Donnerstag, 13. Januar 2011

Tjugondag Knut

Bild 13 januari 2011


Datum: den 15 januari 2001 13:01
...

Am Samstag war "der 20. Tag Knut" an dem man feierlich den Weihnachtsbaum zum Fenster hinaus wirft. Aber ich kann mich nicht von dem Ding trennen. Er ist so wunderschön und immer noch ganz frisch. (mein Bekannter hat ihn mir sicher direkt aus dem Wald geholt) und so lasse ich ihn noch einige Zeit stehen und mein Gemüt wärmen mit seinem schönen Glanz.. K fährt Mitte diese Woche nach London und ich würde nun am liebsten einen Flug in den Süden machen. Irgendwohin wo die Sonne scheint und das Meer glitzert. Anna kam gerade vorbei und zeigte mir ein Bild von Tunisien aus einer Reisebroschüre und meine Sehnsuche ist gross. :-)

Mittwoch, 12. Januar 2011

Rilke

Ich kann es nicht sein lassen. Schicke dir noch ein Gedicht von Rilke. Dieses kennst du ganz bestimmt, aber vielleicht hast du es lange nicht mehr gelesen.

LIEBESLIED

(Capri 1907)

Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich
der aus zwei Saiten e i n e Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süsses Lied.

Wünsche dir eine gute Nacht (oder einen schönen Tag)

Marlena

Dienstag, 11. Januar 2011

Götter

 ...
Also, ich bin sehr freidenkerisch, ungefähr so wie Rilke, schätze
einen tüchtigen Engel oder einen Gott, um mit ihm zu rechten. Ich sage
immer, die Götter sollen diese Differenzen und Unterschiede in ihren
Doktrinen selbst und unter sich ausmachen. Ist doch nicht das Problem
der Menschen, oder? Wenn die Götter Konkurrenzprobleme haben, sagen
wir Allah und der liebe Gott und Jehova, oder wie er heissen mag, so
bitte, sollen sie sich in Ruhe zusammensetzen und die Sache gütlich
regeln. Sie könnten beispielsweise eine rotierende Präsidentschaft
einrichten. Oder sie könnten mit Konsens entscheiden. Aber was rede
ich da den Göttern hinein? Die Kerle dort oben können das selbst
wissen, sonst sollen sie ihre Frauen fragen!

Sonntag, 9. Januar 2011

wenn nicht wenn wäre...

Lieber Mausfreund,
Es ist bereits zehn Uhr abends und ungefähr um diese Zeit werde ich
wieder wach.. Ja, es ist komisch, wo ich doch am späten Nachmittag
schon todmüde sein kann. Aber, vielleicht hat das mit meinen späten
Gewohnheiten zu tun. Oft komme ich erst nach Mitternacht ins Bett und
wenn ich dann noch etwas lese,  kann es halbzwei werden. Voilà!

Nachts werden manchmal sehr interessante Programme im Fernsehen
gezeigt, Reprisen von Dingen, die ich verpasst habe. Neulich habe ich
einen Film, oder sagen wir lieber ein Portrait von Norman Mailer
gesehen. Es war fesselnd und ich habe gedacht, dass er dir ziemlich
ähnlich ist. Lebendig, humorvoll und begeisterungsfähig.. dieses schöne
Wort, das ich neulich von dir gelernt habe. Und mir kam der Gedanke,
dass du in 25 Jahren wahrscheinlich so ähnlich aussehen wirst. Dabei
denke ich vor allem an seine schönen blauen Augen.

Ich weiss nicht richtig, was mit mir los ist. Irgendwie habe ich meine
Handlungkraft verloren. Manchmal denke ich, ich stecke vielleicht in
einer Depression. Vielleicht sollte ich meinen Arzt um Glückspillen
bitten?
Du hast mir heute im Chat mehrere gute Vorschläge gemacht, wie ich
mich aus diesem Zustand herausziehen könnte. Ich danke dir dafür und
ich verstehe, dass du es gut meinst. Aber weisst du, im Moment habe
ich keine Lust unter Menschen zu gehen. Es gibt ein paar alte Leute
für die ich zuständig bin, wenn sie irgendwohin Begleitung brauchen.
Meist sind es Besuche im Krankenhaus oder beim Zahnarzt. Es sind
liebe Menschen und ich merke, dass sie sich wohl fühlen in meiner
Gegenwart. Es ist ein schönes Gefühl,  etwas für jemanden zu bedeuten.
*
Klar bin ich auch stolz, dass die schwedische Fussballmannschaft
weiterspielen kann. Als sie gegen Spanien verloren hatten, dachten wir
es ist aus. Die letzten Spiele waren deshalb besonders spannend. Und
dass England rausgefallen ist, ist nicht leicht zu verstehen. Hat
natürlich damit zu tun, dass sie nicht mehr Svennis, ihren
schwedischen Coach, haben. ;-)) Sicher kennst du ihn aus den
Skandalblättern.
...
Wie schön, dass du das Bedürfnis hast morgens ein paar Zeilen zu
schreiben. Auch ich würde mich sehr gern an den PC setzen und den Tag
mit dir beginnen.. wenn nicht wenn wäre.. :-)

