
gestiegen. Damals unterrichtete man meist so 5-6 Klassen. Heute sind es
10 bis zwölf. Und dazu kommt noch das schlimmste. All die sinnlosen
Aktivitäten daneben, die nur dazu da sind die politische Schulhierarki
mit schön formuliertem Mist zu versehen. Ah, sorry!
Habe
ich dir erzählt von dem Programm, das wir uns manchmal am Wochenende im
Fernsehen angucken. Normal versuche ich immer solche Programme zu
vermeiden aber dann entdeckte ich, dass dieses doch ein bisschen
interessant und spannend ist."Alle gegen einen" heisst es und wie es
sagt geht es um einen Fragesport, wo eine Person gegen 100 andere
wettet. Doch das wollte ich dir eigentlich nicht so genau erzählen. Nur,
dass man einmal die Frage stellte ob Winston Churchill Premiärminister
in Frankreich, USA oder England war und 30 Personen haben falsch
geantwortet. Stell dir das vor! Welch ein Bildungsniveau wir hier
heutzutage haben. Und viele Leute sind älter und müssen sogar den
zweiten Weltkrieg miterlebt haben. K sagt nur: Hoffentlich sieht niemand
im Ausland dieses Programm. Deswegen schäme ich mich auch fast ein
wenig, wenn ich dir hier davon erzähle. Sag's nicht weiter! Glaubst du,
das könnte auch in der CH möglich sein?
*
Schweden hat heute
Eishockey gegen Lettland gespielt. Zum Glück haben sie gewonnen und
können somit weitergehen in die Halbfinale (heisst es so?)
Im
Moment läuft ein Film, der in Paris spielt. Ich nehme ihn mir auf Video
auf, weil er so wunderbare Ansichten von Paris zeigt (habe ich in der
Vorhandsreklame gesehen).
Ich frage mich, was du so
gedacht hast, wenn du mit der Schwedin zu Tisch gesessen hast. Bist du
nicht in Versuchung gekommen Dinge zu fragen oder zu sagen, die Aufsehen
erregt hätten? Habt ihr etwas besonderes gefeiert? Einen Geburtstag
oder so?
Ich merke, dass du eine hektische Woche vor
dir hast. Lass mich nicht deine Zeit rauben. Ein kleines Lebenszeichen
genügt, bis du wieder mehr Zeit hast.
Ich muss noch etwas für morgen vorbereiten. Und dann werde ich früh zu Bett gehen.
So grüsse ich dich lieb und wünsche dir einen schönen sonnigen Tag.
S+K,
Malou