Du wolltest mir Bilder schicken und ich warte schon darauf.
Ich habe mir gerade ein paar italienische Lehrbücher bestellt. Es war
nicht so leicht sie zu finden, denn sie sind schon an die 10 Jahre
alt. Bisher hatte ich sie mir in der Bibliothek geliehen aber ich
möchte sie gern selbst besitzen. Es ist ein wunderbarer Kurs.
Eigentlich stammt er von BBC und ist sehr intelligent gemacht. Glaube
ich habe dir das schon mal erzählt. Ich habe mir auch schon die
Kassetten dazu besorgt, damit ich die richtige Aussprache lerne. Und
wozu das alles? Mein nächstes Leben möchte ich in Italien verbringen.
;-)))
Spass beiseite. Ich habe eine stehende Einladung dorthin. Eigentlich
sind N und Lo die einzigen von meinen Mailkontakten, denen ich noch
schreibe. Die anderen liegen in Quarantäne. Von Brasilien kommen ab
und zu Files, die Pierro an alle seine Bekannten verschickt. Ich bin
wohl auch auf der Adressliste und gehöre somit zu seinen
Undisclosed-Recipients. ;-) Im übrigen haben wir keinen Kontakt mehr.

Ich wünsche dir einen feinen Tag.
Mit lieben Gs und Ks in Qs
Malou

 (date: November 2007)

Kleines Verslein ;-)

Liebe Marlena
...
Ich weiss, dass du ein geduldiger Mensch bist.
Dazu kommt mir eine lustige kleine Szene in den Sinn. Wir hatten
vor Jahren einen Mitarbeiter zu verabschieden, der in Pension ging.
Und dieser Abschied sollte bei unserem Büroessen stattfinden. Ich
habe für unseren Kurt einen kleinen Vers gezimmert, nicht Rilke-
Niveau, versteht sich, aber lustig und machnmal ein bisschen frech.
Wir haben ja hier im Raum Basel eine Tradition, von der Fasnacht
her. An Fasnachten schreiben sie hier Verse und singen sie vor, und
die können echt witzig und saftig sein, so dass es einen in der
Magengegend kitzelt.
Ich habe also meinen kleinen Vers gehabt. Und weil der nicht gar so
lange war, und man ohnehin eine kleine Einleitung geben sollte, habe
ich das so gemacht. Ich habe denn Vers angekündigt und - sagen wir -
die erste Zeile zitiert, um dann wie auf einen plötzlichen Einfall
eingehend, noch dieses vorauszuschicken. Und dann kam ich nach
einiger Zeit wieder auf mein ursprüngliches Vorhaben zurück, habe
die erste Zeite zitiert, um dann noch jenen Einfall zu haben. Du
verstehst was ich meine. Man kündigt ein Verslein an, und in der Tat
kommt ein ganzer Rattenschwanz von scheinbar spontanen Gedanken
und lustigen Erinnerungen und ironischen Bemerkungen, so dass zum
Schluss das Verslein eine absolute Nebensache wird. Und die Zuhörer
werden immer gespannter und hören hin und wollen endlich dieses
Verslein hören, während sie immer wieder andere Gedankengänge zu
hören bekommen.
Finde ich ein gutes Arrangement, um die Leute bei Laune zu behalten
und hat eine belebende Wirkung auf das Publikum. Wenn man noch
weiter gehen will, kann man zum Schluss das Verslein überhaupt
weglassen.
*

Samstag, 8. Januar 2011

Besser spät...



 Ingrid Thulin

Ämne: Besser spät..
Datum: den 9 januari 2004 01:03

Lieber ...,
Eigentlich ist es schon zu spät und ich bin zu müde um ein anständiges Mail zu senden. Aber vielleicht findest du doch ein unanständiges besser als gar keines. ;-))

Zuerst muss ich doch protestieren gegen das "junge Ding". So nennt man doch nicht eine Frau am Rande ihres "besten Alters".. ;-) Aber ich glaube ich kenne mich ziemlich gut aus was "Lehrkräfte in fortgeschrittenem Alter" betrifft. Als ich nämlich an diese Schule kam, war ich noch sehr jung. Ich denke die meisten von den Kollegen, die hier arbeiteten waren so 15 Jahre älter als wir jungen Eindringlinge. Zuerst standen sie wohl (so wie wir sie sahen) unserer Elterngeneration näher. Aber dann mit der Zeit wurden wir alle immer mehr gleichaltrig. Man vergass den Altersunterschied. Und dann sah man sie langsam alt werden. Man sah wie sie langsamer wurden, vergesslicher und etwas rigider. Es gab Leute, die nicht mehr gut hörten und deswegen von Schülern und sogar von neuen jungen Kollegen, die nicht besser wussten, als etwas "dumm" betrachtet wurden, obwohl sie Giganten waren im vergleich zu diesen, ich meine was ihr Können (ihr Niveau) betraf. Leider gibt es bei uns nicht die Möglichkeit, von der du erzählt hast. Und die Aufgaben, vor die man sie stellte, wurden immer schwieriger. Das ganze begann damals, als man die etwas weniger theoretischen zweijährigen Linien des Gymnasiums zu dreijährigen machte und ganz einfach mit den anderen zusammenschlug. Besonders für Lehrer in Mathematik und Sprachen bedeutete das eine grosse Umstellung.
Ach, ich langweile dich schon. Sorry!
*
Heute ist die Schauspielerin Ingrid Thulin gestorben. Sie war eine von den Favoriten Ingemar Bergmans und hat in vielen seiner meist berühmten Filme gespielt. Sie war mit Harry Schein verheiratet (einst ein naher Freund von Olof Palme).  Man sagt sie wären seit 30 Jahren verheiratet gewesen aber sie hat die meiste Zeit in Italien gelebt und er in Stockholm. Eine perfekte Ehe, wie mir scheint.. ;-) Ach nein, ich persönlich glaube eher an eine tragische Ehe und es wundert mich nur, dass sie an ihm festgehalten hat. Aber das bleibt ihr Geheimnis.

*

ein postmoderner Clochard


Liebe Marlena

Du bist im Moment mein grosses Publikum. Das genügt für den Augenblick. Und ich gehöre auch dazu. Ich weiss oft anfangs noch nicht, was ich schreiben will. Ich setze mich einfach zur Entspannung an den Labtop und fange an. Es ist, wie andere Leute an den Strand und in die Sonne liegen und anfangen zu dösen oder fantasieren. Also, lass Dir gesagt sein, Marlena, Du bist mein grosses Publikum. Aber du bist natürlich auch Partner. Ich höre gerne von Dir, ich höre gerne mehr von Dir, wie das Leben dort im hohen Norden so spielt und wem die Sonne scheint und wie du mit Deinem „dreieckigen" Leben (Beruf, Haushalt, Kind = 3) zu Rande kommst. Und natürlich mag ich Deine Komplimente. Das sind die Pralinen im Text, oder wie könnte man sie sonst nennen? Auf jeden Fall ist es sehr anregend, mit einer wachen Frau zu korrespondieren. Das stimuliert mich, das aktiviert meine Fantasie, das motiviert mich irgendwie und steigert die Spiritualität, wie es jedes Tagebuch eben auch ein bisschen tut. Darum habe ich Dir gesagt, Du seist meine Muse. Vielleicht bin ich in Revanche dein „Musiker" (ist natürlich ein Scherz: Musiker ist nicht die männliche Form von Muse; Muse gibt es nur als weibliche Form). Das ist nun eben einmal so auf der Welt. Nur schöne und kluge Frauen können Musen sein. Alles andere sind Musiker, Posaunisten, Violinisten wenn nicht Streicher allgemein, Paukisten (gibt es dieses Wort), Flötisten und ab und zu ein Saxophonist. Aber nicht Musen eben, Musen eben nicht.

Du siehst, Marlena, ich spiele eben auch gerne mit Wörtern. Ich bin ein ziemlich verspielter Mensch. Das weiss ich und das merken wohl auch andere Leute. Ich bin manchmel sehr wenig zielorientiert. Ich bin manchmal ein richtiger Trödler (das Wort brauchen wir in der Umgangssprache für jemanden, der sich viel Zeit nimmt und nicht vorwärts macht, der dahintrödelt und „dem lieben Gott die Zeit stiehlt") und beschäftige mich mit Dingen, die absolut sekundär, unnötig und überflüssig sind. Und die wichtigen Sachen lasse ich liegen. Das ist wohl eine diskrete Art der Opposion. Ich habe sie schon beim Studium bemerkt. Damals liebte ich es, Bücher zu lesen, die sonst niemand gelesen hat, Fragen zu bearbeiten, die völlig marginal erschienen, und die offiziellen Aufgaben liess ich liegen oder machte sie in Windeseile im letzten Moment. Und hier bei der Arbeit ist es ähnlich. Ich habe jede Menge zu tun, aber nein, er schreibt diese Mails an seine schwedische Freundin. Ist er nicht unmöglich! Ein Tagedieb des modernen Lebens und ein postmoderner Clochard.